Blick auf das Frankfurter Bankenviertel © Getty Images / Andreas Rentz

Die Ergebnisse der europaweiten Stresstests für den Bankensektor sind da – und es ist leicht, die ganze Veranstaltung zu kritisieren. Die Vorbereitung war chaotisch, die Testbedingungen blieben lange Zeit im Unklaren und sogar über den Veröffentlichungstermin wurde bis zuletzt gestritten. Aber das sind Dinge, die sich in einem heterogenen Staatenbund wie der EU nun einmal nicht vermeiden lassen – wichtig ist, wie ein früherer deutscher Kanzler zu sagen pflegte, was hinten rauskommt.

Und herauskommt: Europas Bankensystem ist in einem besseren Zustand als viele Analysten – vor allem in Asien und den USA – geglaubt hatten. Die Institute haben sich in den vergangenen Jahren mit Kapital aus staatlicher oder privater Hand vollgesogen und Risiken abgebaut. Von den 91 getesteten Banken sind sieben durchgefallen. In Deutschland hat nur die Hypo Real Estate (HRE) die Hürde nicht geschafft. Ihre faulen Kredite werden ohnehin schon abgewickelt.

Genau dieselben Analysten monieren jetzt, die Tests seien nicht streng genug. Doch das ist nur bedingt korrekt. Die Banken mussten eine heftige Rezession simulieren, mit einem Einbruch an den Aktienbörsen und neuen Turbulenzen am Markt für Staatsanleihen. Bestanden haben nur Banken, die selbst unter diesen widrigen Bedingungen immer noch eine Eigenkapitalquote von mindestens sechs Prozent aufweisen können.


Dabei sollte man mit Vergleichen vorsichtig sein: In Deutschland schneidet die HSH Nordbank gut ab, obwohl das Institut nur dank staatlicher Finanzspritzen vor der Pleite bewahrt werden konnte. Dank dieser Finanzspritzen ist das Institut üppig mit Kapital ausgestattet. Die vergleichsweise solide NordLB dagegen besteht den Test nur knapp, weil sie keine Staatshilfe in Anspruch nahm. Ein gutes Ergebnis beim Stresstest sagt also nicht unbedingt etwas über die Qualität einer Bank aus. Es ändert auch nichts an der Tatsache, dass es in Deutschland zu viele Landesbanken gibt. Es ging den Aufsehern nicht um solche strukturellen Fragen, sondern allein um die derzeitige Stabilität des Systems.

Nicht untersucht wurde allerdings, wie sich eine Staatspleite auf die Bilanzen der Geldhäuser auswirkt. Das ist ein entscheidender Punkt. Denn wenn nur der Kurs einer Staatsanleihe verfällt – das schreiben die in Europa geltenden Bilanzregeln vor – dann müssen die Banken mit solche Anleihen in ihrem Portfolio nur jene Papiere abschreiben, die sie auch tatsächlich am Markt handeln wollen.

Staatsanleihen, die bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden, bleiben bei einem Kursverfall verschont. Meldet aber der Staat, der die Anleihe ausgegeben hat, Bankrott an, dann sind alle Papiere betroffen. Da die europäischen Banken rund 90 Prozent aller Anleihen in ihrem Besitz bis zum Ende der Laufzeit halten wollen, werden sie also mit Marktturbulenzen fertig. Eine Staatspleite aber würden viele von ihnen nicht überleben.

Die europäischen Behörden argumentieren, dass eine solche Pleite zu simulieren problematisch gewesen wäre, weil man sich ja vor wenigen Wochen verpflichtet habe, eine solche nicht zuzulassen. Das ist ein nachvollziehbares Argument. Daraus folgt aber, dass der Stresstest letztlich aussagt: Wenn es der EU gelingt, durch ihren Stabilisierungsfonds und die Auflagen für die Schuldenstaaten des Südens eine Staatspleite zu verhindern, dann sind die Banken sicher. Wenn nicht, dann werden die Geldhäuser fallen wie die Dominosteine.

Das ist kein uninteressantes Ergebnis.