Milliardenspende "Vererben kann irreparable Schäden anrichten"

Herbert und Marion Sandler gehören zu den 40 Superreichen, die Milliarden spenden wollen. Im Interview erklären sie, warum Schenken sinnvoll und Vererben schädlich ist.

Marion und Herbert Sandler

Marion und Herbert Sandler

ZEIT ONLINE: Herr Sandler, Sie und Ihre Frau haben über 40 Jahre lang ein Unternehmen aufgebaut, dem sie praktisch Ihr ganzes Leben gewidmet haben. Jetzt geben Sie einfach alles weg?

Herbert Sandler: Das ist doch das Einzige, was Sinn ergibt. Wir waren selbst überrascht, dass wir so viel Geld aufgehäuft hatten. Das haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet. Aber was machen Sie mit so einem Vermögen? Wie viele Häuser, Autos, Flugzeuge oder anderen Luxus wollen Sie kaufen?

Anzeige

ZEIT ONLINE: Sehen Ihre Kinder das genauso?

Sandler: Unsere Kinder unterstützen uns. Sie haben dasselbe vor mit ihren Stiftungen. Vererben von einer Generation zur anderen kann irreparable Schäden anrichten.

Herbert und Marion Sandler

gehören zu den 40 Milliardären, die Teile ihres Vermögens verschenken wollen. Das Paar übernahm Anfang der sechziger Jahre eine kleine Bank in Kalifornien, die Golden West Financial Corporation und verwandelte sie zu einer der erfolgreichsten Sparkassen der USA. Die Sandlers, heute beide Ende 70, verkauften die Golden West im Jahr 2006 an die US-Bank Wachovia. 2,4 Milliarden Dollar sollen sie dadurch eingenommen haben. Bereits damals versprachen sie, rund 1,3 Milliarden Dollar zu spenden. Die Sandlers gelten als führende Sponsoren linksliberaler Organisationen in den USA.

ZEIT ONLINE: Nicht alle sind von der Spendeninitiative begeistert. Es gibt die Kritik, dass die Wohltäter allein entscheiden, welche Initiativen sie unterstützen wollen. Das sei wenig demokratisch, dabei verdanken die Reichen ihr Vermögen der Gesellschaft.

Sandler: Das habe ich so noch von niemandem gehört.

ZEIT ONLINE: Vielleicht ist es der europäische Blickwinkel?

Sandler: Das kann ich nicht nachvollziehen. Soweit ich weiß, haben viele Reiche in Europa ihr Vermögen selbst vererbt bekommen und sie neigen dazu, ihr Vermögen an die nächste Generation weiterzureichen. Geld, das sie nicht selbst erarbeitet haben. Auf diese Weise tragen sie nichts zum Gemeinwesen bei. Soll das besser sein, als der amerikanische Weg?

ZEIT ONLINE: Sind Sie auch gegen höhere Steuern für Vermögende?

Sandler: Im Gegenteil, wir sind entschieden für eine aggressivere Besteuerung. Die Ungleichverteilung der Einkommen hat weltweit deutlich zugenommen. Das müssen wir bekämpfen. Als wir zum Beispiel unsere Steuer bezahlt hatten, war trotzdem noch derartig viel übrig, dass wir uns entschlossen, das Geld zu spenden.

ZEIT ONLINE: War es eine schwierige Entscheidung?

Sandler: Nein, gar nicht. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Es gibt im Leben kaum etwas Schöneres, als die Freude zu schenken.

 
Leser-Kommentare
  1. kann irreparable Schäden anrichten

    http://video.google.com/v...

  2. Also das klingt ja ganz toll was die beiden da erzaehlen.
    Wenn man aber genau hinschaut, haben die beiden offensichtlich einen Teil ihres Vermoegens bereits zu Lebzeiten an die Kinder uebergeben. Oder wie sollte man sonst den Satz: "Sie haben dasselbe vor mit ihren Stiftungen." verstehen? Und um eine Stiftung zu gruenden benoetigt man mit Sicherheit einen groesseren Geldbetrag.
    Aber Hauptsache man stellt sich als Gutmensch hin und hat hoechstwahrscheinlich das gesamte Vermoegen elegant am Fiskus vorbeigestiftet. Nach dem Ableben koennen dann die Kinder zu eigenen Zwecken die Stiftungen aufloesen oder einfach dort eine Stelle besetzen und sich dafuer koeniglich entlohenn lassen.

    • carol
    • 12.08.2010 um 11:48 Uhr

    1. woher und womit haben die ihr vermögen gemacht?

    2. warum haben die dass geld nicht schon eher verschenkt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • alkyl
    • 12.08.2010 um 14:10 Uhr

    Steht alles im Kasten links neben dem Text.

