Jede Laufzeitverlängerung verschärft den Systemkonflikt
Wer hingegen die Weichen rechtzeitig stellt, wer auf ökologische Modernisierung setzt, wer die ohnehin notwenigen Reformen beherzt angeht, der sichert den Standort Deutschland und seinen Wohlstand. Dass unsere Zukunft und unser Wohlstand – trotz aller Beteuerung der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft – auf einer Industriegesellschaft basieren wird, sei an dieser Stelle gerne bekannt. Die derzeitige Industriegesellschaft wird sich dazu allerdings zu einer nachhaltigen Industriegesellschaft wandeln müssen. Der Industriestandort Deutschland wird den globalen Innovationswettlauf in einer ressourcenbegrenzten Welt aber nur mit Technologien von morgen gewinnen können.
Wer die konventionellen Energieträger Öl, Gas, Kohle und Uran hinsichtlich Rohstoffbedarf, Emissionen, Endlagerbedarf für Kohlendioxid und radioaktive Abfälle mit den erneuerbaren Energieträgern Wind und Sonne vergleicht, kann redlicher Weise nicht bestreiten, dass erneuerbare Energien die einzigen Energieträger sind, die langfristig klima- und umweltverträglich und damit nachhaltig im strengen Sinne des Wortes sind. Es liegt zudem auf der Hand, dass die Stromerzeugung mit konventionellen Kraftwerken im Laufe der Zeit immer teurer wird, mit erneuerbaren Energien jedoch immer günstiger.
Jede Laufzeitverlängerung verschärft den – auch von der Energiewirtschaft nicht bestrittenen – Systemkonflikt zwischen konventionellen und erneuerbaren Energien auf dem Weg zur regenerativen Vollversorgung und kommt uns am Ende teuer zu stehen.
Hundert Prozent erneuerbare Energien gibt es freilich nicht zum Nulltarif. Da das Potenzial für die Erneuerbaren in Europa jedoch zwanzigfach höher ist als der Bedarf, gibt es genügend Spielraum, die Standorte umwelt- und sozialverträglich zu gestalten. Es versteht sich von selbst, dass die Erneuerbaren dort besonders kostengünstig genutzt werden können, wo sie von Natur aus vorzüglich sind, also die Sonne in den südlichen Ländern Europas oder gar in Nordafrika und der Wind an den Küsten und auf dem Meer. Dem hat auch die Förderpolitik Rechnung zu tragen.
Wind und Sonne können in Europa die Hauptlast der zukünftigen Energieerzeugung tragen, bei der Stromversorgung ohnehin, mit Elektromobilität und exzellent gedämmten Gebäuden aber auch in den Bereichen Verkehr und Wärme. Für den Lastausgleich der fluktuierenden Energien sind zwangsläufig große Speicher und Netze erforderlich. Diese notwendigen Infrastrukturen müssen europaweit geplant und jeweils mit vor Ort geworbener Akzeptanz umgesetzt werden. Bei aller Sympathie für vielfältige dezentrale Lösungen werden Energiekonzerne mit Windparks, Speichern und Netzen auch zukünftig genug zu tun haben und die Aktionäre auch weiterhin auskömmliche Renditen erzielen.
Die Politik sollte ihren Primat nutzen und heute die Weichen für eine nachhaltige Energieversorgung stellen. Erforderlich ist eine mutige Energiepolitik, die sich an ambitionierten Zielen orientiert und nicht an basarmäßig entsprossenen Laufzeiten.
- Datum 31.08.2010 - 11:50 Uhr
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Ein guter Artikel. Offen gestanden leuchtet mir bei der aktuellen Debatte um den Ausstieg aus dem Ausstieg nicht so ganz ein, wieso der Weg in die energietechnische Zukunft ausgerechnet mit einem Schritt zurück in die Vergangenheit beginnen soll. Neuen Technologien über die Förderung der alten zum Durchbruch zu verhelfen strapaziert die Gesetze der Logik denn doch etwas zu sehr. Ohnehin steht beim nächsten Regierungswechsel vermutlich wieder der Ausstieg aus dem Wiedereinstieg auf dem Programm und der ganze Spass beginnt von vorn.
