Beschäftigung In Zukunft werden Fachkräfte richtig knapp

Aktuelle Zahlen zeigen: Noch herrscht in Deutschland kein Fachkräftemangel. Doch bald werden Millionen Arbeitskräfte fehlen. Zuwanderung allein hilft nicht dagegen.

Bald heiß begehrt auf dem Arbeitsmarkt: Ingenieur eines Kohlekraftwerks in Jänschwalde (Archivbild)

Bald heiß begehrt auf dem Arbeitsmarkt: Ingenieur eines Kohlekraftwerks in Jänschwalde (Archivbild)

Zwei, drei Jahre lang wurde das Thema durch die Wirtschaftskrise verdrängt, plötzlich ist es wieder da: der Fachkräftemangel. Zuerst stritten sich Regierung und Opposition, Gewerkschaften und die Bundesagentur für Arbeit, wie man ihn am besten bekämpfen soll. Die Zuwanderung erleichtern ? Lieber einheimische Talente besser aus- und weiterbilden ? Dann ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Sprecher ausrichten, die Zuwanderungsgesetze bedürften keiner grundsätzlichen Überarbeitung , und fuhr in die Sommerfrische.

Doch bis zum Herbst wird das Problem nicht verschwinden. Im Gegenteil: Es wird in den kommenden Jahren größer werden. Politik wie Unternehmen täten gut daran, schon jetzt für die Zeit der Knappheit vorzusorgen.

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Im Moment kann von einem allgemeinen Fachkräftemangel nämlich trotz aller Klagen noch gar keine Rede sein. Zwar beziffert der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) die Zahl der fehlenden Ingenieure auf 36.000. Dem IT-Verband Bitkom zufolge sehen ein Drittel seiner Mitgliedsunternehmen im Mangel an qualifiziertem Personal ein Hindernis für ihre Geschäftstätigkeit. Der DIHK berichtet, aus Sicht seiner Mitglieder sei die Knappheit an geeigneten Fachkräften – ob Akademiker, Facharbeiter oder qualifizierte Azubis – ein Hindernis für den gerade begonnenen Aufschwung. Neben Ingenieuren und IT-Fachleuten fehlen auch Pflegekräfte und Erzieherinnen .

Doch zugleich liegt die Zahl der Arbeitslosen immer noch bei mehr als drei Millionen, und weitere Indizien sprechen ebenfalls gegen einen flächendeckenden Expertenmangel. So wandern immer noch Fach- und Führungskräfte aus. Im Jahr 2009 verließen 155.000 Deutsche das Land, viele von ihnen, weil sie sich anderswo bessere Karrierechancen erhofften.

Bräuchten die Unternehmen tatsächlich so dringend Personal, würden sie solche Leute viel stärker umwerben. Einzelfälle deuten zumindest darauf hin, dass sie das nicht tun. So streicht Siemens, einer der wichtigsten Arbeitgeber für technisches Fachpersonal in Deutschland, 2000 Stellen in einem Tochterunternehmen, dem IT-Dienstleister SIS. Vor allem ältere Ingenieure sollen durch Prämien zum Ausstieg bewegt werden.

Aktuelle Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg bestätigen: Es gibt Engpässe in bestimmten Unternehmen, aber von einem flächendeckenden Fachkräftemangel ist Deutschland noch weit entfernt. Insgesamt lag die Zahl der offenen Stellen in Deutschland im zweiten Quartal bei rund 977.000, zehn Prozent über dem Niveau des Vorquartals – doch vor Einsetzen der Rezession, im Jahr 2008, waren noch deutlich mehr Stellen unbesetzt.

"Offensichtlich sind viele Betriebe weiterhin vorsichtig mit Neueinstellungen und beobachten die weitere Entwicklung", sagt Anja Kettner, die am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zum Fachkräftemangel forscht. Ihren Erhebungen zufolge zeigt sich der Zuwachs der offenen Stellen vor allem unter Großunternehmen. Doch in kleineren Betrieben, die für den Arbeitsmarkt insgesamt deutlich wichtiger seien, habe sich der Bedarf an Arbeitskräften trotz des beginnenden Aufschwungs noch nicht erhöht.

