Flugsteuer Schäuble will Steuer auf Flugtickets
Finanzminister Wolfgang Schäuble will eine Steuer für Flugtickets einführen. Deutsche Airlines kritisieren den Vorschlag; sie sehen Tausende Jobs bedroht.
Von kommendem Januar an könnten Passagiere pro Ticket bis zu 26 Euro mehr bezahlen. Das geht aus dem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums hervor. Danach sollen für Flüge von deutschen Flughäfen aus auf Inlandslinien sowie innerhalb Europas und nach Nordafrika 13 Euro je Fluggast als Steuer erhoben werden – unabhängig von der Airline. Für Langstreckenflüge aus Deutschland könnten 26 Euro fällig werden.
Die Abgabe wird bei Abflug von einem deutschen Flughafen erhoben. Hin- und Rückflüge in Deutschland würden also zweimal besteuert, Auslandsflüge nur einmal. Passagiere, die in Deutschland umsteigen und keine längeren Zwischenstopps einlegen, werden nicht besteuert. So soll verhindert werden, dass Transit-Reisende eher nach Paris oder London fliegen und von dort aus weiterreisen, statt die Drehkreuze Frankfurt oder München zu nutzen. Auch geht es um eine Steuer je Fluggast "mit einem Zielflugplatz". Bei einem Flug von Berlin via Frankfurt nach New York würden einmalig 26 Euro fällig.
In die erste Distanzklasse mit einer Steuer von je 13 Euro sollen alle EU-Staaten fallen sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Ebenso die Balkanstaaten, die Kanalinseln sowie Albanien, Algerien, Libyen, Marokko, die Republik Moldau, Russland, Tunesien, die Türkei, die Ukraine und Weißrussland.
Die deutschen Fluggesellschaften gehen davon aus, dass Fliegen teurer wird, sollte die Steuer wie geplant kommen. Auch die Bundesregierung erwartet, dass die Abgabe auf die Ticketpreise aufgeschlagen wird. Mit den Mehreinnahmen von jährlich einer Milliarde Euro will Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Bundeshaushalt sanieren. Die Steuer ist Teil des 80-Milliarden-Euro-Sparpakets der Bundesregierung, mit dem die neue Schuldenbremse im Grundgesetz eingehalten werden soll. Das Finanzministerium erklärte, mit der Abgabe sollten Anreize für ein umweltgerechtes Verhalten auch im Flugverkehr gesetzt werden.
Airlines und Flughäfen warnen, dass selbst geringe Zuschläge auf den Ticketpreis dazu führen könnten, dass Reisende weniger fliegen. Erfahrungen anderer Länder mit ähnlichen Steuern zeigten auch, dass Passagiere auf benachbarte ausländische Flughäfen auswichen, um Kosten zu sparen. Einige Fluggesellschaften drohen mit Abwanderung. In Deutschland seien Tausende Arbeitsplätze gefährdet.
Von der Steuer befreit werden sollen Kinder unter zwei Jahren, wenn sie keinen eigenen Sitzplatz haben. Verschont werden auch nichtgewerbliche Flüge – etwa Privat- oder Sportflieger. Sie zahlen bereits eine Kerosinsteuer. Außerdem gilt die Steuer nicht für Fracht- und Militärflüge. Aktien von Lufthansa, dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und von Air Berlin notierten im Minus.
Beim deutschen Branchenprimus Lufthansa hieß es: "Die Luftverkehrssteuer bedeutet einen Export von Arbeitsplätzen ins benachbarte Ausland und eine Schwächung des Wirtschaftsstandortes Deutschland." Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin befürchtet starke Wettbewerbsverzerrungen. "Dieser Gesetzentwurf übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen", sagte ein Sprecher.
Deutsche Airlines würden gegenüber ausländischen diskriminiert. Außerdem profitiere in Deutschland wiederum die Lufthansa, weil der Marktführer mehr Langstrecken anbiete und weil die Fracht ausgespart bleibe, meinte ein Air-Berlin-Sprecher. Er kritisierte, dass nicht nach Buchungsklassen unterschieden werde. Zudem fehle die angekündigte ökologische Komponente und eine klare Befristung.
Germanwings will Flugpläne und eine "Expansion unter dem Aspekt der drohenden Reisesteuer überdenken". Der Billig-Flieger nannte den Gesetzentwurf "unsinnig und ungerecht". Der ökologische Anspruch fehle vollkommen, die Begründung sei eine Farce. Es könne nicht sein, dass es egal ist, ob mit neuen oder alten Flugzeugen geflogen werde.
