Energiepolitik "Kohle- ist besser als Atomstrom"
Sicherheit sollte bei einer Verlängerung der Atom-Laufzeiten Priorität haben, sagt Energie-Agentur-Chef Kohler. Er plädiert dafür, alte Meiler schneller abzuschalten.
Frage: Herr Kohler, seit zehn Jahren versuchen Sie den Deutschen das Energiesparen beizubringen. Mit welchem Erfolg?
Stephan Kohler: Wir haben heute einen ganz anderen Diskussionsstand als im Jahr 2000. Das Thema Energieeffizienz hat auf der Nachfrageseite, also auf der Seite der Verbraucher, einen höheren Stellenwert. Und das hängt auch mit uns zusammen.
Frage: Inwiefern?
Kohler: Wir haben zum Beispiel bei 400 Gebäuden dargestellt, dass energieeffizientes Bauen auch im Bestand, also in Altbauten möglich ist. In unserer Datenbank lassen sich mehr als 14 000 Aussteller von Energiepässen listen – weil wir beim Thema energieeffizientes Bauen eine ausgezeichnet Expertise haben. Das hat beispielsweise auch die Chinesen bewogen, uns bei dem Thema um Rat zu fragen.
Frage: Hängt der Wille zum Sparen nicht im Wesentlichen von der Höhe des Energiepreises ab?
Kohler: Es gibt inzwischen ein Preisniveau, bei dem wir die Wirtschaftlichkeit von vielen Energiesparmaßnahmen nachweisen können. Allein bei den Gebäuden erreicht das Einsparpotenzial bis zu 50 Prozent, wenn die Gebäudehülle richtig gedämmt wird. Wir brauchen also keine höheren Energiepreise, um bis zum Jahr 2020 eine Verdoppelung der Energieproduktivität zu erreichen, wie die Bundesregierung vorgibt.
Frage: Warum investieren die Leute trotzdem so mäßig in Energiesparmaßnahmen?
Kohler: Weil man über eine Investitionshürde springen muss. Ob Sie ein Haus sanieren oder einen energieeffizienten Kühlschrank kaufen – die Leute gucken auf die Anfangsinvestition und lassen eher außer Betracht, wie sich die Investition in den folgenden Jahren amortisiert.
Frage: Erklären sich so auch die Vorbehalte gegen die Energiesparlampe und das Wehklagen über das Ende der Glühbirne?
Kohler: Das ist auch eine emotionale Diskussion, manchen behagt das Licht nicht. Dabei gibt es ein breites Lichtspektrum auch bei Energiesparlampen, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Doch Vorbehalte, auch irrationale, gibt es immer. Es gibt auch Architekten, die behaupten, ein energieeffizientes Haus sei hässlich. Oder der Heizungsmonteur, der noch immer nicht begriffen hat, dass eine neue, effiziente Pumpe für die Heizung zwar etwas teurer ist, aber dafür nur ein Viertel des Stroms verbraucht.
Frage: Wird das anders durch das Energiekonzept, das die Regierung in den nächsten Wochen vorlegen will?
Kohler: Wir erwarten einen zusätzlichen Auftrieb für unsere Arbeit. Nicht nur auf der Nachfrageseite, sondern auch, was energieeffiziente System anbelangt, etwa die Integration von erneuerbaren Energien in unser System. Zum Beispiel die Systemkosten von Fotovoltaikanlagen. Wir haben inzwischen sehr viele Anlagen, die aber nur tagsüber und bei Sonneneinstrahlung auch Strom liefern. Es müssen also für die übrige Zeit teure Kraftwerkskapazitäten vorgehalten werden.
- Datum 16.08.2010 - 14:40 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Wir können alle AKWs bis 2015 abschalten und der Neubau von KKW muß gleichzeitig verboten werden. KKWs sind zwar flexibler (bessere Anfahrzeiten) als AKWs aber das reicht nicht aus.
Biogasanlagen oder kleine KWK-Heizung (VW-Lichtblick) sind da bedeutend schneller in der Reaktion.
Und da die Sonne tagsüber scheint und wir bei 4-5 GW Zubau jedes Jahr bald tagsüber große Mengen PV-Strom ernten muß die Stromnachfrage daran eben angepaßt werden.
D.h. Pumpspeicher werden nicht mehr nachts aufgeladen sondern tagsüber, Nachtspeicherheizungen werden verboten, Niedertarife nachts abgeschafft u. falls nötig auf tagsüber verlegt.
Belegen Sie solche Unterstellungen mit seriösen Quellenangaben. Die Redaktion / mh
Deutschland ist das einzige Land, das heute noch schmutzige Kohlekraftwerke baut, und hat dabei noch die Stirn, sich für einen Klima-Vorreiter zu halten.
Ich halte den Beitrag für sehr ausgewogen. Es wird alles auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
Man sieht, dass wir doch noch auf fossile Energieträger angewiesen sind, schließlich liefern Kohlekraftwerke ca. 45% unseres Stroms und man muss beachten, dass der Strombedarf auch ohne Elektromobilität steigen wird, während der gesamte Energiebedarf in Deutschland langsam abnimmt. Dann hilft es auch nicht kleine KWK Anlagen zu betreiben, die einen niedrigen Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung haben und man im Sommer weniger oder gar keine Wärme benötigt. Wenn man die größten Stromerzeuger verbessert, erreicht man auch den größten Effekt und das noch wirtschaftlich. Achja...China baut auch noch Kohlekraftwerke, jede geht ein Block ans Netz.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren