Arbeitsmarkt "Was die Zeitarbeitsfirmen zahlen, ist deren Sache"

Ohne die Zeitarbeitsbranche hätten Geringqualifizierte keine Chance, sagt Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser. Im Interview pocht er auf moderate Lohnzuwächse.

Frage: Herr Kannegiesser, wenige Monate nach der schwersten Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren sind Sie mit Ihrem Unternehmen schon wieder auf Rekordkurs. Wie ist das möglich?

Martin Kannegiesser: Den erheblichen Einbruch 2009 haben wir wohl tatsächlich weitgehend bewältigt. Wir mussten keine Stellen abbauen und schließen an das gute Ergebnis von 2008 an. Das ist aber ein Sonderfall. In der Breite der Metall- und Elektroindustrie werden wir erst 2011 und 2012 wieder das Niveau vor der Krise erreichen.

Anzeige

Frage: Sie sind früher dran, weil Sie bei Wäschereitechnik die Weltspitze anführen?

Kannegiesser: Unsere starke Stellung auf wichtigen Märkten hilft natürlich. Aber es gibt noch etliche Firmen mit erheblichen Schwierigkeiten. Das hat unterschiedliche Gründe, und manche Branchenentwicklungen waren so auch nicht abzusehen.

Frage: Zum Beispiel?

Kannegiesser: Seit einigen Monaten werden wieder deutsche Premium-Autos in einigen Regionen sehr stark nachgefragt. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass unserer Industrie vorgeworfen wurde, Entwicklungen verschlafen zu haben und überhaupt die falschen Autos zu produzieren. Wir sollten vorsichtiger sein mit schnellen Urteilen. Im Grundsatz ist unsere Industrie seit vielen Jahren sehr gut geführt und folglich solide aufgestellt.

Frage: Und kommt nun stärker aus der Krise als andere?

Kannegiesser: So pauschal kann man das nicht sagen. Wir haben zwar unsere Beschäftigung und damit unser Know-how im Wesentlichen halten können. Aber das Preisniveau hat gelitten. Auch um die Produktion einigermaßen auszulasten, sind Preiszugeständnisse gemacht worden. Das macht uns allen zu schaffen.

Frage: Auch der Firma Kannegiesser?

Kannegiesser: Kürzlich habe ich Kunden auf Mallorca besucht. Deren Hotels sind zwar inzwischen wieder ganz gut gebucht, doch auch dort sind die Preise gesunken. Und das hat dann Auswirkungen auf deren Investitionsverhalten. Doch alles in allem haben wir uns und hat sich die Branche insgesamt gut geschlagen in der Krise. Dabei hielten sich auch die Belastungen für die Belegschaften in Grenzen, der Lebensstandard hat nicht sehr gelitten.

Frage: Der Sommeraufschwung 2010 verdankt sich vor allem dem Export. Wie lange geht das gut, wenn die USA nicht richtig in Schwung kommen, die Chinesen Fahrt verlieren und in Europa die Staatshaushalte saniert werden?

Kannegiesser: Auch weil der Absturz uns noch in den Knochen steckt, freuen wir uns sehr über die aktuelle Entwicklung. Doch wir wissen um die Risiken. Dazu sind die Finanzierungsbedingungen schwieriger geworden, und die Firmen haben ihre Lager extrem runtergefahren. Das muss sich erst mal wieder normalisieren. Aber was soll man machen: Das Leben ist riskant. 

Leser-Kommentare
  1. "Wir sagen, dass unsere Kosten für Zeitarbeitnehmer ein Stück weit unter den Kosten unserer Mitarbeiter liegen sollten, deren Kompetenz langfristig gewachsen ist. Was dann die Zeitarbeitsfirmen ihren Leuten zahlen – das ist deren Sache."
    Wunderbar. Wir sind der Meinung, dass unsere Ware aus Bangladesch billiger sein sollte, als die aus Polen. Was die Zulieferer mit ihren Arbeitern machen ist deren Sache. So einfach ist das also....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Charles Taylor schrieb:
    "Der Drang, soziale Kosten erfolgreich abzuwälzen, macht den eigentlichen Wesenskern des Kapitalismus aus. Seine Nebenwirkungen werden als »externe Effekte« ausgegeben oder zum Problem von jemand anders erklärt. Die Abwälzung von Kosten – Umweltverschmutzung, Verfall sozialer Bindungen durch unsichere Beschäftigungsverhältnisse oder Niedriglöhne und so weiter – erhöht die Profite. Dieses Verfahren ist für den Kapitalismus unwiderstehlich, jedenfalls solange es keine wirksame Abschreckung gibt. "

    http://www.zeit.de/2005/1...