Obwohl der Aufschrei aus der Industrie groß ist, ist die Steuer trotz der hohen Belastungen laut UniCredit-Analyst Weinreich kein Desaster für die Airlines. Als der Ölpreis vor rund zwei Jahren auf ein Rekordhoch geklettert war, hatten die Fluggesellschaften Treibstoffzuschläge eingeführt, die teilweise bei über 20 Euro für Kurzstrecken und über 90 Euro bei Langstrecken lagen. "Da musste man als Fluggast auch mehr berappen und die Passagiere sind trotzdem geflogen", sagte Weinreich.
Das Finanzministerium spricht von einer maßvollen Steuer für den Klimaschutz. Je größer die Distanz, desto höher sei der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen. Größere Ausweichbewegungen der Airlines auf Flughäfen in Nachbarstaaten befürchtet das Ministerium nicht.
Von 2012 an könnte die Steuer wieder gesenkt werden, wenn der Luftverkehr in den Handel mit Verschmutzungsrechten (CO2- Emissionshandel) einbezogen werden soll. Dann erzielt der Bund Erlöse aus der Versteigerung von Emissions-Handelszertifikaten.
In dem Gesetzesentwurf heißt es nun aber, dass das Finanzministerium ab 2012 lediglich eine Senkung der Steuer festlegen kann. Wie hoch diese ausfällt, hängt von den Einnahmen aus dem Emissionshandel ab.
Der Entwurf geht nun in die Abstimmung der Ministerien untereinander und kann vor dem Anfang September geplanten Kabinettsbeschluss noch verändert werden. Auch die Verbände der Luftfahrtindustrie haben noch Gelegenheit zur Stellungnahme. Danach berät der Bundestag, eine Zustimmung des Bundesrates ist nicht notwendig.
- Datum 15.07.2010 - 19:53 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 22
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Eine längst überfällige Maßnahme. Die Zeiten der staatlichen Päppelung des klimaschädlichsten Verkehrsträger von allen müssen endlich zu Ende gehen. Kerosinsteuerbefreiung und Subventionierung unrentabler Regionalflughäfen haben dazu geführt, dass man in Deutschland wie selbstverständlich von A nach B fliegt, selbst wenn es nicht mal 500 km sind. Kostet ja nix.
Schön, wenn die Regierung die Zeichen der Zeit endlich erkannt hat, auch wenn es hier wohl in erster Linie um das Aufbessern klammer Kassen geht.
Sinnvoll wäre es den Steuersatz auf Kerosin (und den Steuersatz auf Diesel) dem des Steuersatzes für Benzin anzugleichen. Einfach gerecht und fair. Wo ist das Problem? Abgesehen von den Lobbyisten die sich weiter indirekte Subventionen vom Staat holen wollen?
Sinnvoll wäre es den Steuersatz auf Kerosin (und den Steuersatz auf Diesel) dem des Steuersatzes für Benzin anzugleichen. Einfach gerecht und fair. Wo ist das Problem? Abgesehen von den Lobbyisten die sich weiter indirekte Subventionen vom Staat holen wollen?
Immer die gleiche Masche, egal wo. Immer werden bei drohendem "unheil" Arbeitsplatzverluste heraufbeschworen. Na und? Die Bahn könnte diese tausende von Arbeitsplätzen lückenlos übernehmen. Natürlich aus akutem Anlass für eine dauerhaft verbesserte Qualitätssicherung..., aber auch, weil zu erwarten ist, dass mehr Menschen Bahn fahren, wenn das Fliegen (wieder) teurer wird.
kann mich da nur anschließen. geld muss in die kassen und die geldquelle wurde wie gesagt lange genug geschont.
die gegenargumente der airlines sind für mich nichts als polemik und nicht haltbar. man könnte bei jedem gesetzentwurf eine wettbewerbsverzerrung feststellen oder jemanden finden der schlechter dabei ausgeht als der andere. willkommen in der realität des lebens liebe German Wings... über die argumente stichwort "arbeitsplätze", "diskriminierung", "abwanderung" und "fehlender ökologischer bezug" kann ich nur müde lächeln... :-) das ist doch das standardrepertoire und wird sicher bereits in den bachelorstudiengängen jeder vwl grundvorlesung unterrichtet.
interessant dagegen die plötzliche argumentation "warum denn nicht zwischen alten und neuen flugzeugen" unterschieden werde... woher der plötzliche sinneswandel ?!? hätte euch ja auch früher und unaufgefordert kommen können werte herrn unternehmensverweser.
im übrigen ist es keine farce die steuer in bezug zur ökologie zu bringen, denn wenn auch nur einige wenige auf inlandsflüge verzichten und eher mit der bahn fahren (sofern die ihre ice´s und die konsten vernünftig betreibt) dann ist schon einiges gewonnen! auch für den börsengang der bahn ;-)
gut gemachht herr schäuble, das war ein wahrer geniestreich
ein interessanter gedanke ist mir beim schauen des videos gekommen. wenn die gefahr des ausweichens ins ausland tatsächlich so groß ist wie heraufbeschworen, dann lasst uns doch eu weit die steuer einführen. das wär mal ein wahrer akt und ein riesiger dienst für umwelt und die bankrotten nachbarn!
