Ölförderung Ein Verbot von Tiefseebohrungen hilft der Wirtschaft

Die Welt kann auf das Öl aus der Tiefsee für eine Zeit lang verzichten. Ein Moratorium würde sogar die notwendige Energiewende erleichtern. Ein Gastbeitrag von S. Bukold

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird von vielen Energieexperten mit einem Achselzucken abgetan: Ja, die Schäden seien enorm, aber wir könnten auf das Tiefseeöl nicht verzichten. Gleichzeitig wird vor steigenden Ölpreisen und einer absehbaren Ölverknappung gewarnt.

Diese Haltung ist paradox: Sollte man – um einen Vergleich heranzuziehen – die Tafel immer reichlicher decken, wenn sich bereits eine Missernte abzeichnet? Fast alle Ölexperten sind sich einig, dass das Ölangebot mit der wachsenden Nachfrage nicht Schritt halten kann. Spätestens 2020, vermutlich aber schon einige Jahre früher, wird Öl deutlich knapper werden und so das Wachstum in einigen Branchen erheblich verlangsamen. Das ist an sich noch kein Weltuntergang. Aber eine zu rasche Verknappung würde zwangsläufig zu großen volkswirtschaftlichen Schäden führen, da die drei wichtigsten Sektoren – Verkehr, Industrie und Petrochemie – nur mit langem Vorlauf und schrittweise auf andere Rohstoffe umsteigen können. 

Anzeige
Steffen Bukold
Steffen Bukold

ist Leiter des Forschungs- und Beratungsbüros EnergyComment und Herausgeber der Newsletter Global Energy Briefing und China Energy Briefing.

Das Tempo der Verknappung und der Zeitpunkt der Kurskorrektur sind für die energiepolitische Vorsorge entscheidend. Beides spricht für ein Bohrmoratorium in der Tiefsee. Zurzeit werden dort acht Millionen Fass pro Tag gefördert, also etwa zehn Prozent des globalen Ölangebots. Die Förderung an Land stagniert seit Jahren und wird schon bald zurückgehen. Eine verzögerte Erschließung der Meere würde den Förderanstieg kurzfristig begrenzen, aber mittelfristig für einen sanfteren Rückgang der Fördermengen sorgen. Das gibt den Volkswirtschaften mehr Zeit für den geordneten Aufbau alternativer Lösungen.

In der Zwischenzeit könnte die Bohrtechnik und die Bohraufsicht so weit verbessert werden, dass Katastrophen wie im Golf von Mexiko extrem unwahrscheinlich werden. Zurzeit stellt der rasche Wechsel von verschiedenen Gesteins- und Salzschichten tief unter dem Meeresboden die Bohringenieure vor große Probleme. Nur eine umfassende Echtzeitkontrolle des Bohrvorgangs und bessere Ausrüstung kann rechtzeitig auf die raschen Druckveränderungen reagieren und ein "Bohren auf Sicht" beherrschbar machen. Das ist heute ansatzweise schon möglich, muss aber weiter verbessert und trainiert werden.

Ein zweiter positiver Effekt eines Tiefseemoratoriums wäre ein geopolitischer: Die ungenutzten Felder vor den Küsten der USA, Brasiliens oder der EU stellen eine energiepolitische Reserve für internationale Krisenzeiten oder eine extreme Ölpreishausse dar. 

Leser-Kommentare
  1. Dafür wird keine Panne ausgelassen! Verlierer wird der Normalbürger sein, dessen Lebensstandart wird für den größten Teil auf Harz IV-Niveau absinken! Nur gibt es dann keinen mehr, der die Steuern dafür bezahlen kann! Mit ökologistischem Sendungsbeweustsein werden ganze Industrienationen in den sozialen Kollaps getrieben!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es geht nicht um ökologisches Sendungsbewußtsein - die Erschließung der Meereslager soll verschoben werden. Das Ziel ist es Engpässe zu verhindern, bzw. den Übergang zu erleichtern. Ölressourcen sind endlich und unser ganzes Wirtschaftssystem fusst auf Öl. Das ist ein wirtschaftliches Problem und kein ökologisches (vielleicht doch, aber nicht Thema). Erinnern sie sich an die Ölkrise der 70er?

    Der Artikel liest sich eher so: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Allerdings bin ich nicht so sehr davon überzeugt, dass 3% Förderanteil so eine große Pufferwirkung darstellen sollten.

    Es geht nicht um ökologisches Sendungsbewußtsein - die Erschließung der Meereslager soll verschoben werden. Das Ziel ist es Engpässe zu verhindern, bzw. den Übergang zu erleichtern. Ölressourcen sind endlich und unser ganzes Wirtschaftssystem fusst auf Öl. Das ist ein wirtschaftliches Problem und kein ökologisches (vielleicht doch, aber nicht Thema). Erinnern sie sich an die Ölkrise der 70er?

