Anlegerschutz Fondsvermittler unterliegen wie Eisverkäufer der Gewerbeaufsicht
Die Regierung regelt den Anlegerschutz neu. Finanzprodukte unterliegen künftig staatlicher Regulierung. Die Anlageberater aber bleiben von der Finanzaufsicht unbehelligt.
© Thomas Lohnes/AFP/Getty Images

Handeln mit Fonds: Broker an der Frankfurter Börse
Auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt verlieren Anleger jedes Jahr Milliarden, weil sie auf unseriöse Angebote hereinfallen. Den Schaden schätzen Branchenexperten auf bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr.
Die Bundesregierung will dem seit Langem abhelfen. Nun einigten sich die Koalitionäre auf einen Kompromiss zur stärkeren Regulierung dieses Marktsegments. Der neue Gesetzesplan fällt aber weniger scharf aus als zuvor angestrebt.
Im Kern sieht ein Vorschlag des Finanzministeriums vor, Anteile an sogenannten Geschlossenen Fonds zwar als Finanzprodukte einzustufen, so dass der Vertrieb der staatlichen Finanzaufsicht unterliegt. Die Vermittler selbst aber würden nicht als Wertpapierdienstleister eingestuft und blieben somit von der Finanzaufsicht ausgenommen. Anders als angestrebt bliebe die Aufsicht über sie – wie vom Bundeswirtschaftsministerium gewünscht – bei den in Finanzmarktangelegenheiten weniger kompetenten Gewerbeämtern. Die überwachen – meist von kommunaler Ebene aus – den Arbeits-, Umwelt- und Verbraucherschutz.
Dennoch sollen bald strengere Anforderungen an die Branche gelten , die Anteile an Geschlossenen Fonds vertreibt. Sie müssen künftig ihre Sachkunde nachweisen und eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Hinzu kommen umfangreiche Informations-, Beratungs- und Dokumentationspflichten.
In einem Brief von Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer an seinen Kollegen im Finanzministerium, Jörg Asmussen, heißt es, die gefundene Lösung trage erheblich zur Stärkung des Anlegerschutzes bei. "Gleichzeitig wird unserem Anliegen Rechnung getragen, dass kleine und mittelständische Vermittler von Finanzanlagen weiterhin am Markt bestehen können." In Regierungskreisen hieß es, das Kabinett werde den Gesetzentwurf voraussichtlich im Herbst verabschieden.
Über geschlossene Fonds werden typischerweise Schiffe, Energieprojekte oder Flugzeuge finanziert. Nach Angaben des Fonds-Verbandes VGF haben sie derzeit mehr als 160 Milliarden Euro investiert. Der Staat beaufsichtigt die Tätigkeit der Fonds bisher kaum. Die Branche hatte gewarnt, eine zu scharfe Regulierung würde viele Anbieter existenziell gefährden.
Dem Zentralen Kreditausschuss ist die geplante Regelung allerdings zu lasch. Zwar würden Teile des Grauen Kapitalmarktes strengeren Anforderungen unterworfen, teilte das Spitzengremium der deutschen Bankenverbände mit. Bei der Beaufsichtigung der Vermittler müsse die Regierung allerdings nacharbeiten. Sie lediglich nach der Gewerbeordnung zu beaufsichtigen, reiche nicht aus. Besser sei eine bundesweit konzentrierte Aufsicht mit laufenden Kontrollen durch die staatliche Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.
Aus den Koalitionsfraktionen kam dagegen erste Zustimmung zu dem Kompromiss. Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler sagte, damit würden Anleger künftig bei Versicherungen, geschlossenen Fonds und bei Investmentfonds nach einheitlichen Standards beraten. "Schwarze Schafe" am Kapitalmarkt hätten keine Chance mehr.
Unions-Finanzexperte Leo Dautzenberg (CDU) sagte, die Gewerbeaufsicht müsse nun ihre Wirkung entfalten, personell verstärkt und mit entsprechendem Fachwissen ausgestattet werden. Allerdings hätte mit einer – wie zunächst vorgesehenen – erleichterten Aufsicht nach Kreditwesengesetz die Regierung den Verbraucherschutz verbessern können.
- Datum 08.09.2010 - 18:59 Uhr
- Quelle dpa, Reuters
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Deutschland und die EU fahren mit Vollgas in den Neoetatismus. Alles muss reguliert werden. Die Regulierer haben nach der Finanzkrise Hochkonjunktur, sowie in den 80ern und 90ern die Sozialpolitiker Hochkonjunktur hatten. Die Folgen sind bekannt.
Politisch und emotional kann man das nachvollziehen. Intellektuell gibt es wenig Hinweise, dass Regulierung nennenswert dazu beiträgt widrige Geschäftspraxis zu bekämpfen.
Das amerikanische Prinzip von Freiheit und strenger Haftung ist meistens die bessere Wahl. Eine Balance zwischen Regulierung und Haftung, ein dritter Weg wäre wahrscheinlich am Vernünftigsten.
Die Regulierer haben nach der Finanzkrise Hochkonjunktur,
Naja, die Politik will uns verkaufen, das sie was tut. Was nachher hinten rauskommt, bleibt wie immer die Frage. Es wird alles ein bißchen komplizierter, aber die Betroffenen haben keinen Nutzen davon (vergleichbar den Beratungsprotokollen, die auch sinnentleert sind und ausschließlich Reinwascherei sind).
sowie in den 80ern und 90ern die Sozialpolitiker Hochkonjunktur hatten. Die Folgen sind bekannt.
