Russland und Deutschland wollen künftig auch in Hochtechnologie-Bereichen stärker zusammenarbeiten. Russlands Präsident Dimitrij Medwedjew lud deutsche Firmen ein, sich an einer Modernisierung der russischen Wirtschaft zu beteiligen. Als Beispiel nannte er den Aufbau eines Innovationszentrums von Siemens in Skolkowo, das nach Planungen der Regierung in Moskau eine Art russisches Silicon Valley nach US-Vorbild werden soll.

Deutschland ist nach Ansicht von Medwedjew zentraler Partner bei der Modernisierung der Wirtschaft in Russland . "Deutschland ist unser Schlüsselland", noch vor Frankreich, Italien, anderen EU-Staaten und den USA.

Zugleich beklagte Medwedjew, dass es ein Missverhältnis in den gegenseitigen Investitionen gebe. Russische Firmen seien daran interessiert, sich an deutschen Technologiefirmen zu beteiligen. Hintergrund ist der missglückte Einstieg russischer Investoren etwa bei Opel, Karstadt oder Infineon.

Merkel sagte Abhilfe zu. "Wir haben darüber gesprochen, dass es gut wäre, ein paar Leuchttürme zu haben, um zu zeigen, dass die Beziehungen keine Einbahnstraße sind."

Die Kanzlerin forderte aber Berechenbarkeit und Schnelligkeit bei den Genehmigungen von russischer Seite. Medwedjew wies darauf hin, dass die Anzahl der strategischen Betriebe bereits halbiert sei. Betriebe auf dieser Liste unterliegen starken Restriktionen beim Einstieg ausländischer Investoren.

Im Beisein von Merkel und Medwedjew wurden etliche Wirtschaftsverträge unterzeichnet, darunter Milliardenaufträge für Siemens im Bahnbereich.

Merkel sprach auch die Menschenrechtslage an.  "Es gibt einen fast unauslöschlichen Zusammenhang zwischen der Modernisierung der Wirtschaft und der Demokratisierung der Zivilgesellschaft", sagte sie beim Petersburger Dialog, einem deutsch-russischen Forum der Zivilgesellschaften. "Eine gute wirtschaftliche Entwicklung setzt in beiden Ländern ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit möglichster vieler Bürger voraus."

Die Kanzlerin forderte eine entschlossenere Aufklärung von staatlichen Menschenrechtsverletzungen. So könne die Suche nach den Mördern der Menschenrechtlerin Natalia Estemirowa zeigen, dass der Rechtsstaat funktioniere. Zugleich lobte sie, dass Medwedjew den Rat für Zivilgesellschaft und Menschenrechte wieder eingerichtet habe.

Medwedjew räumte Defizite ein. Er wies aber den Eindruck zurück, dass keine Ermittlungen im Fall Estimirowa geführt würden.