Gastbeitrag Wir haben kein Lohnproblem!
Es stimmt: Deutschland darf sich nicht auf den Export verlassen. Doch Wachstum entsteht nicht durch höhere Löhne, sondern über mehr Bildung. Eine Replik von H. Klodt
Deutschlands Exportüberschüsse sind hoch – zu hoch, meinen Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker. Mit dieser Diagnose liegen sie wohl richtig, zumindest insofern, als in den kommenden Jahren mit einem Rückgang der Überschüsse zu rechnen ist. Weniger überzeugend sind ihre Ursachenanalyse und Therapievorschläge.
Die Rolle des Schurken im Stück weisen sie der Lohnpolitik zu. Sie sei viel zu bescheiden, hätte sich mit stagnierenden Reallöhnen zufrieden gegeben und auf diese Weise deutschen Unternehmen auf den Exportmärkten einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschafft. Doch wer ist eigentlich der Adressat dieser Vorwürfe? Sind es die Gewerkschaften, die die Einkommensinteressen ihrer Mitglieder aus den Augen verloren haben? Oder die Bundesregierung, die unter Missachtung der verfassungsrechtlichen Tarifautonomie politischen Druck auf die Tarifparteien ausgeübt hat?
- Wachstum in Deutschland
Wie kommt Deutschland weg von der einseitigen Exportabhängigkeit? Wie muss das Wachstum der Zukunft aussehen? Am vergangenen Freitag haben die Ökonomen Heiner Flassbeck und Friedericke Spieker ihre Vision für ein neues Wachstumsmodell beschrieben. Heute antwortet Henning Klodt vom Institut für Weltwirtschaft
Die Gewerkschaften gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr, seit im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung der Organisationsgrad zunächst im Osten und dann auch im Westen dramatisch gesunken ist. Und auch die Regierung ist weder willens noch in der Lage, den lohnpolitischen Kurs vorzugeben.
Hier liegt der erste Denkfehler in der Argumentationskette von Flassbeck und Spiecker: Forderungen an die gesamtwirtschaftliche Lohnpolitik laufen leer, weil es eine solche Lohnpolitik in Deutschland gar nicht gibt. Auch die von ihnen konstatierte Stagnation der Löhne verdient ein genaueres Hinsehen. Sind wirklich alle Löhne stagniert? Wie ist dann die zeitgleich geführte Diskussion um die wachsende Ungleichheit im Lande zu erklären? Tatsächlich gab es eine Stagnation nur im Durchschnitt über alle Löhne hinweg
– dahinter verbirgt sich eine spürbare Ausdifferenzierung der Lohnstruktur mit steigenden Löhnen in den oberen und sinkenden Löhnen in den unteren Segmenten.
Gerade im Niedriglohnsegment sind in Deutschland in den vergangenen Jahren viele neue Arbeitsplätze entstanden. Und dies hat nichts mit schlaffen Gewerkschaften oder unternehmerfreundlichen Regierungen zu tun, sondern mit Hartz IV. Die tief greifenden Reformen im Sozialbereich haben eine derart weitreichende Reintegration ehemaliger Problemgruppen in den Arbeitsmarkt bewirkt, dass die gesamtwirtschaftliche Arbeitslosigkeit in Deutschland von rund 5 Millionen auf 3,2 Millionen Personen zurückgegangen ist.

ist Leiter des Zentrums für Wirtschaftspolitik am Institut für Weltwirtschaft in Kiel
Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn all die zusätzlichen Arbeitsplätze im Hochlohnsegment angesiedelt gewesen wären. Doch der Abbau der strukturellen Arbeitslosigkeit in Deutschland vollzog sich (aus Gründen, die nicht zuletzt bei der Qualifikationsstruktur der Arbeitslosen zu suchen sind) in erster Linie durch eine Ausweitung des Niedriglohnsegments. Dies drückte den Durchschnittslohn aller Beschäftigten, was aus makroökonomischer Sicht den Eindruck insgesamt stagnierender Löhne erweckt.