Ansonsten verweist das IAB auf Forschungsergebnisse, die schon vor der Krise galten, im August 2007. "Aktuell gibt es keine Anzeichen für einen allgemeinen Fachkräftemangel, auch wenn die Lage in einigen Teilarbeitsmärkten angespannt ist", hieß es damals in einer Stellungnahme. "Der vielfach diskutierte Ingenieurmangel kann bisher nur in einigen Teilbereichen beobachtet werden – auf längere Frist sind jedoch breitere Mangellagen zu erwarten."

Leser-Kommentare
  1. Wir bei diesen Rechnungen die Produktivitätssteigerung im Laufe von 40 Jahren berücksichtigt? Alleine der durchschnittliche Tischcomputer wird bereits im Jahr 2020 32 Mal schneller sein als heutige Topmodelle.

  2. nicht einen auf Nelson Muntz zu machen. .oO(Ha. Ha!)

    http://www.zeit.de/2010/3...

    Zuerst vergraulen die Unternehmen einheimische Fachkräfte in das Ausland (bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedinungen, bessere Aussichten usw.). Den Studenten versaut man mit Bologna (wäre es doch nur ein italienisches Gericht :<) und Studiengebühren den Spaß am studieren. (Das Bildungsniveau der Bevölkerung aber hält nicht Schritt.)

    Und nun wird unsere Lobby-Regierung bestimmt nicht davor zurückzuschrecken ein Gastarbeiter-2.0-Programm aufzulegen.

    Die Firmen haben es einfach nicht verdient jetzt - neben den fallenden Ost-Schranken - jetzt auch noch nach belieben im Ausland mit Lohndumpingabsichten nach "Fachkräften" zu fischen.

    => Statt im Ausland um bestimmte Berufsgruppen zu werben, die in einer Branchenkrise schnell arbeitslos werden könnten, sollte die Politik lieber die Rahmenbedingungen so setzen, dass qualifizierte Fachleute grundsätzlich aus Deutschland kommen. Sollte das hoffentlich heißen! *böse guck*

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    entfleucht mir nur bei diesem thema. denn gerade in dieser frage hat man munter auf den beschriebenen zustand hingearbeitet und ihn gefördert, so gut es geht: billiglohnland deutschland, abwertung diverser branchen durch 1-€-jobs etc., abwertung der ehemals guten deutschen studienabschlüsse durch eine art mac-studium, billiglohnkräfte auch an den unis, in den volkshochschulen etc., gläserne grenze für qualifizierte schon ab mitte dreißig(!)... und vieles mehr. einiges wurde hier ja bereits genannt: vertreibung der fachkräfte ins ausland durch aktive initiativen der arbeitsmarktbehörden (!), entwertung älterer qualifizierter arbeitskräfte, die in der arbeitslosigkeit versauern... nicht zuletzt die katastrophale situation auf dem ausbildungsmarkt, wo eine ganze generation an jungen leuten in den letzten jahren schon durch das sogenannte übergangssystem in die aussichtslosigkeit getrieben wird (und da wundert man sich, daß die "keinen bock" mehr haben, gewalt zunimmt etc.)

    man kommt sich schon vor wie unter den berühmten schildbürgern, die das licht mit eimern ins rathaus trugen. die spatzen pfiffen es von den dächern, wo diese maßnahmen hinführen, aber die wirtschaftsweisen feierten ihre einsparungen im personalbereich. und merkten nicht, daß sie am eigenen ast sägen. ja sie merken es heute noch nicht. und wenn die situation dann richtig akut wird (heute kündigt sie sich ja erst an), wird man lamentieren und jammern und nicht wissen, wieso und weshalb. ich sehe es schon genau.

    wenn ich diesen artikel lese, besonders aber wenn ich die aktuellen meldungen über den neuen aufguß eines alten themas höre, dann schwant mir, worum es wirklich geht:

    - die einwerbung von fachkräften, die man nicht selbst in deutschland ausbilden mußte (spart ausbildungskosten, besonders lukrativ für unternehmen, zunehmend aber auch in staatlichen stellen),

    - die bereit sind zu bedingungen zu arbeiten, die in deutschland eigentlich nicht möglich sind dank der tarife. eigentlich. denn tatsächlich werden diese ja seit etlichen jahren bereits sehr kreativ durch wirtschaftsunternehmen (und nicht nur durch diese, besonders sozial"unternehmen" sind darin auch sehr kreativ) unterwandert und ausgehebelt.

