Atomausstieg Lobbyarbeit gegen die Regierung

Die Industriellen mischen sich ein: In einer großen Medienkampagne fordern rund 40 Spitzenmanager und Ex-Politiker eine Zukunft für Atomkraft und Kohle.

Josef Ackermann, der Fußballmanager Oliver Bierhoff und Otto Schily gehören zu gut 40 Prominenten, die für die Atomkraft werben. In einer bundesweiten Anzeige unter dem Titel "Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft", heißt es, "ein vorzeitiger Ausstieg würde Kapital in Milliardenhöhe vernichten – zu Lasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land". Die Bundesregierung verhandelt derzeit mit den AKW-Betreibern über eine Verlängerung der Laufzeiten über das feststehende Ausstiegsdatum 2020 hinaus. Für die Kampagne der Konzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW gaben vor allem führende Vertreter aus der Wirtschaft ihren Namen. Aber auch die Ex-Politiker Wolfgang Clement und Friedrich Merz sowie der Publizist Manfred Bissinger sind dabei.

Die Anzeigenkampagne eröffnet die entscheidende Phase in der Auseinandersetzung um die Atomkraft. In der kommenden Woche geben zwei Institute, die für die Bundesregierung diverse Szenarien über den künftigen Energiemix durchgespielt haben, ihre Expertise ab. Auf dieser Grundlage will die Regierung dann bis Ende September ihr Energiekonzept entwickeln.

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Im Mittelpunkt des Streits steht die Atomkraft. Dabei geht es um eine Verlängerung der Laufzeiten und den Preis, den die vier Atomkonzerne dafür zahlen. In einer Art Vertrag mit dem Bundesfinanzministerium haben Eon, RWE, Vattenfall und EnBW für eine Verlängerung der Laufzeiten um zwölf Jahre 30 Milliarden Euro angeboten. Die könnten in den Bundeshaushalt fließen und auch für Erneuerbare verwendet werden. Was am Ende tatsächlich vereinbart wird, will die Regierung Ende September festlegen.

In der ganzseitigen Zeitungsanzeige, die am Sonnabend erstmals erscheint, plädieren die Unterzeichner für einen breiten Energiemix. "Damit die Preise für alle bezahlbar bleiben, können wir bis auf Weiteres nicht auf kostengünstige Kohle und Kernenergie verzichten", heißt es in dem Text, der als "energiepolitischer Appell" deklariert ist. Mit der Kernenergie könnten "wir unsere hohen CO2-Minderungsziele deutlich schneller und vor allem preiswerter erreichen als bei einem vorzeitigen Abschalten der vorhandenen Anlagen".

Der Appell ist unterzeichnet von allen möglichen Wirtschaftsgrößen, darunter die Vorstandschefs der Bahn (Rüdiger Grube), von Metro (Eckhard Cordes), Deutscher Bank (Josef Ackermann), Bertelsmann (Hartmut Ostrowski), Bayer (Werner Wennig), sowie Autopräsident Matthias Wissmann. Als einziger Gewerkschafter ist der Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis vertreten. Allerdings ist das ein Versehen, wie es am Freitag bei der Gewerkschaft hieß. Vassiliadis habe den Appell nicht unterschrieben. Treibende Kraft der Kampagne ist dem Vernehmen nach der Essener RWE-Konzern, der das Kernkraftwerk Biblis betreibt und – wie auch die Berliner Vattenfall Europe – viel Kohle verstromt.

In ihrem Appell bekennen sich die Wirtschaftsführer – ausnahmslos Männer sind vertreten – ausdrücklich zu "ökologischen Ausrichtung unserer Energieversorgung. Erneuerbaren und CO2- freien Energien gehört die Zukunft". Doch vor allem für die Industrie sei "eine sichere, saubere und vor allem bezahlbare Energieversorgung unerlässlich". Und Erneuerbare würde "auf lange Sicht noch erhebliche Mehrkosten verursachen". Diese Kosten werden allein für dieses Jahr mit acht Milliarden Euro beziffert. Im Zusammenhang mit den Kosten wird die Politik vor zusätzlichen Belastungen durch die im Sparpaket vorgesehene Brennelementesteuer und steigende Ökosteuern gewarnt. In der Folge könnte dadurch "Zukunftsinvestitionen" verhindert werden.