    Charles Taylor schrieb:
    "Der Drang, soziale Kosten erfolgreich abzuwälzen, macht den eigentlichen Wesenskern des Kapitalismus aus. Seine Nebenwirkungen werden als »externe Effekte« ausgegeben oder zum Problem von jemand anders erklärt. Die Abwälzung von Kosten – Umweltverschmutzung, Verfall sozialer Bindungen durch unsichere Beschäftigungsverhältnisse oder Niedriglöhne und so weiter – erhöht die Profite. Dieses Verfahren ist für den Kapitalismus unwiderstehlich, jedenfalls solange es keine wirksame Abschreckung gibt. "

    http://www.zeit.de/2005/1...

  2. "Im letzten Jahrzehnt liefen wir Gefahr, das zu überziehen, mit der Agenda 2010 gab es eine notwendige Korrektur. Auch durch das Prinzip Fördern und Fordern"
    ------------------------------------------------------

    Solch ein Vertreter des Neoliberalismus sagt ganz deutlich, für wen die AGENDA 2010 gemacht wurde!!!

    Nochmals meinen ´ausdrücklichen Dank´ an die SPD und GRÜNE, hervorragend gelungene sozialpolitische Umgestaltung der Gesellschaft !

    Schämt Euch in Grund und Boden!!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Im letzten Jahrzehnt liefen wir Gefahr, das zu überziehen, mit der Agenda 2010 gab es eine notwendige Korrektur. Auch durch das Prinzip Fördern und Fordern"
    ------------------------------------------------------

    Solch ein Vertreter des Neoliberalismus sagt ganz deutlich, für wen die AGENDA 2010 gemacht wurde!!!"

    Gekürzt. Achten Sie bitte auf eine respektvolle Wortwahl. Die Redaktion/sh

    • Chali
    • 09.08.2010 um 12:46 Uhr

    die ihre Aufstocker von mir und anderen Abhängig Beschäftigten bezahlen lassen?

    VWL-Professoren, Wirtschaftsweise, solche Leute?

    n. Das sie sich dafür hergegeben haben (unter Beifall von CDU/CSU/FDP, die noch verschärften, wo es nur ging), das ist die große Sauerei.

    Ausgeheckt haben das aber andere, die auch heute noch mehr dieser falschen Medizin verabreichen wollen:

    Lambsdorff-Papier vom 9. September 1982 (IV)
    Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

    Gerade Herr Kannegiesser mit seiner unsäglichen INSM-PR-Maschine, die von seinem Verband Gesamtmetall finanziert wird und denen allgegenwärtigen, oft im verdeckten Multipack als vermeintliche "Experten" auftretenden INSM-Kuratoren/Botschafter" trug und trägt da zusammen mit der "gemeinnützigen" Bertelsmann-Stiftung sehr viel bei zu den jetzigen Zuständen.

    Von Herrn Clement (Zeitarbeit und Verunglimpfungskampagnien) und Herrn Müntefering (Rente ab 67) mal ganz abgesehen, sowie Herrn Steinmeier als ausführendem Architekten der so genannten "Agenda 2010" und Hartz IV.

    Dazu laufen in den Bertelsmann-Medien die Serien:
    Der produzierte Prolet
    Bei aller Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern – den neuesten Tiefpunkt der Privaten haben sie noch nicht erreicht: Das sind die Doku-Soaps, frei erfundene Elendsreportagen auf RTL.

    "Im letzten Jahrzehnt liefen wir Gefahr, das zu überziehen, mit der Agenda 2010 gab es eine notwendige Korrektur. Auch durch das Prinzip Fördern und Fordern"
    ------------------------------------------------------

    Solch ein Vertreter des Neoliberalismus sagt ganz deutlich, für wen die AGENDA 2010 gemacht wurde!!!"

    Gekürzt. Achten Sie bitte auf eine respektvolle Wortwahl. Die Redaktion/sh

    • Chali
    • 09.08.2010 um 12:46 Uhr

    die ihre Aufstocker von mir und anderen Abhängig Beschäftigten bezahlen lassen?

    VWL-Professoren, Wirtschaftsweise, solche Leute?

    n. Das sie sich dafür hergegeben haben (unter Beifall von CDU/CSU/FDP, die noch verschärften, wo es nur ging), das ist die große Sauerei.

