Stresstest Schäuble erfreut über gute Resultate der deutschen Banken
Ein zufriedener Bundesfinanzminister, kaum überraschte Börsianer: Die Ergebnisse des Banken-Stresstests sorgen in Deutschland für Erleichterung. Kritik kommt aus den USA.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Stresstest-Ergebnisse der deutschen Banken als insgesamt erfreulich bewertet. "Die Transparenz über die Widerstandsfähigkeit der europäischen Banken hat sich damit deutlich erhöht", sagte er. Die breite Teilnahme und die Offenlegung der Testergebnisse seien "ein wichtiger Schritt für mehr Vertrauen auf den Märkten ". Dass ausnahmslos alle getesteten deutschen Banken die Anforderungen erfüllten, sei "ein positives Signal", sagte der Minister. Er mahnte, mit der Konsolidierung der Landesbanken fortzusetzen.
Als "Sonderfall" bezeichnete Schäuble das Abschneiden der staatlichen HRE. Man müsse beachten, dass die "bereits eingeleitete Neustrukturierung beim Stresstest noch nicht berücksichtigt werden konnte". Auch für den Bankenrettungsfonds SoFFin kommt das Ergebnis für das Münchner Institut nicht überraschend. "Bei vollständiger Rekapitalisierung hätte die HRE in allen Szenarien die erforderliche Kernkapitalquote von sechs Prozent übertroffen", sagte SoFFin-Chef Hannes Rehm.
- Stresstest
Mithilfe von Stresstests analysieren Aufsichtsbehörden, wie gut Banken für Krisen gerüstet sind. Sie untersuchen, wie es sich auf die Bilanz einer Bank auswirkt, wenn zum Beispiel Kredite ausfallen oder es erneut zu einer Rezession kommt. Organisiert werden die Tests von der Vereinigung der europäischen Bankenaufseher CEBS. Die Ergebnisse sollen an diesem Freitag veröffentlicht werden.
- Die teilnehmenden Institute
Europaweit werden 91 Banken getestet. Darunter sind auch 14 deutsche Institute, etwa die Postbank oder die Hypo Real Estate. Das Land, das die meisten Banken zu den Tests angemeldet hat, ist Spanien. Die Regierung in Madrid war es auch, die auf die Stresstests gedrängt hatte. Spanien will mit Hilfe der Tests das Vertrauen in seine Banken wiederherstellen. Die spanischen Institute bekommen am Geldmarkt kaum noch Kredit.
- Die Szenarien
Die Aufseher spielen drei Szenarien durch. In einem ersten Schritt wird getestet, wie sich die Eigenkapitalquoten der Institute verhalten, wenn die Wirtschaft sich so entwickelt wie erwartet. Das ist das Basisszenario. Im zweiten Teil des Tests wird geprüft, was mit dem Eigenkapital der Banken passiert, sollte Europa erneut in eine Rezession rutschen. Die Aufseher gehen in diesem Szenario davon aus, dass das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in Europa um drei Prozentpunkte geringer ausfällt als bislang vorhergesagt. Im dritten Teil des Tests wird ein Crash am Staatsanleihemarkt simuliert. Die CEBS gibt an, dass das getestete Szenario in etwa jenem entspricht, das auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Europa herrschte. Kritiker monieren, dass dies zu optimistisch ist. Sollte Griechenland doch noch umschulden müssen, könnten die Spannungen weit größer sein als vor einigen Wochen.
Das Finanzministerium ergänzte, der Test habe gezeigt, dass der europäische Bankensektor insgesamt in der Lage sei, auch künftig erhebliche Belastungen zu verkraften. Entscheidend sei, bei der Interpretation der Ergebnisse zwischen den verschiedenen Szenarien zu differenzieren. Besonders die negativen Szenarien unterstellten eine extrem ungünstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der EU, deren Eintritt aber sehr unwahrscheinlich sei.
Beim europaweiten Banken-Stresstest sind sieben der insgesamt 91 getesteten Banken durchgefallen . Unter den gescheiterten Instituten befinden sich neben der deutschen Hypo Real Estate auch fünf spanische Sparkassen. Bei der siebten gescheiterten Bank handelt es sich um die griechische ATEBank. Die vier getesteten französischen Banken bestanden den Test ebenso wie alle italienischen Institute.
