David Rockefeller "Die Banker haben ihre Lektion gelernt"
Eine strengere Regulierung der Märkte ist kein Allheilmittel, sagt David Rockefeller. Im Interview erklärt er, warum es auch in Zukunft Finanzkrisen geben wird.
© Andrew H. Walker/Getty Images

David Rockefeller
Frage: Herr Rockefeller, sie sind 95 Jahre alt, haben kleine und große Finanzkrisen erlebt. Welche war die Schlimmste?
David Rockefeller: Aus heutiger Sicht die Große Depression der 1930er-Jahre. Sie hatte die größten Auswirkungen auf Europa und die USA. Niemals zuvor gab es mehr Arbeitslose. Viel schlimmer aber noch war der Vertrauensverlust in die Demokratie, zu dem die Existenznot der Menschen geführt hat. Demagogen wie Hitler hatten leichtes Spiel, sich Gehör zu verschaffen und ihre radikalen Lösungsvorschläge zu propagieren. Ich sage ganz bewusst aus heutiger Sicht, denn ich bin nicht sicher, ob die aktuelle Krise bereits ausgestanden ist.
Frage: Bei der Aufarbeitung von Krisen wird auch über Schuld gesprochen. Waren die Banker Schuld an der jüngsten Finanzkrise?
David Rockefeller wurde am 12. Juni 1915 in New York geboren. Sein Großvater war der Ölmagnat John D. Rockefeller sen., einer der reichsten Unternehmer der Neuzeit. David Rockefeller galt in den 1970er Jahren als einer der einflussreichsten Bankiers der Welt. Von 1960 bis 1981 führte er die Chase Manhattan Bank.
Rockefeller: Sie haben eine Schlüsselrolle gespielt, gewiss. Die laxe Kreditvergabe, dazu die exotischen Finanzprodukte, die sie ihren Kunden verkauft haben. Beides sind Ursachen für den Ausbruch der Finanzkrise.
Frage: Aber?
Rockefeller: Die Banker sind nicht allein verantwortlich; sie hatten Helfer: Politiker, Hypotheken-Makler, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Auf dem Höhepunkt des Hypotheken-Booms war der Glaube an den unregulierten, freien Markt in den USA beängstigend stark. Dieser Glaube hat den meisten Menschen ihren kritischen Blick auf die Realität verstellt. So etwas passiert immer wieder, wie uns die Geschichte lehrt. Die Tulpenmanie im 17. Jahrhundert ist das bekannteste historische Beispiel für die maßlose Übertreibung der Märkte. Die aktuelle Krise wird vermutlich nicht die letzte gewesen sein. Es wird wieder passieren.
Frage: Hätte die Krise verhindert werden können?
Rockefeller: Die Wurzeln der Krise liegen tief. Ich glaube nicht, dass sie völlig hätte vermieden werden können. Möglicherweise abgeschwächt.
Frage: Und wie?
Rockefeller: Die Fed hätte rechtzeitig – Ende 2007, Anfang 2008 – die Zinsen anheben oder zumindest so tun können, als würde man eine Anhebung erwägen. Das hätte das Volumen der Ramsch-Kredite reduziert. Aber sie hat es nicht getan – und jetzt müssen wir alle mit den Auswirkungen leben.
Frage: Die US-Regierung will die Finanzbranche nun strenger regulieren. Streng genug?
Rockefeller: Es ist keine Frage von strengerer, sondern wirksamerer Regulierung. In den letzten 20 Jahren sind die Kontrollmechanismen immer wieder geschwächt worden. Neue Märkte, insbesondere der für Derivate wurden überhaupt nicht kontrolliert. Die Finanzreform der Regierung geht in die richtige Richtung. Außerdem glaube ich, dass die Banker ihre Lektion gelernt haben.
Frage: Aber dann gäbe es doch keine Krisen mehr …
Rockefeller:
Sagen wir so: Sie werden vermutlich nicht mehr die gleichen Fehler machen.
