Versuchsendlager In Asse lagert zehn Mal mehr Atommüll als bisher bekannt

Der Salzstollen Asse steht für den sorglosen Umgang mit radioaktiven Abfällen. Doch der marode Stollen strahlt weit stärker, als bisher angenommen.

Seit Jahrzehnten arbeiten Politik und Atomwirtschaft an einer Lösung für die strahlende Hinterlassenschaft der Kernspaltung. Die Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben, Ahaus und Lubmin sind solche Versuche, das wegen eklatanter Sicherheitsmängel umstrittene Versuchsendlager in Asse ein weiterer. Das Bundesamt für Strahlenschutz , seit Anfang 2009 Betreiber von Asse , und die von den Beschäftigten getragene GmbH, wollen die rund 126.000 dort eingelagerten Atommüllfässer wieder herausholen. 

Wie aus einem neuen Inventarbericht des früheren Betreibers Helmholtz-Zentrum hervorgeht, lagert in dem maroden Stollen Asse II bei Wolfenbüttel seit den 1970er Jahren das Zehnfache der bislang vermuteten Menge an mittelradioaktivem Müll. Damit bestätigte sich ein Bericht der Braunschweiger Zeitung.

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Unter dem gleichnamigen Höhenzug in Niedersachsen liegt der ehemalige Salzstock Asse

In das ehemalige, heute einsturzgefährdete Salzbergwerk ließ die Industrie zwischen 1967 und 1978 etwa 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll hineinkippen. Die Behälter liegen teils ungeordnet herum, ein Inventarverzeichnis existiert offenbar nicht.

Bislang gingen die Verantwortlichen davon aus, dass 1300 dieser Fässer mittelradioaktiven Müll enthalten. Weitere 14.779 Fässer, in denen bislang schwachradioaktiver Müll vermutet wurde, erhielten eine besondere Abschirmung durch Beton. Wegen dieses Schirms müsse nun davon ausgegangen werden, dass es sich ebenfalls um mittelradioaktiven Müll handele, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums.

Infografik: Murks im Stollen von Asse
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Nach einer Serie von Pannen und Fehlern hatte die Regierung das Helmholtz-Zentrum Anfang 2009 als Betreiber durch das Bundesamt für Strahlenschutz abgelöst. Das Bundesamt entschied sich Anfang des Jahres aus Sicherheitsgründen, den Müll zurückzuholen.

Diese Woche begannen Fachleute erste Probebohrungen, um Verfahren zu testen, mit denen sich die insgesamt zwölf Lagerkammern auf radioaktive Verseuchung und den Zustand der Fässer untersuchen lassen. In die gebohrte Röhre werden Sonden und andere Messgeräte eingeführt und auf ihre Funktion getestet.

Füllort auf der 750-Meter-Sohle im Salzstock Asse: Rechts neben dem Schacht befindet sich ein Container mit einem Handfußkontaminationsmonitor, der die Strahlung anhaftender radioaktiver Verunreinigungen misst. Weitere Panoramabilder finden Sie hier | 360-Grad-Panorama: Stefan Sobotta

Gelingt der Versuch an der 45 Meter dicken Wand aus Steinsalz und stimmt die Landesregierung zu, können die Experten im November eine erste Kammer mit Atommüll anbohren. In diesen Hohlraum stapeln sich teils ungeordnet seit 1978 mehr als 4300 Fässer mit radioaktiven Abfällen .

Der hoch radioaktive Schrott strahlt Hunderttausende Jahre und muss dementsprechend lange sicher verwahrt werden . Die jetzt festgestellten deutlich größeren Mengen mittelaktiver Abfälle machten die geplante Rückholung nicht einfacher, sagte die Sprecherin.

Auf der ganzen Welt gibt es bislang kein einziges genehmigtes und betriebsbereites Endlager für hochradioaktiven Müll.

