Wirtschaftsforschung Warum Darwin ein Segen für die Ökonomie ist
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Unternehmen stehen in einem täglichen Kampf ums Überleben

Die Angst vor dem Marktaustritt befeuert einen Innovationswettlauf, in dem sich kein Unternehmen lange auf seinen Errungenschaften ausruht. Die Unternehmen stehen in einem täglichen Kampf ums Überleben und verändern sich ständig.

Schumpeters Theorie lässt sich auch auf andere Bereiche der Wirtschaft übertragen. Ökonom Lehmann-Waffenschmidt glaubt: Auch die Verbraucher stehen in einem Wettbewerb um den besten Konsum: "Es gibt Vorreiter, die einen bestimmten Konsum vorleben, den andere dann imitieren." Dadurch ändere sich die Nachfrage; Nischenprodukte könnten plötzlich zu Kassenschlagern werden.

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Ein Beispiel ist der Aufstieg von biologisch angebauten Lebensmitteln aus den muffigen Ecken der Bioläden in die vordersten Regale der Supermärkte. In einer Welt, die nach den Modellen der Mainstream-Ökonomik funktioniert, wäre so etwas undenkbar, da dort die Vorlieben der Verbraucher unveränderlich sind.

Mit seinem Modell über die wechselhafte Kauflaune der Verbraucher hat Lehmann-Waffenschmidt auch im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Gehör gefunden. Die Beamten beauftragten ihn, herauszufinden, was Menschen dazu bringt, nachhaltig erzeugte Lebensmittel zu kaufen.

Oft haben es Evolutionsökonomen aber noch schwer, mit ihren Ideen an die Öffentlichkeit zu gelangen. "Bei großen Fachzeitschriften wird mit den Kriterien der Mainstream-Ökonomik entschieden, welcher Artikel veröffentlicht wird", sagt Lehmann-Waffenschmidt. Daher sei es auch schwierig, junge Forscher für die evolutorische Ökonomik zu gewinnen. "Karriere macht man immer noch mit den neoklassischen Modellen und Theorien."

Beim wissenschaftlichen Nachwuchs wächst das Interesse dennoch: "Die Studenten sind mehr und mehr unzufrieden mit den neoklassischen ökonomischen Modellen, weil die so grundlegende Krisen wie die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise nicht erklären konnten", weiß Friedrun Quaas, Professorin am Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig.

(Erschienen im Handelsblatt.)

 
Leser-Kommentare
  1. ... sind Leute, die sich die Realität ansehen und dann forschen, ob es auch in der Theorie klappt.

  2. Die Ökonomen sind methodologisch und theoretisch im 19. Jahrhundert steckengeblieben. Und da soll ausgerechnet ein Blick auf Darwin helfen? Und dann auch noch mit Analogiebildungen? Was diese "Wissenschaft" bräuchte, wäre ein echter Wissenschaftler, etwa wie Ilja Prigogine (Nobelpreis 1977) der mit seiner Nichtgleichgewichtsthermodynamik die physikalische Chemie aus dem Gleichgewichtsirrtum befreit hat. Dummerweise war ein Ergebnis seiner Forschungen, dass exakte Vorhersagen nicht möglich sind. Das dürfte so manchem dieser Großsprecher der ökonomischen Zunft kaum in den Kram passen - und erst recht nicht jenen, die am liebsten aus dem ganzen Leben ein Managementproblem machen wollen.

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    also das lässt sich so nicht sagen. Die Ökonomie ist eine schwierigere Wissenschafft als bsw. die Chemie, denn man kann hier keine Versuche aufbauen, um Theorien zu testen. Damit meine ich nicht den Anspruch, sondern die Geschwindigkeit des Fortschritts.

    Es ist wichtig, die Essenz eines Zusammenhangs zu verstehen. Bei einem Steinwurf interessiert mich nicht so sehr der Luftwiederstand, ich konzentriere mich auf die Essenz. Bei Märkten ganauso. Ich versuche erst zu verstehen, wie es funktioniert beim Homo Ökonomicus. Um zu verstehen. Dann erst kümmere ich mich um bsw. Informationsasymetrie.

    @Morchel: Ich denke es geht in der Ökonomie darum zu verstehen. Dass Sie das in diesem Fall nicht können/wollen ist offensichtlich...

    also das lässt sich so nicht sagen. Die Ökonomie ist eine schwierigere Wissenschafft als bsw. die Chemie, denn man kann hier keine Versuche aufbauen, um Theorien zu testen. Damit meine ich nicht den Anspruch, sondern die Geschwindigkeit des Fortschritts.

    Es ist wichtig, die Essenz eines Zusammenhangs zu verstehen. Bei einem Steinwurf interessiert mich nicht so sehr der Luftwiederstand, ich konzentriere mich auf die Essenz. Bei Märkten ganauso. Ich versuche erst zu verstehen, wie es funktioniert beim Homo Ökonomicus. Um zu verstehen. Dann erst kümmere ich mich um bsw. Informationsasymetrie.