    Ausgeheckt haben das aber andere, die auch heute noch mehr dieser falschen Medizin verabreichen wollen:

    Lambsdorff-Papier vom 9. September 1982 (IV)
    Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

    Gerade Herr Kannegiesser mit seiner unsäglichen INSM-PR-Maschine, die von seinem Verband Gesamtmetall finanziert wird und denen allgegenwärtigen, oft im verdeckten Multipack als vermeintliche "Experten" auftretenden INSM-Kuratoren/Botschafter" trug und trägt da zusammen mit der "gemeinnützigen" Bertelsmann-Stiftung sehr viel bei zu den jetzigen Zuständen.

    Von Herrn Clement (Zeitarbeit und Verunglimpfungskampagnien) und Herrn Müntefering (Rente ab 67) mal ganz abgesehen, sowie Herrn Steinmeier als ausführendem Architekten der so genannten "Agenda 2010" und Hartz IV.

    Dazu laufen in den Bertelsmann-Medien die Serien:
    Der produzierte Prolet
    Bei aller Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern – den neuesten Tiefpunkt der Privaten haben sie noch nicht erreicht: Das sind die Doku-Soaps, frei erfundene Elendsreportagen auf RTL.

  3. gehören abgeschafft.

    "Was die Zeitarbeitsfirmen zahlen, ist deren Sache"

    Nein, denn dadurch, dass ZAF's die Tarifverträge umgehen können drücken sie die Löhne und lassen sich dann via Aufstocken quersubventionieren.

    "Unser Niedriglohnsektor ist ein Spiegelbild der Qualifikationsstruktur"

    Nein, nein, nein, wer glaubt oder behauptet, ZAF's würden unqualifizierte Menschen in Arbeit bringen lügt oder hat sich schon lange nichtmehr mit der Realität beschäftigt.
    Was ZAF's gerne machen ist zum Beispiel einen Gesellen hernehmen und dann als "Hilfskraft" beschäftigen, aber in Wirklichkeit arbeitet diese als "Hilfskraft" deklarierte und bezahlte Person dann als Geselle.

    Zeitarbeitsfirmen nehmen qualifizierte Menschen und stellen sie unter ihrer Qualifikation ein, bezahlen sie entsprechend. Kein Wunder, dass ZAF'S einfach nur als moderne Sklavenhalter bezeichnet werden.
    (U.a. deswegen, weil zu viele mit fragwürdigen Methoden arbeiten und sich herzlich wenig um Recht und Gesetz scheren.)

    Auch ist Fort- & Weiterbildung eh ein Fremdwort für diese Damen und Herren.

    Darum und deshalb dieses "Instrument" einschränken, restriktiv behandeln und letztendlich abschaffen.

  4. "Im letzten Jahrzehnt liefen wir Gefahr, das zu überziehen, mit der Agenda 2010 gab es eine notwendige Korrektur. Auch durch das Prinzip Fördern und Fordern"
    ------------------------------------------------------

    Solch ein Vertreter des Neoliberalismus sagt ganz deutlich, für wen die AGENDA 2010 gemacht wurde!!!"

    Gekürzt. Achten Sie bitte auf eine respektvolle Wortwahl. Die Redaktion/sh

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... da hast du Recht. Die widern mich auch an, die Rentiere, die andere für sich arbeiten lassen und deren Vermögen sich dadurch ohne nennenswerte Leistungserbringung ständig steigert. Schmarotzer an der Gesellschaft, Sozialschmarotzer.

    Dank Agenda 2010 wurden die aber nicht schlechtergestellt, sondern besser. Der Staat könnte jährlich 100-150 Mrd. an Steuereinahmen mehr haben, hätte er die nicht entlastet. Geld mit dem er ausreichend Jobs hätte schaffen können, durch Investition, Forschung, Bildung, usw.

    Immerhin ist jetzt 2010. Und was hat uns also die Agenda beschert? Einkommensverluste, den größten Niedriglohnsektor der EU, klamme Haushaltskassen und einen Finanzmarkt der sich selbst zum Herrscher über Politik und Wirtschaft aufgeschwungen hat und der sich die selbstverursachten Krisen von den Steuerzahlern ausgleichen lässt. Wahrhaft: die Grünen und die SPD sind mit großen Schritten vorangegangen. Sollte man aber eben nicht tun, wenn man auf dem falschen Pfad ist...

