Konjunktur Optimistische Deutsche in bester Kauflaune

Die Angst um den Arbeitsplatz schwindet, die Hoffnung auf ein höheres Einkommen steigt: Die Verbraucher in Deutschland sind bester Stimmung und gehen munter einkaufen.

Optimistische Konsumenten, volle Kaufhäuser: Wie hier in Dresden haben viele Deutschen Lust am Geldausgeben

Optimistische Konsumenten, volle Kaufhäuser: Wie hier in Dresden haben viele Deutschen Lust am Geldausgeben

Die deutsche Wirtschaft wächst – auch dank des privaten Konsums. Gleichzeitig wird dieser durch den Aufschwung noch weiter angekurbelt, die Stimmung der Verbraucher bessert sich zusehends. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). "Die Stimmung steht ganz im Zeichen des starken Anstiegs des deutschen Bruttoinlandsprodukts in zweiten Quartal", sagte GfK-Experte Dirk Mörsdorf zu der Umfrage unter rund 2000 Konsumenten.

Demnach tragen vor allem die sinkenden Arbeitslosenzahlen und der Rückgang der Kurzarbeit zum besseren Konsumklima bei. Laut GfK sind immer mehr Bürger der Überzeugung, dass sich sowohl die allgemeine Konjunktur als auch ihr persönliches Einkommen bessern werden. Als Folge sagen die Nürnberger Forscher für September einen Anstieg ihres Konsumklima-Barometers auf 4,1 Zähler voraus. "Die Verbraucher erwarten offenbar, dass die konjunkturelle Erholung kein Strohfeuer ist, sondern sich fortsetzt", sagt GfK-Forscher Mörsdorf.

Anzeige

Die GfKler warnten aber vor großer Euphorie . Die Verbraucher könnten durch mögliche Sparmaßnahmen der Regierung und auslaufende Konjunkturprogramme verunsichert werden. Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen sei nicht ausgeprägter als während der Fußball-WM, als der vermehrte Kauf von Flachbildfernsehern für eine Sonderkonjunktur gesorgt hat. Deshalb steige der GfK-Index auch nur 0,1 gegenüber dem revidierten August-Wert von 4,0. Allerdings ist dies immer noch der höchste Wert seit Oktober 2009.

Die Wirtschaft hatte im Frühjahr mit einem Wachstum von 2,2 Prozent die höchste Schlagzahl seit der Wiedervereinigung vorgelegt. Als eine der tragenden Säulen des Aufschwungs erwies sich dabei neben dem Konsum auch das Exportgeschäft und die Investitionen der Unternehmen. Auch wenn sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder abschwächen sollte, erwartet die Bundesbank ein Wachstum von rund drei Prozent in diesem Jahr.

Die Marktforscher setzen aber darauf, dass die deutschen Verbraucher das Wachstum auch künftig anschieben werden: "Sofern das Umfeld weiterhin so positiv bleibt, ist davon auszugehen, dass der private Verbrauch in diesem Jahr seinen Teil zur kräftigen Erholung der deutschen Wirtschaft beiträgt."

 
Leser-Kommentare
  1. Oder sind die vielen leer stehenden Ladenlokale, selbst in großen Einkaufszentren, schlicht nur Anzeichen dafür, dass deren ehemalige Betreiber schon dermaßen viel Geld verdient haben, dass sie nun selbst lieber ihre Zeit mit schoppen-gehen verbringen?

    Es mag ja sein, dass es viele gut situierten Bürgern gibt, die sich ihrer Jobs wieder sicherer wähnen. Doch kann und darf das nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass die Schere zwischen denen, die sich noch was leisten können und denen, die an der Untergrenze zur Armut (und zunehmend gar darunter!) kreuchen und fleuchen, immer noch weiter auseinander klafft und deren Gruppe, zum Nachteil der bisher noch gut Verdienenden, immer weiter anwächst!

    Hier zieht die, offensichtlich beabsichtigte, Masche der Gruppendynamik leider nicht, die dazu verführen soll es anderen gleich zu tun und nun auch in einen wilden Konsumtaumel zu verfallen, "weil es sich ja auch der Nachbar (vermeintlich) wieder leisten kann"!
    Gut gedacht, leider zum Scheitern verurteilt! Einfach weil die dazu nötigen pekuniären Mittel bei immer mehr Bürgern schlicht nicht vorhanden sind: "Wo Du nicht bist Herr Jesu Christ, da schweigen alle Flöten..." ;))

    Sicher, der Wille und die Lust mögen groß sein, doch reicht allein der gute Wille und der persönliche Gusto allein niemals aus. Es bedarf dazu auch der tatsächlichen Möglichkeiten und die schwinden leider weiterhin immer mehr und bei immer mehr Bürgern. Daran ändern auch geschickte Zeitungsartikel nix, leider!

    • ovozim
    • 26.08.2010 um 12:13 Uhr

    Und wieder fehlt eine große Frage: ist es klug, die Mehrwertsteuer bei 19 Prozent zu belassen?