    Der Artikel liest sich eher so: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Allerdings bin ich nicht so sehr davon überzeugt, dass 3% Förderanteil so eine große Pufferwirkung darstellen sollten.

    • TDU
    • 15.07.2010 um 8:15 Uhr

    Ohne Tiefsee kann 97% des Oels unter 50 Dollar produziert werden. Mag ja sein, aber ohne Tiefsee wird es knapper. Also teurer.

    Soll der Gegensatz zwischen Ökologie und Ökonomie sich verringern, muss in Technik investiert werden. Und da sollte in der See kein Stopp erfolgen, sondern schnellstens geregelt werden, was erlaubt und nicht erlaubt sein darf.

    "Die Preise müssen hoch bleiben". Das bedeutet vor allem Belastungen für Verbraucher. Die müssen dann vertrauen, dass die Unternehmen sparsame und ökologische Technik entwickeln, weil die Verbraucher nicht zahlen können?

    Am Beispiel der deutschen Ökosteuer und der Entwicklung des Binnenmarktes zeigt sich, dass da kein Automatismus zu erwarten ist.

    • joG
    • 15.07.2010 um 8:37 Uhr

    .....dass es egal ist, was die Dinge kosten, ist es ganz prima Energie zu verteuern. Das mag für Leute ok scheinen, die sicher Jobs im oberen Einkommensbereich haben. Wenn man Rentner ist am Rande einer reichen Gesellschaft sieht das anders aus. Gehört man gar zu den marginalen Gruppen eines ärmeren Landes also zu den 1,5 Milliarden, die weniger haben als einen Euro am Tag, so mag eine Meinung wie oben ziemlich Menschenwürde verachtend scheinen.

  2. Kleineres Ölangebot muss nicht zu höheren Ölpreisen führen, denn der Ölpreis folgt schon lange nicht mehr den Gesetzen von Angebot und Nachfrage, sondern eher der Stimmung auf den Aktienmärkten und Hedgefonds-Strategien. 2009 verdoppelte sich der Ölpreis, obwohl die Öllager überquollen.

  3. Würde man einfach die Verantwortung bei der Erschliessung von Vorkommen zu 100% den Betreibern zuschreiben und das in ein int. Gesetz meisseln, würde sich die Sache von selber regeln.

    D.h. komplett alle Kosten einer Panne müssen übernommen werden und auch Folgekosten und Ausgleichzahlungen für Betroffene.

    Jede Ölfirma wird dann von sich aus die Sicherheit beachten.

    Aber das Problem liegt sicher woanders. Wie @Buboshi schon anmerkte, ist der Markt für Energie (vorallem Öl) eigentlich garkein Markt. Es ist ein Spielball der Zocker, mit dem man nach Belieben Volkswirtschaften bis auf den letzten Tropfen auspressen kann.

  4. werden all die genannt, die entgegen dem Mainstream schon seit vorgestern kapiert haben, dass unsere heutige (Wirtschafts)Welt auf Sand oder genauer gesagt auf fossile Energie aufgebaut ist. Ganz egal, ob wir nun noch 5, 10 oder 50 Jahre so weiter machen koennen wie bisher, eines Tages ist Schluss und dann ? Das Erdoel schon heute immer schwieriger und risikoreicher in ausreichenden Mengen gefoerdert werden kann beweist, dass die Zeiten des billigen Energietraegers zu Ende gehen. Es ist allerhoechste Zeit, dass sich jeder einzelne fragt, wie er sich sein Leben in dem Zeitalter, dass vor uns liegt organisieren will. Wir werden schlichtweg alle dazu gezwungen sein zu Oeko Spinnern zu werden.

  5. Es geht nicht um ökologisches Sendungsbewußtsein - die Erschließung der Meereslager soll verschoben werden. Das Ziel ist es Engpässe zu verhindern, bzw. den Übergang zu erleichtern. Ölressourcen sind endlich und unser ganzes Wirtschaftssystem fusst auf Öl. Das ist ein wirtschaftliches Problem und kein ökologisches (vielleicht doch, aber nicht Thema). Erinnern sie sich an die Ölkrise der 70er?

    Der Artikel liest sich eher so: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Allerdings bin ich nicht so sehr davon überzeugt, dass 3% Förderanteil so eine große Pufferwirkung darstellen sollten.

  6. Es ist doch wohl in unser aller Interessen wenn es zu sehr hohen Sicherheitsstandarts in der Oelförderung kommt.
    Denn das teuerste Oel was BP je fördern wird liegt neben der untergeganngenen Bohrinsell.
    Auch vor Nigeria löuft Oel ins Meer.
    Aber da bezahlt ja die Oelwirtschaft die Schäden nicht.
    Korrupten Regierungen in Afrika sei dank.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service