    ... da hast du Recht. Die widern mich auch an, die Rentiere, die andere für sich arbeiten lassen und deren Vermögen sich dadurch ohne nennenswerte Leistungserbringung ständig steigert. Schmarotzer an der Gesellschaft, Sozialschmarotzer.

    Dank Agenda 2010 wurden die aber nicht schlechtergestellt, sondern besser. Der Staat könnte jährlich 100-150 Mrd. an Steuereinahmen mehr haben, hätte er die nicht entlastet. Geld mit dem er ausreichend Jobs hätte schaffen können, durch Investition, Forschung, Bildung, usw.

    Immerhin ist jetzt 2010. Und was hat uns also die Agenda beschert? Einkommensverluste, den größten Niedriglohnsektor der EU, klamme Haushaltskassen und einen Finanzmarkt der sich selbst zum Herrscher über Politik und Wirtschaft aufgeschwungen hat und der sich die selbstverursachten Krisen von den Steuerzahlern ausgleichen lässt. Wahrhaft: die Grünen und die SPD sind mit großen Schritten vorangegangen. Sollte man aber eben nicht tun, wenn man auf dem falschen Pfad ist...

  5. ... leider einmal wieder nur aus der Sicht der Arbeitgeber. Dagegen wäre an sich noch nicht einmal etwas zu sagen, falls es entsprechende Stimmen (mit dem dazugehörigen Einfluss) gäbe, die aus der anderen Position erklingen. Die Gewerkschaften sind dazu zu schwach, weil sie wirtschaftspolitisch geschwächt wurden und ihre einzige Waffe nach wie vor recht wenig scharf ist. Die Politik wäre eine Alternative, doch sie bedient fast nur die Arbeitgeberseite - was kein Wunder bei Politprofis ist, die von Lobbyisten beeinflusst sind und selbst zumeist Arbeitgeber sind.

    Und dann kommt es eben zu solchen Aussagen wie hier von Kannegiesser zu Teilzeitarbeit und Qualifikationen, wieder und wieder seit Jahren, ohne dass die große Zahl der Betroffenen mit ihren weitaus existentielleren Problemen eine Stimme findet.

    Es ist eben, beispielsweise, NICHT nur Sache der Teilzeitarbeitsfirmen, welchen Lohn sie zahlen, sondern dies - wie auch die Stellung und Bedeutung solcher Firmen - ist auch und vor allem eine gesellschaftliche Angelegenheit. Die Unternehmer, auch ein Kannegiesser, darf sich hier nicht einfach entziehen, indem er NUR für sein Unternehmen spricht. Überdies ist seine Aussage, die eine betriebsinterne Erfahrung als Bewertungsmerkmal nennt, bestenfalls ein selektivier Blick und nur eine Setzung, die nichts leistet. Denn wäre dieses Merkmal das wichtigste, würden die Unternehmen gar keine Zeitarbeiter beschäftigen. Die Flexibilität ist der eigentliche Faktor - zu Ungunsten der AN.

    • gauss
    • 09.08.2010 um 11:39 Uhr

    Bei allem Respekt der hier schreibenden Kommentatoren, aber der gute Zustand des deutschen Arbeitsmarktes hat auch damit zu tun, dass schlecht Qualifizierte auch wieder einen Job finden. Dieses Entweder-Oder-Prinzip ist doch völlig realitätsfern. Man muss die Menschen prozentual zu ihren Fähigkeiten in den Arbeitsmarkt integrieren. Und wenn es eben nicht für 10€ die Stunde reicht, ist das eben so. Die Probleme werden dann ja nur verlagert. Der jetzige Arbeitsmarkt, ist der gerechteste, den die BRD je hatte. Die Leute werden nach Leistung bezahlt. Wer mehr leistet, bekommt auch mehr. Es bringt doch nichts nur "gute Arbeit" anzubieten für die es dann keine Arbeitnehmer gibt. Wer das fordert, will die Unfähigen belohnen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "aber der gute Zustand des deutschen Arbeitsmarktes hat auch damit zu tun, dass schlecht Qualifizierte auch wieder einen Job finden"

    *lol*

    Ja, neuerdings ist der Arbeits*markt* auch dann schon in Ordnung, wenn alle für trocken Brot arbeiten.

    Drei Viertel der Leiharbeiter ist eben nicht *gering* qualifiziert. Die meisten haben Ausbildung, viele Studium:
    http://www.sueddeutsche.d...

    Man sollte der Propagandamaschine nicht so bedingungslos Glauben schenken.

    "Und wenn es eben nicht für 10€ die Stunde reicht, ist das eben so."

