Die Politik diskutiert über die Rente mit 67. SPD-Chef Sigmar Gabriel will die Erhöhung des Renteneintrittsalters stoppen , Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verteidigt sie . Es ist ein altbekannter Streit: Seit die Große Koalition die Altersgrenze für den Renteneintritt anhob, ist das Gesetz politisch umstritten. Vor allem der SPD hat seine Einführung Wählerstimmen gekostet. Verständlich, dass Parteichef Gabriel die Debatte darüber nun wieder in die Medien bringt.

Doch die Reform rückgängig zu machen, wäre falsch. Die deutsche Bevölkerung altert, zugleich sinkt die Geburtenrate. Die Folge des doppelten Trends: Immer weniger Arbeitnehmer finanzieren die Renten der Alten. Schon jetzt kommen auf hundert 20- bis 64-Jährige, die dem Arbeitsmarkt prinzipiell zur Verfügung stehen, etwa 33 Rentner. In 50 Jahren werden es doppelt so viele sein. Die Entwicklung wird sich auf absehbare Zeit nicht umkehren, denn es kommen immer weniger Junge nach .

Sozialpolitiker, die unter diesen Umständen die Rentenversicherung nicht reformieren, riskieren einen Zusammenbruch des Systems. Wollen sie das umlagefinanzierte Rentensystem erhalten, haben sie prinzipiell nur drei Möglichkeiten: Sie können die Beiträge erhöhen, die Renten kürzen oder das Renteneintrittsalter anheben. Die Beiträge sind jahrelang gestiegen – dass die Große Koalition sich darauf verständigte, auch das Renteneintrittsalter anzuheben, war und ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur Generationengerechtigkeit.

Sicher: In der Praxis kann die Rente mit 67 nur funktionieren, wenn Ältere überhaupt eine Chance auf einen Job bekommen. Die Gesetzgeber haben das bereits bedacht: Nur wenn die Lage auf dem Arbeitsmarkt entsprechend gut ist, soll das Renteneintrittsalter wie vorgesehen angehoben werden. Aktuelle Daten deuten aber darauf hin, dass das Klischee von den Alten, die von den Betrieben rücksichtslos aussortiert werden, längst nicht mehr stimmt. Eurostat-Daten zufolge lag die Quote der über 60-jährigen Erwerbstätigen im ersten Quartal 2010 erstmals über 40 Prozent, zwölf Prozentpunkte höher als fünf Jahre zuvor. Das reicht immer noch nicht aus, doch viel wichtiger ist der Trend, den die Zahl belegt: Die Erwerbsbeteiligung der Älteren steigt. Sie wird das auch in Zukunft tun, denn der absehbare Mangel an Fachkräften wird die Unternehmen dazu zwingen, erfahrene Arbeitskräfte besser zu behandeln als bisher.

Ein Einwand gegen die Rente mit 67 aber sticht. In manchen Berufen ist die Schufterei rein körperlich gar nicht so lange auszuhalten. Ein Maurer, der jahrzehntelang Steine schleppte und sich dabei Rücken und Gelenke ruinierte, kann schon mit Mitte 50 arbeitsunfähig sein. Selbst wenn er trotz der Schwerstarbeit die 60 noch halb gesund erreicht, ist es für ihn eine Zumutung, noch sieben weitere Jahre den gleichen anstrengenden Job zu verrichten – oder Abstriche in Kauf nehmen zu müssen, falls er früher in Rente geht.

Kommt die Rente mit 67, werden ausgerechnet die Angehörigen jener Berufsgruppen Kürzungen hinnehmen müssen, deren harte Arbeit ohnehin schlecht bezahlt wird. Das ist nicht fair. Statt über grundsätzliche Altersgrenzen zu streiten, sollte die Politik ihre Energie deshalb besser darin investieren, für sie eine Lösung zu finden. Vielleicht bietet ja eine Initiative des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) einen guten Ansatz dafür: Beck will im Rahmen der Tarifverhandlungen Rentenkonten einrichten, über die gesundheitsbedingte Abschläge ausgeglichen werden könnten. Wer länger im Job bleibt, soll hingegen Zuschläge erhalten. Eine solche Flexibilität täte unserer alternden Arbeitsgesellschaft nur gut.