    • carol
    • 12.08.2010 um 14:33 Uhr

    die frage muss man ein wenig subtiler beantworten. eine zentrale frage zB wäre wie viel leid die anreicherung erzeugt hat. denn diese steht im widerspruch zu den "gutmenschen" die sie sich jetzt darstellen.

    das ist übrigens allgmeine ein heikles thema. ein besseres leben kann man sich nur leisten, wenn man dieses auch finanzieren kann. das gilt auch für den normalbürger.

    • alkyl
    • 12.08.2010 um 14:10 Uhr

    Steht alles im Kasten links neben dem Text.

    • carol
    • 12.08.2010 um 14:33 Uhr

    die frage muss man ein wenig subtiler beantworten. eine zentrale frage zB wäre wie viel leid die anreicherung erzeugt hat. denn diese steht im widerspruch zu den "gutmenschen" die sie sich jetzt darstellen.

    das ist übrigens allgmeine ein heikles thema. ein besseres leben kann man sich nur leisten, wenn man dieses auch finanzieren kann. das gilt auch für den normalbürger.

  3. in weitere Unternehmen investieren, um den Markt zu stützen, die produktive Wirtschaftskraft zu erhalten. Dann können die Angestellten weiterhin spenden, was sie Jahr für Jahr in gewaltiger Höhe tun. Der Staat kann zudem soziale Ausgleichsaktionen besser finanzieren.

  4. bekommen doch immer noch die dicksten Kartoffeln. Genauso richtig wie es ist das ganze Geld nicht auf einem Haufen vergammeln zu lassen ist es falsch zu denken alles zu spenden ist die Lösung. Das macht die Welt genauso wenig zu einem besseren Planet. Ein System, dass solche ungleichheiten erzeugt wird doch nicht dadurch besser, dass man anderer Stelle wieder Geld hineinsteckt. Den guten Willen in Ehren. Aber hat vieleicht auch mal einer darüber nachgedacht was diese Aktion bewirken soll, ausser das alle Menschen für 3 Tage was essen und trinken können?

    • redon
    • 12.08.2010 um 12:20 Uhr

    "Es gibt die Kritik, dass die Wohltäter allein entscheiden, welche Initiativen sie unterstützen wollen. Das sei wenig demokratisch, dabei verdanken die Reichen ihr Vermögen der Gesellschaft."

    -> Der Gesellschaft verdanken? Inwiefern? Sind diese Superreichen hauptsächlich deswegen reich, weil sie anderen Menschen Geld gestohlen haben? Oder sind sie hauptsächlich deswegen reich, weil sie Dinge getan/geschaffen haben, für die andere Menschen viel Geld freiwillig gegeben haben? (Die Frage nach Erbe mal außen vor) <-

    Dieser zweifelhaften "Kritik" könnte man überspitzt entgegensetzen: Diese Superreichen haben der Gesellschaft schon soviel gegeben (Ideen, Produkte, Dienstleistungen), und nun geben sie ein zweites Mal!

    Wer auch immer hinter diesen dubiosen "Kritik" steht, sollte sich mal fragen, wieviel er/sie denn schon der Gesellschaft gegeben hat. Ich vermute, die wenigsten dieser Kritiker haben der Gesellschaft einen auch nur ansatzweise vergleichbaren Nutzen gebracht. Es zeugt von Neid und einem seltsamen moralischen Emfinden, Forderungen nach einer demokratischen "Kontrolle" über private Spendenvermögen zu erheben.

    Das ganz abgesehen von der Frage, ob denn eine demokratische Entscheidung per se einer privaten Entscheidung überlegen sein soll. Dass beispielsweise die Gates-Stiftung weniger Gutes pro investiertem Dollar in der Welt bewirkt als die staatliche Entwicklungshilfe, muss erstmal nachgewiesen werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • carol
    • 12.08.2010 um 14:36 Uhr

    dann erzähl was sie denn so tolles gegeben haben!

    Bill Gates hat bei mir mit Windows schonviel probleme erzeugt, dass manch anderer deswegen wahrscheinlich schon suizid begangen hätte.

    • carol
    • 12.08.2010 um 14:36 Uhr

    dann erzähl was sie denn so tolles gegeben haben!

    Bill Gates hat bei mir mit Windows schonviel probleme erzeugt, dass manch anderer deswegen wahrscheinlich schon suizid begangen hätte.

  5. übernahmen eine kleine Bank? Übernahmen - von wem - oder kauften sie sie - mit welchem Geld? - Sie haben nicht mit ihrer Hände Arbeit Werte geschaffen, sondern ließen das andere tun. Wenn sie von 24 Milliarden gut 1 Milliarde spenden wollen, sollten sie sich nicht noch so feiern lassen, sondern lieber an die denken, die Zins und Zinseszinsen für die Sandlers erarbeiten mußten.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service