    Wieviel jemand bekommt, hängt nicht wesentlich von seiner Leistung ab, sondern von seiner Machtposition.

    "Die Leute werden nach Leistung bezahlt. Wer mehr leistet, bekommt auch mehr."

    *lol* das kann nur ein Besserverdiener schreiben.

    Ist natürlich nicht der Fall, viel verdienen die, die noch alte Verträge haben, Leute die während der Wirtschaftswunderzeit nach oben in hohe Positionen "fielen". Auch tariflich organisierte verdienen idR nicht schlecht. Werden nur immer weniger.

    Jeder der arbeitet soll ordentlich leben können und bitte: Arbeitslosigkeit ist kein Schicksal sondern politisch gewollt. Es wäre ein leichtes Vollbeschäftigung mit gescheiten Löhnen zu erreichen. Der Staat müsste nur das Geld dazu schöpfen, klappte ja auch bis in die 70iger. Aber es ist nicht gewollt, grunddämlicher wirtschaftsliberaler Ideologie gedankt.

    Liebster gauss, nur soviel: noch nie hat Leistung weniger eine Rolle gespielt als heute. Genau das ist ja das Problem.

    Ich weiß es zwar nicht, aber Sie können unmöglich ein Leben mitten im realen Arbeitsmarkt führen, sonst wüssten Sie es besser, sonst könnten Sie nicht lediglich die schöne Theorie - so, wie sie von interessierten Kreisen propagiert wurde und wird - als die Wirklichkeit darstellen.

    Den Rest erspare ich mir. Weia...

    "Bei allem Respekt der hier schreibenden Kommentatoren, aber der gute Zustand des deutschen Arbeitsmarktes hat auch damit zu tun, dass schlecht Qualifizierte auch wieder einen Job finden."

    Sagten Sie eben guter Zustand? Den Witz eben habe ich nicht verstanden. Das Problem ist doch vielmehr, daß eben viele gut Qualifizierte in die Zeitarbeit getrieben werden.

    "Man muss die Menschen prozentual zu ihren Fähigkeiten in den Arbeitsmarkt integrieren. Und wenn es eben nicht für 10€ die Stunde reicht, ist das eben so. Die Probleme werden dann ja nur verlagert."

    Auf wen verlagert? Auf die Arbeitnehmer und den einheimischen Binnenmarkt, der seit Jahren stagniert und uns den Weg zu mehr Wirtschaftswachstum verbaut? Der sog. Aufschwung, den wir jetzt verzeichnen, wird so gut wie ausschließlich durch die Nachfrage aus dem Ausland, vor allem aus China, erzeugt. Vom Binnenmarkt ist in absehbarer Zeit nichts zu erwarten, sollte nicht bald ein Umdenken in der Lohnpolitik einsetzen. Aber genau das will Kannegiesser ja verhindfern.

    "Es bringt doch nichts nur "gute Arbeit" anzubieten für die es dann keine Arbeitnehmer gibt. Wer das fordert, will die Unfähigen belohnen."

    Wieso werden dann auch die Löhne in dem Bereich gedrückt, die nicht für den Export arbeiten? Das Argument, von Kannegiesser selbst erwähnt, daß in den exportorientierten Branchen immer noch gute Löhne gezahlt werden, konterkariert dazu dessen Aussage, die deutschen Produkte seien nicht konkurrenzfähig.

    "aber der gute Zustand des deutschen Arbeitsmarktes hat auch damit zu tun, dass schlecht Qualifizierte auch wieder einen Job finden"

    *lol*

    Ja, neuerdings ist der Arbeits*markt* auch dann schon in Ordnung, wenn alle für trocken Brot arbeiten.

    Drei Viertel der Leiharbeiter ist eben nicht *gering* qualifiziert. Die meisten haben Ausbildung, viele Studium:
    http://www.sueddeutsche.d...

    Man sollte der Propagandamaschine nicht so bedingungslos Glauben schenken.

    "Und wenn es eben nicht für 10€ die Stunde reicht, ist das eben so."

    Wieviel jemand bekommt, hängt nicht wesentlich von seiner Leistung ab, sondern von seiner Machtposition.

    "Die Leute werden nach Leistung bezahlt. Wer mehr leistet, bekommt auch mehr."

    *lol* das kann nur ein Besserverdiener schreiben.