    @Morchel: Ich denke es geht in der Ökonomie darum zu verstehen. Dass Sie das in diesem Fall nicht können/wollen ist offensichtlich...

    • hk0815
    • 17.08.2010 um 14:32 Uhr

    Bei einem Markt im Gleichgewicht würde jede wirtschaftliche Tätigkeit zum Erliegen kommen, das lässt sich mathematisch beweisen. Es ist gerade das Ungleichgewicht, das die Marktwirtschaft antreibt und dem Unternehmer überhaupt die Möglichkeit zum Gewinn eröffnet.
    Die Österreichische Schule hat die Gleichgewichtsvorstellung abgelehnt und sieht den Markt als einen Entdeckungsprozess, in dem Unternehmer ihre Umwelt "erkunden" und versuchen, Informationsvorteile zu erlangen, die die Grundlage ihres Gewinns bilden. Unter Konkurrenz ergibt sich dadurch ein Wettbewerb um besseres Wissen, aus dem die Effizienz und Innovationsstärke des markwirtschaftlichen Prozesses entspringt.

  3. 4. Naja,

    also das lässt sich so nicht sagen. Die Ökonomie ist eine schwierigere Wissenschafft als bsw. die Chemie, denn man kann hier keine Versuche aufbauen, um Theorien zu testen. Damit meine ich nicht den Anspruch, sondern die Geschwindigkeit des Fortschritts.

    Es ist wichtig, die Essenz eines Zusammenhangs zu verstehen. Bei einem Steinwurf interessiert mich nicht so sehr der Luftwiederstand, ich konzentriere mich auf die Essenz. Bei Märkten ganauso. Ich versuche erst zu verstehen, wie es funktioniert beim Homo Ökonomicus. Um zu verstehen. Dann erst kümmere ich mich um bsw. Informationsasymetrie.

    @Morchel: Ich denke es geht in der Ökonomie darum zu verstehen. Dass Sie das in diesem Fall nicht können/wollen ist offensichtlich...

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    Die Forderung nach einem neuen Prigogine war natürlich ein wenig polemisch gemeint. In dem Artikel ging es ja vordringlich um die Insuffizienz der Gleichgewichtstheorien. Diese sind m. E. methodologisch durchaus der Gleichgewichtsthermodynamik verpflichtet. An und für sich wäre das auch noch nicht einmal ein Problem: Unter den geregelten Bedingungen des Labors funktionieren die physikalisch-chemischen "Gesetze", die aus den empirischen Gleichungen abgeleitet wurden, ja sehr gut. Nur: Die Illusion, dass diese "Gesetze" die Realität abbilden, und zwar so, dass sich daraus eine schicksalhafte Berechenbarkeit bis in alle Ewigkeit ergibt (Stichwort: Wärmetod des Universums), hat spätestens Prigogine den Physikochemikern genommen. Diesen Erkenntnisschritt vermisse ich bis heute beim Gros der Ökonomen. Stattdessen sehe ich jede Menge präpotentes Gehabe, und das trotz aller Krisen und nicht eingetroffener Prognosen, die diese Zunft doch eigentlich wie den Kaiser ohne Kleider dastehen lässt.

    Ein Augenöffner war für mich in dieser Hinsicht Jeffrey Sachs, der in seinem Buch "Das Ende der Armut" sinngemäß geschrieben hat, dass er die Ökonomie erst verstanden habe, nachdem er sich in der realen Welt umgesehen habe. Ein wenig Demut von dieser Güte würde ich allen Vertretern des Fachs wünschen wollen, ehe sie uns mit neuen Spielarten des Sozialdarwinismus 'beglücken'.

    Die Forderung nach einem neuen Prigogine war natürlich ein wenig polemisch gemeint. In dem Artikel ging es ja vordringlich um die Insuffizienz der Gleichgewichtstheorien. Diese sind m. E. methodologisch durchaus der Gleichgewichtsthermodynamik verpflichtet. An und für sich wäre das auch noch nicht einmal ein Problem: Unter den geregelten Bedingungen des Labors funktionieren die physikalisch-chemischen "Gesetze", die aus den empirischen Gleichungen abgeleitet wurden, ja sehr gut. Nur: Die Illusion, dass diese "Gesetze" die Realität abbilden, und zwar so, dass sich daraus eine schicksalhafte Berechenbarkeit bis in alle Ewigkeit ergibt (Stichwort: Wärmetod des Universums), hat spätestens Prigogine den Physikochemikern genommen. Diesen Erkenntnisschritt vermisse ich bis heute beim Gros der Ökonomen. Stattdessen sehe ich jede Menge präpotentes Gehabe, und das trotz aller Krisen und nicht eingetroffener Prognosen, die diese Zunft doch eigentlich wie den Kaiser ohne Kleider dastehen lässt.