Ja? Welche Folgen meinen Sie?
Ich sehe nur die schlimmen Folgen der Umkehrung dieser an sich guten Politik mit halbwegs fairen Löhnen, wobei allerdings der Abbau schon in dem von Ihnen genannten Zeitraum begann unter Kohl.
Der obige Artikel ist äußerst schlecht recherchiert, denn die Aussage, daß der Schaden sich laut "Branchenexperten auf bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr" beläuft, ist auf eine unseriöse Schätzung des BKA zurückzuführen, das selbst nicht mehr weiß, wie es auf die Zahl kommt. Für einen Teil der Investoren ist es sicher in der Vergangenheit zu einem Schaden gekommen, ein anderer Teil hat hier vermutlich profitiert. Der graue Kapitalmarkt gehört bekanntermaßen nicht zu der Gruppe der 'sicheren' Anlageformen, aber das Wissen darüber sollte man eigentlich schon einem Menschen ohne größeren Bildungsstand zubilligen.
Zudem sollte es eigentlich jedem frei gestellt bleiben, etwas zu wagen oder auch nicht. Wir haben es hier immerhin nicht mit Kindern oder Jugendlichen zu tun. Ich ärgere mich allerdings über den Unterton des Beitrags, in dem unterstellt wird, der graue Kapitalmarkt wäre (mit-)verantwortlich für die Finanzkrise(n) der letzten Jahre. Dass ich nicht lache: Die Übeltäter sitzen (leider zum Teil immer noch) in der Politik und in den Groß- und Landesbanken. Selbst die Sparkassen sind hiervon nicht ausgeschlossen. Auch mir wurde in einer Beratung permant empfohlen, in Schiffsfonds oder andere Dachfonds zu investieren, als ich auf der Suche nach einer sicheren Anlage für meine kleinen KINDER war. HIER, in Politik und Banken, wurden die Weichen gestellt für das Zusammenbrechen der Märkte. Ganz sicher nicht bei den zumeist kleinen Vermittlern von Anlagen im grauen Kapitalmarkt.
Der so verfasste Artikel klingt erst einmal gut. Berater lieber dem Bafin unterwerfen als der Gewerbeaufsicht, die mehr Fachpersonal hat. Was aber steckt dahinter?
- Alle unabhängigen Berater hätten sich beim Bafin registrieren müssen und eine "kleine Banklizenz" erwerben müssen. Diese kostet alleine durch die notwendige Wirtschaftsprüfung ca. 40.000 € p.a.
- Der Markt der freien und unabhängigen Berater beträgt rund 250.000 Personen, auch das sind Arbeitsplätze. Davon hätten der allergrößte Teil diese Kosten nicht tragen können. Das ganze entspricht der Idee, dass Banken alleine die Berater sind, wo solche Kosten nicht auffallen.
- Wer hat aber die Finanzkrise verusacht? Waren es kleine unabhängige Betrateer, oder eher die gro0en Banken?
- So können die kleinen, die teils jahrelangen Kontakt zu ihren Kunden haben weiterhin für diese tätig sein. Gibt es jemanden, der schon seit 10 Jahren den gleichen Bankberater hat. Früherja, heute undenkbar.
- Der unabhängige Berater bleibt seinem Kunden erhlaten, hat eine persönliche Bezihung zu ihm und weiß um seine Wünsche. Lehman Zertifikate wurden von keinem dieser Berater verkauft - nur von Bankfilialen.
Vielleicht würde es helfen, sich zuerst um die zu kümmern, die großflächig den Schaden für alle Steuerzahluer verursacht haben. Das wäe echter Verbraucherschutz.
Es klingt ja wirklich sehr reißerisch, wenn man schreibt, daß der Fondsvermittler wie der Eisverkäufer der Gewerbeaufsicht unterliegt.
Die Vermittlung von Fonds ist ja zunächst einmal ein Gewerbe. Insoweit paßt es gut.
Jetzt müßte man sich noch einmal den Begriff "Fondsvermittler" näher betrachten.
Betroffen von dieser Regelung sind Vermittler von Beteiligungen an Gesellschaften, deren Produkte (sog. geschlossene Fonds) seit 2005 einer gesetzlichen Prospektpflicht unterliegen. Vor 2005 gab es keinerlei Regelungen !
Die Prospektpflicht sieht und sah so aus, daß das Bundesaufsichtsamt den Prospekt genehmigen muß. Ohne Genehmigung kein Vertrieb.
Der Hammer: Die Genehmigung durch das Bafin sagte nichts über die Richtigkeit der Prospektangaben aus und schon gar nichts über die Qualität des Angebots. Dennoch vertrauten viele Anleger auf diese Pseudoprüfung.
Hilfreich wäre also gewesen, wenn das Bafin mit seinem angeblichen Sachverstand eine inhaltliche Prüfung vorgenommen hätte. Dann wären viele Anleger möglicherweise vor dubiosen Angeboten geschützt worden.
Die Vermittler sind nur das geringste Problem. Ob nun von Bafin geprüft oder Gewerbeaufsicht: Die Produkte werden dadurch nicht besser !
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