Schrottimmobilien Angepumpt und abgezockt
Seite 4/4:

Subprime in Deutschland

Doch muss man nicht auch den Anlegern den Vorwurf machen, nicht eigenverantwortlich gehandelt zu haben, zu leichtgläubig und möglicherweise auch zu gierig gewesen zu sein?

Nein, sagt der Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick (Grüne). "Verantwortung kann man nur dann übernehmen, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen stimmen." Der Finanzmarkt sei aber immer noch vollkommen intransparent.

Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine strengere Regulierung. "Wir brauchen eine Finanzierungsaufsicht, die auch den Verbraucherschutz umfasst und die Banken stärker in die Verantwortung nimmt", sagt Verbraucherschützer Frank Pauli. "Sie können ihren Schaden noch immer umverlagern und Ausfälle abschreiben. Aber die Anleger, die erst einmal durch den Erwerb einer solchen Schrottimmobilie in die Schuldenfalle geraten sind, kommen bis heute kaum aus dieser Situation heraus." Auch die Novellierung des Anlegerschutzgesetzes hat daran wenig geändert. Nach wie vor arbeitet die Finanzaufsicht nur im öffentlichen Interesse, der Verbraucherschutz zählt, anders als in anderen europäischen Ländern wie Schweden, nicht dazu.

"Solche Kredite lohnen sich vor allem dann, wenn sie in Massen vergeben und verbrieft werden können", sagt Grünen-Politiker Schick. Verbriefung heißt: Immobilienkredite mit unterschiedlichen Ausfallrisiken werden zu Paketen verpackt und in handelbare Wertpapiere umgewandelt. Schick vermutet, dass genau das auch mit den Schrottimmobilienkrediten passiert ist. Der Abgeordnete, der auch im Untersuchungsausschuss um die Pleite der Hypo-Real-Estate (HRE) saß, versuchte herauszufinden, ob die rund 100.000 Schrottimmobilien-Kredite der HVB an die HRE als verbriefte Papiere ausgelagert wurden. "Meine Sorge ist, dass es durchaus auch in Deutschland Entwicklungen in Richtung eines Subprime-Segments gegeben hat", sagt der Politiker. Bislang hat er dies aber noch nicht beweisen können.

Subprime in Deutschland? Schick stellte im Januar 2009 eine Anfrage an die Bundesregierung, wie man den Markt für Kredite mit geringer Bonität in Deutschland regulieren wolle. Die Antwort sei ein weitgehendes Achselzucken gewesen. Anleger müssten eigenverantwortlich entscheiden, ob der Erwerb einer Immobilie für sie sinnvoll sei oder nicht. Wenn ein Schaden entstünde, gebe es ja den Anspruch auf Rückabwicklung. Heißt: An der Beweispflicht der geprellten Anleger und einem mitunter Jahre dauernden, teuren Rechtsstreit ändert sich vorerst nichts.

Familie Blaschek hat den Kampf mittlerweile aufgenommen. Berichte über sie im heute-Magazin und in der Zeitschrift Finanztest haben für Aufmerksamkeit gesorgt. "Wir haben jetzt wenigstens das Gefühl, etwas tun zu können", sagt Guido Blaschek. Sein Vertrauen in die Banken hat er überdies nicht verloren, wohl aber das in die DKB.

Die Bank selbst kämpft ebenfalls. Sie teilt mit, dass sie bereits im März 2009 ihre Kreditvergaberichtlinien verschärft habe, seither sei auch die Zahl der Finanzierungen gesunken. Mittlerweile habe man eine Eigenmittelunterlegung von mindestens acht Prozent eingeführt, heißt es von der DKB. Zudem seien die Aktivitäten im Bereich der Baufinanzierung eingeschränkt worden. Die Bank fokussiere sich nun "auf Geschäftsfelder, die weniger Risikoaktiva binden".

Beim Esslinger Anwalt Schäfer kommen trotzdem ständig aktuelle Fälle hinzu. "Höhepunkt war vor Kurzem, dass ein Anleger unter dem Vorwand, er würde eine Werbung auf seinem Fahrzeug angeboten bekommen, in die Verkaufsräume eines Vermittlers gelockt wurde", erzählt der Anwalt. Stattdessen wurde der Kleinverdiener zum Notar geschleppt, um noch einige Steuervorteile zu gewinnen. Tatsächlich wurde dem Mann aber eine Immobilie verkauft, "die über die DKB, fix und fertig vorbereitet, finanziert werden sollte".