    - und die man schnell wieder loswerden kann, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, dem steuerzahler also nicht zur last fallen, wie gegenwärtig

    ich kann es nur immer wieder sagen: man kommt sich vor wie bei den schildbürgern! nur die waren ja vorsätzlich dumm. aber die diesen unsinn verzapfen, die glauben ja tatsächlich an das, was sie da tun.

    entfleucht mir nur bei diesem thema. denn gerade in dieser frage hat man munter auf den beschriebenen zustand hingearbeitet und ihn gefördert, so gut es geht: billiglohnland deutschland, abwertung diverser branchen durch 1-€-jobs etc., abwertung der ehemals guten deutschen studienabschlüsse durch eine art mac-studium, billiglohnkräfte auch an den unis, in den volkshochschulen etc., gläserne grenze für qualifizierte schon ab mitte dreißig(!)... und vieles mehr. einiges wurde hier ja bereits genannt: vertreibung der fachkräfte ins ausland durch aktive initiativen der arbeitsmarktbehörden (!), entwertung älterer qualifizierter arbeitskräfte, die in der arbeitslosigkeit versauern... nicht zuletzt die katastrophale situation auf dem ausbildungsmarkt, wo eine ganze generation an jungen leuten in den letzten jahren schon durch das sogenannte übergangssystem in die aussichtslosigkeit getrieben wird (und da wundert man sich, daß die "keinen bock" mehr haben, gewalt zunimmt etc.)

    man kommt sich schon vor wie unter den berühmten schildbürgern, die das licht mit eimern ins rathaus trugen. die spatzen pfiffen es von den dächern, wo diese maßnahmen hinführen, aber die wirtschaftsweisen feierten ihre einsparungen im personalbereich. und merkten nicht, daß sie am eigenen ast sägen. ja sie merken es heute noch nicht. und wenn die situation dann richtig akut wird (heute kündigt sie sich ja erst an), wird man lamentieren und jammern und nicht wissen, wieso und weshalb. ich sehe es schon genau.

    wenn ich diesen artikel lese, besonders aber wenn ich die aktuellen meldungen über den neuen aufguß eines alten themas höre, dann schwant mir, worum es wirklich geht:

    - die einwerbung von fachkräften, die man nicht selbst in deutschland ausbilden mußte (spart ausbildungskosten, besonders lukrativ für unternehmen, zunehmend aber auch in staatlichen stellen),

    - die bereit sind zu bedingungen zu arbeiten, die in deutschland eigentlich nicht möglich sind dank der tarife. eigentlich. denn tatsächlich werden diese ja seit etlichen jahren bereits sehr kreativ durch wirtschaftsunternehmen (und nicht nur durch diese, besonders sozial"unternehmen" sind darin auch sehr kreativ) unterwandert und ausgehebelt.

    - und die man schnell wieder loswerden kann, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, dem steuerzahler also nicht zur last fallen, wie gegenwärtig

    ich kann es nur immer wieder sagen: man kommt sich vor wie bei den schildbürgern! nur die waren ja vorsätzlich dumm. aber die diesen unsinn verzapfen, die glauben ja tatsächlich an das, was sie da tun.

    • Chali
    • 05.08.2010 um 13:23 Uhr

    Respekt: " So wandern immer noch Fach- und Führungskräfte aus."
    Ich glaube in der Tat, dass dies, genau gieses, ein eindeutiger Indikator ist. Die skandinavischen Läner, Holland, Luxemburg - nirgends ein Problem.

    http://www.nachdenkseiten...

  3. ganz einfach. Ein Zukunftsprogramm, nachhaltig, wirtschaftlich sinnvoll, gesellschaftlich gewollt: BILDUNG!!! Fangt endlich an, Bildungs- und keine Wirtschaftspolitik zu machen..

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    Ich halte das für überschätzt. Es handelt sich großteils nur um Rosinenpickerei, fortgesetzte Selektion die bereits in der Grundschulzeit beginnt. Abschlüsse als Türöffner. Um die echte Befähigung geht es selten. Und dass man inzwischen schon als "Gebäudereiniger" eine mehrjährige Berufsausbildung braucht, das geht einfach an jeder pragmatischen Sinnhaftigkeit von Bildung vorbei und dient nur noch der Selektion. Die Arbeitgeber konnten ja nun über Jahre aus einem Überangebot am Arbeitsmarkt schöpfen, wo die Leute ihre Arbeitskraft ohne Ende verramscht haben weil sie so verzweifelt auf Suche nach Arbeit waren.