So wie die Regierung zeigten sich auch etliche Ökonomen, Bankenexperten und Branchenvertreter erleichtert. Börsianer indes waren nicht überrascht. "Die Ergebnisse sind wie erwartet und damit kann das abgehakt werden", sagte etwa Thomas Nagel, Händler bei Equinet. Seine Kollegin Susanne Hahl pflichtete ihm bei: "Es ist rein gar nichts im Handel passiert, nachdem die Ergebnisse veröffentlicht worden sind", sagte die Expertin von Baader Bank. "Es gab ja auch keine großen Überraschungen, die großen Banken haben die Tests schließlich alle bestanden."
Eine von ihnen ist die Deutsche Bank, die bei der Interpretation der Stresstest-Resultate zu Vorsicht mahnte. Die Ergebnisse sollten nicht als repräsentativ für die derzeitige Situation oder als Indikator eines möglichen Kapitalbedarfs angesehen werden, teilte das größte deutsche Geldinstitut mit. Schließlich hätten bei diesen Stresstests keine extreme Annahmen zugrunde gelegen.
Ähnlich kritisch wird dies auch in den USA gesehen. "Es bleibt die Frage, ob der Test für die europäischen Banken zu weich war", sagte Vassili Serebriakov, Währungsstratege bei Wells Fargo in New York. "Noch ist es zu früh, das zu sagen." Man müsse die Einzelheiten der Ergebnisse genau prüfen. Joe Dickerson, Bankanalyst bei Brokerage Execution Noble, ist sich jetzt schon sicher: "Auf den ersten Blick wirkt es, als ob die Banken nach einem Schönwetter-Szenario getestet wurden, nicht nach einem Stress-Szenario. Es sieht nicht so aus, als wäre das besonders stressig gewesen."
Eine abschließende positive Bewertung wagt Chris Rupkey: "Ungeachtet der Fragen über die Transparenz der europäischen Stresstests und dass sie nicht an die US-Stresstests im Vorjahr heranreichen würden", meint der Finanzökonom bei der Bank of Tokyo/ Mitsubishi, "werden diese Tests meiner Meinung nach die Sorgen um die Eurozone beenden." Vielleicht gebe es anfänglich ein wenig Enttäuschung, die am Montagmorgen nach Börseneröffnung zu einigen Verkäufen führen werde. "Aber der Markt wird das schnell wegstecken ."
- Datum 23.07.2010 - 19:48 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 3
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Wie schön für die Akkermanns und unseren Schäubles dieser Republik.
Und wenn jetzt wieder Kredite an Kleinbetriebe und Mittelständler vergeben werden, dann blüht es nicht nur in den Manageretagen der Konzerne.
Das als Voraussetzung für die von uns finanzierten Stützungsmaßnahmen (an denen die Banken durch die Staatsverschuldung ja doppelt profitieren) zu verhandeln - das vergessen die CDUler wie immer vehement.
Dann hätten wir nämlich wieder paradiesische Zustände wie in den 70ern und wer von denen will das, wie kann man dann jammern und Subventionen einfordern und die Gehälter immer weiter senken?
Alle Banken standen kurz vor dem Kollaps, auch wg. Unfähigkeit
und Leichtsinn und Gier.
Dann kam Vater Staat mit dem großen Geldsack und alle durften
sich bedienen.
Es gab aber auch Geldhäuser, die nahmen kein Geld, für sie war es
Verpflichtung das Haus aus eigener Kraft zu bestellen.
Wie kann es jetzt angehen, das Banken, die massiv subventioniert
wurden, den STRESSTEST besser bestanden haben, als Banken die kein
Staatsgeld genommen haben.
Das halte ich für einen schlechten Aprilscherz, gar nicht zu glauben,
das so etwas möglich ist.
Kein Wunder, das dieser STRESSTEST im Ausland keine große
Beachtung findet.
Ja, Herr Schäuble, mit des Bürgers Geld und (oder) Bürgschaften läßt sich trefflich arbeiten. Ich meine die Banken.
Solange es ausschließlich Aufgabe der Banken war, die Wirtschaft und Bürger mit "Flüssigem" zu versorgen und dafür ein Entgelt (Zinsen) zu kassieren, war die Finanzwelt in Ordnung.
Seit alles ums Geld so furchbar modern wurde (Handel mit allen möglichen und unmöglichen Papierchen), haben uns die Probleme ereilt, die wir als Bürger nicht zu verantworten haben.
Dieser vorgebliche Test ist völlig hirnrissig, nichtssagend und überflüssig. Der Bürger sollte mundtot gemacht werden. Insbesondere weil laut Kanzlerin und Gefolge alle betroffenen Banken systemrelevant seien. Auch dies trifft nicht zu.
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