Sommerreise Merkel gibt die Energiekanzlerin

Die Kanzlerin reist durchs Land und besucht Orte, die wichtig sind für die deutsche Energiepolitik. Sie will Ruhe in den Atomstreit bringen – und ihr Image retten.

Kanzlerin Angela Merkel posiert auf ihrer Energiereise vor Windturbinen in Krempin bei Rostock

Kanzlerin Angela Merkel posiert auf ihrer Energiereise vor Windturbinen in Krempin bei Rostock

Die Kanzlerin kommt nicht alle Tage nach Zartzow, deshalb hat sich der kleine Ort in Mecklenburg-Vorpommern besonders viel Mühe gegeben. Zwischen Raps- und Weizenfeldern haben die Bewohner ein weißes Festzelt aufgebaut, in dem sie die Kanzlerin empfangen wollen. Das Neueste, das sie auftreiben konnten, sagt ein Anwohner. Es steht direkt neben einem großen Windrad, das gemütlich vor sich hinrotiert. Es ist windig in Zartzow und das ist gut. Denn der Wind hat die Regenwolken vertrieben. Und das Windrad die Kanzlerin angelockt.

Angela Merkel kommt nach Zartzow, um sich ein Bild zu machen: Wie steht es um die Zukunft der Energie in Deutschland? Vier Tage reist die Kanzlerin durch das Land und besucht Orte, an denen Energie produziert oder gehandelt wird. Erste Station ist der Windpark von Zartzow, am Donnerstag geht es weiter zur Energiebörse nach Leipzig. Mit ihrer Reise reagiert Merkel nicht nur auf einen seit Monaten andauernden Streit in der Koalition darüber, ob und wie lange die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängert werden. Die Kanzlerin macht auch die Energiepolitik zur Chefsache. Sie versucht zu retten, was noch zu retten ist.

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In Zartzow versorgen zwölf Windräder auf einem Feld neben dem Dorf etwa 8.000 Haushalte mit sauberem Strom. Der Windpark gehört zum Teil den Bürgern und der Gemeinde Carinerland. Die hat große Pläne: Bis 2020 möchte sich die Gemeinde vollständig selbst mit erneuerbaren Energien versorgen – und so unabhängig werden von steigenden Energiepreisen und fossilen Brennstoffen.

Es hat symbolischen Wert, dass die Kanzlerin ihre Energiereise ausgerechnet in einem Windpark beginnt. Noch vor wenigen Monaten wurde Merkel häufig Klimakanzlerin genannt. Dieses Image hat ihr gefallen. Sie war bekannt als eine Frau, die sich um die Umwelt sorgt, die bei internationalen Verhandlungen immer mehr Klimaschutz fordert als andere. Doch davon ist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht viel übrig geblieben. Heute bestimmen andere Begriffe die politische Diskussion und das Image der Kanzlerin. Begriffe, mit denen man nicht gerne in Verbindung gebracht werden möchte: Laufzeitverlängerung, Brennelemente, Brückentechnologie. Aus der Klimakanzlerin Angela Merkel wurde eine Kanzlerin, die sich für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken einsetzt – so sehen es zumindest viele Bürger, auch in Zartzow.

Merkel kommt eine viertel Stunde zu spät. Als sie aus ihrer Limousine steigt, wird sie zuerst von Fotografen belagert. Die Energiereise ist auch eine Reise der Bilder, das weiß die Kanzlerin. Deshalb sucht sie sofort den Kontakt zu den Menschen aus Zartzow, die brav an einer Absperrung stehen und warten.

Der Regen hat den Boden zu Matsch gemacht und die Kanzlerin muss aufpassen, dass sie nicht in eine der vielen Pfützen tritt. Merkel braucht schöne Bilder. Sie steuert auf eine Frau zu, die eine Sonnenblume in der Hand hält. "Oh, die ist für mich?", sagt Merkel und greift zur Blume. Die Kameras der Fotografen klicken vor Aufregung. Da ist sie wieder, die Klimakanzlerin, zumindest für einen Moment.

Die Energiereise soll der Kanzlerin auch dabei helfen, ein wenig Ruhe in die öffentliche Debatte über die Laufzeitverlängerung zu bringen. Bis 2050 soll Deutschland vollständig durch erneuerbare Energien versorgt werden. In diesem Punkt sind sich alle einig. Doch wie erreicht man diese Marke? An dieser Frage scheiden sich die Geister.

Leser-Kommentare
    • Picaro
    • 19.08.2010 um 10:41 Uhr

    Das macht sich gut in der Bevölkerung, eine Frau Merkel die sich für Windenergie einsetzt. Bilder zum einschmeicheln.
    Die Realität schaut anders aus. Uralte Kernkraftwerke, die nach Expertenmeinung längst abgeschaltet werden müßten, bleiben wohl mit der Zustimmung der Kanzlerin für weitere Jahrzehnte am Netz.
    Da wird Sicherheit vorgegaukelt, zum Beispiel durch Prüfungen des TÜV Süd die es nicht gibt.
    http://www.rbb-online.de/...
    Nach Kenntnis dieses Berichtes kann jeder selbst beurteilen, was Sicherheit von AKW in Deutschlang bedeutet.

