Die Großzügigkeit der Superreichen verdient Respekt: In einer spektakulären Aktion haben 40 Milliardäre versprochen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden . Viel Geld soll so zusammenkommen, für Bildung, Gesundheitsfürsorge, den Tierschutz, gegen Obdachlosigkeit oder für einen besseren Zugang zu sauberem Wasser. Die Vermögenden wollen ein Beispiel setzen , das andere zur Nachahmung inspiriert. Toll!

Vermutlich können die Empfänger das Geld gut gebrauchen, und auch die genannten Zwecke sind ehrenwert. Dennoch darf der Jubel über die edlen Spender nicht über eines hinwegtäuschen: Private Generosität, und sei sie noch so groß, kann ein funktionierendes Sozialsystem nicht ersetzen.

Sozialer Ausgleich muss staatlich organisiert und garantiert werden. Sicher, der Staat arbeitet nicht immer effizient, aber öffentliche Gelder unterliegen einer demokratischen Kontrolle. Private Stiftungen setzen dagegen ihre Mittel allein nach dem Gutdünken der Spender ein – und formen so die Gesellschaft, in der sie tätig sind. 

Ein Beispiel: Oracle-Chef Larry Ellison, der auf der Liste der 40 Spender steht. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 setzte er sich für eine zentrale Regierungsdatenbank ein, mit der die personenbezogenen Daten sämtlicher US-Amerikaner erfasst werden sollte – und stellte die dafür nötige Software auch gleich zur Verfügung.

Oder Microsoft-Chef Bill Gates, der zusammen mit Warren Buffett den Impuls für die Spendenaktion gab. Er und seine Frau Melinda geben seit Jahren weltweit viele Milliarden Dollar für gute Zwecke aus. In Entwicklungsländern finanzieren sie beispielsweise Massenimpfaktionen und den Kampf gegen die Malaria. Obwohl die Methoden, nach denen die Stiftung ihre Programme umsetzt, unter den Gesundheitsexperten der WHO umstritten sind, prägt sie allein durch das schiere Volumen der von ihr eingesetzten Summen die Gesundheitsfürsorge in manchen Ländern.

Kritisiert wird auch die Absicht des Ehepaars, den Hunger in Afrika durch eine "Grüne Revolution" zu bekämpfen , unter anderem in Zusammenarbeit mit Monsanto. Das Programm sei viel zu technologieorientiert und verdränge althergebrachte, bewährte Methoden, sagen die Gegner. Sollte sich einst herausstellen, dass die neue Technik gar nicht zum Umfeld passt, könnte das traditionelle Wissen schon verloren sein.

Die eigentliche Gefahr der neuen Milliardenspenden aber ist: Je mehr öffentlichen Raum sie besetzen, desto eher verführen sie den Staat dazu, sich noch weiter zurückzuziehen. Bildung, Gesundheitsvorsorge, soziale Fürsorge: Alles wäre privatem Gutdünken überlassen. In letzter Konsequenz wäre die Gesellschaft abhängig vom guten Willen weniger Reicher – und das darf nicht sein.