Mike Markham hält ein Feuerzeug unter das fließende Wasser in seiner Küche. Sofort schießen Stichflammen in die Höhe. Das Feuer aus dem Wasserhahn, zu sehen im Dokumentarfilm Gasland, ist in den USA zum Symbol für eine ganze Protestbewegung geworden. "Wir sorgen uns um das Wasser im See, der durch die Bohrungen verschmutzt wird", sagt etwa Lynn Schlow aus Harveys Lake in Pennsylvania.

Kontaminiertes Trinkwasser, sterbende Tiere, Krebs – Amerikaner wie Schlow machen die Förderung von unkonventionellem Erdgas für all das verantwortlich. In 34 Bundesstaaten haben Grundbesitzer ihr Land an Gaskonzerne verpachtet. Sie leben weiterhin direkt neben den Bohrlöchern. 

Unkonventionelles Erdgas ist in Schiefergestein oder auch in Kohleflözen eingelagert. Bei jeder Bohrung werden Millionen Liter Wasser und Sand mit hohem Druck in die Erde gepresst, versetzt mit etwa 600 Chemikalien. Eine Art Mini-Erdbeben setzt dann den Rohstoff frei. Das Gas ist nicht nur ein Milliardengeschäft, sondern wird auch politisch mit großen Hoffnungen verknüpft: mehr Unabhängigkeit von Importen, weniger CO2-Ausstoß und riesige unerschlossene Reserven auf dem eigenen Territorium soll seine Förderung bringen. Die USA sind der größte Produzent von unkonventionellem Erdgas weltweit. Allein zwischen 2007 und 2009 ist die Produktion um zwölf Prozent gewachsen.

Diese Zahlen beeindrucken auch die Europäer. Seit Mittwoch läuft auf der Insel Bornholm ein Bohr-Experiment von deutschen und dänischen Wissenschaftlern. Geld für das Projekt kommt unter anderem von Exxon Mobil. Der Konzern hat auch eine Lizenz für Probebohrungen in Niedersachsen, wo große Schiefergas-Vorkommen vermutet werden. Bisher begleitet die dortige Regierung das Vorhaben wohlwollend; einige Zeitungen berichteten bereits vom "Schatz" unterm niedersächsischen Acker. Ob der je gehoben werden kann, ist jedoch unklar, sagt Gabriele Radke, Sprecherin von Exxon in Deutschland: "Wie der Bergmann sagt: Vor der Spitzhacke ist es dunkel." Zu den Erfahrungen in Amerika teilte Cynthia Bergman White von Exxon USA mit: "Das Bohren nach unkonventionellem Erdgas ist sicher und effizient. Industrie und Behörden arbeiten eng zusammen. Ein Schaden für die Grundwasserversorgung ist bislang nicht dokumentiert."

Viele der in den USA verwendeten Bohrchemikalien gelten jedoch als gesundheitsschädlich oder krebserregend. Die US-Umweltbehörde EPA hat bereits 2004 eine Liste solcher Stoffe veröffentlicht, stufte aber nicht alle als gefährlich ein. Weston Wilson, ein ehemaliger EPA-Mitarbeiter, wirft der Behörde vor, unter dem Einfluss der Bush-Regierung die damaligen Ergebnisse verharmlost und weitere Studien blockiert zu haben. Mehrere unabhängige Forscher haben in der Zwischenzeit die Gesundheitsschädlichkeit der Chemikalien bestätigt. Jetzt hat die EPA mit einer neuen landesweiten Untersuchung begonnen.