Zusatzbeiträge Hunderttausende wechseln die Krankenkasse

Seit 2009 verlangen einige Krankenkassen einen Zusatzbeitrag von bis zu acht Euro. Dies geht vielen Versicherten zu weit: Sie wechselten zu einer billigeren Krankenkasse.

Hunderttausende Versicherte haben ihre Mitgliedschaft bei Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen gekündigt. Betroffen sind vor allem die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), die KKH-Allianz und die BKK Gesundheit. Laut Branchenkreisen gab es im ersten Halbjahr aber bei allen betroffenen 16 gesetzlichen Versicherern deutliche Abwanderungen.

Ein DAK-Sprecher hat inzwischen bestätigt, dass bis zum 1. Juli rund 241.000 Mitglieder die Kasse verlassen haben. Inklusive beitragsfrei Mitversicherten gibt es sogar 307.000 weniger Menschen mit dem orangefarbenen Kärtchen. Die DAK wies allerdings darauf hin, dass rund 60.000 der Mitglieder der Kasse nicht durch Kündigungen verloren gegangen seien, sondern durch Todesfälle oder den Wechsel in die beitragsfreie Familienversicherung.

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Die KKH-Allianz verlor 147.000 Versicherte, davon 116.000 Mitglieder. Erstmals hätten auch viele Rentner und Hartz-IV-Empfänger gewechselt, sagte eine KKH-Allianz-Sprecherin. Früher wechselten fast nur jüngere Gutverdiener zu Kassen mit niedrigeren Beitragssätzen.

Die BKK Gesundheit musste einen Aderlass von 20 Prozent ihrer Mitglieder hinnehmen. "Wir können das eindeutig auf den Zusatzbeitrag zurückführen", sagte eine Sprecherin. Mittlerweile ginge die Abwanderung aber zurück.

Marktführer Barmer GEK verzeichnete dagegen ein Plus von 69.000 Versicherten, die Techniker Krankenkasse sogar von 238.000. Knapp 511.000 Versicherte gewannen die 14 AOKen seit Januar dazu. Diese Kassen brauchen keine Zusatzbeiträge.

Die KKH-Allianz äußerte sich optimistisch, im kommenden Jahr wieder ohne Aufschlag auszukommen. Der DAK-Sprecher sagte, für Prognosen sei es zu früh. Die Politik ist sich aber sicher, dass "die angesprungene Konjunktur" die Situation wieder bessert. Im kommenden Jahr käme es "zu einer Entspannung in der gesetzlichen Krankenversicherung", sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU).

Allerdings dürfte sich die Konkurrenz unter den Krankenkassen in Zukunft noch verstärken. "Die Unterschiede bei der Liquidität der einzelnen Kassen ist groß", sagte der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem. Wer also mehr zahlen muss, dürfte dahin wechseln, wo es weniger kostet. Viele Kassen dürften in Druck geraten. Dies wird laut dem Experten auch dazu führen, dass es künftig weniger Krankenkassen in Deutschland gebe werde. Wasem meinte, absehbar werde die Zahl von derzeit 163 auf 100 sinken.

Mit Spannung erwarten Kassen und Koalitionsfraktionen den Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) nach dem Sommer. Die bisher auf maximal ein Prozent des Einkommens begrenzten Zusatzbeiträge sollen künftig unbegrenzt steigen können . Der Ausgleich aus Steuern soll aber verhindern, dass Versicherte mehr als zwei Prozent ihres Einkommens zahlen.

Dass die Kosten des Gesundheitssystems vor allem über die Kassenbeiträge und damit über die Versicherten abgegolten werde, stößt beim Kassen-Spitzenverband auf große Kritik. Sie pochen auch auf stärkere Einsparungen . Die Verbandsvorsitzende, Doris Pfeiffer, sagte: "Mit den bisher bekannten Eckpunkten bleibt die Bundesregierung deutlich hinter ihren Einsparplänen zurück." Nullrunden bei Ärzten und Krankenhäusern hätten die zusätzliche Belastung von Versicherten ihrer Ansicht nach merklich verringert. "Es ist unverständlich, dass die Koalitionäre selbst in so schwierigen Zeiten diejenigen schonen, die in den letzten Jahren massive Zuwächse verzeichnen konnten."