Noch mehr Gerudere als in der deutschen Energiepolitik gibt es sonst wohl nur beim "Boat Race" zwischen Oxford und Cambridge. Obwohl der Vergleich zugegeben ziemlich hinkt. Beim "Boat Race" sind ambitionierte junge Leute mit Zukunft damit beschäftigt, mit aller Energie ein klar definiertes Ziel zu erreichen. Und dgl. kann man von der deutschen Energiepolitik nun wirklich nicht behaupten...
.....die Weichen für eine nachhaltige Energieversorgung stellen", so wie sie das für den Fernverkehr mit dem Transrapid getan hat.
Es geht zudem nicht um "Bezahlbarkeit" regenerativer Energien. "Bezahlbar" ist Vieles. Es ist aber halt auch verschwenderisch. Regenerative Energien sind nun mal noch recht teuer. Bezahlen tun das die Menschen von denen einige sich die Mehrkosten vom Munde absparen müssen. Einige verlieren mittelfristig ihre Arbeit und können nur hoffen, dass sie die besseren Zeiten der im Artikel gepriesenen langen Frist erleben.
Das bedeutet nicht, dass wir nicht auf lokal verfügbare Energie umstellen sollten. Wir sollten unser Know How im alternativen Energiesektor verbessern und unsere Produktionsverfahren optimieren. Keine Frage. Wir sollten dies aber gesamtgesellschaftlich vernünftig tun. Vernünftig heißt aber hier auch auf die heutigen Kosten zu achten. Und die Kosten für alternative Energie ist weitgehend noch sehr teuer. Die Mehrkosten gehen aber dann von Konsum und Ersparnissen ab.
Wieder einmal wird die Kostenfrage mit der Phrase: "gibt es freilich nicht zum Nulltarif" erledigt!
Da war das Interview mit Herrn Schmidt gestern bei Zeit-online schon etwas ehrlicher, wenngleich auch dort die Kostenfrage sehr schwammig und verklausuliert erschien (235 MRD, daneben staatliche Investitionen...).
Kann es Ziel der Energiepolitik sein, so schnell wie möglich einen 100%tigen Anteil an regenerativer Energie zu erreichen? Bar jeder Berücksichtigung der Kostenfrage? Sicher, wenn man vorab Endlager für Brennelemente etc. als unmöglich verwirft und den Klimawandel durch deutsche Anstrengungen scheinbar global eindämmen möchte, erscheint dies der einzige Ausweg.
Der Autor vermengt deutsche, europäische und globale Fragen sehr beliebig. Sicherlich ist es erfreulich, wenn Deutschland bei den regenerativen Energieformen eine Vorreiterrolle einnimmt. Aber, gehen die europäischen Partner mit, was Netze etc. auf europäischer Ebene angeht? Ist der deutsche Beitrag zum Klimawandel global betrachtet, wenn auch erfreulich, signifikant und damit in aller Eile geboten und als oberste Priorität anzusehen?
Die Energiepolitik bietet den jetzigen Gesellschaftslenkern die seltene Chance vergleichsweise übersichtlich dem Nachwuchs, vor allem Europäer unter 30, zu vermitteln, dass man die Welt im Jahre 2050 (für sie und vor allem ihre Nachkommen) sinnvoll gestaltet - es zumindest versucht. Langfristig und ohne Option ein Weltreich durch Kriege zu schaffen müssen Gesellschaften beweisen, dass sie sich den Herausforderungen, die schon lange am Horizont sichtbar sind, stellen können. Die Zeit des Fortschritts vor allem durch unglaublich billiges Erdöl, die rückblickend wahrscheinlich wie eine Freibierphase wirken wird, ist irgendwann zu Ende und es ist noch nicht ausgemacht, dass wir den zivilisatorischen Stand der letzten hundert Jahre werden halten können.
Anmerkung: der Herr gestern bei Zeit-online hiess nicht Schmidt, sondern (Erneuerbare-Energie-Präsident) Schütz.