    • mhmmmm
    • 19.08.2010 um 11:09 Uhr

    Auf dem ZDF lief letztens ne Doku, die man nicht verpasst haben sollte.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1090144/Frontal21-Dokumentation:-Der-große-Bluff

  1. Hat denn diese Frau wirklich nichts besseres zu tun, als durch die Lande zu tingeln und irgendwelchen Rotorblättern zuzusehen. Oder wie Dampf aus einem Kühlturm quillt?

    Glaubt denn diese Dame, dass man damit irgend einen Menschen hinterm Ofen hervor locken kann?

    Was damals, als sie den Eisbergen beim Schmelzen zugeschaut hatte, nicht geklappt hat, wird auch dieses mal nicht klappen. Nämlich dass auch nur der Dümmste von einer solchen Mission beindruckt sein wird.

    Sie sollte lieber an ihren Schreibtisch zurück kehren und mal die aufgestauten Dinge, die liegen geblieben sind, abarbeiten.
    Kein Kraftwerk läuft runder, nur weil sie mal zu einem Fotoshooting daneben stand.

    Was für ein Kindergarten!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ich kann das Geschriebene voll unterstützen und möchte noch ergänzen, wo ist denn der zuständige Umweltminister ??? (wird hier der nächste demontiert, um der Regentin nicht gefährlich zu werden) - denn ob NRW nach einer gerade verlorenen Wahl wichtiger ist?

    Auch ist es m.E. unsinnig durch die Gegend zu fahren und die wirklichen Probleme der Endlagerung zu negieren - hier scheint die Analytikerin (als die sie sich ja gerne bezeichnen läßt) aber total zu versagen.

    ...ich kann das Geschriebene voll unterstützen und möchte noch ergänzen, wo ist denn der zuständige Umweltminister ??? (wird hier der nächste demontiert, um der Regentin nicht gefährlich zu werden) - denn ob NRW nach einer gerade verlorenen Wahl wichtiger ist?

    Auch ist es m.E. unsinnig durch die Gegend zu fahren und die wirklichen Probleme der Endlagerung zu negieren - hier scheint die Analytikerin (als die sie sich ja gerne bezeichnen läßt) aber total zu versagen.

    • ngw16
    • 19.08.2010 um 12:18 Uhr

    Zwar etwas früh, aber der war doch mal was mit Vogel und Wurm.

    Hm, ob Merkel da noch Spitzenkandidatin ist?

  2. ...ich kann das Geschriebene voll unterstützen und möchte noch ergänzen, wo ist denn der zuständige Umweltminister ??? (wird hier der nächste demontiert, um der Regentin nicht gefährlich zu werden) - denn ob NRW nach einer gerade verlorenen Wahl wichtiger ist?

    Auch ist es m.E. unsinnig durch die Gegend zu fahren und die wirklichen Probleme der Endlagerung zu negieren - hier scheint die Analytikerin (als die sie sich ja gerne bezeichnen läßt) aber total zu versagen.

  3. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

    • angste
    • 19.08.2010 um 13:00 Uhr
    7. Abfall

    Solange Merkel auf dieser Reise nicht auch Asse und Morsleben besucht kann sie nicht im geringsten von "Energiereise sprechen.

    Atomstrom und Atommüll sind untrennbar verbunden.

  4. Ja jetzt reist sie durch das Land, immer auf der suche nach schönen Bildern. Aber ihr Image läßt sich nicht retten. Mal das Thema Energie besetzen, morgen vielleicht wieder die Schwäbische Hausfrau spielen. Immer schön beliebig und sich bloß nicht politisch festlegen, keine klare Aussagen treffen. Denn damit könnte man sie ja später konfrontieren.Das Ergebniss steht eigentlich schon fest.Alle Szenarien die sie durchspielen läßt, lassen Laufzeitverlängerungen zu. Den Vorschlag der Energieriesen statt einer Brennelementesteuer doch lieber 30Milliarden Euro zu zahlen findet sie "Symphatisch". Den das bedeutet ja auch Rechtssicherheit.Was hat unsere "Windkraftkanzlerin" bloß für ein Demokratieverständnis.Gegen die Mehrheit der Bevölkerung und ohne geeignete Endlagerstätten für den Atommüll will man anscheinend bis in alle Ewigkeit an dieser überholten Technologie festhalten.Ich hoffe das sich die Union mit den Kraftwerksbetreibern tatsächlich auf diesen Deal einigt. Denn das würde unweigerlich vor dem Bundesverfassungsgericht landen und Union/FDP hätten für lange Zeit ihre letzte Glaubwürdigkeit verspielt. Die nächsten Monate werden spannend...Röttgen ist in der falschen Partei, er sollte zu den Grünen wechseln.

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