Hier liegt der zweite Denkfehler von Flassbeck und Spiecker: Sie verwechseln die Stagnation der Durchschnittslöhne mit einer Stagnation aller einzelnen Löhne und übersehen die zunehmende Lohndifferenzierung und den massiven Strukturwandel im Beschäftigungssystem, der mit der Reintegration ehemals Arbeitsloser in den aktiven Arbeitsmarkt einherging.
Die Ausweitung des Niedriglohnsektors konnte natürlich nicht ohne Konsequenzen für die Produktivitätsstrukturen bleiben. Neue Arbeitsplätze für gering qualifizierte und gering entlohnte Arbeitskräfte weisen eine niedrigere Produktivität auf als Arbeitsplätze für Hochqualifizierte. Genau wie bei den Löhnen ergab sich damit bei der Arbeitsproduktivität ein statistischer Durchschnittseffekt. Deshalb stieg die Arbeitsproduktivität aus makroökonomischer Sicht eher mäßig, was aber nichts zu tun hat mit dem technologischen Fortschritt an den einzelnen Arbeitsplätzen.
Hier liegt der dritte Denkfehler von Flassbeck und Spiecker: Sie verwechseln den geringen Anstieg bei den makroökonomischen Produktivitätskennziffern mit technologischer Schwäche und übersehen die Auswirkungen der Schaffung neuer Arbeitsplätze für Geringqualifizierte auf die statistisch gemessene Durchschnittsproduktivität.
Und was hat all dies mit der Euro-Krise zu tun? Flassbeck und Spiecker weisen zu Recht darauf hin, dass die Entwicklung ohne Währungsunion wohl deutlich anders verlaufen wäre. Die Wettbewerbsstärke deutscher Exporteure hätte eine Aufwertung der deutschen Währung nach sich gezogen, wodurch der Exportüberschuss gedämpft worden wäre. Die heutigen Schuldenländer der Euro-Zone hätten durch eine Abwertung ihrer Währungen ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten wiedererlangen können.
Stattdessen sind sie durch die Währungsunion in eine "Schuldenmechanik" hineingeraten, die sich wie folgt skizzieren lässt: Mit Beginn der Währungsunion kam es zu einer Angleichung der Zinssätze, was für die ärmeren Euroländern eine deutliche Zinssenkung bedeutete. Da diese Länder mit einem niedrigen Preisniveau in die Währungsunion gestartet waren, kam es zugleich zu einem Anstieg der Preise, wodurch die Steuereinnahmen des Staates und die Nominaleinkommen der privaten Haushalte spürbar anstiegen. Sinkende Zinsen und steigende Einnahmen sind aber nichts anderes als eine Einladung zum Schuldenmachen. Diese Einladung wurde sowohl von den Staatshaushalten als auch von den Privathaushalten dankbar angenommen, und zwar in einem Ausmaß, dass aus der Schuldenmechanik eine Schuldenfalle resultierte.
Aus der Schuldenmechanik der Währungsunion gab es kaum ein Entkommen. Weder das Absinken des Zinsniveaus noch der Anstieg des inländischen Preisniveaus konnte von den betroffenen Ländern beeinflusst werden, da sie die dazu benötigten geld- und währungspolitischen Kompetenzen an die EZB abgegeben hatten.
Auch die EZB konnte wenig ausrichten, da eine an den Defizitländern orientierte Geldpolitik übermäßig restriktiv für die übrigen Länder gewirkt hätte. Nur wenn die Regierungen und Privathaushalte die Schuldenmechanik vollständig durchschaut und aufs Schuldenmachen verzichtet hätten, wären sie gewappnet gewesen für die Zeiten, in denen die Finanzinvestoren an der Bonität der Schuldner zu zweifeln beginnen und die Zinsen wieder steigen.
