Die Krise könnte zum Krieg werden
Die nigerianische Tochterfirma von Exxon Mobil erklärt, sie habe Ölflecken der letzten Zeit mit Lösungsmitteln besprüht, doch sei "bedauerlicherweise etwas Öl an die Küstengebiete gelangt". Auch seien den Einheimischen Arbeitsverträge angeboten worden, beim Säubern zu helfen. Die Dorfältesten sagen, sie wüssten nichts davon.
Über 7000 Kilometer Pipelines laufen durch das Delta, manche jahrzehntealt, verrostet und anfällig. Nicht alle Öllecks sind den Konzernen anzulasten. Seit 2006 greifen militante Gruppen die Leitungen an, verschleppen Ölarbeiter und kämpfen gegen Regierungssoldaten. Aus Furcht vor Überfällen und Entführungen zögern die Firmen, Personal zu den Lecks zu schicken. Häufig sind die Beschäftigten auf die Bohrinseln oder militärisch bewachte Unterkünfte beschränkt.
Im Ogoniland probten die Einheimischen in den 1990er Jahren den Aufstand und verjagten die Ölfirmen. Doch immer noch verlaufen Shell-Pipelines durch das Sumpfgebiet im Delta. In Bodo City im Ogoniland triefen bei Ebbe die freiliegenden Mangrovenwurzeln vor Öl. Es gibt keine Vögel am Himmel, keine Fische im Wasser. "Die sind eingegangen", sagt Mike Vipene, ein Jugendvertreter des Orts. "Die kommen nicht wieder."
Die Einheimischen geben einer lecken Shell-Pipeline die Schuld. Das Unternehmen möchte sich zu Einzelfällen nicht äußern. Einem Umweltbericht der Firma zufolge waren nahezu alle Fälle austretenden Öls vergangenes Jahr, über 15 Millionen Liter, auf Sabotage zurückzuführen.
In entlegenen Gegenden werden Pipelines öfters von kriminellen Banden angezapft. Amtlichen Schätzungen zufolge stehlen sie bis zu 15 Prozent des Öls aus dem Delta. Es wird für den Schwarzmarkt verschifft oder gleich im Busch raffiniert und am Straßenrand als Treibstoff verscherbelt. Das Motiv der Diebe ist ganz einfach, sagt Young Kibara von der Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volks: "Armut - jeder will überleben."
Im Gegensatz zu den Diebstählen haben die Überfälle in den vergangenen Monaten nach einem Amnestieangebot der Regierung nachgelassen. Der neue Präsident Goodluck Jonathan stammt selbst aus dem Delta und hat versprochen, sich vorrangig um eine Friedenslösung zu kümmern. Doch die Amnestie scheint an Zugkraft zu verlieren, und die vom Öl Betroffenen verlangen weiterhin Entschädigung.
Der Dorfvorsteher von Iwuo-Okpom, Okon Sunday, verlangt von Exxon Mobil Milliardensummen für seine Gemeinde. Wenn die Entschädigungsforderungen nicht ernst genommen würden, werde das unausweichlich zu Gewalt führen, warnt er: "Da wird ein Konflikt zur Krise, eine Krise zum richtigen Krieg."
Der Artikel erschien am 08.07.2010 im Handelsblatt.
- Datum 08.07.2010 - 09:43 Uhr
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kann die westliche Welt was dafür, wenn dort, vor Ort so geschludert wird, die müssen halt ihre Gesetze machen und vollstrecken...wo ist das Problem....Hauptsache das Öl bleibt billig, so daß ich nicht gezwungen bin darüber nachzudenken ob ich in Urlaub fahre oder lieber den WInter über warm in meiner Bleibe verbringen, das wäre eine Entscheidung, die würde mich komplett überfordern...wer reich ist hat diese sorgen gottseidank ja nicht
Mich dünkt ihr Kommentar ist zynistisch, ist wohl besser so ;)
[Sie sollten] Ihre Einstellung zu anderen Menschen und deren Leid genauso überprüfen wie das zu dem Verhalten skrupeloser Ausbeuter von Natur und Mensch.
Bitte überzeugen Sie andere Diskussionsteilnehmer mit sachlichen Argumenten. Danke. Die Redaktion/sh
Was dich das kümmert? Scheinbar bist du ein Egoist und denkst nur an dich..Gesetze machen und vollstrecken? Da werden halt gewisse Leute gut geschmiert von den reichen Ölmultis und alles läuft so, wie die das wollen. Also komm mal runter von deinem hohen Ross! Du bist nix Besseres!
Mich dünkt ihr Kommentar ist zynistisch, ist wohl besser so ;)
[Sie sollten] Ihre Einstellung zu anderen Menschen und deren Leid genauso überprüfen wie das zu dem Verhalten skrupeloser Ausbeuter von Natur und Mensch.