    Daran ändern auch immer neue Rufe nach Qualifikation nichts, dadurch steigt die Zahl der offenen Stellen nicht an. Und das Handwerk, viele Millionen Deutsche sind im Handwerk tätig aber alles redet immer nur über die Großindustrie, hat bereits eklatante Nachwuchssorgen. Und wenn die jungen Leute studieren dann nicht Ingenieur oder Mathematiker, wo es Mangel hat, sondern irgendwelche Geistes- oder Sozialwissenschaften von denen es eh schon zuviel am Arbeitsmarkt gibt. Das nennt man dann auf Neudeutsch "Mismatch". Ein bischen taktischer sollten Studienanfänger halt auch denken.

    • KEM
    • 05.08.2010 um 14:05 Uhr

    Die Rahmenbedingungen für Bildung und Arbeit sind in Deutschland für gut ausgebildete Arbeitskräfte einfach nicht attraktiv genug. Mehr Bildung allein nützt da wenig.

    Ich lebe seit einigen Jahren in Großbritannien und jeder Versuch, nach Deutschland zurückzukehren, ist bisher gescheitert. Es ist Vieles toll an Deutschland, ich würde gerne wieder dort leben und arbeiten, aber stoße überall auf Hindernisse, die nicht sein müssten und die mir die Lust auf Deutschland nehmen. Das beginnt schon beim Bewerbungsprozess, der in Deutschland im Vergleich unendlich kompliziert und langwierig ist. Die hohe Abgabenlast durch Steuern, Sozial- und Krankenversicherung macht arbeiten in Deutschland auch nicht gerade attraktiv. Dazu kommt die unflexible Einstellung der Arbeitgeber. Da wird ein Bewerber, der drei Sprachen auf Muttersprachniveau spricht, fachlich sehr gut qualifiziert ist und Jahre relevante Arbeitserfahrung hat nicht in Betracht gezogen, weil das Studium vor Jahren mit 2 anstatt 1 abgeschlossen wurde und man generall nur 1er Kandidaten berücksichtigt. Der Lebenslauf wird nicht einmal angesehen, obwohl der nach Jahren Berufserfahrung eindeutig aussagekräftiger ist als die Abschlussnote des Studiums. Unter diesen Vorraussetzungen darf sich kein Arbeitgeber und kein Politiker beschweren, dass es nicht genügend Fachkräfte gibt.

    Ich halte das für überschätzt. Es handelt sich großteils nur um Rosinenpickerei, fortgesetzte Selektion die bereits in der Grundschulzeit beginnt. Abschlüsse als Türöffner. Um die echte Befähigung geht es selten. Und dass man inzwischen schon als "Gebäudereiniger" eine mehrjährige Berufsausbildung braucht, das geht einfach an jeder pragmatischen Sinnhaftigkeit von Bildung vorbei und dient nur noch der Selektion. Die Arbeitgeber konnten ja nun über Jahre aus einem Überangebot am Arbeitsmarkt schöpfen, wo die Leute ihre Arbeitskraft ohne Ende verramscht haben weil sie so verzweifelt auf Suche nach Arbeit waren.

    Daran ändern auch immer neue Rufe nach Qualifikation nichts, dadurch steigt die Zahl der offenen Stellen nicht an. Und das Handwerk, viele Millionen Deutsche sind im Handwerk tätig aber alles redet immer nur über die Großindustrie, hat bereits eklatante Nachwuchssorgen. Und wenn die jungen Leute studieren dann nicht Ingenieur oder Mathematiker, wo es Mangel hat, sondern irgendwelche Geistes- oder Sozialwissenschaften von denen es eh schon zuviel am Arbeitsmarkt gibt. Das nennt man dann auf Neudeutsch "Mismatch". Ein bischen taktischer sollten Studienanfänger halt auch denken.

    • KEM
    • 05.08.2010 um 14:05 Uhr

    Die Rahmenbedingungen für Bildung und Arbeit sind in Deutschland für gut ausgebildete Arbeitskräfte einfach nicht attraktiv genug. Mehr Bildung allein nützt da wenig.