Hier liegt der vierte Denkfehler von Flassbeck und Spieker: Sie übersehen, dass eine expansive Lohnpolitik in Deutschland an der Grundkonstellation in den Schuldenländern gar nichts ändern würde. Sie würde zwar die deutschen Exporte bremsen, aber die Vorstellung, dadurch würden die griechischen Exporte quasi automatisch steigen, ist in einer global verflochtenen Weltwirtschaft mehr als naiv. Wenn die Ansprüche des Staates und der privaten Haushalte an das Sozialprodukt höher sind als das Sozialprodukt selbst, helfen weder Lohnerhöhungen in anderen Ländern noch international koordinierte Makropolitiken oder Beistandskredite. Das einzige, was hilft, sind entschlossene Korrekturmaßnahmen im eigenen Land.
Wie wird es weitergehen mit den deutschen Exportüberschüssen: Ausschlaggebend dafür wird vor allem die Entwicklung in den Vereinigten Staaten und den Schwellenländern sein. Wenn die Vereinigten Staaten ihr Defizit in den Griff bekommen und der chinesische Nachfragesog nach deutschen Investitionsgütern nachlässt, wird die deutsche Wirtschaft automatisch geringere Exportüberschüsse erzielen. Dazu braucht es keine wirtschaftspolitische Kehrtwende, wie Flassbeck und Spiecker sie fordern, denn das Auslaufen des "Exportmodells Deutschland" wird sich unter diesen Bedingungen von ganz allein einstellen.
Wenn die Exportüberschüsse zurückgehen, wird die wirtschaftliche Dynamik nicht mehr im gleichen Maße wie früher vom industriellen Sektor ausgehen können. Stattdessen wird der an der Binnennachfrage orientierte Dienstleistungssektor in den Vordergrund rücken
– insbesondere die modernen, von den Informations- und Kommunikationstechnologien geprägten unternehmensnahen Dienstleistungen. Ein derartiger Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft stellt hohe Anforderungen an die berufliche Mobilität der Arbeitskräfte, denn in der Wissensgesellschaft sind die Qualifikationsanforderungen nicht nur tendenziell höher, sondern auch anders als in der Industriegesellschaft.
Die deutsche Wirtschaft hat schon einmal einen massiven Strukturwandel von der Industrie zu den Dienstleistungen erlebt, und zwar in Westdeutschland in den 1970er und 1980er Jahren. Da viele Arbeitskräfte diesem Strukturwandel nicht gewachsen waren, kam es damals zu einem spürbaren Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit, der bis heute nachwirkt.
Wenn die Politik eine Wiederholung dieser Entwicklung vermeiden möchte, dann sollte sie sich auf die Bildungs- und Ausbildungspolitik konzentrieren, damit die vom Strukturwandel betroffenen Arbeitskräfte die qualifikatorischen Voraussetzungen erhalten, die für einen erfolgreichen Übergang in die Wissensgesellschaft nötig sind. Wie dagegen die von Flassbeck und Spiecker empfohlene Strategie, auf breiter Front die Löhne zu erhöhen, diesen Strukturwandel befördern soll, ist schwer nachvollziehbar.
- Datum 27.07.2010 - 12:21 Uhr
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Ein kluger Artikel, auch wenn er einige unbequeme Wahrheiten enthält. Flassbeck ist (wie heute Bofinger), so einfach muss man das sagen, ein Ökonom von gestern. Er vertritt politisch motivierte Theorien - mit Wissenschaft hat das nichts zu tun. Man spricht von Wissenschaft wenn nicht das Ergebnis vor der Analyse feststeht.
Letztlich lässt sich das komplexe Feld der Growth Theory für den Laien einfacher zusammenfassen als das hier geschieht:
Langfristig wächst die Wirtschaft so stark wie die Bevölkerung die Produktivität der Bevölkerung.
Ich sähe mal gerne dass in der Presse ganz andere Wahrheiten diskutiert werden. Dass zB das Geldsystem per Funktionsweise in die Sackgasse läuft, Währungsreformen daher nicht nur eine historische Normalität sind (die über 90 jährigen Deutschen haben in ihrer Lebzeit, ein halbes dutzend verschiedene Währungen in der Hand gehabt). Sondern auch eine Notwendigkeit.