Trotz politischer Unwägbarkeiten wird in Erneuerbare investiert. RWE Innogy beauftragte jetzt Siemens mit der Lieferung eines Umspannwerks für den Windpark Nordsee Ost für 40 Millionen Euro. Insgesamt hat RWE Innogy damit Aufträge für 590 Millionen Euro vergeben, der komplette Windpark wird rund eine Milliarde kosten. Die Fertigstellung ist für 2013 geplant, dann soll Nordsee Ost knapp 300.000 Haushalte hierzulande mit Strom versorgen.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Dieser offene Brief ist ja wieder nur eine Halbwahrheit! Natürlich nimmt die Industrie
    gerne Subventionen und Steuergeschenke an. Aber nur solange der Bürger zahlt. Sie nimmt auch gern in Kauf, dass dafür die Bevölkerung belogen und betrogen wird. Die Klimalüge
    soll ja weiterleben aber bitteschön nur den Bürger treffen! Man hat ja schließlich Geld
    in dies Goldgrube der „Erneuerbaren Energien“ gesteckt. Erst jetzt, wo man merkt, dass
    die anderen führenden Industrienationen bei der Drangsalierung der eigenen Bevölkerung und Industrie nicht mitziehen können und die globale CO2-Zertifikate-Spielhalle vorerst geschlossen bleibt wacht man auf. Aber euer Brief wird nicht helfen! Ihr habt mit einer beispiellosen Propagandaschlacht in allen Medien den Leuten den Untergang der Welt
    vorgelogen, wenn sie nicht auf Energieträger wie Braunkohle, Steinkohle, Öl und Atomenergie verzichten. Jetzt fürchten sich die Massen und sind bereit für diese Ideologie
    auf die Straße zu gehen!
    Um das gerade zu rücken müssen jetzt Köpfe rollen! Angefangen bei den unzähligen deutschen wissenschaftlichen Instituten, die Politik immer wieder mit Munition, sprich getürkten Klimameldungen versorgten, bis hin zu den Politikern die sich in deren Licht und auf Kosten der Bevölkerung als Weltenretter feiern ließen! Es muss jetzt eine wahre Aufklärungskampagne gestartet werden bevor der Schaden für Deutschland und seine Bürger
    nicht mehr gutzumachen ist!

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    [...] Pöbeleien und Drohungen ersetzen nunmal keine sachlichen Argumente.
    In der Klimadebatte wurden teilweise gefälschte Daten verwendet und Prognosen trafen nicht ein. In der Gegenargumentation wurde vielfach darauf hingewiesen, was wichtig und richtig ist. Die Gegner der These der Klimaerwärmung sind jedoch nicht in der Lage Argumente für ihre Position zu liefern und zu begründen, weshalb ihre Ansicht die richtige sein soll.
    So auch hier: Es ist sinnvoll sich von der Atomkraft abzuwenden, denn auch wenn sie als weniger klimaschädlich betrachtet werden muss, ist sie nicht weniger UMWELTschädlich. Wir haben am Beispiel der Asse lernen müssen, dass der Mensch nicht einmal für fünfzig Jahre in der Lage ist, die Sicherheit des Atommülls zu garantieren, obwohl er doch Jahrhundertausende vergraben werden müsste.

    Zudem bleibt die Gefahr - auch wenn sie sehr gering ist - dass ein Atomkraftwerk einen Super-GAU erleidet und damit die Bundesrepublik auf Jahrtausende in großen Teilen unbewohnbar wird.
    Ein Umsteigen auf alternative Energien ist also notwendig und konsequent.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Die Redaktion/cs

    [...] Pöbeleien und Drohungen ersetzen nunmal keine sachlichen Argumente.
    In der Klimadebatte wurden teilweise gefälschte Daten verwendet und Prognosen trafen nicht ein. In der Gegenargumentation wurde vielfach darauf hingewiesen, was wichtig und richtig ist. Die Gegner der These der Klimaerwärmung sind jedoch nicht in der Lage Argumente für ihre Position zu liefern und zu begründen, weshalb ihre Ansicht die richtige sein soll.
    So auch hier: Es ist sinnvoll sich von der Atomkraft abzuwenden, denn auch wenn sie als weniger klimaschädlich betrachtet werden muss, ist sie nicht weniger UMWELTschädlich. Wir haben am Beispiel der Asse lernen müssen, dass der Mensch nicht einmal für fünfzig Jahre in der Lage ist, die Sicherheit des Atommülls zu garantieren, obwohl er doch Jahrhundertausende vergraben werden müsste.