 
Leser-Kommentare
    • hatem
    • 30.07.2010 um 15:29 Uhr

    Solange die Kassen Hausfrauenkurse ohne messbare Wirkung finanzieren (meine BKK Gesundheit bezahlt z.B. Thai-Chi und Qigong) und Geld rauswerfen für nutzlosen Unsinn wie Homöopathie und Antroposphische Medizin, ist das finanzielle Elend selber organisiert.

    Wenn es eine Kasse gäbe nur mit den geprüften Leistungen der Schulmedizin, ohne Ringelpietz mit Handauflegen - ich würde sofort wechseln.

    Bitte unterlassen Sie die pauschale Verurteilung alternativer Heilmethoden. Die Redaktion/is

    • hatem
    • 30.07.2010 um 15:32 Uhr

    Ich habe selber Thai-Chi gemacht und weiß, dass das entspannt. Aber warum das von meinen Kassenbeiträgen finanziert werden muss und ich dafür noch mal 24 Euro Zusatzbeitrag zahlen soll (so ein Brief meiner Kasse von heute) - das erschließt sich mir nicht.

    Mein Fitnessstudio bezahlt die Kasse ja auch nicht.
    Und Beitragsrückserstattung, weil ich seit drei Jahren nicht beim Arzt war - Fehlanzeige.

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    Ihre beiden Kommentare widersprechen sich.

    Ausserdem bezweifele ich, das Sie an einem Tai Qi Kurs teilgenommen haben, sonst muessten Sie doch zumindest die korrekte Schreibweise dieser Sportart aus Ostasien, leider nicht aus Thailand,kennen.

    Ihre beiden Kommentare widersprechen sich.

    Ausserdem bezweifele ich, das Sie an einem Tai Qi Kurs teilgenommen haben, sonst muessten Sie doch zumindest die korrekte Schreibweise dieser Sportart aus Ostasien, leider nicht aus Thailand,kennen.

    • sxouk2
    • 30.07.2010 um 15:34 Uhr

    die Kassenzahl wird voraussichtlich von 163 auf 100 sinken?

    mir wird bei solchen Zahlen richtig schlecht...was machen wir denn dann, wenn es nur noch 100 Kassen gibt?

    Jetzt mal im Ernst...wozu benötigen wir 163 Krankenkassen? Ich sehe den Sinn dahinter nicht, denn einen freien Wettbewerb gibt es doch eh nicht

    • spankx
    • 30.07.2010 um 15:35 Uhr

    Habe die DAK 5 Jahre lang keinen (!!) Cent gekostet, dann gönnt man sich ma ne Reise nach Indien und muss die Hepatitis B Impfung selbst bezahlen..die Tk geht da schon besser ab ;)

  1. ist allerdings die AOK. Wozu braucht eine Kasse mit nahezu 100 % Bekanntheitsgrad Fernsehwerbung zur Prime Time?

  2. und Betrug durch Ärzte sind auch gravierende Kostenfaktoren.
    Niemand scheint das zu interessieren.

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    ...die das veranschaulichen könnten?

    ...die das veranschaulichen könnten?

    • ralf.s
    • 30.07.2010 um 16:33 Uhr

    sehe ich manche "Geldsenke" deutlicher. Über meinen Hausarzt oder auch die Vorsorgemedizin kann ich mich derzeit wirklich nicht beschweren - da sind - man glaubt es nicht - die vergleichbaren Rechnungsbeträge seit einigen Jahren nahezu konstant geblieben. Anders siehts bei der Pharmazie aus: Für Thyroxin bei gleichen Parametern hat sich in den letzten 15 Jahren der Preis locker vervierfacht ... und das bei einem Routinemedikament. Das geht eigentlich nur in praktisch konkurrenzfreier, monopolistischer oder protektionistischer Umgebung.

    Doch da ist selbst Herr Westerwelle Verächter der Marktwirtschaft ... :-)

  3. ...die das veranschaulichen könnten?

    Antwort auf "Falschabrechnung ..."

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