    Ist natürlich nicht der Fall, viel verdienen die, die noch alte Verträge haben, Leute die während der Wirtschaftswunderzeit nach oben in hohe Positionen "fielen". Auch tariflich organisierte verdienen idR nicht schlecht. Werden nur immer weniger.

    Jeder der arbeitet soll ordentlich leben können und bitte: Arbeitslosigkeit ist kein Schicksal sondern politisch gewollt. Es wäre ein leichtes Vollbeschäftigung mit gescheiten Löhnen zu erreichen. Der Staat müsste nur das Geld dazu schöpfen, klappte ja auch bis in die 70iger. Aber es ist nicht gewollt, grunddämlicher wirtschaftsliberaler Ideologie gedankt.

    Liebster gauss, nur soviel: noch nie hat Leistung weniger eine Rolle gespielt als heute. Genau das ist ja das Problem.

    Ich weiß es zwar nicht, aber Sie können unmöglich ein Leben mitten im realen Arbeitsmarkt führen, sonst wüssten Sie es besser, sonst könnten Sie nicht lediglich die schöne Theorie - so, wie sie von interessierten Kreisen propagiert wurde und wird - als die Wirklichkeit darstellen.

    Den Rest erspare ich mir. Weia...

    "Bei allem Respekt der hier schreibenden Kommentatoren, aber der gute Zustand des deutschen Arbeitsmarktes hat auch damit zu tun, dass schlecht Qualifizierte auch wieder einen Job finden."

    Sagten Sie eben guter Zustand? Den Witz eben habe ich nicht verstanden. Das Problem ist doch vielmehr, daß eben viele gut Qualifizierte in die Zeitarbeit getrieben werden.

    "Man muss die Menschen prozentual zu ihren Fähigkeiten in den Arbeitsmarkt integrieren. Und wenn es eben nicht für 10€ die Stunde reicht, ist das eben so. Die Probleme werden dann ja nur verlagert."

    Auf wen verlagert? Auf die Arbeitnehmer und den einheimischen Binnenmarkt, der seit Jahren stagniert und uns den Weg zu mehr Wirtschaftswachstum verbaut? Der sog. Aufschwung, den wir jetzt verzeichnen, wird so gut wie ausschließlich durch die Nachfrage aus dem Ausland, vor allem aus China, erzeugt. Vom Binnenmarkt ist in absehbarer Zeit nichts zu erwarten, sollte nicht bald ein Umdenken in der Lohnpolitik einsetzen. Aber genau das will Kannegiesser ja verhindfern.

    "Es bringt doch nichts nur "gute Arbeit" anzubieten für die es dann keine Arbeitnehmer gibt. Wer das fordert, will die Unfähigen belohnen."

    Wieso werden dann auch die Löhne in dem Bereich gedrückt, die nicht für den Export arbeiten? Das Argument, von Kannegiesser selbst erwähnt, daß in den exportorientierten Branchen immer noch gute Löhne gezahlt werden, konterkariert dazu dessen Aussage, die deutschen Produkte seien nicht konkurrenzfähig.

  6. @Hräswelger

    Was wären die Alternativen zur Agenda 2010 gewesen?

    @Krumm Denken

    Gegen Zeitarbeit ist grundsätzlich erst einmal nichts einzuwenden. Es gibt etwas zwischen dem, was derzeit mit Zeitarbeitern stattfindet und abschaffen. Zeitarbeit hat seine Berechtigung und sollte so konzipiert sein, Auftragsspitzen aufzufangen, von denen man noch nicht weiß, ob sie dauerhaft sind und Menschen eine Chance geben, wieder in eine dauerhafte Beschäftigung zu kommen. Wie wäre es einfach mit folgender Regelung:

    Zeitarbeit darf maximal für ein Jahr in einer Firma andauern und maximal um weitere sechs Monate verlängert werden. Dann darf dieser Arbeitnehmer für zwei Jahre in diesem Unternehmen nicht mehr als Zeitarbeiter beschäftigt werden oder er wird eben in diesem Unternehmen festangestellt. Das würde viele Missstände in Bezug auf die Zeitarbeit beseitigen, die es derzeit zweifellos gibt. Das ändert aber nichts daran, dass Zeitarbeit ein Teil des Arbeitsmarktes ist.

    Vieles von dem, was Kannegieser sagt, ist richtig. Aus seinem Munde hat es aber leider einen faden Beigeschmack und klingt, wie in Kommentar 1 beschrieben: "Wir sind der Meinung, dass unsere Ware aus Bangladesch billiger sein sollte, als die aus Polen. Was die Zulieferer mit ihren Arbeitern machen ist deren Sache. "

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nein!

