Unkonventionelles ErdgasGift aus dem Wasserhahn

Unkonventionelles Erdgas gilt als saubere Energiealternative. Doch in den USA wächst der Widerstand gegen die Bohrungen – aus Angst vor Vergiftungen.

Schon im Januar protestierten New Yorker vor dem Capitol in Albany gegen die Erdgaspläne. Jetzt hat der Senat des Staates New York beschlossen, dass Bohrungen auszusetzen sind

Schon im Januar protestierten New Yorker vor dem Capitol in Albany gegen die Erdgaspläne. Jetzt hat der Senat des Staates New York beschlossen, dass Bohrungen auszusetzen sind

Mike Markham hält ein Feuerzeug unter das fließende Wasser in seiner Küche. Sofort schießen Stichflammen in die Höhe. Das Feuer aus dem Wasserhahn, zu sehen im Dokumentarfilm Gasland, ist in den USA zum Symbol für eine ganze Protestbewegung geworden. "Wir sorgen uns um das Wasser im See, der durch die Bohrungen verschmutzt wird", sagt etwa Lynn Schlow aus Harveys Lake in Pennsylvania.

Kontaminiertes Trinkwasser, sterbende Tiere, Krebs – Amerikaner wie Schlow machen die Förderung von unkonventionellem Erdgas für all das verantwortlich. In 34 Bundesstaaten haben Grundbesitzer ihr Land an Gaskonzerne verpachtet. Sie leben weiterhin direkt neben den Bohrlöchern. 

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Unkonventionelles Erdgas ist in Schiefergestein oder auch in Kohleflözen eingelagert. Bei jeder Bohrung werden Millionen Liter Wasser und Sand mit hohem Druck in die Erde gepresst, versetzt mit etwa 600 Chemikalien. Eine Art Mini-Erdbeben setzt dann den Rohstoff frei. Das Gas ist nicht nur ein Milliardengeschäft, sondern wird auch politisch mit großen Hoffnungen verknüpft: mehr Unabhängigkeit von Importen, weniger CO2-Ausstoß und riesige unerschlossene Reserven auf dem eigenen Territorium soll seine Förderung bringen. Die USA sind der größte Produzent von unkonventionellem Erdgas weltweit. Allein zwischen 2007 und 2009 ist die Produktion um zwölf Prozent gewachsen.

Diese Zahlen beeindrucken auch die Europäer. Seit Mittwoch läuft auf der Insel Bornholm ein Bohr-Experiment von deutschen und dänischen Wissenschaftlern. Geld für das Projekt kommt unter anderem von Exxon Mobil. Der Konzern hat auch eine Lizenz für Probebohrungen in Niedersachsen, wo große Schiefergas-Vorkommen vermutet werden. Bisher begleitet die dortige Regierung das Vorhaben wohlwollend; einige Zeitungen berichteten bereits vom "Schatz" unterm niedersächsischen Acker. Ob der je gehoben werden kann, ist jedoch unklar, sagt Gabriele Radke, Sprecherin von Exxon in Deutschland: "Wie der Bergmann sagt: Vor der Spitzhacke ist es dunkel." Zu den Erfahrungen in Amerika teilte Cynthia Bergman White von Exxon USA mit: "Das Bohren nach unkonventionellem Erdgas ist sicher und effizient. Industrie und Behörden arbeiten eng zusammen. Ein Schaden für die Grundwasserversorgung ist bislang nicht dokumentiert."

Viele der in den USA verwendeten Bohrchemikalien gelten jedoch als gesundheitsschädlich oder krebserregend. Die US-Umweltbehörde EPA hat bereits 2004 eine Liste solcher Stoffe veröffentlicht, stufte aber nicht alle als gefährlich ein. Weston Wilson, ein ehemaliger EPA-Mitarbeiter, wirft der Behörde vor, unter dem Einfluss der Bush-Regierung die damaligen Ergebnisse verharmlost und weitere Studien blockiert zu haben. Mehrere unabhängige Forscher haben in der Zwischenzeit die Gesundheitsschädlichkeit der Chemikalien bestätigt. Jetzt hat die EPA mit einer neuen landesweiten Untersuchung begonnen.

Leserkommentare
  1. ... so heisst das in AE und die Technik "fracking". Sehr praktisch: Wenn das Grundwasser erst durch das entweichende, ich meine: geförderte, Erdgas und den Chemikalien-Cocktail gründlich verseucht wurde, dann ist das auch knorke für den Wasser-Markt, weil's weniger Wasser gibt. Die größten Vorkommen in der BRD gibt es übrigens in BaWü und Bayern, nicht in Norddeutschland, beide etwas dichter besiedelt als der Mittlere Westen der USA, wo das Zeug jetzt gefördert wird ... übrigens unter explizit berechtigter Umgehung der betr. Luft-, Wasser- usw. -schutzrechte der Bürger, dank Bush, Cheney und Haliburton & Co (auch für die BP-Bohrungen im Golf verantwortlich).
    Preisfrage: Hat CCS was mit Fracking zu tun?

    Eine Leserempfehlung
  2. was da schon seit längerer Zeit geschieht und welche Folgen es hat. siehe auch hier: http://gaslandthemovie.co...

    Ebenso unglaublich ist es, daß sich bei uns kaum jemand dafür interessierte.

    Zwar hat CCS ( http://de.wikipedia.org/w... ) nicht direkt damit zu tun. Aber es scheint mir sträflich leichtsinnig, wenn man meint, man könne CO2 einfach folgenlos in der Erde versenken.

    Eine Leserempfehlung
  3. "Das Zeug" bzw. "das Gift" aus dem Wasserhahn wird von Millionen zum Heizen benutzt. Wer will den nächsten Winter keine Heizung haben, wenn Putin und Konsorten entscheidet eine Preiserhöhung mit einem Lieferstopp durchzusetzten?

    Liebe Frauke Steffens dieser Artikel ist mir deutlich zu einseitig recherchiert, dann auch noch polemisch zu gespitz!
    Schlechte Arbeit! Nemmen Sich ein Beispiel am Kollegen Fritz Vorholz mit seinem Artikel zum "Welt ohne Stoff"!
    Energieeffizienz ist die Lösung - nicht Blockade!

    Was ist mit den bereits tausenden Bohrlöchern in den USA und Australien wo nichts passiert ist.
    Die Menschen in Teilen des Ruhrgebiet leben schon seit Jahren mit erhöhten Methankonzentrationen im Grundwasser und explodieren dort täglich Wohnung, fallen da die Leute um wie die Fliegen, haben wir von dem "Gift" erhöhte Krebsraten?
    Damit Ihr keinen Zweifel aufkommt NEIN

    Nebenbei bemerkt bei Elektroautos kommt der Strom aus der Steckdose!!

  4. Mehr Sorge als Methan würden mir die Hunderte von Chemikalien machen, die zusammen mit Wasser in Sand in den Boden gepresst werden. In diesem Chemiecocktail befinden sich auch karzinogene Substanzen, aber über die genaue Zusammensetzung schweigt die Förderindustrie.

    Dass an den Bohrlöchern nichts passiert sei, ist so auch nicht ganz richtig, einige Vorfälle werden hier geschildert:
    http://www.huffingtonpost...

    • OIKOS
    • 03.12.2012 um 22:09 Uhr

    Ich halte Fracking für eine kriminelle Dreckschleuderei! Keine einzige der 600 Chemikalien darf in den Boden gelangen. Das Grundwasser muß geschützt werden!

    Wenn es um Energiegewinnung geht, ist ausschließlich die Solarenergie zu nutzen!

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