Flugticketabgabe "Die Steuer ist zu niedrig"

Eine Flugticketsteuer würde den Wettbewerbsvorteil des Luftverkehrs verringern, sagt Klimaexperte Martin Cames. Doch eine ökologische Lenkungswirkung sieht er nicht.

ZEIT ONLINE Herr Cames, die Bundesregierung will Tickets für Flüge von deutschen Flughäfen mit einer Steuer belegen. Pro Jahr sollen auf diese Weise eine Milliarde Euro für den Haushalt zusammen kommen. Ist die Idee auch ökologisch sinnvoll?

Cames: Sie ist sinnvoll, aber nicht ausreichend. Der Luftverkehr ist in Deutschland gegenüber anderen Verkehrsmitteln im Vorteil, weil für internationale Flüge keine Mehrwertsteuer erhoben wird. Die Abgabe verringert diesen Wettbewerbsvorteil, allerdings nur sehr wenig: Die Belastung pro Ticket dürfte im Durchschnitt bei ein bis drei Prozent liegen. Das ist nichts gegen die 19 Prozent, die zum Beispiel auf Bahnfahrten erhoben werden.

ZEIT ONLINE: Dem Klima hilft die Abgabe nur, wenn die Leute tatsächlich weniger fliegen. Glauben Sie das?

Anzeige

Cames: Ja, die Zahl der Inlandsflüge wird leicht zurückgehen. Denken Sie an die ganzen Billigtickets, die im Moment von den Billigfliegern angeboten werden. Da machen die 13 Euro, die auf Kurzstreckenflügen erhoben werden sollen, durchaus etwas aus. Manche Fluggäste werden sich überlegen, ob sie dann nicht die Bahn nehmen, wenn sie von Frankfurt nach Berlin wollen.

ZEIT ONLINE: Gibt es Erfahrungen aus dem Ausland, die belegen, dass Reisende auf eine solche Steuer reagieren?

Cames: Es gibt mehrere Länder, die eine Abgabe auf Flugtickets erheben, Frankreich und Großbritannien etwa, aber auch die Niederlande. In Großbritannien gibt es die Air Passenger Duty, die je nach Flugdistanz bis zu 200 Euro beträgt. In den Niederlanden hatte der Staat eine Abgabe von bis zu 45 Euro, je nach Flugdistanz, erhoben, also höhere Sätze als in Deutschland. Die Steuer hatte dazu geführt, dass die Zahl der Flüge um fünf Prozent gesunken ist.

ZEIT ONLINE: Also höhere Sätze auch in Deutschland?

  Cames: Ja, ich halte die geplanten Sätze für zu niedrig. Die 26 Euro, die für Auslandsflüge erhoben werden sollen, werden niemanden davon abhalten, zu fliegen. Verglichen mit anderen Ländern sind sie eher moderat und reichen wie gesagt nicht, um eine deutliche Lenkungswirkung zu erzielen. 

ZEIT ONLINE: Einige Fluggesellschaften drohen damit, ihre Flüge ins Ausland zu verlegen.

Cames: Das wird zum Teil passieren, geht aber natürlich nicht immer. Wenn jetzt etwa Ryanair damit droht, Flugzeuge ins Ausland abzuziehen, muss man sagen: Dann ist es eben so. Man kann nicht beides haben: Eine Steuer, die unter anderem das billige Fliegen einschränkt, und einen Boom der Billigflieger.

Martin Cames leitet die Abteilung Energie und Klimaschutz beim Öko-Institut in Berlin. Die Fragen stellte Philip Faigle .

 
Leser-Kommentare
    • ddkddk
    • 16.07.2010 um 19:10 Uhr

    Zusätzlich zu der Umsatzsteuerbefreiung im internationalen Verkehr fällt die Befreiung des Flugbenzins sowohl für internationale als auch für nationale Flüge von der Mineralölsteuer als entscheidender Wettbewerbsvorteil mit in das Gewicht.

    Erfreulich ist, dass an die Beseitigung der völlig ungerechtfertigte Subventionierung dieser Industrie, genau wie bei der ähnlich heiligen Kuh Atomindustrie, wenigstens in kleinen Schritten herangegangen wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Flugbenzin (für von Hubkolbenmotoren angetriebene Propellerflugzeuge) ist nicht von der Mineralölsteuer befreit, im Gegensatz zu Kerosin (für Düsenflugzeuge). Ein weiterer großer Vorteil des Flugverkehrs gegenüber der Bahn ist der Entfall einer aufwändigen Instandhaltung des Streckennetzes. Solange allerdings die Besteuerung jedes PKW weiterhin nach Prospektdaten (Hubraum, durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch) erfolgt und nicht nach der tatsächlichen Belastung der Umwelt (anhand des tatsächlichen Kraftsoffverbrauchs), konnte man nicht erwarten, dass jetzt ausgerechnet im Luftverkehr eine wirksame ökologische Besteuerungskomponente eingeführt werden würde.