    => Darum und deshalb dieses "Instrument" einschränken, restriktiv behandeln und letztendlich abschaffen.

    Zeitarbeit darf nicht als Zustand missbraucht werden. Und schon garnicht als Lohndumping und AN-Rechte-Verweigerungsintrument.

    Würde man gesetzlich dafür sorgen, dass Zeitarbeit wirklich nur zum "Abfangen von Spitzen" einsetzen würde, gäbe es den ganzen versc..... Schmodder mit 30 - 40 % ZA's in Firmen über Jahre einfach nicht.

    Und genau deswegen: Zeitarbeit und Zeitarbeitsfirmen gerade wegen dem stattfindenden Missbrauch restriktiv einschränken bis hin zu Abschaffung.

    Das ist meine Meinung. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Zeitarbeit und Zeitarbeitsfirmen.
    Zeitarbeit. gehört. Verboten.

    Und da hilft auch das zynisch klingende Geschwurbel von angeblichen "Minderqualifiziert", "Chance(n) durch Zeitarbeit" nichts. Was gängige Praxis bei Zeitarbeitsfirmen ist habe ich hier geschrieben:

    "Zeitarbeitsfirmen nehmen qualifizierte Menschen und stellen sie unter ihrer Qualifikation ein, bezahlen sie entsprechend."

    => Geselle ist auf einmal Hilfskraft und macht seinen Gesellen"job" mit Hilfskraftsgehalt.
    => Meister ist auf einmal "Geselle" und macht seinen Meister"job" mit Gesellengehalt.
    =>Der Ingenieur wird auf einmal zum Projektmitarbeiter vergewohltätigt und kriegt nur die hälfte von dem was ein Festangesteller Ing. bekommt

    Toll was? Zeitarbeit missbraucht natürlich überhauptnicht aus Prinzip... *Ironie*

    und natürlich Mindestlöhne.

    Dann können Sie sich vieles andere schenken, was sie geschrieben haben.

    Ansonsten wird das nichts.

    Nieman kann etwas gegen Leiharbeit haben, wie sie VOR Hartz IV und Clements Änderungen einemal war - nämlich ein nützliches Instrument zur Spitzenabdeckung mit gutem Personal, das eben wegen des flexiblen Einsatzes mehr verdiente als die Festangestellten (und auch oftmals abgeworben wurden).

    Heute ist es genau umgekehrt.

    Zu Ihrem Punkt 1:
    Die damalige Regelungen waren so schlecht nicht. Es brauchte also weder eine Agenda 2010 noch eine Alternative - ausser echten (Weiter-)Bildungsmaßnahmen.

    Bestimmte Kreise wollten aber ein ganz klares Ziel durchsetzen, das sie aus den USA von den Chicago-Boys gelernt hatten, um ein Niedriglohnsegment zur eigenen Profitmaximierung durchsetzen zu können. In Schröder hatten diese Herrschaften offensichtlich den "richtigen" gefunden, der sämtliche Ideale und Ziele seiner Partei über den Haufen warf. Seither ist ja die sPD nur eine rot angestrichene CDU/FDP und wird es auch bleiben mit den Seeheimern im Boot.

    Nein!

    => Darum und deshalb dieses "Instrument" einschränken, restriktiv behandeln und letztendlich abschaffen.

    Zeitarbeit darf nicht als Zustand missbraucht werden. Und schon garnicht als Lohndumping und AN-Rechte-Verweigerungsintrument.

    Würde man gesetzlich dafür sorgen, dass Zeitarbeit wirklich nur zum "Abfangen von Spitzen" einsetzen würde, gäbe es den ganzen versc..... Schmodder mit 30 - 40 % ZA's in Firmen über Jahre einfach nicht.

    Und genau deswegen: Zeitarbeit und Zeitarbeitsfirmen gerade wegen dem stattfindenden Missbrauch restriktiv einschränken bis hin zu Abschaffung.

    Das ist meine Meinung. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Zeitarbeit und Zeitarbeitsfirmen.
    Zeitarbeit. gehört. Verboten.

    Und da hilft auch das zynisch klingende Geschwurbel von angeblichen "Minderqualifiziert", "Chance(n) durch Zeitarbeit" nichts. Was gängige Praxis bei Zeitarbeitsfirmen ist habe ich hier geschrieben:

    "Zeitarbeitsfirmen nehmen qualifizierte Menschen und stellen sie unter ihrer Qualifikation ein, bezahlen sie entsprechend."