    Zudem bleibt die Gefahr - auch wenn sie sehr gering ist - dass ein Atomkraftwerk einen Super-GAU erleidet und damit die Bundesrepublik auf Jahrtausende in großen Teilen unbewohnbar wird.
    Ein Umsteigen auf alternative Energien ist also notwendig und konsequent.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Die Redaktion/cs

  2. Wirtschaftsbosse drohen aus Profitgier und mangelnder Bereitschaft, sich zu bewegen, mit der Steinzeit...
    Im September wird gegen Atomkraft demonstriert - es bleibt zu hoffen, dass diese Kundgebungen von Atomkraft-Gegnern aus allen Gruppen und Schichten unterstützt werden und dass möglichst vile teilnehmen.

  3. Auszug aus der Dankesrede von Wolfgang Bittner

    Jetzt haben wir seit geraumer Zeit mit Leuten zu tun, die hazptsächlich ihr eigenes Wohl im Auge haben und unseren immensen gesellschaftlichen TReichtum in private Taschen umleiten, während ganze Staaten bankrott geht.
    Wer das kritisiert, wer dagengen aufsteht, hat wenig Chancen;denjenigen wird unterstellt, sie seien neidisch, missgünstig, unvernünfig, unwissend, kommunistisch oder sie seien Verschwörungsfanatiker
    Wer das kritisiert, wer dagegen aufsteht, hat wenig Chancen; denjenigen wird unterstellt, sie seien neidisch, missgünstig, unvernünftig, unwissend, kommunistisch oder sie seien Verschwörungsfanatiker.

  4. [...] Pöbeleien und Drohungen ersetzen nunmal keine sachlichen Argumente.
    In der Klimadebatte wurden teilweise gefälschte Daten verwendet und Prognosen trafen nicht ein. In der Gegenargumentation wurde vielfach darauf hingewiesen, was wichtig und richtig ist. Die Gegner der These der Klimaerwärmung sind jedoch nicht in der Lage Argumente für ihre Position zu liefern und zu begründen, weshalb ihre Ansicht die richtige sein soll.
    So auch hier: Es ist sinnvoll sich von der Atomkraft abzuwenden, denn auch wenn sie als weniger klimaschädlich betrachtet werden muss, ist sie nicht weniger UMWELTschädlich. Wir haben am Beispiel der Asse lernen müssen, dass der Mensch nicht einmal für fünfzig Jahre in der Lage ist, die Sicherheit des Atommülls zu garantieren, obwohl er doch Jahrhundertausende vergraben werden müsste.

    Zudem bleibt die Gefahr - auch wenn sie sehr gering ist - dass ein Atomkraftwerk einen Super-GAU erleidet und damit die Bundesrepublik auf Jahrtausende in großen Teilen unbewohnbar wird.
    Ein Umsteigen auf alternative Energien ist also notwendig und konsequent.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Die Redaktion/cs

    Antwort auf "Klimalüge!"
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    "Die Gegner der These der Klimaerwärmung sind jedoch nicht in der Lage Argumente für ihre Position zu liefern und zu begründen, weshalb ihre Ansicht die richtige sein soll."

    Dazu muß man sagen "die Gegner der These der menschengemachten Klimaerwärmung". Das es Klimaerwärmung gibt sei unbestritten. Aber es gibt eben allenfalls Hinweise, das der Mensch daran GROßEN Anteil hat. Die Beweislage der Klimaforscher ist nämlich noch nicht mal dünn sondern gar nicht vorhanden. Was vorhanden ist, ist allerdings die Lust an Katastrophenszenarien. Auch weil man damit nicht schlecht verdienen kann.

    Weder gibt es nachweisbare konkrete Vorhersagen über die Auswirkungen der Klimaerwärmung noch über die Folgen auf die Menschen. Es kommen immer nur diffuse Aussagen wie: Es wird wärmer und die Hurikanaktivität wird zunehmen...Das typische Wahrsagermentalität.