Zins, Zinseszins und Geldschöpfung haben es nämlich an sich zum einen Wechsel auf erwartete Wertschöpfung zu sein, "auf Pump" zu leben ist der Wesenskern des Geldsystemes (auch im Sozialismus!) und zum anderen über Schulden und deren Bedienung eine stete Umverteilung vorzunehmen (nur hier unterscheidet sich der Sozialismus, zumindest in der Theorie, wenn man "übersieht" dass sich Parteibonzen, Systemgünstlinge und Funktionseliten in jedem real existierenden Sozialismus trotzdem nach Belieben selbst bedient haben).
Das beginnt schon bei der Staatsschuld, auch ohne jegliche Tilgung gehen Unsummen an Steuern direkt für die Zinseszahlung wieder in die Taschen der Vermögenden die die Staatsanleihen halten. Wohlgemerkt risikofreier Vermögenszuwachs, denn wenn der Staat insolvent ist wäre eh jedes Vermögen weg, der letzte Pleitier ist der Staat, daher de facto risikofrei bzw. das geringste aller Risiken. der unvermögende Normalbürger der von Erwerbsarbeit abhängig ist erhält damit immer weniger Leistungen für seine Steuern und Abgaben/muss mehr für die selbe Leistung zahlen, da die Zinszahlungen an erster Stelle stehen.
...die Deutschen haben im internationalen Vergleich weit unterdurchschnittlich Aktienbesitz, Kapitalbesitz und Wohneigentum. Das heißt dass sie latent auf der Verliererseite stehen. Je nach Kalkulation gehen im Endeffekt (über alle Wertschöpfungsstufen, angefangen bei der Herstellung der Baumaterialien beginnt) bis zu 85% der monatlichen Mietzahlungen nur für Zinsen drauf.
Zinsen die der Hausbesitzer an seinen Finanzierer zahlt, Zinsen die das Bauunternehmen die das Haus errichtet hat für den Kauf seiner Maschinen, die Zwischenfinanzierung der gekauften Baumaterialien gezahlt hat, Zinsen bis runter zum Bürobedarf der Ziegelbrennerei die das Geschäft für Bürobedarf auf den Preis auschlagen musste um die Zeit zwischen Einkauf bei ihrem Lieferant und Verkauf an die Sekretärin der Ziegelbrennerei zahlen musste (in dieser Zwischenzeit lag das Kapital ja brach im Verkaufsregal).
Nun ist der Mietbereich ein Extrem, aber grob geschätzt geht die Hälfte unserer gesamten Wertschöpfung nur für Zinsen drauf. An die Vermögensbesitzer, leistungsfreies Einkommen. Über diese Dimension ist sich die Normalbevölkerung keinesfalls im Klaren, auch die meisten Ökonomen sprechen nicht gern darüber.
Ich sähe mal gerne dass in der Presse ganz andere Wahrheiten diskutiert werden. Dass zB das Geldsystem per Funktionsweise in die Sackgasse läuft, Währungsreformen daher nicht nur eine historische Normalität sind (die über 90 jährigen Deutschen haben in ihrer Lebzeit, ein halbes dutzend verschiedene Währungen in der Hand gehabt). Sondern auch eine Notwendigkeit.
Zins, Zinseszins und Geldschöpfung haben es nämlich an sich zum einen Wechsel auf erwartete Wertschöpfung zu sein, "auf Pump" zu leben ist der Wesenskern des Geldsystemes (auch im Sozialismus!) und zum anderen über Schulden und deren Bedienung eine stete Umverteilung vorzunehmen (nur hier unterscheidet sich der Sozialismus, zumindest in der Theorie, wenn man "übersieht" dass sich Parteibonzen, Systemgünstlinge und Funktionseliten in jedem real existierenden Sozialismus trotzdem nach Belieben selbst bedient haben).