Die Bayerische Landesbank hat ihr Geschäft mit privaten Immobilienfinanzierungen Anfang 2009 komplett eingestellt. Aber man betont, "oberste Zielsetzung" für den Umgang mit den laufenden, problematischen Fällen sei "nicht etwa das Kreditengagement zu beenden, sondern ein Sanierungskonzept zu entwerfen, das dem Kreditnehmer hilft, seinen Forderungen langfristig nachkommen zu können". So wie bei Uwe Weidmann, der seit über 25 Jahren für seine Schrottwohnung zahlt.

Die Recherchen für diesen Artikel wurden mit dem Recherchestipendium der Otto-Brenner-Stiftung (OBS) 2009 ermöglicht.

 
Leser-Kommentare
  1. das ist keine gute Mischung....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...aber die ganze Wahrheit ist das auch nicht. Ich weise zwar selbst immer auf eine gehörige Portion Eigenverschulden durch Gier hin, aber andererseits ähnelt das System den Kaffeefahrten mit Verkaufsveranstaltung als "Gewinn" - und die, welch Wunder, gibt es seit fünf Jahrzehnten. Sogar die Verantwortlichen agieren immer noch weiter.

    Das Einzige, was zu zählen scheint, ist der Profit. Bei den Kaffeefahrtanbieter, Busunternehmern und Gaststättenbetreibern, bei den Banken, den Maklern und Vertriebsagenten, bei den Politikern, den Managern und inzwischen schon bei vielen Nachbarn. Niemand steht auf und sagt: Jetzt ist es genug, und wenn ihr trotzdem weiter macht, drohen wirklich empfindliche Strafen. Wer sollte das auch tun? Die, die noch eine Stimme haben, haben diese, weil sie sich an dem Spiel beteiligen. Sarrazin versucht es gerade auch einmal wieder. Und der Rest ist nicht nur stimmlos, sondern auch resigniert und hat sich dadurch zum Teil sogar angepasst, indem er selbst auf irgend einen schnellen Profit hofft.

    Funktionieren kann das nicht auf Dauer. Und gut ist ganz etwas anderes.

    Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich von solchen Machenschaften höre.
    Außer Prüfung der Finanzlage scheint da nicht viel zu laufen.

    H.

    ....ebenfalls nicht.

    ...aber die ganze Wahrheit ist das auch nicht. Ich weise zwar selbst immer auf eine gehörige Portion Eigenverschulden durch Gier hin, aber andererseits ähnelt das System den Kaffeefahrten mit Verkaufsveranstaltung als "Gewinn" - und die, welch Wunder, gibt es seit fünf Jahrzehnten. Sogar die Verantwortlichen agieren immer noch weiter.

    Das Einzige, was zu zählen scheint, ist der Profit. Bei den Kaffeefahrtanbieter, Busunternehmern und Gaststättenbetreibern, bei den Banken, den Maklern und Vertriebsagenten, bei den Politikern, den Managern und inzwischen schon bei vielen Nachbarn. Niemand steht auf und sagt: Jetzt ist es genug, und wenn ihr trotzdem weiter macht, drohen wirklich empfindliche Strafen. Wer sollte das auch tun? Die, die noch eine Stimme haben, haben diese, weil sie sich an dem Spiel beteiligen. Sarrazin versucht es gerade auch einmal wieder. Und der Rest ist nicht nur stimmlos, sondern auch resigniert und hat sich dadurch zum Teil sogar angepasst, indem er selbst auf irgend einen schnellen Profit hofft.

    Funktionieren kann das nicht auf Dauer. Und gut ist ganz etwas anderes.

    Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich von solchen Machenschaften höre.
    Außer Prüfung der Finanzlage scheint da nicht viel zu laufen.

    H.

    ....ebenfalls nicht.

  2. einen virenverseuchten Rechner, wenn er wahl- und sorglos alles unterschreibt oder anklickt.........

    *SIE HABEN EIN IPAD GEWONNEN!!! KLICKEN SIE HIER UM IHN EINZULÖSEN !!!*

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    @GelberSack und christygoe: Mal ganz langsam mit den Verurteilungen der Opfer. Das ist nämlich genau die Haltung, welche die Geschädigten NOCH MEHR stigmatisiert und dazu führt, dass sie sich nicht wehren, dass sie schweigen und somit auch kritische Berichterstattung NICHT stattfinden kann. Und somit noch mehr Menschen Opfer werden und die Politik und Rechtssprechung niemals handeln wird.

