Sparpläne Staatsbetriebe treiben Griechenlands Defizit hoch

Jahrelang galten die öffentlichen Unternehmen in Griechenland als Versorgungsanstalt. Die Vetternwirtschaft blühte. Nun gefährden die Firmen den Sparkurs der Regierung.

Die Finanzkrise im hochverschuldeten Griechenland erreicht jetzt auch die öffentlichen Unternehmen. Die staatlichen Verkehrsbetriebe kämpfen mit akuter Geldnot, manche können die Gehälter und das Urlaubsgeld nicht mehr pünktlich zahlen. Der Grund: Die Banken zögern mit der Kreditvergabe an die Verkehrsunternehmen, die bereits mit vielen Milliarden in der Kreide stehen. Und Finanzminister Giorgos Papakonstantinou will für die Verluste der Staatsfirmen nicht länger aufkommen. Er muss in diesem Jahr das Haushaltsdefizit von 13,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 8,1 Prozent zurückführen.

Bisher liegt er dabei zwar im Plan, aber die defizitären öffentlichen Firmen werden zum Risiko. Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF), die Griechenland mit Hilfskrediten stützen, fordern jetzt, dass Papakonstantinou die Verbindlichkeiten der Staatsfirmen in die Gesamtverschuldung des Landes einrechnet. Dadurch würde sich das diesjährige Haushaltsdefizit um 0,5 Prozentpunkte erhöhen, die Schuldenquote sogar um 5,5 Prozentpunkte. Ein gefährlicher Trend, denn vor allem die hohe Gesamtverschuldung belastet Griechenlands Kreditwürdigkeit an den Finanzmärkten.

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Wie prekär die Finanzlage mancher Staatsunternehmen ist, zeigte sich vergangene Woche: Weil die Athener Busgesellschaft Oasa wegen leerer Kassen die Juni-Gehälter nicht pünktlich auszahlen konnte, traten die rund 7000 Beschäftigten in den Streik . Eilig musste Minister Papakonstantinou eine Finanzspritze von 22 Millionen Euro bewilligen, um den Athener Busverkehr wieder in Gang zu bringen.

Das Geld reicht aber nach Darstellung von Belegschaftssprechern nur für die Auszahlung der Grundgehälter. Oasa schulde weiterhin Überstunden und Zulagen. Das Unternehmen steht außerdem bei seinen Treibstoff- und Ersatzteillieferanten mit mehr als acht Millionen Euro in der Kreide. Auch mit Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ist es im Rückstand.

Die Finanzmisere bei der Athener Busgesellschaft ist repräsentativ für die haarsträubenden Zustände bei den meisten griechischen Staatsunternehmen. Jahrzehntelang wurden sie von den Politikern dazu missbraucht, Günstlinge mit lukrativen und praktisch unkündbaren Jobs zu versorgen. Diese Vetternwirtschaft blühte bis in die jüngste Vergangenheit. So stellte die Athener U-Bahn wenige Monate vor der Parlamentswahl vom vergangenen Herbst 271 Beschäftigte ein – auf Betreiben eines Ministers. Die Athener Straßenbahngesellschaft hatte 2004, beim Amtsantritt der konservativen Regierung, 156 Beschäftigte. Bei ihrer Ablösung im vergangenen Oktober waren es 689. Das Streckennetz wuchs im gleichen Zeitraum nur von 25 auf 27 Kilometer.

Kein Wunder, dass die staatlichen Verkehrsbetriebe immer tiefer in die roten Zahlen rutschen. Schlimmstes Beispiel sind die griechischen Staatsbahnen (Ose). Das Unternehmen hat bereits 9,5 Milliarden Euro Schulden und fährt jeden Tag weitere drei Millionen Euro Verlust ein. Die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf decken nicht mal ein Viertel der Personalkosten.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 06.07.2010 um 12:31 Uhr

    Rot-Grün in NRW will ja auch wieder mehr Staat vor Privat, was mit Rot-Rot-Grün im Bund auch umgesetzt würde. Deutschland wäre im Fall der Krise somit nicht besser dran. Die Landesbanken zeigen ja auch, wie "segensreich" staatliches Unternehmertum ist.

