Auf dieses Datum hat die Kanzlerin die Kritiker der schwarz-gelben Energiepolitik immer vertröstet: Erst wenn die Regierung die vier Szenarien zur Energieversorgung in Deutschland vorliegen hätte, könne sie ihre Pläne für den Atomausstieg konkretisieren. An diesem Freitag ist es nun so weit. Zusammen mit dem Schweizer Prognos-Institut legt das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) der Universität Köln den Abschlussbericht vor  – und muss sich nun gegen den Vorwurf der Bestechlichkeit wehren.

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, wird das Kölner Institut auch mit Geldern der Energiewirtschaft finanziert. Demnach zahlen RWE und E.on verteilt auf fünf Jahre jeweils vier Millionen Euro an die "Gesellschaft zur Förderung des EWI", die das Institut trägt. Weitere vier Millionen Euro kommen vom Land Nordrhein-Westfalen. Entsprechend ist nach Informationen des Blatts auch die Sitzverteilung in den Gremien. Im Verwaltungsrat des EWI würden die beiden Atomkraftbetreiber je eins von insgesamt sieben Mitgliedern stellen. "Manager beider Unternehmen sitzen auch der Fördergesellschaft vor", schreibt die SZ.

Für Grüne und Umweltschützer bestätigen sich damit ihre Zweifel an der Unabhängigkeit des Regierungs-Gutachtens. "Da haben sich die Atomkonzerne ihre Lizenz zur Laufzeitverlängerung selbst ausgestellt", sagte Tobias Münchmeyer von Greenpeace. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn nannte in der SZ die Beauftragung des Instituts "frech". "Anders kann die Auslauftechnik Atomkraft wohl nicht schöngerechnet werden."

Das Institut selbst wies die Vorwürfe zurück. Die Zeitung zitierte eine Sprecherin des EWI, wonach die Konzerne keinerlei Einfluss auf die wissenschaftliche Arbeit hätten. Sie habe sich dabei auf die Satzung des Fördervereins bezogen. "Unsere Unabhängigkeit ist garantiert."