Es sind Szenen wie aus einem Krieg: Tausende Soldaten aus ganz Russland treten am Moskauer Großflughafen Domodedowo an. Alle paar Minuten landen Löschflugzeuge zum Betanken, beißender Brandgeruch mischt sich mit dem Gestank von Kerosin.

Katastrophenalarm in Moskau: Mehr als 200.000 Einsatzkräfte kämpfen gegen die verheerenden Waldbrände im Land. Doch die Flammen sind einfach nicht in den Griff zu bekommen. Aktuell stehen mehr als 200.000 Hektar in Flammen - eine Fläche, auf der Russland in normalen Jahren rund 40 Mio. Tonnen Weizen ernten könnte. Voriges Jahr hat das Land als einer der größten Getreidehersteller der Welt 97 Mio. Tonnen produziert und rund ein Viertel davon exportiert. Jetzt hat Regierungschef Wladimir Putin ein Export-Verbot für Getreide verhängt. Russland wird dieses Jahr gar kein einziges Korn ausführen, die Versorgung der eigenen Bevölkerung geht vor.

Putin ruft den Notstand aus, und Spekulanten reiben sich die Hände. Die Profiteure der Katastrophe sind diejenigen, die auf dem Weltmarkt auf steigende Getreidepreise gesetzt haben. Seit Anfang Juli sind die Notierungen um 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Ein Bushel, die Maßeinheit für Weizen, kostete zuletzt knapp neun Dollar. Tendenz steigend. "Es zeichnet sich ein Anstieg auf zehn Dollar ab", sagt Peter McGuire, Rohstoffexperte bei CWA Global Markets.

Aber nicht nur der Weizenpreis ist explodiert, auch andere Agrarrohstoffe haben sich in kurzer Zeit massiv verteuert. Kakao beispielsweise. Mittlerweile werden an der Londoner Rohstoffbörse gut 2200 britische Pfund je Tonne bezahlt. Vor fünf Jahren waren es noch nicht einmal 1000 Pfund. Oder Kaffee: Wer sich an der Börse in Chicago mit den begehrten Bohnen eindecken will, zahlt heute rund 170 US-Cent je Pfund. Vor fünf Jahren waren es gerade mal 90 Cent.

Global operierende Banken und große Fonds haben das Rohstoffmonopoly längst als lukratives Spielfeld entdeckt und bewegen Hunderte von Milliarden, egal ob es um Schweinbäuche, Mais oder Sojabohnen geht. Die Banken verdienen gleich doppelt. Sie sichern Unternehmen über Termingeschäfte gegen die stark schwankenden Preise ab, aber auf der anderen Seite gehen sie selbst auf Einkaufstour, ordern Kaffee und Weizen, um die Bestände später teurer wieder auf den Markt zu werfen. Das Pikante daran: Indem sie in großem Stil einkaufen, verstärken die Finanzakrobaten die Preisschwankungen, gegen die sie ihre Kunden eigentlich absichern sollen. Je heftiger die Ausschläge an den Märkten, desto teurer das Absicherungsgeschäft. Am Ende gewinnt immer die Bank.

2009 legten allein Versicherer und Pensionskassen 60 Mrd. Dollar in Rohstoffen an. Hedge-Fonds, die sich auf das Geschäft mit Aluminium, Öl, Weizen oder Kakao konzentrieren, betreuten 2007 gerade einmal 5,8 Mrd. Dollar, bis heute hat sich diese Summe nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft Hedge Fund Research verdreifacht. Doch selbst diese Zahlen verblassen im Vergleich mit den gigantischen Summen, die die Banken mit komplexen Derivategeschäften an den Rohstoffmärkten hin und herschieben. Im vergangenen Jahr haben allein Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan und die Bank of America vier Billionen Dollar am Rohstoffmarkt bewegt.

"Wir erfüllen eine extrem wichtige Funktion für unsere Kunden, die sich gegen Preisschwankungen absichern wollen", betont Jerry del Missier, Präsident des Investment-Bankings der britischen Großbank Barclays. Das stimmt natürlich, aber auch Barclays verdient längst nicht mehr nur an den Absicherungsgeschäften von Landwirten, Fluglinien oder Lebensmittelproduzenten.