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    Das ist doch gut, hier haben ja die privatne Unternehmen gezeigt, wie man erfolgreich fürs eigene Wohlbefinden arbeitet.

    Ihr Vergleich inkt nicht nur, er ist schlichweg falsch. Würde der Steuerzahler "NUR" für die Finanzkosten einiger staatlicher Banken den Kopf hinhalten müssen, gäbe es mit Sicherheit keine Finanzkrise.

    Aber wettern gegen Rot-Grün macht ja Spaß. (Obwohl andere ja das Süppchen eingebrockt haben )

    ... jeder 3-Klässler weiß doch mittlerweile, dass Staat=schlecht und Privat=gut so nicht stimmt und das auch das Gegenteil nicht zwingend segensbringend ist.

    Entscheident sind offenbar die Randbedingungen, also verzichten wir doch bitte auf so billige Dichotomie und argumentieren sachbezogen. Einverstanden?

    • Anonym
    • 06.07.2010 um 13:06 Uhr

    Wieso, die Volksbanken in der DDR waren genauso pleite wie das ganze Land. Und die Bahn, die Post und auch andere privatisierte Versorgungsunternehmen haben noch einiges zu tun mit den Pensionsverpflichtungen.

    Die Frage was besser ist, habe ich aber gar nicht diskutieren wollen. Tatsache ist, dass Staatswirtschaft eben nicht automatisch die Bessere ist und die Poltik sich gründlich überlegen sollte, was man tut. Das pauschale Staat vor Privat ist von Rot- Grün als Programmpunkt formuliert worden. Mit Wettern hat das nichts zu tun.

    • Anonym
    • 06.07.2010 um 13:15 Uhr

    Kommentar Nr.1 ist von mir, also TDU. Nicht, dass Anonym sich ungerechtfertigt zitiert und kritisiert fühlt.

    Das ist doch gut, hier haben ja die privatne Unternehmen gezeigt, wie man erfolgreich fürs eigene Wohlbefinden arbeitet.

    Ihr Vergleich inkt nicht nur, er ist schlichweg falsch. Würde der Steuerzahler "NUR" für die Finanzkosten einiger staatlicher Banken den Kopf hinhalten müssen, gäbe es mit Sicherheit keine Finanzkrise.

    Aber wettern gegen Rot-Grün macht ja Spaß. (Obwohl andere ja das Süppchen eingebrockt haben )

    ... jeder 3-Klässler weiß doch mittlerweile, dass Staat=schlecht und Privat=gut so nicht stimmt und das auch das Gegenteil nicht zwingend segensbringend ist.

    Entscheident sind offenbar die Randbedingungen, also verzichten wir doch bitte auf so billige Dichotomie und argumentieren sachbezogen. Einverstanden?

    • Anonym
    • 06.07.2010 um 13:06 Uhr

    Wieso, die Volksbanken in der DDR waren genauso pleite wie das ganze Land. Und die Bahn, die Post und auch andere privatisierte Versorgungsunternehmen haben noch einiges zu tun mit den Pensionsverpflichtungen.

    Die Frage was besser ist, habe ich aber gar nicht diskutieren wollen. Tatsache ist, dass Staatswirtschaft eben nicht automatisch die Bessere ist und die Poltik sich gründlich überlegen sollte, was man tut. Das pauschale Staat vor Privat ist von Rot- Grün als Programmpunkt formuliert worden. Mit Wettern hat das nichts zu tun.

    • Anonym
    • 06.07.2010 um 13:15 Uhr

    Kommentar Nr.1 ist von mir, also TDU. Nicht, dass Anonym sich ungerechtfertigt zitiert und kritisiert fühlt.

  1. ablesen. Die Staatslenker, die den Zustand zu verantworten haben, und die Bürger, die ihre von Steuergeldern unterhaltene Leistungen nicht aufgeben wollen wie in einem Bananenstaat am Äquator. Beachtlich, dass auf sozialen Druck die Busse wieder rollen. Andererseits stimmen Lohn-Preis-Verhältnisse überhaupt nicht mehr. Beide müssten nach oben, was nicht geht ...

  2. Das ist doch gut, hier haben ja die privatne Unternehmen gezeigt, wie man erfolgreich fürs eigene Wohlbefinden arbeitet.

