Die Erderwärmung ist eine komplexe Angelegenheit; doch wer mit Klimaforschern und den Mitarbeiter von Agrar-, Ernährungs- und Entwicklungsorganisationen im bolivianischen Regierungssitz La Paz spricht, erfährt einiges über ihre Auswirkungen auf das Land.

Ramiro Trujillo, Klimaexperte des UN-Entwicklungsprogramms UNDP , sammelt und systematisiert in seinem Büro in Achumani, einer hübschen Wohnsiedlung im Süden der zersiedelten Stadtlandschaft, Informationen über den Klimawandel. "Wir wissen bis heute nicht, was genau passiert", sagt er. Häufig würden Wetterunregelmäßigkeiten automatisch mit der Erderwärmung in Verbindung gebracht, dabei sei der Zusammenhang heute noch nicht belegbar .

Besonders kompliziert wird die Sache dadurch, dass vor der südamerikanischen Pazifikküste in unregelmäßigen Abständen El Niño das Meer erwärmt , was auch im bolivianischen Hochgebirge zu Wetterumschwüngen führt. El Niño ist ein natürliches Phänomen. Doch durch den menschengemachten Klimawandel wird es noch verstärkt, sagen Klimaforscher.

In den bolivianischen Anden verschlimmert der Klimawandel vor allem Trockenheit und Erosion. "Das Wasser ist dort ohnehin knapp", sagt Wilfried Häberli, Geograph und Gletscherforscher an der Uni Zürich. Vor allem in der Trockenzeit von Ende April bis Oktober kommt Süßwasser als Schmelzwasser aus den Gletschern. Doch höhere Durchschnittstemperaturen führen dazu, dass das eisige Reservoir kaum noch aufgefüllt wird.