Frage:
Würden Sie sagen, die Finanzbranche war früher moralischer als heute?
Rockefeller: Ich weiß es nicht. Das ist eine sehr subjektive Frage, und ich bin nicht sicher, ob Moral etwas damit zu tun hat.
Frage: Hat sich denn die Arbeit der Banken in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Rockefeller: Die Finanzwelt heute ist unendlich komplexer, als sie das zu meiner Zeit damals bei Chase Manhattan war. Computer, das Internet, alles ist schneller geworden. Wegen der Globalisierung ist die Nachfrage nach Krediten in der Welt viel größer als noch vor 30 Jahren und das Risikomanagement schwieriger.
Frage: In Ihrer Biografie beschreiben Sie die "Chase-Kultur", die Kultur der früheren Chase Manhattan Bank. Gibt es so etwas überhaupt noch?
Rockefeller: Ich glaube, dass jede Organisation eine eigene Kultur hat, die sich im Laufe der Zeit entwickelt. Allerdings braucht es eine Weile. JP Morgan Chase beispielsweise ist das Ergebnis mehrerer bedeutender Fusionen und Übernahmen. Die aktuelle Führung hat die nicht ganz einfache Aufgabe, Angestellte mit völlig unterschiedlichen Hintergründen und Qualifikationen zusammen zu bringen. Ich denke, eine „neue Kultur“ entwickelt sich gerade.
Frage: Sie hatten als Bankchef Kontakt mit den Führern autoritärer Systeme und sollen einmal gesagt haben, dass Handel Russland und die USA am ehesten näher zusammenbringen konnte. Macht Globalisierung die Welt besser?
Rockefeller: Ich kann mich nicht erinnern, das je gesagt zu haben. Tatsächlich haben die USA auch gar nicht so viel mit der Sowjetunion gehandelt, weil der Rubel nicht konvertierbar war. Nichtsdestotrotz haben die wirtschaftlichen Kontakte dazu beigetragen, Vorurteile in beiden Ländern abzubauen. Aber zurück zu Ihrer Frage: Die Globalisierung hat gute und schlechte Seiten; letztlich überwiegen die guten. Aber wir müssen daran arbeiten, die schlechten zu verringern, die Umweltverschmutzung etwa.
Frage: Sie waren 1973 der erste US-Banker, der die Volksrepublik China besuchte. Welche Rolle spielt das Land im 21. Jahrhundert?
Rockefeller:
Ich bin nicht sicher, dass dies das Jahrhundert der Chinesen wird, wie viele behaupten. China hat eine Menge fundamentaler Probleme zu bewältigen. Vor allem muss das Land, so wie Japan in den 1970er-Jahren, sich seiner politischen Verantwortung, die aus der wirtschaftlichen Macht erwächst, bewusst werden. Dass China künftig eine bedeutende ökonomische Rolle spielen wird, steht aber außer Zweifel.
Frage:
Mit Ihrer Tochter Abby gab es Streit wegen ihrer Kapitalismus-Kritik. Inzwischen gibt es viele Menschen, die glauben, dass die freie Marktwirtschaft nicht funktioniert. Was sagen Sie?
Rockefeller: George Soros hat richtigerweise gesagt, dass Märkte nicht unbedingt zu einem Gleichgewicht tendieren. Sie schlagen wild aus, in die eine wie in die andere Richtung, mit zum Teil verheerenden Folgen für die soziale Stabilität. Dennoch: Für mich hat Kapitalismus mit persönlicher Freiheit zu tun, dem freien Handel und mit Rechtssicherheit. Trotz aller Schwächen sehe ich keine Alternative, die besser wäre.
Frage: 1976 erschien das Buch „The Rockefellers: An American Dynasty“ von Collier und Horowitz. Sie sagen, Ihre Familie sei darin verunglimpft worden. Haben Sie deshalb Ihre Memoiren geschrieben?