 
Leser-Kommentare
  1. Da müßte doch längst Handschellen klicken. Das sind schließlich keine Dauerlutscher. Da ist doch mit krmineller Energie gearbeitet worden. Wer Deutschlands Bürkratie kennt, kann nur zu einem Schluß kommen. Da muss eine Mafia am Werk gewesen sein. Steckt sie lebenslänglich in den Knast. Das sind wir unseren Kinder schuldig.

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    ein lange bekanntes Thema, von den Meinstream Qualitätsmedien weitgehend unter der Decke gehalten, aber immer wieder gruselig zu lesen und sehr erhellend:

    Die weißen Sümpfe von Wittmar

    Und da hatte seinerzeit schon Frau Merkel einen Teil der Mitverantwortung, die den aktuellen Atom-Deal umso unverständlicher macht - jedenfalls wenn Madame und Mitwirkende sich an ihre Amtseide und wirklichen Aufgaben jemals erinnern würden.

    Ansonsten auch sehr gute Dokumentation von Arte:

    Alptraum Atommüll (Teil 1 von 11)

    Fängt einigermassen harmlos mit den Altlasten der ersten A-Bomben in den USA an (bitte weiter alle Teile anschauen).

    ein lange bekanntes Thema, von den Meinstream Qualitätsmedien weitgehend unter der Decke gehalten, aber immer wieder gruselig zu lesen und sehr erhellend:

    Die weißen Sümpfe von Wittmar

    Und da hatte seinerzeit schon Frau Merkel einen Teil der Mitverantwortung, die den aktuellen Atom-Deal umso unverständlicher macht - jedenfalls wenn Madame und Mitwirkende sich an ihre Amtseide und wirklichen Aufgaben jemals erinnern würden.

    Ansonsten auch sehr gute Dokumentation von Arte:

    Alptraum Atommüll (Teil 1 von 11)

    Fängt einigermassen harmlos mit den Altlasten der ersten A-Bomben in den USA an (bitte weiter alle Teile anschauen).

  2. Und das ist gerade erst jetzt aufgefallen nachdem sich die Atomlobby nach allen Seiten abgesichert hat. So ein Zufall aber auch.

    Und mir stellt sich da auch die Frage. Gibt es so etwas wie eine Eingangskontrolle? Aufzeichnungspflicht.
    Dieses Ups wir haben da was gefunden, wo kommt es nur her? -das stinkt ja zum Himmel.

  3. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, das Atomenergie extrem teuer, asozial und auf Kosten kommender Generationen ist, dann ist er hiermit erbracht. Der Atommafia muss zwingend Einhalt geboten werden. Hoffentlich läßt sich der Wahnsinn der neoliberal- konservativen Volkseigentumsverhökerer irgendwie stoppen.

    • uak
    • 10.09.2010 um 16:35 Uhr

    Ich hatte Sie bisher für einen der ganz wenigen, einigermassen honorigen Minister in dieser schmalbrüstigen Riege gehalten!
    Es ist unfassbar, daß Sie zugestimmt haben, die ASSE-Kosten uns Steuerzahler aufzubürden und die AKW-Oligarchen per Vertrag davon freizustellen.
    Wie schon ein anderer Kommentator geschrieben hat: es stinkt zum Himmel, nicht nur was da "jetzt festgestellt" wurde, sondern auch der Zeitpunkt !
    Und keiner wird dafür belangt ! Wenn ich meinen Müll einfach abkippe, kommt der Staatsanwalt.

  4. Da hat die CDU Regierung ja mal wieder richtig scheiße gebaut. Blöd wenn man käuflich ist

    via ZEIT ONLINE plus App

  5. Die glauben wirklich, das Volk lässt sich alles gefallen - bis hin zum Strahlemtod.
    Wir kriegen sie noch dran, die Frage ist nicht ob, die Frage ist nur wann?
    Freiwillig geben die ihre Pfründe natürlich nicht ab.

  6. Niemand ist vorher auf die Idee gekommen, daß Salz Wasser anzieht und Wasser die Fässer durchrosten läßt. Das weiß jede Hausfrau, die ein paar Salzkörner in ihren Streuer tut. Und Gorleben ist noch nicht vom Tisch? Auch die Franzosen gehen andere Wege.

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