    Glauben Sie nicht, dass die geschädigten Familien – wir sprechen hier von KLEINverdienern, nicht von Vermögenden – sich sonstwas für Vorwürfe machen? Ja, sie waren leichtgläubig, ja, sie haben einfach unterschrieben, ohne sich die Immobilie vorab anzusehen. ABER: Die dubiosen Vertriebe sind psychologisch geschult, sie setzen die Leute unter Druck. Nahezu jeder könnte Opfer werden, wenn er sowieso geneigt ist, ein bisschen Geld fürs Alter zu sparen.

    Finden Sie es gerecht, diese Menschen dafür zu verurteilen?

    Nein, das ist nicht gerecht. Verbraucher müssen vor solchen Betrügereien geschützt werden. Noch stimmen die Rahmenbedingungen dafür nicht (beachten Sie bitte auch meinen Kommentar zum Thema http://www.zeit.de/wirtsc...).

    Redaktion

    @GelberSack und christygoe: Mal ganz langsam mit den Verurteilungen der Opfer. Das ist nämlich genau die Haltung, welche die Geschädigten NOCH MEHR stigmatisiert und dazu führt, dass sie sich nicht wehren, dass sie schweigen und somit auch kritische Berichterstattung NICHT stattfinden kann. Und somit noch mehr Menschen Opfer werden und die Politik und Rechtssprechung niemals handeln wird.

    Glauben Sie nicht, dass die geschädigten Familien – wir sprechen hier von KLEINverdienern, nicht von Vermögenden – sich sonstwas für Vorwürfe machen? Ja, sie waren leichtgläubig, ja, sie haben einfach unterschrieben, ohne sich die Immobilie vorab anzusehen. ABER: Die dubiosen Vertriebe sind psychologisch geschult, sie setzen die Leute unter Druck. Nahezu jeder könnte Opfer werden, wenn er sowieso geneigt ist, ein bisschen Geld fürs Alter zu sparen.

    Finden Sie es gerecht, diese Menschen dafür zu verurteilen?

    Nein, das ist nicht gerecht. Verbraucher müssen vor solchen Betrügereien geschützt werden. Noch stimmen die Rahmenbedingungen dafür nicht (beachten Sie bitte auch meinen Kommentar zum Thema http://www.zeit.de/wirtsc...).

  3. es ist doch immer die gleiche Masche.

    Erst macht man die Leute gierig, sei es mit Ködergewinnen oder hohen Renditeversprechen und dann zieht man ihnen das Geld aus der Tasche.

    Da hat man halt mit Steuer "sparen" und Rendite gelockt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lepkeb
    • 02.09.2010 um 12:04 Uhr

    bei einem einfachen Steuerrecht ohne Hunderte von Ausnahmen läuft so etwas nicht.

    • lepkeb
    • 02.09.2010 um 12:04 Uhr

    bei einem einfachen Steuerrecht ohne Hunderte von Ausnahmen läuft so etwas nicht.

  4. ...aber die ganze Wahrheit ist das auch nicht. Ich weise zwar selbst immer auf eine gehörige Portion Eigenverschulden durch Gier hin, aber andererseits ähnelt das System den Kaffeefahrten mit Verkaufsveranstaltung als "Gewinn" - und die, welch Wunder, gibt es seit fünf Jahrzehnten. Sogar die Verantwortlichen agieren immer noch weiter.

    Das Einzige, was zu zählen scheint, ist der Profit. Bei den Kaffeefahrtanbieter, Busunternehmern und Gaststättenbetreibern, bei den Banken, den Maklern und Vertriebsagenten, bei den Politikern, den Managern und inzwischen schon bei vielen Nachbarn. Niemand steht auf und sagt: Jetzt ist es genug, und wenn ihr trotzdem weiter macht, drohen wirklich empfindliche Strafen. Wer sollte das auch tun? Die, die noch eine Stimme haben, haben diese, weil sie sich an dem Spiel beteiligen. Sarrazin versucht es gerade auch einmal wieder. Und der Rest ist nicht nur stimmlos, sondern auch resigniert und hat sich dadurch zum Teil sogar angepasst, indem er selbst auf irgend einen schnellen Profit hofft.

    Funktionieren kann das nicht auf Dauer. Und gut ist ganz etwas anderes.

  5. Wie sagte es der Bruder Barnabas auf dem Nockerlberg so schön:
    "Herr Stoiber - wie viele Bumerangs haben sie denn noch in der Luft?"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service