Rockefeller: Ich habe meine Memoiren geschrieben, weil ich glaubte, eine interessante Geschichte erzählen zu können. Und ich glaubte, dass einige Leser sie mögen würden. Das Collier-Horowitz-Buch war nicht sonderlich schmeichelhaft für meine Familie – und es war voll mit sachlichen Fehlern. Wenn ich einige von diesen Fehlern korrigieren konnte, ist das ein Extra, mehr aber auch nicht.
Zuerst erschienen im Handelsblatt
- Datum 18.08.2010 - 14:33 Uhr
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- Quelle Handelsblatt
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Rockefeller ein Vertreter des Kapitals wird Einschränkungen NIEMALS gut finden...
Da macht man den Bock zum Gärtner...
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs
"Für mich hat Kapitalismus mit persönlicher Freiheit zu tun" sagt der oltimer der hardcore kapitalisten und kann es nur genau so persoenlich meinen, wie er es sagt, denn seine freiheit ist gleichzeitig die unfreiheit bzw subordinierung der anderen. wer so viel macht hat sieht nur seine eingene freiheit.
wenn einer der wenigen, die die welt regieren, redet, darf man als leser nicht dem fehler verfallen zu denken, es handele sich um "einer von uns". auf diesen dummen trick fallen viel nur zu gerne herein. er ist aber das genaue gegenteil davon. und so gilt alles was er hier sagt , genau wie oben angedeutet, ausschliesslich und nur für ihn und ein paar seiner freude aus dem council of foreign relationships, der bilderberg gruppe oder der trilateralen kommision.
und natuerlich haben die die banker, er ist ja selber einer, ihre lektion gelernt. jetzt wissen sie endlich wie sie souveraene staaten am gaegelband vorführen koennen.
Ein sehr seichtes Interview ... oder wars doch eine Buchwerbung? Man weiß es nicht :D
Mit 95 Jahren wird Herr Rockefeller wohl langsam ruhiger.
...mich wundert es immer wieder, dass solche Figuren überhaupt noch nach ihrer Meinung gefragt werden.
Bei allem was Leute wie Rockefeller in der Welt angerichtet haben, finden sich immer noch Journalisten, die diesen Weltzerstörern ein Forum bieten und sich für deren Gewäsch interessieren.
Der Rockefeller Clan ist alles andere als unbedenklich.
Der Rockefeller Clan ist alles andere als unbedenklich.
Der Rockefeller Clan ist alles andere als unbedenklich.
Hat David Rockefeller keine Ahnung?
Rockefeller: Die Fed hätte rechtzeitig – Ende 2007, Anfang 2008 – die Zinsen anheben oder zumindest so tun können, als würde man eine Anhebung erwägen. Das hätte das Volumen der Ramsch-Kredite reduziert. Aber sie hat es nicht getan – und jetzt müssen wir alle mit den Auswirkungen leben.
Die FED hat ab dem Jahr 2004 den Zinssatz von 1 Prozent auf über 5 Prozent im Jahr 2007 erhöht und damit den Einbruch der Immobilienpreise ausgelöst. Die EZB hat ja noch im Sommer 2008 die Zinsen erhöht und damit die Krise verstärkt.
Entweder hat der Mann keine Ahnung oder er meint, wir hätten keine Ahnung und man könne jeden Schmarren erzählen.
„Für mich hat Kapitalismus mit persönlicher Freiheit zu tun, dem freien Handel und mit Rechtssicherheit.“ Mehr muss man hierzu eigentlich nicht sagen. Die Aussage ist in ihrer Form von Herrn Rockefeller mehr als eindeutig. Umgeschrieben könnte sie auch lauten: „Ich als einer der Gewinner des Kapitalismus, kann aufgrund meiner finanziellen Situation mir die Freiheit nehmen, mich selber weiter zu entwickeln. Ich muss nicht für andere arbeiten und kann mir Rechtsstreitigkeiten, ohne der Gefahr eines finanziellen Bankrotts leisten.“
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