    Ich lebe seit einigen Jahren in Großbritannien und jeder Versuch, nach Deutschland zurückzukehren, ist bisher gescheitert. Es ist Vieles toll an Deutschland, ich würde gerne wieder dort leben und arbeiten, aber stoße überall auf Hindernisse, die nicht sein müssten und die mir die Lust auf Deutschland nehmen. Das beginnt schon beim Bewerbungsprozess, der in Deutschland im Vergleich unendlich kompliziert und langwierig ist. Die hohe Abgabenlast durch Steuern, Sozial- und Krankenversicherung macht arbeiten in Deutschland auch nicht gerade attraktiv. Dazu kommt die unflexible Einstellung der Arbeitgeber. Da wird ein Bewerber, der drei Sprachen auf Muttersprachniveau spricht, fachlich sehr gut qualifiziert ist und Jahre relevante Arbeitserfahrung hat nicht in Betracht gezogen, weil das Studium vor Jahren mit 2 anstatt 1 abgeschlossen wurde und man generall nur 1er Kandidaten berücksichtigt. Der Lebenslauf wird nicht einmal angesehen, obwohl der nach Jahren Berufserfahrung eindeutig aussagekräftiger ist als die Abschlussnote des Studiums. Unter diesen Vorraussetzungen darf sich kein Arbeitgeber und kein Politiker beschweren, dass es nicht genügend Fachkräfte gibt.

  4. Ich habe in meinem Leben schon mehrere Male erlebt, dass "Experten" einen bestimmten Fachkräftemangel vorhersagten - und dann total falsch lagen. Zumindest ist es korrekt, dass der demografische Faktor das Bild der arbeitenden Bevölkerung verändern wird und dass für den Erhalt eines gesellschaftlichen Standards immer mehr Bildung benötigt wird. Aber lässt sich hieraus schon der Mangel schließen? Und welche Konsequenzen hat dies - nicht nur für die wirtschaftliche Seite? Es gibt einfach keine Diskussion darüber, man folgt nur den Vorgaben einer Wirtschaft, die hier sowohl für eine Gesellschaft als auch für ein Individuum das einfach unterstellt, was sie anderswo bereits tat: unbegrenztes Wachstum.

    Aber selbst wenn - schauen wir doch auf die Politik! Dann möchte man doch am liebsten die Regierungen davon jagen. Ausbau von Bildungsangeboten? Fehlanzeige! Der größte Impuls waren zuletzt die Schaffung von Elite-Universitäten. Bin mir jetzt nicht ganz sicher, was "Elite" sagt, aber irgend wie hat das doch nichts mit Bildung aller zu tun, nicht? Ein Konjunkturpaket unterstützte den Kauf von neuen Autos, ein bisschen fiel dann noch für die Schulen ab. Und das neue Sparpaket listet Kürzungen überall da auf, wo Bildung am dringendsten gefordert wäre, etwa bei der Bundesagentur für Arbeit. Hat irgend wer etwas davon gehört, dass das ALG II erhöht werden sollte (auch über Gutscheine) für Kurse oder Bücher für Langzeitarbeitslose? Und die Zahl der Stellen für Lehrer und Dozenten... na ja

  5. Ich halte das für überschätzt. Es handelt sich großteils nur um Rosinenpickerei, fortgesetzte Selektion die bereits in der Grundschulzeit beginnt. Abschlüsse als Türöffner. Um die echte Befähigung geht es selten. Und dass man inzwischen schon als "Gebäudereiniger" eine mehrjährige Berufsausbildung braucht, das geht einfach an jeder pragmatischen Sinnhaftigkeit von Bildung vorbei und dient nur noch der Selektion. Die Arbeitgeber konnten ja nun über Jahre aus einem Überangebot am Arbeitsmarkt schöpfen, wo die Leute ihre Arbeitskraft ohne Ende verramscht haben weil sie so verzweifelt auf Suche nach Arbeit waren.

    Daran ändern auch immer neue Rufe nach Qualifikation nichts, dadurch steigt die Zahl der offenen Stellen nicht an. Und das Handwerk, viele Millionen Deutsche sind im Handwerk tätig aber alles redet immer nur über die Großindustrie, hat bereits eklatante Nachwuchssorgen. Und wenn die jungen Leute studieren dann nicht Ingenieur oder Mathematiker, wo es Mangel hat, sondern irgendwelche Geistes- oder Sozialwissenschaften von denen es eh schon zuviel am Arbeitsmarkt gibt. Das nennt man dann auf Neudeutsch "Mismatch". Ein bischen taktischer sollten Studienanfänger halt auch denken.

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