Warum man den Artikel aber ausgerechnet mit einem Freiflächen-Solarpark bebildern muss, mag sich mir nicht zu erschließen. Ausgerechnet die mit weitem Abstand teuerste, ineeffizienteste, hier auch noch flächenverzehrende Technologie muss mal wieder her. zumal sie in der Bilanz noch nicht annähernd die Energiemenge erzeugt hat, die zu ihrer Erstellung verbraucht wurde. (was beim gegenwärtigen Markt-Wachstum noch auf Jahr(zehnt)e so bleiben wird.) Ich möchte schon mal gern sehen, wo die ganzen Speicher hinsollen, die von der betroffenen Bevölkerung sicherlich aufs herzlichste begrüßt werden. Man muss ihnen ja nur sagen, dass es für den guten Sonnenstrom ist.
Es ist beim ersten Lesen nicht leicht zu erkennen, was er wirklich sagt (und beim zweiten Lesen wird es nur unwesentlich besser).
Lassen wir mal die Overtüre der ersten drei Abschnitte beiseite, kommt als erste substanzielle Aussage eine vollständig regenerative Stromversorgung bis 2050 klimaverträglich, sicher und bezahlbar machbar ist
Dabei nimmt er u.a. Bezug auf die SRU, also auf sich selbst (!) und den FVEE. Das kann er machen, aber er sollte diese Referenzen nicht "unverdächtig" nennen. (Sie vertreten Partikularinteressen bzw. bedeuten nur Eigenlob.)
Was danach folgt, ist furchtbar unkonkret und operiert - so befürchte ich - auch mit Verwechslungen von "fachlich vernünftig" mit "politisch gewollt".
Die (wirtschaftlichen) Risiken werden (nur) kurz gescribbelt:
Hundert Prozent erneuerbare Energien gibt es freilich nicht zum Nulltarif.
exzellent gedämmten Gebäuden
sind zwangsläufig große Speicher und Netze erforderlich.
mit vor Ort geworbener (! na, wie klingt das?) Akzeptanz
und es endet im letzten Abschnitt mit einem politischen "Vater unser".
Ein bischen wenig für einen Wissenschaftler, den die Politik auf einen Schild gehoben hat.
Herzlichst Crest
P.S.
Kann mir jemand erkären, welchen Sinn der folgende 'Kotau' im Text haben soll?: ...und die Aktionäre auch weiterhin auskömmliche Renditen erzielen.
und das nur für die Solaranlagen
http://www.handelsblatt.c...
Und dabei sind die Vorlaufkosten noch nicht mal mit eingepreist.
Was ich daran nicht verstehe ist wie man über einen solchen Sachverhalt überhaupt diskutieren kann.
Auf der einen Seite sind die Risiken der Atomkraft: Sicherheitsrisiken, Radioaktiver müll ohne Endlager oder geklärter Kostenfrage, Oligopole die ein dezentrales wachsen der EE verhindern
Auf der anderen Seite die Gefahren der EE: unregelmäßige Versorgung und hässliche Windräder.
Das der Preis unkontrollierbar steigen sollte ist mir leider unbegreiflich, führt eine zu starke Verteuerung der eigenen Produkte doch immer zu einer Förderung der Alternativen. Ich bin jung und verstehe noch nicht so viel von der Welt aber wäre das nicht das Gegenteil von dem was sich ein oligopolist wünscht?
Bereits jetzt sind wir schon in der lage mit dem ineffizientesten Mittel aller EE (Photovoltaik) Häuser selbst zu versorgen (mit kleineren anpassungen in der Nutzung). Sollte, wenn gesicherte Nachfrage nach solchen Systemen besteht so etwas nicht ausbaubar sein?
In meiner jugendlichen Unvernunft wünsche ich mir von allen Erwachsenen einen reflektierten Umgang mit meiner Zukunft und der meiner Kinder und mir fällt kein Grund ein warum ich ihnen das recht geben sollte, aus Angst vor ein bisschen weniger Geld in der Tasche ihre Kosten in Form von radioaktiven Müll auf mich und die Generationen nach mir verlagern zu dürfen.