    Ein Augenöffner war für mich in dieser Hinsicht Jeffrey Sachs, der in seinem Buch "Das Ende der Armut" sinngemäß geschrieben hat, dass er die Ökonomie erst verstanden habe, nachdem er sich in der realen Welt umgesehen habe. Ein wenig Demut von dieser Güte würde ich allen Vertretern des Fachs wünschen wollen, ehe sie uns mit neuen Spielarten des Sozialdarwinismus 'beglücken'.

  4. der reinen Ökonomie erbringt keine nachhaltige Erkenntnis. Nur der Blick auf sogenannte fremde Disziplinen kann der Ökonomie weiterhelfen. Würde man Ökonomie als eine Soziologie der kommerziellen Beziehungen begreifen, wäre ein Schritt zu mehr Erkenntnisfortschritt geleistet.

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    heißt das Stichwort. Bis heute versuche ich dahinterzukommen, wie die mir völlig unverständliche Dominanz der Wirtschaftswissenschaften eigentlich entstanden ist. Damals auf der Uni konnte ich die Anfänge davon begutachten (Überfüllte Hörsäle, arrogante Studis, die sich aufführten als wären sie schon vor Bestehen der ersten Klausur die neuen "Masters of the Universe"). Und ich fürchte, der Wahnsinn geht weiter.

    heißt das Stichwort. Bis heute versuche ich dahinterzukommen, wie die mir völlig unverständliche Dominanz der Wirtschaftswissenschaften eigentlich entstanden ist. Damals auf der Uni konnte ich die Anfänge davon begutachten (Überfüllte Hörsäle, arrogante Studis, die sich aufführten als wären sie schon vor Bestehen der ersten Klausur die neuen "Masters of the Universe"). Und ich fürchte, der Wahnsinn geht weiter.

  5. Die Forderung nach einem neuen Prigogine war natürlich ein wenig polemisch gemeint. In dem Artikel ging es ja vordringlich um die Insuffizienz der Gleichgewichtstheorien. Diese sind m. E. methodologisch durchaus der Gleichgewichtsthermodynamik verpflichtet. An und für sich wäre das auch noch nicht einmal ein Problem: Unter den geregelten Bedingungen des Labors funktionieren die physikalisch-chemischen "Gesetze", die aus den empirischen Gleichungen abgeleitet wurden, ja sehr gut. Nur: Die Illusion, dass diese "Gesetze" die Realität abbilden, und zwar so, dass sich daraus eine schicksalhafte Berechenbarkeit bis in alle Ewigkeit ergibt (Stichwort: Wärmetod des Universums), hat spätestens Prigogine den Physikochemikern genommen. Diesen Erkenntnisschritt vermisse ich bis heute beim Gros der Ökonomen. Stattdessen sehe ich jede Menge präpotentes Gehabe, und das trotz aller Krisen und nicht eingetroffener Prognosen, die diese Zunft doch eigentlich wie den Kaiser ohne Kleider dastehen lässt.

    Ein Augenöffner war für mich in dieser Hinsicht Jeffrey Sachs, der in seinem Buch "Das Ende der Armut" sinngemäß geschrieben hat, dass er die Ökonomie erst verstanden habe, nachdem er sich in der realen Welt umgesehen habe. Ein wenig Demut von dieser Güte würde ich allen Vertretern des Fachs wünschen wollen, ehe sie uns mit neuen Spielarten des Sozialdarwinismus 'beglücken'.

    Antwort auf "Naja,"
  6. Ökonomie hat den Status von seriöser Wissenschaft verloren.
    Die Biologie ist aber eine seriöse Wissenschaft.
    Daher passt beides nicht zusammen.
    Ökonomen leben in einer Traumwelt.
    Ökonomen denken sich aus, wie die Welt zu funktionieren hat.
    Durch Wettbewerb werden Unternehmen immer besser, das ist der Anreiz für mehr Qualität, höher, schneller, weiter, ...
    Auch die Kriminellen werden immer besser und ausgefuchster. Das blenden die Ökonomen einfach aus.
    Ich hab noch keine Affen oder Giraffen bei Preisabsprachen beobachtet.
    Oder bestechliche Alphatiere (Lobbyismus bei Politikern).
    Der freie Wettbewerb ist Anarchie. Es geht selten zu, wie man es sich in der Theorie ausmalt. Jeder möchte im Vorteil sein, egal mit welchen Mitteln. Alles andere ist Utopie und Wunschdenken.
    FAZIT: Es gibt keine Theorie welche genau das beschreibt, was wir beobachten!!! Höchstens Chaostheorie.

  7. heißt das Stichwort. Bis heute versuche ich dahinterzukommen, wie die mir völlig unverständliche Dominanz der Wirtschaftswissenschaften eigentlich entstanden ist. Damals auf der Uni konnte ich die Anfänge davon begutachten (Überfüllte Hörsäle, arrogante Studis, die sich aufführten als wären sie schon vor Bestehen der ersten Klausur die neuen "Masters of the Universe"). Und ich fürchte, der Wahnsinn geht weiter.

    Antwort auf "Das Modelldenken"

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