Das beginnt schon bei der Staatsschuld, auch ohne jegliche Tilgung gehen Unsummen an Steuern direkt für die Zinseszahlung wieder in die Taschen der Vermögenden die die Staatsanleihen halten. Wohlgemerkt risikofreier Vermögenszuwachs, denn wenn der Staat insolvent ist wäre eh jedes Vermögen weg, der letzte Pleitier ist der Staat, daher de facto risikofrei bzw. das geringste aller Risiken. der unvermögende Normalbürger der von Erwerbsarbeit abhängig ist erhält damit immer weniger Leistungen für seine Steuern und Abgaben/muss mehr für die selbe Leistung zahlen, da die Zinszahlungen an erster Stelle stehen.
...die Deutschen haben im internationalen Vergleich weit unterdurchschnittlich Aktienbesitz, Kapitalbesitz und Wohneigentum. Das heißt dass sie latent auf der Verliererseite stehen. Je nach Kalkulation gehen im Endeffekt (über alle Wertschöpfungsstufen, angefangen bei der Herstellung der Baumaterialien beginnt) bis zu 85% der monatlichen Mietzahlungen nur für Zinsen drauf.
Zinsen die der Hausbesitzer an seinen Finanzierer zahlt, Zinsen die das Bauunternehmen die das Haus errichtet hat für den Kauf seiner Maschinen, die Zwischenfinanzierung der gekauften Baumaterialien gezahlt hat, Zinsen bis runter zum Bürobedarf der Ziegelbrennerei die das Geschäft für Bürobedarf auf den Preis auschlagen musste um die Zeit zwischen Einkauf bei ihrem Lieferant und Verkauf an die Sekretärin der Ziegelbrennerei zahlen musste (in dieser Zwischenzeit lag das Kapital ja brach im Verkaufsregal).
Nun ist der Mietbereich ein Extrem, aber grob geschätzt geht die Hälfte unserer gesamten Wertschöpfung nur für Zinsen drauf. An die Vermögensbesitzer, leistungsfreies Einkommen. Über diese Dimension ist sich die Normalbevölkerung keinesfalls im Klaren, auch die meisten Ökonomen sprechen nicht gern darüber.
Das höhere Bildung ein höheres Einkommen bedeutet, mag statistisch richtig sein, individuell ist es das sicher nicht. Etwas klarer: die meisten meiner Bekannten haben gute oder sehr gute Uni-Abschlüsse. Keiner meiner Bekannten kann dem Kreislauf befristeter Vertrag - Arbeitslosigkeit - befristeter Vertrag entkommen.
Oder anders: der Niedriglohnsektor ist nicht ausschließlich für vormals Arbeitslose entstanden. Hier findet die Integration in den Arbeitsmarkt einer Generation von Universitätsabsolventen statt. Eine feste Stelle -selbst Jahre nach dem Abschluss- ist utopisch, stattdessen überlegen sich die meisten meiner Bekannten, auf die eine (etwa Selbstständigkeit in einer nicht-akademischen Sparte) oder die andere (Auswanderung) Art, sich Alternativen zu eröffnen.
Hier kommt der neoliberale Diskurs von der Wissensgesellschaft (mit dem ihm innewohnenden "Was kann man damit machen?") zu sich: die Wissensgesellschaft ist projektbasiert - oder in einer anderen Sprache: prekär.
Deutschland wird auf dem Arbeitsmarkt amerikanisiert, was bedeutet, dass die Demokratie langfristig durch eine Oligarchie abgelöst wird - sofern es nicht ohnehin bereits der Fall ist.
Dadurch werden Löhne und Jobs nicht mehr auf Basis eines gesellschaftlichen Konsenses gestellt, sondern auf die Wünsche der Oligarchen. Man macht also den Bock zum Gärtner.
Zugleich wundert man sich aber über die Politikverdrossenheit einer steigenden Bürgerschaft die in einer Art Feudalsystem leben und hilflos zusehen muss wie mit dem Totschlagargument "Globalisierung" viele gesellschaftliche Errungenschaften demontiert werden.
Warum? Weil die USA bzw. der anglikanische Raum als Vorbild für alles dienen was Kapitalismus heißt. Ein System also das nur so lange gut ist, so lange es A. ein Gegengewicht hat und sich damit bemühen muss moralisch "besser" zu sein (weggefallen; UdssR) und B. dem die Prinzipien "der Stärkste gewinnt; jeder für sich" als Basis innewohnen.