    Der Erfolgreiche zahlt Steuern und das Individuum kann mit Geld besser umgehen als der Staat - zwei Paradigmen die eine eindeutige Sprache sprechen: Einkommenssteuern sind Mist. Der reine Arbeitsprozess sagt noch nichts über Sinn oder Erfolg des Unterfangens aus und statt das Geld bei den Menschen zu belassen, damit sie entscheiden, wo es am besten hinkommt - und an eben der Stelle dann Steuern zu bezahlen - beraubt man sie für ihre Mühen mit Arbeitssteuern und belastet das Land mit Unmengen an Bürokratie, Einstellungshindernissen und Exportverteuerung.
    Macht keinen Unterschied ob 50 Prozent Mehrwertsteuern oder 50 Prozent anderweitige Steuer- oder Abgabenbelastung auf dem Produkt sind? Dann schauen Sie sich mal die Wirkungen auf Export/Import, Abhängigkeit der Politik von der Wirtschaft, Arbeitsmotivation, Notwendigkeit von Subventionen, Steuererträge bei besserem Konsumverhalten usw. an. Die Auswirkungen auf die soziale Sicherung sind enorm und leider erst im dritten Schritt erkennbar.

    Grüße

  2. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze geht seit Jahren zurück.
    Der Export läuft aufgrund des Lohndumpings.
    Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge nehmen zu, deshalb werden auch weniger Kinder geboren.
    Es gäbe noch viele Fakten aufzuzählen.....

  3. Die Hoffnung auf höhere Löhne läßt die Leute fröhlich konsumieren? Unsere Nachrichten erinnern mich immer mehr an die DDR-Propaganda, da wurde auch alles schöngeredet.
    Hoffnung auf eine Lohnerhöhung darf man sich ja machen, ob man sie erhält ist eine andere Sache. Ich kenne Firmen, in denen gab es seit 5 - 7 Jahren keinen Cent Lohnerhöhung.
    Und genau deshalb konsumieren wir (in meiner Gegend) nicht so fröhlich, was man leider an vielen leerstehenden Geschäften sieht.

  4. Dieser Aufschwung ist QUATSCH!
    Die Firmen holen doch nur das nach, was sie wegen der Krise ausgesetzt hatten. Und jetzt haben sie Nachholbedarf.
    Wenn die ihre Produktion wieder am laufen haben, pendelt sich alles wieder auf normal Niveau ein. Das heißt, Der Export wird wieder zurück gehen. Und dann fangen alle wieder an zu jammern, und die Firmen haben wieder einen Grund, Leute zu entlassen, oder mit Billiglöhnen ab zu speisen.

  5. Die Zahlen der GfK haben seit ihrem bestehen noch nie gestimmt, die Umsatzzahlen des Einzelhandels lagen IMMER deutlich darunter oder gar gegenläufig.

    Die Wirtschaft hatte im Frühjahr mit einem Wachstum von 2,2 Prozent die höchste Schlagzahl seit der Wiedervereinigung vorgelegt.

    Basierend auf welchen Zahlen? Fakt ist, das wir aktuelle ein Minus von 3% haben zum Wert vor der Krise.

    Laut GfK sind immer mehr Bürger der Überzeugung, dass sich sowohl die allgemeine Konjunktur als auch ihr persönliches Einkommen bessern werden.
    Zumal auch die Arbeitslosigkeit eben nicht sinkt sondern weiter steigt.

    Wie hieß doch gleich die andere Studie, die genau das Gegenteil behauptet - war wohl sogar von den "allwissenden" Bertelsmann-Neocons.

    Der ifo-(Un)Sinn-Mann mit der anderen Glaskugel ist ja auch mal wieder des überschwänglichen Lobes voll, aber warnt natürlich (vorsichtigerweise) vor dem Herbst - weil da die Konjunkturpakete auslaufen und die US-Misere dann voll durchschlagen wird. Der DoubleDip kommt!

    Vielleicht kaufen aber auch die Menschen nur langfristig lagerbare Vorräte?

  6. Die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze nehmen ab.
    Die Leiharbeit bzw. zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse nehmen zu.
    Niedrigstlohnverhältnisse nehmen zu.
    Lohnsteigerungen reichen auch in Zukunft nicht zum Inflationsausgleich.
    Wer behaupete, die Angst um den Arbeitsplatz nehme ab, kennt die deutsche Realität nicht.
    Hier findet Propaganda statt, um den privaten Verbrauch zu stimulieren, der nach wie vor auf niedrigem Niveau verharrt.

  7. Es war einmal eine Zeit, als in Deutschland jede Menge Fachkräfte vorhanden waren und man deshalb ungelernte Gastarbeiter importieren musste. Heute sucht die Regierung händeringend Fachkräfte aus dem Ausland zu importieren, und unsere Bürger machen die Dreckarbeit; drei Millionen sind sogar ganz arbeitslos.

    Wir sollten deshalb mehr Geld in Berufsausbildung investieren. Dann brauchten wir keine Fachkräfte zu importieren und könnten obendrein die Arbeitslosenunterstützung sparen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
  • Kommentare 8
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Konjunktur | Bundesbank | Konsumklima | Fußball-WM | Konsum | Kurzarbeit | Dresden
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service