OPEC Das Öl-Kartell wird 50

Die Macht dieses Kartells bescherte autofreie Sonntage und zwei Ölkrisen: Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) wird 50 Jahre alt. Ein Rückblick

An einem Tag der Woche bleiben die Autos stehen und Kinder bekommen extra Ferien. Die Folgen der Ölkrise in den 1970er Jahren könnten aus Expertensicht in Zukunft wieder Realität werden. Doch der Auslöser der damaligen Krise, die Organisation erdölexportierender Länder (Opec), hat den Ölpreis nicht mehr in der Hand. Das mächtige Kartell mit Sitz in Wien blickt zu seinem 50. Geburtstag am Dienstag in eine ungewisse Zukunft.

Schwindende fossile Ressourcen bei steigender Nachfrage, Klimawandel, Finanzspekulationen und Konkurrenz von anderen Förderländern – das sind nur einige Faktoren, die heute auf den Ölpreis einwirken und ihn schwierig vorhersehbar machen. Für Experten gibt es zwei Szenarien: Unkontrollierbarer Anstieg oder ein Preisverfall.

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Als am 14. September 1960 die fünf Staaten Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela die Gründung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) besiegeln, einte sie ein Ziel: die Ölpreise auf dem Weltmarkt durch die Festlegung der eigenen Fördermengen bestimmen zu können. Heute hat die Organisation 12 Mitgliedsländer und fördert mehr als ein Drittel des weltweit verfügbaren Erdöls und kontrolliert den Großteil der Reserven.

Der weltweite Energiehunger verlieh der Organisation Macht, die das Kartell auch politisch zu nutzen versuchte. So drosselten die Opec-Länder nach dem Jom-Kippur-Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn im Jahr 1973 die Fördermenge, weil der Westen Israel unterstützte. Durch Panik ausgelöste Hamsterkäufe ließen die Nachfrage weiter steigen. Der folgende Preisanstieg führte zur ersten Ölkrise. An die autofreien Sonntage und Warteschlangen an den Tankstellen in Deutschland können sich viele Bundesbürger noch erinnern.

In den folgenden Jahrzehnten schwand der Einfluss der Opec schleichend. Immer mehr Ölproduzenten betraten die Bühne, zunächst in der Nordsee, zuletzt vor allem in Russland. Doch Abgesänge auf das Kartell halten Experten für voreilig. Es gebe eine Tendenz, die "Relevanz der Opec kleinzureden, ihren Zusammenhalt unterzubewerten und ihre Effektivität herunterzuspielen", sagt Paul Horsnell, Analyst von Barclays Capital. Dies sei falsch. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Nabuo Tanaka, sagte kürzlich voraus, die weltweite Abhängigkeit von Öl aus Nicht-Opec-Ländern werde in den kommenden Jahren sinken. Die globale Abhängigkeit von den Opec-Ländern hingegen werde steigen.

"Ich denke sie hat sowohl Relevanz als auch Macht", sagt der deutsche Politikwissenschaftler Andreas Goldthau, der mit seinem Co-Autor Jan Martin Witte das Buch Die Opec. Macht und Ohnmacht des Öl-Kartells geschrieben hat . Aber anders als noch in den 1980er Jahren könne der Verbund heute nicht mehr die Preise diktieren.

Der Zusammenhalt der mittlerweile zwölf Opec-Mitglieder ist trotz politischer und kultureller Unterschiede zwischen Ländern wie Algerien, Venezuela oder Nigeria nach Einschätzung von Beobachtern unverändert. Zusammengeschweißt werden die Mitglieder dabei durch die gemeinsame Abhängigkeit von Einnahmen aus der Ölförderung.

Das Öl-Kartell selbst kündigte im Jubiläumsjahr an, sich künftig für Preisstabilität einsetzen zu wollen. "Die Opec ist sich vollständig bewusst, dass es von großem Nutzen ist, einen stabilen und harmonischen Markt für Öl zu gewährleisten", sagte der Generalsekretär der Organisation, Abdalla Salem el Badri.

Dabei ist die Zeit, an der an den Märkten wegen der schwindelerregenden Achterbahnfahrt der Ölpreise Verunsicherung grassierte, gerade einmal zwei Jahre zurück. Zwischen Juli und Dezember 2008 schwankte der Kurs vom historischen Höchststand von 147 Dollar auf unter 33 Dollar pro Barrel (159 Liter). In den vergangenen Monaten pendelte der Preis allerdings konstant zwischen 70 und 80 Dollar (rund 55 bis 63 Euro) pro Barrel.

In Zukunft stehen der Opec wichtige Veränderungen bevor: So könnte der Irak binnen sechs Jahren seine Fördermengen verfünffachen und zum zweitgrößten Opec-Ölförderland hinter Saudi-Arabien aufsteigen. Der Aufstieg von Biokraftstoffen macht den Opec-Ländern dagegen weniger Sorgen, zumindest behaupten sie dies. Beim Internationalen Energie Forum im April herrschte bei den ölfördernden Ländern Einigkeit: Erdöl werde für weitere Jahrzehnte den größten Teil des weltweiten Energiebedarfs stillen.

 
Leser-Kommentare
    • shunya
    • 13.09.2010 um 20:43 Uhr

    Auch die unsägliche Sommerzeit, die aufgrund der Ölkrise wiedereingeführt wurde und einfach abgeschafft gehört, haben wir letztlich diesem Kartell zu verdanken.

  1. Auskömmliche Preise für das Öl waren die Ursache für die Gründung der OPEC.
    Mittlerweile verschlingen Exploration und Erschließung neuer Ölfelder
    Unsummen, die die Rohölpreise steigen lassen.
    Heute ist es ihre Hauptaufgabe, die Preise auf ein verträgliches Niveau zu halten, um die
    Weltwirtschaft nicht in Schwierigkeiten zu bringen.
    In der Politik würde es nie gelingen, diese Staaten unter einem Hut zu bringen.
    Das Öl bewirkt Wunder.
    Auch wenn der Herr Wirtschaftsminister keine Freude an steigenden Ölpreisen hat,
    dem Herrn Finanzminister gefallen die "Windfall Profits" sehr.

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