    => Geselle ist auf einmal Hilfskraft und macht seinen Gesellen"job" mit Hilfskraftsgehalt.
    => Meister ist auf einmal "Geselle" und macht seinen Meister"job" mit Gesellengehalt.
    =>Der Ingenieur wird auf einmal zum Projektmitarbeiter vergewohltätigt und kriegt nur die hälfte von dem was ein Festangesteller Ing. bekommt

    Toll was? Zeitarbeit missbraucht natürlich überhauptnicht aus Prinzip... *Ironie*

    und natürlich Mindestlöhne.

    Dann können Sie sich vieles andere schenken, was sie geschrieben haben.

    Ansonsten wird das nichts.

    Nieman kann etwas gegen Leiharbeit haben, wie sie VOR Hartz IV und Clements Änderungen einemal war - nämlich ein nützliches Instrument zur Spitzenabdeckung mit gutem Personal, das eben wegen des flexiblen Einsatzes mehr verdiente als die Festangestellten (und auch oftmals abgeworben wurden).

    Heute ist es genau umgekehrt.

    Zu Ihrem Punkt 1:
    Die damalige Regelungen waren so schlecht nicht. Es brauchte also weder eine Agenda 2010 noch eine Alternative - ausser echten (Weiter-)Bildungsmaßnahmen.

    Bestimmte Kreise wollten aber ein ganz klares Ziel durchsetzen, das sie aus den USA von den Chicago-Boys gelernt hatten, um ein Niedriglohnsegment zur eigenen Profitmaximierung durchsetzen zu können. In Schröder hatten diese Herrschaften offensichtlich den "richtigen" gefunden, der sämtliche Ideale und Ziele seiner Partei über den Haufen warf. Seither ist ja die sPD nur eine rot angestrichene CDU/FDP und wird es auch bleiben mit den Seeheimern im Boot.

  7. "Wir haben auf der einen Seite Fachkräftemangel und auf der anderen Seite zu geringe Qualifikationen".

    Was sind denn Qualifikationen. Was macht Menschsein aus? Was macht Arbeit aus? Was macht bezahlenswerte Arbeit aus. Ist Arbeit, die NICHT bezahlt wird, automatisch keine Qualtitätsarbeit.

    Was ist mit Ehrenämtern? Alles Idioten?

    Was ist mit Hausfrauen und Müttern? Alles Idioten?

    Was ist mit einem Müllmann? Ein Idiot?

    Was ist eigentlich mit den vielen schweren und ungeliebten Arbeiten? Sollte nicht vielleicht endlich auch mal deren "Schwersein" gewürdigt UND bezahlt werden? Zum Beispiel, dass man jeden Tag den Dreck anderer Leute wegmacht, den schlechten Geruch in der Nase hat, ohne sich zu übergeben und sich dabei bestenfalls sein Kreuz kaputt macht, weil man jeden Tag Mülltonnen von was-weiß-ich-wieviel-Tonnen Gewicht "hochhechtet".

    Qualifikationen. Ja sicher, gibt es Qualifikationen. Wenn Qualifikationen das eigentliche Problem sind, warum investiert der Staat dann nicht endlich MEHR in Bildung, statt in Rüstung, Gesteinsprobenentnahmen auf dem Mars und dergleichen hochbezahlbaren Unsinn mehr.

    Ist doch alles relativ. und daher irgendwie absurd.

    Sorry, ich weiß - mal wieder zu viel Polemik für die Redaktion. Guten Appetit beim Löschsalat. Wir haben ja bald Mittagszeit.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...sondern schlecht oder unpassend gebildete bzw. mit einer Ausbildung, die bereits das Verfalldatum überschritten hat, ausgestattete Menschen.

    Und wenn wir als rohstoffarmes Land weiterhin unseren Wohlstand halten wollen, benötigen wir Menschen mit aktueller Bildung, die diese auch einsetzen und sich nicht ins Privatleben zurückziehen, um von dieser Position aus, Alimentierung zu fordern.

    ...sondern schlecht oder unpassend gebildete bzw. mit einer Ausbildung, die bereits das Verfalldatum überschritten hat, ausgestattete Menschen.

    Und wenn wir als rohstoffarmes Land weiterhin unseren Wohlstand halten wollen, benötigen wir Menschen mit aktueller Bildung, die diese auch einsetzen und sich nicht ins Privatleben zurückziehen, um von dieser Position aus, Alimentierung zu fordern.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service