PflegesektorVer.di wirft Arbeitgebern üble Machenschaften vor

Arbeitgeber im Pflegesektor unterlaufen laut ver.di mit faulen Tricks den neu eingeführten Mindestlohn. So würden Sonderleistungen einfach auf den Stundenlohn umgelegt.

Seit Monatsanfang gibt es in der Pflege einen Mindestlohn . Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di unterlaufen Arbeitgeber in der Pflegebranche diesen jedoch häufig. In vielen Fällen geschehe dies durch unlautere Gehaltskosmetik. "Die Arbeitgeber lassen nichts unversucht, um den Pflegemindestlohn zu umgehen", kritisierte Ver.di-Vorstandsmitglied Ellen Paschke.

Demnach sollen Arbeitgeber jetzt unrechtmäßig Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Schichtzulagen oder Leistungsprämien auf den Stundenlohn umlegen. So treiben sie diesen gezielt von im Schnitt 7,48 Euro auf die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen 8,50 Euro hoch.

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Auch die sogenannten Fahrgelder – Zuschüsse für private Fahrzeuge, die von Pflegern dienstlich genutzt werden – würden plötzlich auf den Stundenlohn angerechnet. Außerdem würden Fahrzeiten zwischen den Patienten nicht mehr als Arbeitszeit anerkannt, sondern nur noch die beim Patienten verbrachte Zeit, so die Gewerkschaft.

Ver.di hatte eine Telefon-Hotline geschaltet – viele Pflegekräfte berichteten vom dreisten Vorgehen ihrer Chefs. "Wir hatten schon damit gerechnet, dass Arbeitgeber alle erdenklichen Tricks nutzen werden, um den Pflegemindestlohn faktisch zu drücken. Die Schilderungen der Kollegen bestätigen unsere Befürchtungen", sagte Paschke. Ver.di werde nun gegen die "schwarzen Schafe" vorgehen. Allen Beschäftigten raten die Experten, Ende August ihre Abrechnungen genau zu prüfen.

Pflegekräfte, die sich um kranke und alte Menschen kümmern, klagen schon lange über schlechte Bezahlung. Seit August erhalten knapp 600.000 der bundesweit 800.000 Beschäftigten für ihre Arbeit einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro in Ostdeutschland und 8,50 Euro im Westen. Im Januar 2012 und im Juli 2013 steigen die Sätze noch einmal auf insgesamt 8,00 und 9,00 Euro.

Die Bundesregierung erklärte, beim Zoll würden in den nächsten Jahren 350 neue Stellen geschaffen, um die Einhaltung aller Mindestlöhne stärker zu kontrollieren. In einer veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Grünen hieß es, die zuständigen Zollbehörden nähmen die Kontrolle ernst. So seien 2009 in der Bauwirtschaft allein wegen Mindestlohnverstößen rund 25 Millionen Euro an Geldbußen verhängt worden. Bei den Gebäudereinigern seien es 320.000 Euro gewesen. Um noch mehr Verstöße aufzuspüren, sind im aktuellen Haushalt für den Zoll 150 neue Planstellen vorgesehen. In den Jahren 2012 und 2013 sollen laut Regierung insgesamt weitere 200 Stellen geschaffen werden.

 
Leserkommentare
    • TDU
    • 12.08.2010 um 19:16 Uhr

    Irgendwann, wenn ich viel Zeit und Geld habe, werde ich ein Verzeichnis erstellen über die Gesetze und Reformen, die wegen "Schlampigkeit und populistischen Motiven" Nebenwirkungen haben. Und zwar seit der Zeit, in der die freien Mitarbeit begrenzt wurde.

    Und dann kann man analysieren, ob das in Anführungszeichen Gesetzte nicht beabsichtigt war.

    • lepkeb
    • 12.08.2010 um 19:41 Uhr

    die Ausbeutung über Zeitarbeitsfirmen unterstützten und auch noch Tarifverträge mit ihnen abschliesen, brauchen sie sich nicht über solche Sachen aufregen.
    (http://www.info-zeitarbeit.de/zeitarbeit-tarifverträge-der-bza-verhandlungsergebnis.html)

  1. warum sollte man einer Verdi Gerwerkschaft in Deutschland eigentlich vertrauen?
    Verdi wuerde doch liebend gerne den Mindestlohn fuer die eigenen Angestellten einfuehren , nicht zu vergessen, noch besser zu unterschreiten,
    Deutschland versinkt in einem elenden Sumpf. Verdient diese Gesellschaft diese Demagogie?
    Will sie nicht raus aus der Opferrolle?

  2. PKV sind Parasiten der GKV

    Dieser Lauterbach sitzt im Aufsichtsrat der Röhn-Kliniken. Was für ein Heuchler.

  3. lohn unterläuft sollte eine massive Geldstrafe zahlen müssen und die Erlaubniss ein entsprechendes Gewerbe zu betreiben sollte überprüft werden.

    Denn wer mit kriminellen Machenschaften Mindestlöhne drückt, der ist sich auch nicht für andere Sauereien im Pflegebereich - mit alten, schwachen und dementen Menschen - zu schade.

    Wer dafür sorgt, dass Gesetze Papiertiger sind, der billigt solche Methoden. Nochmal: Mindestlohn heißt MINDESTENS und nicht HÖCHSTENS.

    • Chali
    • 13.08.2010 um 6:12 Uhr

    Jaja, an der Armut lässt sich prächtig verdienen!

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