Deutschland, Europa allgemein, sollte sich die USA gut ansehen. Wenn wir keine Alternative zu ihrem, im 21. Jahrhundert eigentlich barbarischen, Wirtschaftssystem (Punkt B.) finden, dann wirds bei uns bald genauso aussehen. Heerscharen von schlecht Gebildeten (Privatisierung der Bildung und Abgrenzung der Reichen) und Armen (Mittelstand wird verdrängt; >80% nach unten, <10% nach oben, Rest "bleibt") werden von Oligarchen über eine vorgegaukelte Demokratie bzw. bestochene Abgeordnete beherrscht.
Deutschland wird auf dem Arbeitsmarkt amerikanisiert, was bedeutet, dass die Demokratie langfristig durch eine Oligarchie abgelöst wird - sofern es nicht ohnehin bereits der Fall ist.
Dadurch werden Löhne und Jobs nicht mehr auf Basis eines gesellschaftlichen Konsenses gestellt, sondern auf die Wünsche der Oligarchen. Man macht also den Bock zum Gärtner.
Zugleich wundert man sich aber über die Politikverdrossenheit einer steigenden Bürgerschaft die in einer Art Feudalsystem leben und hilflos zusehen muss wie mit dem Totschlagargument "Globalisierung" viele gesellschaftliche Errungenschaften demontiert werden.
Warum? Weil die USA bzw. der anglikanische Raum als Vorbild für alles dienen was Kapitalismus heißt. Ein System also das nur so lange gut ist, so lange es A. ein Gegengewicht hat und sich damit bemühen muss moralisch "besser" zu sein (weggefallen; UdssR) und B. dem die Prinzipien "der Stärkste gewinnt; jeder für sich" als Basis innewohnen.
Deutschland, Europa allgemein, sollte sich die USA gut ansehen. Wenn wir keine Alternative zu ihrem, im 21. Jahrhundert eigentlich barbarischen, Wirtschaftssystem (Punkt B.) finden, dann wirds bei uns bald genauso aussehen. Heerscharen von schlecht Gebildeten (Privatisierung der Bildung und Abgrenzung der Reichen) und Armen (Mittelstand wird verdrängt; >80% nach unten, <10% nach oben, Rest "bleibt") werden von Oligarchen über eine vorgegaukelte Demokratie bzw. bestochene Abgeordnete beherrscht.
"Die Gewerkschaften gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr, seit im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung der Organisationsgrad zunächst im Osten und dann auch im Westen dramatisch gesunken ist. Und auch die Regierung ist weder willens noch in der Lage, den lohnpolitischen Kurs vorzugeben."
Jaja, da können wir uns alle einigen.
Dann sollte H. Klodt aber schnell sein Gehalt um 80% reduzieren, dann werden seine Artikel bestimmt deutlich besser! Oder aber, H. Klodt glaubt, seine Artikel wären bereits der Gipfel der Schreibkunst, lediglich der Pöbel benötige die Leistungssteigerung?
Denn mal ehrlich, Wachstum braucht kein Mensch, wenn die Löhne einen am Wachstum nicht teilhaben lassen. Dann geht es auch wunderbar ohne Wachstum, denn Armut wird nicht schöner, nur weil mehr Arbeit da ist.
Insofern, solange nicht all die, die für Niedriglöhne sind, freiwillig solche beziehen, solange sollte niemand ernst nehmen, was diese Traumtänzer sagen.
Ein paar Informationen zu ihm wären interessant. Zumal sich in seinem Beitrag eine gewisse Realitätsferne offenbart. Siehe Kommentar von neozech. Auch wäre interessant zu erfahren, was Herr Klodt unter Produktivität versteht?
Lieber Marti2010,
wer Herr Klodt ist, steht in der Portraitbox im Artikel. Ich verlinke aber hier - und gleich auch im Artikel - noch mal seine Seite beim Institut für Weltwirtschaft.