Ja und wer ein Kilo Zwiebeln kauft, und demnach flatuliert wird ebenso mit einer Methan Steuer belastet.
Fazit: die Spinnen die Römer !
Wann bietet endlich jemand Spendeinplastiktüten-Schäuble eine ordentliche Abfindung für den längst überfälligen Ruhestand ?
Ich finde es unglaublich, mit welcher Kaltschnäuzigkeit, Unverfrorenheit und Verlogenheit die Fluggesellschaften der Politik drohen, weil eine Abgabe in Höhe von 13,- bzw. 26,- EUR erhoben werden soll.
1. Als der Erdölpreis weit über 100,- Dollar hoch war, wurde von den Fluggesellschaften ein zusätzlicher Kerosin-Zuschlag erhoben. Er führte kaum zu weniger Fluggästen und wird trotz der gesunkenen Ölpreise zum Teil bis heute erhoben.
2. Die Fluggesellschaften sind von einer Versteuerung des Kerosins befreit. Dabei handelt es sich um eine indirekte Subvention, da fast alle anderen Wirtschaftszweige erhebliche Steuern auf Erdöl und Erdölprodukte zahlen müssen. Würde man den Steuersatz erheben, der auf Benzin bzw. Diesel erhoben wird, würde sich das Fliegen viel mehr verteuern.
3. Das Argument, dass Reisende wegen 13,- oder 26,- EUR von Flughäfen in benachbarten Staaten abfliegen könnten, ist geradezu lächerlich. Als ob es kein Geld kosten würde, wenn man eine weitere Anreisestrecke in Kauf nehmen müsste. Von dem Mehrbedarf an Zeit ganz zu schweigen.
4. Andere Verkehrsmittel (Auto, Bahn) werden immer teurer, warum sollte sich nicht auch das Fliegen angemessen verteuern? Zumal Fliegen nicht unwesentlich an der Verschmutzung der obersten Luftschichten beteiligt ist.
5. Die werten Herren der Vorstandsetagen der Fluggesellschaften sollten sich langsam daran gewöhnen, dass die Politik die Rahmenbedingungen setzt, denen sie sich wie jeder andere Bürger auch zu unterwerfen haben.
Und wieder eine neue Steuer mit der den Arbeitnehmern das Geld aus der Tasche gezogen wird. Beim nächsten Spanienurlaub darf ich also für mich und meine Familie 104€ zusätzlich auf den Tisch legen. Na ja, man hat’s ja.
Was mich aber am meisten aufregt ist, dass man selbst bei den Gründen noch belogen wird. Anstatt zuzugeben, dass man das Geld für das stopfen von Haushaltslöchern benötigt wird hier wieder mal der "Klimaschutz" bemüht. Selbst nachdem der IPCC UNO- Klimareport an seinen falschen Behauptungen, Lügen und Übertreibungen zerbrochen ist und der Mehrzahl der Wissenschaftler einen von Menschen gemachten Klimawandel verneint, wird mit der Angstmacherei jeder Bullshit begründet, und die D-Industrialisierung vorangetrieben. Der Jubel des Gutmenschentums ist Herrn Schäuble gewiss.
@9: Auch wenn ich Ihr Argument gut verstehen kann, bin ich mit einer solchen Argumentation nicht einverstanden.
Nur weil etwas in der Vergangenheit preiswert war, ergibt sich daraus für die Zukunft kein Anspruch.
Wenn wir für Flüge die tatsächlichen Kosten (incl. Steuern und Umweltkosten) tragen müssten, wären sie schon lange nicht mehr so preiswert.
@9: Auch wenn ich Ihr Argument gut verstehen kann, bin ich mit einer solchen Argumentation nicht einverstanden.
Nur weil etwas in der Vergangenheit preiswert war, ergibt sich daraus für die Zukunft kein Anspruch.
Wenn wir für Flüge die tatsächlichen Kosten (incl. Steuern und Umweltkosten) tragen müssten, wären sie schon lange nicht mehr so preiswert.
@9: Auch wenn ich Ihr Argument gut verstehen kann, bin ich mit einer solchen Argumentation nicht einverstanden.
Nur weil etwas in der Vergangenheit preiswert war, ergibt sich daraus für die Zukunft kein Anspruch.
Wenn wir für Flüge die tatsächlichen Kosten (incl. Steuern und Umweltkosten) tragen müssten, wären sie schon lange nicht mehr so preiswert.
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