Die Bundesregierung will sich nicht zu dem angeblichen Angebot der Atomwirtschaft äußern, für die Zahlung von 30 Milliarden Euro die Laufzeit von Kernkraftwerken um zwölf Jahre zu verlängern. Das Energiekonzept solle Ende September beschlussfertig sein, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin. "Zu den einzelnen Ständen der Umsetzung geben wir vor Abschluss der Gespräche keinerlei Stellungnahme ab." Die Regierung lässt derzeit mehrere Modelle für längere Laufzeiten errechnen.

Als "unmoralischen Handel" kritisierte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn das Angebot der Energiewirtschaft. "Die Atomkonzerne wollen sich mit ihren Milliarden längere Laufzeiten, Steuerfreiheit und niedrige Sicherheitsauflagen erkaufen", sagte Höhn. "Eine Regierung mit grüner Beteiligung wird sich an so einen schmutzigen Deal in keiner Weise gebunden fühlen." Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND sprach von einem "gefährlichen Kuhhandel".

Die vier großen Energiekonzerne Eon, EnBW, RWE und Vattenfall hätten der Regierung 30 Milliarden Euro für die Verlängerung der Laufzeit ihrer Meiler um zwölf Jahre angeboten, schreibt das Handelsblatt . Sie wollten eine Brennelementesteuer verhindern. Steegmans sagte, die Brennelementesteuer und die steuerliche Beteiligung der Kernenergiewirtschaft seien fest im Sparpaket vereinbart .

Deutschlands größter Versorger Eon hat der Bundesregierung einen unklaren Kurs in der Energiepolitik vorgeworfen und vor zu hohen Belastungen der Branche durch Atomabgaben gewarnt. Auch zehn Monate nach Abschluss des Koalitionsvertrags "besteht immer noch keine Klarheit über den künftigen energiepolitischen Kurs", schrieb Eon-Chef Johannes Teyssen im veröffentlichten Zwischenbericht des Konzerns zum ersten Halbjahr 2010. "Hierzu gehört nicht nur, aber eben auch eine Entscheidung über die Zukunft der Kernenergie in Deutschland", heißt es in dem Brief an die Aktionäre.

Eon sei zu einem "Vorteilsausgleich" für längere Laufzeiten durchaus bereit, wenn er in einem angemessenen Verhältnis zu den zusätzlichen Erlösen stehe. "Wir warnen aber davor, zusätzliche Belastungen in einer Größenordnung zu schaffen, die den Betrieb von Kernkraftwerken wirtschaftlich unmöglich macht und sogar dazu führen könnte, dass dringend notwendige Investitionsmittel für den ökologischen Umbau der Energieversorgung nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich habe der Politik unmissverständlich gesagt, dass wir diesen Weg für falsch halten, ökonomisch wie ökologisch", schrieb er weiter. Der Bund plant eine Brennelementesteuer von jährlich insgesamt 2,3 Milliarden Euro für die Branche. Für Eon würden durch diese Steuer Kosten von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro entstehen, hieß es.