Schöne Grüße
Marcus Gatzke
http://www.ifw-members.if...
Lieber Marti2010,
wer Herr Klodt ist, steht in der Portraitbox im Artikel. Ich verlinke aber hier - und gleich auch im Artikel - noch mal seine Seite beim Institut für Weltwirtschaft.
Schöne Grüße
Marcus Gatzke
http://www.ifw-members.if...
Sicher das formale Ausbildungsniveau hat sich deutlich erhöht.
Nicht aber die Anforderungen im Beruf, jedenfalls nicht in der Breite. Das heißt auf gut deutsch, wir zahlen heute aufgrund der Ausbildung, nicht der Tätigkeit, zum erheblichen Teil zu hohe Löhne, was auf Kosten derjenigen geht, die weniger formal anspruchsvolle Ausbildungen besitzen.
Sowohl in meinem Umfeld als auch selbst hab ich immer wieder erlebt, wie ein Diplom, bei ansonsten identischer Tätigkeit 1.000 DM mehr einbrachte. Da spielte es nicht mal eine Rolle das so mancher nicht Diplomierte letztlich qualifizierter und kompetenter gewesen ist.
Das ändert aber nichts daran, das die Nettolöhne und damit die Kaufkraft in Relation zu den Löhnen viel zu niedrig ist.
Das geht nur, weil mit den überhöhten Abgaben de facto der Export subventioniert wird. Der Export lebt auf Kosten der Arbeitslosen und Gehaltsempfänger, die einen weil sie gar keine adäquaten Löhne haben, die anderen weil zur Finanzierung der Arbeitslosigkeit ihre Kaufkraft abgeschöpft wird.
H.
"..die Nettolöhne und damit die Kaufkraft in Relation zu den Löhnen viel zu niedrig ist."
Es gibt aber auch eine Relation zwischen durchschnittlicher Lohnhöhe, also letztlich verfügbarer Kaufkraft und Preisen.
Frankreich ist ein gutes Beispiel, dass beispielsweise ein Mindestlohn kein Allheilmittel ist.
Interessant wird das dann aber, wenn der französische Rentner in Spanien ins Restaurant geht, der deutsche in den Schnellimbiss.
Wichtig scheint mir allerdings, dass man von seiner Arbeit auch leben können sollte. Das ist eine Frage der Würde. Und da sind wir vielleicht doch beim Mindestlohn.
Ansonsten schließe ich mich Ihnen voll an.
"..die Nettolöhne und damit die Kaufkraft in Relation zu den Löhnen viel zu niedrig ist."
Es gibt aber auch eine Relation zwischen durchschnittlicher Lohnhöhe, also letztlich verfügbarer Kaufkraft und Preisen.
Frankreich ist ein gutes Beispiel, dass beispielsweise ein Mindestlohn kein Allheilmittel ist.
Interessant wird das dann aber, wenn der französische Rentner in Spanien ins Restaurant geht, der deutsche in den Schnellimbiss.
Wichtig scheint mir allerdings, dass man von seiner Arbeit auch leben können sollte. Das ist eine Frage der Würde. Und da sind wir vielleicht doch beim Mindestlohn.
Ansonsten schließe ich mich Ihnen voll an.
Man kann es einfach auf den Punkt bringen: So schnell wie die Kapitalrendite auf den Finanzmärken wächst, kann kein realer Mehrwert produziert werden. Keine Arbeitskraft, die als äquivalent zur Verfügung stünde, keine Sachwerte. Das sagt bisher niemand. Das ist aber die letzte Konsequenz. Derzeit versucht man noch durch Lohndrückerei den Profit zu steigern, und die kostengünstige Produktion mit maximalem Profit zu ermöglichen. Die Profitspanne reicht aber nicht mehr aus, um die ungedeckten Schecks der Finanzmärkte einzulösen. Glaubt denn jemand, die USA könnten die 1300 Milliarden US-Dollar der Chinesischen Zentralbank mit Euros oder etwas anderem zurückkaufen. Oder die 1000 Milliarden Staatspapiere, die die Chinesen ebenfalls halten? Im Moment verdeckt die Fakturierung des Öls in Dollar noch dessen wirklichen Wertverfall. Irgendwann werden aber Araber oder Chinesen nicht mehr mitspielen. Und das ist dann erst der Anfang vom Schlamassel.