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Was dich das kümmert? Scheinbar bist du ein Egoist und denkst nur an dich..Gesetze machen und vollstrecken? Da werden halt gewisse Leute gut geschmiert von den reichen Ölmultis und alles läuft so, wie die das wollen. Also komm mal runter von deinem hohen Ross! Du bist nix Besseres!
Einige bemerkenswerte Fakten, die mit zu den Ursachen der im Artikel geschilderten Lage zählen könnten:
• In den 10 Ländern mit den größten Ölreserven ist das Förderunternehmen im Staatsbesitz, u. nicht in privater / öffentlicher Hand.
• Nach dem Auffinden von Öl destabilisierten Staaten i.d.R. schnell.
• Alle Diktaturen des Nahen Ostens sind ölexportierende Länder, und sämtliche aufstrebenden, demokratisierten Entwicklungsstaaten wie Indien haben keine nennenswerten Ölvorkommen.
Drei Faktoren ergeben in ihrem gemeinsamen Auftreten das, was auch als der „Fluch der Ressourcen” genannt wurde :
1. Durch Öl fällt dem Staat das Geld nur so in den Schoß.
2. „Repressions-Effekt”: Petro-Regimes misstrauen ihrem Volk (welches sie i.d.R. nicht gewählt hat) und handeln daher repressiv und antidemokratisch.
3. „Modernisierungs-Verweigerungs-Effekt”: Grosse Bevölkerungsschichten haben durch Regierungs„maßnahmen” keinen Zugang zu Bildung und Branchen wie Komsumgüter- und Dienstleistungsindustrie sowie haben eine hohe Arbeitslosigkeit.
Der Politikwissenschaftler Michael L. Ross ergänzt: Staaten, die viel Öl fördern, benötigen angesichts der Öleinnahmen keine/kaum Steuern ihrer Bürger - & verzichten damit auch auf Mitspracherecht der Bürger. Wer vom Bürger Steuern will, muss ihn mitreden lassen (Bsp.: Österreichs Steueraufkommen 45,7% d. BIP). Wer dies nicht nötig hat (Bsp.: 1,8% Steuerleistung der Bürger d. Verein. Arabischen Emirate), kann auf d. Mitspracherecht der Bürger verzichten.
Mich dünkt ihr Kommentar ist zynistisch, ist wohl besser so ;)
Die Auflistung oben vergisst Norwegen als Ausnahme.
Aber es stimmt schon. Die Verstaatlichungsphantasien der Linken verschließen ganz gerne die Augen vor der fatalen Wirkung der staatlichen Öl-Korruption in Nigeria. Die Elite bringt es dort ja auch nicht zustande, eine Raffinerie zu bauen, weil der Schmuggel von Benzin viel einträglicher ist.
Fraglich ist lediglich, warum es keine wirklich revolutionären Aufbrüche gibt.
Libyen wurde auch als Ausnahme vergessen!
Libyen wurde auch als Ausnahme vergessen!
echt traurig!!
[Sie sollten] Ihre Einstellung zu anderen Menschen und deren Leid genauso überprüfen wie das zu dem Verhalten skrupeloser Ausbeuter von Natur und Mensch.
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Die Korruption existiert in Nigeria an jeder Ecke. Und die geht von ganz oben bis ganz unten. Und die ist auch der Grund fuer die schlimmen Zustände in einem Land mit sehr liebenswerten Menschen. Es gibt (@ Marxo) auch Raffinerien im Land. Während aber in Ländern wie Deutschland diese mit einer Verfuegbarkeit von ca. 98% fahren ist es in Nigeria weit unter 20%.
Und der Grund ist wieder die Korruption: Die Gelder fuer Instandhaltung wird halt besser in die eigene Tasche gesteckt (in allen Schichten der Bevölkerung). Und auch bei der Einfuhr der petrochemischen Produkte verdienen auch wieder viele mit.
Zusätzlich fehlt vielen Menschen der Gedanke and Nachhaltigkeit in ihrer Arbeit. Vielfach wird das Mitdenken vermisst. Hier muss sich schon in der Bildung und Ausbildung einiges ändern. Das geht aber in diesem Land nur, wenn die Korruption von ganz oben entschlossen bekämpft wird. Schauen wir mal, was Goodluck Jonathan, der neue Präsident, macht....
Was dich das kümmert? Scheinbar bist du ein Egoist und denkst nur an dich..Gesetze machen und vollstrecken? Da werden halt gewisse Leute gut geschmiert von den reichen Ölmultis und alles läuft so, wie die das wollen. Also komm mal runter von deinem hohen Ross! Du bist nix Besseres!
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