Die Umstellung scheint mir unumgänglich, die Angst vor der Zukunft menschlich aber die Möglichkeiten absolut erstrebenswert!
herzlichst skidky
und das nur für die Solaranlagen
http://www.handelsblatt.c...
Und dabei sind die Vorlaufkosten noch nicht mal mit eingepreist.
Was ich daran nicht verstehe ist wie man über einen solchen Sachverhalt überhaupt diskutieren kann.
Auf der einen Seite sind die Risiken der Atomkraft: Sicherheitsrisiken, Radioaktiver müll ohne Endlager oder geklärter Kostenfrage, Oligopole die ein dezentrales wachsen der EE verhindern
Auf der anderen Seite die Gefahren der EE: unregelmäßige Versorgung und hässliche Windräder.
Das der Preis unkontrollierbar steigen sollte ist mir leider unbegreiflich, führt eine zu starke Verteuerung der eigenen Produkte doch immer zu einer Förderung der Alternativen. Ich bin jung und verstehe noch nicht so viel von der Welt aber wäre das nicht das Gegenteil von dem was sich ein oligopolist wünscht?
Bereits jetzt sind wir schon in der lage mit dem ineffizientesten Mittel aller EE (Photovoltaik) Häuser selbst zu versorgen (mit kleineren anpassungen in der Nutzung). Sollte, wenn gesicherte Nachfrage nach solchen Systemen besteht so etwas nicht ausbaubar sein?
In meiner jugendlichen Unvernunft wünsche ich mir von allen Erwachsenen einen reflektierten Umgang mit meiner Zukunft und der meiner Kinder und mir fällt kein Grund ein warum ich ihnen das recht geben sollte, aus Angst vor ein bisschen weniger Geld in der Tasche ihre Kosten in Form von radioaktiven Müll auf mich und die Generationen nach mir verlagern zu dürfen.
Die Umstellung scheint mir unumgänglich, die Angst vor der Zukunft menschlich aber die Möglichkeiten absolut erstrebenswert!
herzlichst skidky
Selbstredend sehen die Energie-Konzerne sehen auch, dass es erneuerbaren Energien (EE) "die Zukunft" darstellen. Die eigentliche Frage ist für die daher, wie sie ihr Oligopol auf diesen Markt ausdehnen können.
Denn anders als riesige Kohlekraftwerke oder riesige & gefährliche Atomkraftwerke bedürfen EE keine aufwendigen gesetzlichen Regelwerke, die für potenzielle neue Wettbewerbern unüberwindbare Hürden darstellen. In der gegenwärtigen Energie-Infrastruktur sitzen die vier Konzerne wie vier Maden im Speck, wenn sich aber der Wind in Richtung erneuerbarer Energien dreht, dann wäre echter Wettbewerb um echten Kundennutzen und Innovationen das Tagesgeschäft. Und wer sich die Historie von träge, fett gefressenen quasi-Monopolisten ansieht, der weiß, dass die den Angriffen junger dynamischer "kreativer Zerstörer" i.d.R. wenig entgegen zu setzen haben.
Es ist für RWE & Co. also existenziell, dass sie sich den Wettbewerb so lange wie möglich vom Leibe halten. Eine Spielart ist es dabei, die bislang getätigten Investitionen neuer EE-Wettbewerber dadurch zu entwerten, dass sie mit ihren abgeschriebenen Reaktoren Preisdumping betreiben. Das geht nicht zuletzt, weil wir Steuerzahler deren Risiken finanzieren! Wenn das große Sterben der EE-Wettbewerber einsetzt, dann beginnt für die großen vier das große Aufkaufen und Fressen - und sie können sich ihre Marktbeherrschung weiter sichern.
Marktzerstörung also als direkte Folge einer korrupten CDU/CSU und FDP IDEOLOGIE-Politik!
Y.S.
dieser Kommentar gibt auch meine Auffassung zu den Intentionen der Energiemafia wieder.
dieser Kommentar gibt auch meine Auffassung zu den Intentionen der Energiemafia wieder.
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