    Flugbenzin (für von Hubkolbenmotoren angetriebene Propellerflugzeuge) ist nicht von der Mineralölsteuer befreit, im Gegensatz zu Kerosin (für Düsenflugzeuge). Ein weiterer großer Vorteil des Flugverkehrs gegenüber der Bahn ist der Entfall einer aufwändigen Instandhaltung des Streckennetzes. Solange allerdings die Besteuerung jedes PKW weiterhin nach Prospektdaten (Hubraum, durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch) erfolgt und nicht nach der tatsächlichen Belastung der Umwelt (anhand des tatsächlichen Kraftsoffverbrauchs), konnte man nicht erwarten, dass jetzt ausgerechnet im Luftverkehr eine wirksame ökologische Besteuerungskomponente eingeführt werden würde.

  1. Muß man das Problem bearbeiten? Energiesteuer?
    Ganz einfach, wer 500 km fliegt zahlt? den Preis für den CO2 außstoß wie beim PKW und auf den Sprit alle Steuern, mit Versicherung und dem ganzen Mißt !

  2. Aber die haben alles >>>>>>Geld verraucht>>< was der Steuerzahler gegeben hat. DB=Nullnummer und diese wollte mit aller Macht die Börse?

  3. Fliegen?
    Wieso muß man 1000km Km fliegen?
    Antwort: Die Preise der Bahn übertreffen alles! Diese Bahn hat mit ihren Preisen ein Problem! Keiner kann sich diese Option auf dauer leisten.Die Bahn als Fehlentwicklung? Ja, denn nicht mal Leute können mit ihr fahren die keine andere Möglichkeit haben( viel zu kompliziert)(ist gewollt?)! Das gleiche ist im Stadtverker zu sehen! Schwartzfahrer? Einkommen schaffen und es läuft! Einkommen werden da an der falschen Stelle geschaffen Bei den Kontrolleuren)! Gebt den Menschen einfach Arbeit ! Eine die nicht Ordnungsamt und Stadt verschafft(Kosten...), sondern was ,wo man als Mensch und nicht als Dodi arbeiten kann!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wollen Sie uns mit diesem Kommentar sagen. Ich verstehe mitunter nicht mal einzelne Sätze.

    ...wollen Sie uns mit diesem Kommentar sagen. Ich verstehe mitunter nicht mal einzelne Sätze.

  4. 5. sorry!

    habe kein wort und nicht verstanden.

  5. ist momentan tatsächlich zu teuer, könnte allerdings mit steigender Anzahl der Reisenden möglicherweise (Optimist ^^) erschwinglicher werden.
    Ideen wie mit Mitfahrgelegenheiten machen zwar Fortschritte, sollten aber noch viel weiter ausgebaut werden.
    Fliegen ist definitiv keine gute Option für Strecken unterhalb von 1000km.
    Ich kann zum Beispiel nicht nachvollziehen warum es zum Beispiel eine Luftverbindung zwischen Berlin und Leipzig für privaten Verkehr gibt...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • oooo
    • 16.07.2010 um 22:51 Uhr

    wird die Bahn steigene Margen nicht an den Kunden weitergeben.

    Aufgabe der DB sollte es sein, Mobilität für Jedermann zu bieten.Leider ist die Bahn zur Zeit nur an den Herren mit den schwarzen Aktenkoffern interessiert.

    • oooo
    • 16.07.2010 um 22:51 Uhr

    wird die Bahn steigene Margen nicht an den Kunden weitergeben.

    Aufgabe der DB sollte es sein, Mobilität für Jedermann zu bieten.Leider ist die Bahn zur Zeit nur an den Herren mit den schwarzen Aktenkoffern interessiert.

    • oooo
    • 16.07.2010 um 22:51 Uhr

    wird die Bahn steigene Margen nicht an den Kunden weitergeben.

    Aufgabe der DB sollte es sein, Mobilität für Jedermann zu bieten.Leider ist die Bahn zur Zeit nur an den Herren mit den schwarzen Aktenkoffern interessiert.

    Antwort auf "Die Deutsche Bahn"
  6. Flugbenzin (für von Hubkolbenmotoren angetriebene Propellerflugzeuge) ist nicht von der Mineralölsteuer befreit, im Gegensatz zu Kerosin (für Düsenflugzeuge). Ein weiterer großer Vorteil des Flugverkehrs gegenüber der Bahn ist der Entfall einer aufwändigen Instandhaltung des Streckennetzes. Solange allerdings die Besteuerung jedes PKW weiterhin nach Prospektdaten (Hubraum, durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch) erfolgt und nicht nach der tatsächlichen Belastung der Umwelt (anhand des tatsächlichen Kraftsoffverbrauchs), konnte man nicht erwarten, dass jetzt ausgerechnet im Luftverkehr eine wirksame ökologische Besteuerungskomponente eingeführt werden würde.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service