    Ihr Vergleich inkt nicht nur, er ist schlichweg falsch. Würde der Steuerzahler "NUR" für die Finanzkosten einiger staatlicher Banken den Kopf hinhalten müssen, gäbe es mit Sicherheit keine Finanzkrise.

    Aber wettern gegen Rot-Grün macht ja Spaß. (Obwohl andere ja das Süppchen eingebrockt haben )

  3. ... jeder 3-Klässler weiß doch mittlerweile, dass Staat=schlecht und Privat=gut so nicht stimmt und das auch das Gegenteil nicht zwingend segensbringend ist.

    Entscheident sind offenbar die Randbedingungen, also verzichten wir doch bitte auf so billige Dichotomie und argumentieren sachbezogen. Einverstanden?

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    staatlichen Unternehem falsch sein soll, wenn man ganz einfach die Beamten und den Öffentlichen Dienst raushält und sich statt desseb am "normalen" Arbeitsmarkt bedient.

    Aber das ist einfach ein Unding oder wie?

    • BerndL
    • 06.07.2010 um 13:30 Uhr

    der aufgepaßt hat, schon...

    staatlichen Unternehem falsch sein soll, wenn man ganz einfach die Beamten und den Öffentlichen Dienst raushält und sich statt desseb am "normalen" Arbeitsmarkt bedient.

    Aber das ist einfach ein Unding oder wie?

    • BerndL
    • 06.07.2010 um 13:30 Uhr

    der aufgepaßt hat, schon...

    • Anonym
    • 06.07.2010 um 13:06 Uhr

    Wieso, die Volksbanken in der DDR waren genauso pleite wie das ganze Land. Und die Bahn, die Post und auch andere privatisierte Versorgungsunternehmen haben noch einiges zu tun mit den Pensionsverpflichtungen.

    Die Frage was besser ist, habe ich aber gar nicht diskutieren wollen. Tatsache ist, dass Staatswirtschaft eben nicht automatisch die Bessere ist und die Poltik sich gründlich überlegen sollte, was man tut. Das pauschale Staat vor Privat ist von Rot- Grün als Programmpunkt formuliert worden. Mit Wettern hat das nichts zu tun.

  4. ...nervt. Erst recht nervt es, dass wir uns über griechische Verhältnisse zu echauffieren genötigt sind. Hat uns doch früher auch nur am Rande interessiert. Also konkret: wann kommt der Euro endlich in den Mülleimer? Am besten zusammen mit dem ganzen Freihandels-Kapitalfreizügigkeits-Lobbyismus-Gebilde EU?

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    • TDU
    • 06.07.2010 um 13:25 Uhr

    Wieso ist die Diskussion nicht sachbezogen. Was Griechenland an Unternehmen hat, haben wir doch an Verbänden. Aber gut, sachbezogene Frage in Ihremn Sinn: Was wäre denn in dieser Krise passiert, wenn der Euro nicht wäre? Wäre das Ihrer Ansicht nach vorteilhaft gewesen?

    • TDU
    • 06.07.2010 um 13:25 Uhr

    Wieso ist die Diskussion nicht sachbezogen. Was Griechenland an Unternehmen hat, haben wir doch an Verbänden. Aber gut, sachbezogene Frage in Ihremn Sinn: Was wäre denn in dieser Krise passiert, wenn der Euro nicht wäre? Wäre das Ihrer Ansicht nach vorteilhaft gewesen?

    • Anonym
    • 06.07.2010 um 13:15 Uhr

    Kommentar Nr.1 ist von mir, also TDU. Nicht, dass Anonym sich ungerechtfertigt zitiert und kritisiert fühlt.

  5. Soll Papakonstantinou doch mal bei Mutti oder in Brüssel anrufen.

    Da kommt bestimmt noch was rüber. Werden dann halt die Daumenschrauben fürs Volk des jahrelangen Exportweltmeisters noch ein wenig mehr angezogen. Hat ja bisher auch immer prima funktioniert. Mutti tut ja alles um das "Wohl des deutschen Volkes zu mehren".

    ...und nach Afghanistan (oder besser gleich in die Karibik) kann man auch gleich noch ein paar Milliarden mehr schicken
    ...oder zur Sanierung für die arme BP
    ...oder oder

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