Kapitalrenditen sind deshalb attraktiver, weil deren Investitionen wesentlich risikoärmer geworden sind, als reale oder eigene Investitionen in Produktivmittel.
Das ganze ist ein Kuhhandel.
Wer nicht selbst produziert, weil er z.B. sein Unternehmen jung verkauft hat, verringert sein Risiko.
Denn Unternehmen gegen Kapital zu verkaufen bedeutet, die Konkurrenz aufzugeben und Stattdessen die Etablierten zu stärken.
Aus Konkurrenz werden gleichgerichtete Interessen zu Lasten der Gesamtgesellschaft.
An der Geschichte des neuen Marktes in Deutschland lässt sich das sehr schön ablesen. Die meisten Innovationen wurden schnell von den großen mittels überhöhter Preise gekauft um mögliche Konkurrenz auszuschalten.
Die dadurch entfachte Blase platzte zu Lasten der Gesellschaft recht schnell, als Gewinner bleiben Käufer und Verkäufer übrig.
Die Innovationen verschwanden zum Teil vom Markt, manche weil sie unbequem waren, manche weil sie wirklich auf Dauer nicht gut genug waren. Manche wurden einfach mit Jahren Verspätung bei alteingesessenene Unternehmen umgesetzt. In allen Fällen wurden die Verluste sozialisiert zu Gunsten der Besitzstände.
Das ist sie Quintessenz deutscher Sozialpolitik. Sicherheit gegen Zukunft heißt das Geschäft.
H.
Kapitalrenditen sind deshalb attraktiver, weil deren Investitionen wesentlich risikoärmer geworden sind, als reale oder eigene Investitionen in Produktivmittel.
Das ganze ist ein Kuhhandel.
Wer nicht selbst produziert, weil er z.B. sein Unternehmen jung verkauft hat, verringert sein Risiko.
Denn Unternehmen gegen Kapital zu verkaufen bedeutet, die Konkurrenz aufzugeben und Stattdessen die Etablierten zu stärken.
Aus Konkurrenz werden gleichgerichtete Interessen zu Lasten der Gesamtgesellschaft.
An der Geschichte des neuen Marktes in Deutschland lässt sich das sehr schön ablesen. Die meisten Innovationen wurden schnell von den großen mittels überhöhter Preise gekauft um mögliche Konkurrenz auszuschalten.
Die dadurch entfachte Blase platzte zu Lasten der Gesellschaft recht schnell, als Gewinner bleiben Käufer und Verkäufer übrig.
Die Innovationen verschwanden zum Teil vom Markt, manche weil sie unbequem waren, manche weil sie wirklich auf Dauer nicht gut genug waren. Manche wurden einfach mit Jahren Verspätung bei alteingesessenene Unternehmen umgesetzt. In allen Fällen wurden die Verluste sozialisiert zu Gunsten der Besitzstände.
Das ist sie Quintessenz deutscher Sozialpolitik. Sicherheit gegen Zukunft heißt das Geschäft.
H.
Ich entnehme dem, dass der Herr Professor und noch einige andere (Freunde aus der INSM?) mit ihrem Lohn keine Probleme haben. Wie schön. Dann kann er ja vielleicht etwas davon abegeben? Zur Senkung der Staatsschulden?
Jetzt weiß ich's, was die immer mit "wir" meinen: den Majestätsplural. Wir, unsere Majestät...
Nur so lässt sich das verstehen:
"Wir sind Papst",
"WIR haben keine Probleme mit dem Lohn"
;)
Jetzt weiß ich's, was die immer mit "wir" meinen: den Majestätsplural. Wir, unsere Majestät...
Nur so lässt sich das verstehen:
"Wir sind Papst",
"WIR haben keine Probleme mit dem Lohn"
;)
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