    Zum Beispiel könnte man sich einmal darüber Gedanken machen warum immer mehr Menschen von Überflutungen betroffen sind - Liegt das an der Klimaerwärmung oder vielleicht daran, dass immer mehr Menschen auf dem Erdball leben und diese sich bevorzugt in Wassernähe ansiedeln? Diese Wassernähe ist schon seit Urzeiten ein Problem falscher Siedlungspolitik. In der Antike versanken ganze Kulturen in den Fluten. Aber es ist natürlich einfacher und einträglicher dies auf den Klimawandel zu schieben.

    Früher schob man Katastrophen dem nicht fassbaren Gott in die Schuhe, heute dem genauso wenig fassbaren Klimawandel.

    Das kann man wohl sagen. Der Atommüll wird in Generationen noch Kosten verursachen

    "Die Gegner der These der Klimaerwärmung sind jedoch nicht in der Lage Argumente für ihre Position zu liefern und zu begründen, weshalb ihre Ansicht die richtige sein soll."

    Dazu muß man sagen "die Gegner der These der menschengemachten Klimaerwärmung". Das es Klimaerwärmung gibt sei unbestritten. Aber es gibt eben allenfalls Hinweise, das der Mensch daran GROßEN Anteil hat. Die Beweislage der Klimaforscher ist nämlich noch nicht mal dünn sondern gar nicht vorhanden. Was vorhanden ist, ist allerdings die Lust an Katastrophenszenarien. Auch weil man damit nicht schlecht verdienen kann.

    Weder gibt es nachweisbare konkrete Vorhersagen über die Auswirkungen der Klimaerwärmung noch über die Folgen auf die Menschen. Es kommen immer nur diffuse Aussagen wie: Es wird wärmer und die Hurikanaktivität wird zunehmen...Das typische Wahrsagermentalität.

    Zum Beispiel könnte man sich einmal darüber Gedanken machen warum immer mehr Menschen von Überflutungen betroffen sind - Liegt das an der Klimaerwärmung oder vielleicht daran, dass immer mehr Menschen auf dem Erdball leben und diese sich bevorzugt in Wassernähe ansiedeln? Diese Wassernähe ist schon seit Urzeiten ein Problem falscher Siedlungspolitik. In der Antike versanken ganze Kulturen in den Fluten. Aber es ist natürlich einfacher und einträglicher dies auf den Klimawandel zu schieben.

    Früher schob man Katastrophen dem nicht fassbaren Gott in die Schuhe, heute dem genauso wenig fassbaren Klimawandel.

    Das kann man wohl sagen. Der Atommüll wird in Generationen noch Kosten verursachen

  5. Irgendwie empfinde ich die ganze Debatte um die Atomkraft als scheinheilig...

    Sonst sollen wir uns z.B. immer an den anderen Ländern orientieren.

    Die setzen nahezu fast alle auf Atomkraft.

    Hierzulande wird die Atomkraft verteufelt und gleichzeitig setzen sich diese Leute, die sich gegen Atomkraft und eher für Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen einsetzen, dafür ein, das der Iran Atomkraftwerke baut?

    Ich verstehe es nicht...

    Wenn es für Iran gedacht ist, ist es die fortschrittlichste Energiegewinnung überhaupt aber bei uns überfällig?

    Wenn es um soziales geht etc. sollen wir uns z.B. auch immer an skandinavischen Ländern orientieren, aber nur wenn man selbst davon profitiert?

    Und dass uns die Subventionierung der Solartechnologie zum Marktführer gemacht hat stimmt so auch nicht ganz.

    Denn bei den Subventionen ist z.B. egal ob aus Deutschland oder China.

    Und mittlerweile baut China Solaranlagen mit wesentlich besserem Preisleistungsverhältnis.
    Also sind wir scheinbar eben nicht Marktführer?

    Also haben wir mit der Subventionierung auch chinesische Firmen und Arbeitsplätze geschaffen...

    Und dass unsere Nachbarstaaten ihre Atommeiler direkt an die Grenze bauen ist ihnen auch egal.

    Wenn eins davon hochgeht sind wir sowieso betroffen.
    Dann bin ich wenigstens dafür, dass die hier stehen und den deutschen (wahrscheinlich so ziemlich höchsten)Sicherheitsstandards entsrpechen.

    Ich verstehe es irgendwie echt nicht.

    Der Beitrag soll weder pro noch kontra Atomkraft sein...

  6. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

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