Die Karriere von Axel Ockenfels begann bei einem Mittagessen in der Mensa. Ockenfels, damals noch Student an der Universität Bonn, konfrontierte seine Kommilitonen zwischen Fischstäbchen und Vanillepudding mit einer Frage: Wie viel würdet ihr abgeben, wenn ihr in einer Lotterie Geld gewinnen würdet?

Inhaltlich ist Ockenfels von seinem Experiment bis heute nicht losgekommen. Nur dass er inzwischen Professor ist und nicht mehr in der Mensa forschen muss, sondern im Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung an der Kölner Universität, dessen Leiter er ist. Wie damals in der Kantine spielen in Ockenfels’ Labor die Testpersonen paarweise um Geld. Meistens sind die Probanden Studenten und es geht um kleine Summen. Das Geld aus den Experimenten dürfen sie behalten.

Die Ergebnisse des Spiels zeigen, dass der Mensch nicht vorrangig an Geldgewinn interessiert ist, sondern abwägt zwischen Gewinn und Fairness. Dass der Mensch eben manchmal doch solidarisch handelt, und nicht nur rational, wie es die gängige Wirtschaftswissenschaft behauptet. Ein sehr fairer Mensch fühle sich schlecht, wenn er besser gestellt ist als ein Mitbewerber und gebe ihm deswegen mehr ab, sagt Ockenfels. Um solidarisch mit anderen sein zu können, verzichtet er also auf etwas.

Die mathematische Formalisierung seiner Erkenntnisse gelang Ockenfels durch seine Theory of Equity, Reciprocity and Competition (Gleichheit, Gegenseitigkeit und Wettbewerb) – und er beendete damit die Alleinherrschaft des homo oeconomicus in den Wirtschaftswissenschaften. Tot ist der deshalb aber noch lange nicht. Denn Solidarität zwischen Individuen sei ja schön und gut – so parierten die Ockenfels-Kritiker –  im wirtschaftlichen Wettbewerb jedoch habe sie nichts zu suchen.

Einer der Kritiker ist Christoph Lütge, Wirtschaftsethiker an der TU Braunschweig: "In den Experimenten geht es um kleine Summen. Bei größeren wäre das Ergebnis anders." Lütge wandelt auf den Spuren des britischen Nationalökonomen Adam Smith. Dieser vertrat die These, dass jedem dann am besten geholfen sei, wenn er im Wettbewerb nur an sich selbst denke. "Der Markt", so Lütge, "unterscheidet schließlich nicht, ob es einem Unternehmen deshalb schlecht geht, weil es schlecht geführt wird oder weil man dort solidarisch gewirtschaftet hat." In beiden Fällen sei die Konsequenz dieselbe, nämlich die Pleite. Nur wer billiger produziere als andere, werde sich behaupten und für Innovationen sorgen, von denen dann alle profitieren könnten. Sein Fazit folgt den klassischen Wirtschaftsweisheiten: "Wettbewerb ist besser als teilen und damit sozusagen die wahre Solidarität."