Banken müssen mit harten Vorschriften für ihren Eigenkapitalanteil rechnen. Das geht aus einer Entscheidungsgrundlage für den Basler Ausschuss hervor, die ZEIT ONLINE vorliegt.

Demnach müssen die Institute künftig neun Prozent der Klasse "Tier 1" als Eigenkapital vorhalten. Die Mindestkapitalquote liegt künftig bei sechs Prozent. Hinzu kommt ein spezieller sogenannter Conservation Buffer für schlechte Zeiten von drei Prozent.

Zusätzlich kann die Bankenaufsicht ein antizyklisches Kapitalpolster von drei Prozent verlangen, sodass der Kapitalbedarf in Boomzeiten auf insgesamt zwölf Prozent (der risikogewichteten Aktiva) steigen könnte. Die Kapitalquote würde damit insgesamt bei maximal 16 Prozent liegen. Derzeit sind acht Prozent üblich. Die neue Kapitalquote setzt sich zusammen aus sechs Prozent der Klasse "Tier 1", hinzu kommen vier Prozent minderwertigeres "Tier 2" und zwei Puffer von je drei Prozent.

Die Notenbanker und Bankenaufseher wollen auf Basis des Papiers am Dienstag in Basel über diese Eigenkapitalregel verhandeln. Mit den künftigen Mindestkapitalquoten und der Zusammensetzung des Eigenkapitals von Banken wollen die im Baseler Ausschuss zusammengeschlossenen Finanzexperten aus 27 Ländern die Branche widerstandsfähiger gegen Krisen machen. Sie wollen die Banken vor existenzbedrohenden Problemen wie in der jüngsten Finanzkrise bewahren. Allerdings bedeutet eine höhere Eigenkapitalquote, dass die Banken weniger Kredite vergeben können und damit auch geringere Umsätze und Gewinne erzielen.

Die Basel III genannten Vorschriften des Ausschusses haben rechtlich gesehen nur empfehlenden Charakter, sie werden aber in der Regel weltweit umgesetzt. Im Fall Europas würden sie in eine EU-Richtlinie überführt. Bislang ist es Praxis, dass sie dann auch für alle Banken gelten. Andere Länder wenden sie nur auf international tätige Großbanken an.

Auch die Vorschriften für das harte Kernkapital (Aktien und Gewinnrücklagen – Common Equity) will der Ausschuss dem Papier zufolge verschärfen. Künftig sind davon nach Abzügen mindestens fünf Prozent vorzuhalten, der Conservation Buffer und das antizyklische Polster liegen bei jeweils 2,5 Prozent.

Die Vorschriften für Common Equity sollen 2013 in Kraft treten, der Conservation Buffer schrittweise in Abständen von 0,5 Prozentpunkten von 2014 an bis 2018 eingeführt werden.

In Deutschland wird nach Informationen von ZEIT ONLINE befürchtet, dass diese Vorschläge die Banken überfordern und die Kreditversorgung gefährden könnten. Die zehn größten deutschen Banken werden nach Angaben des Branchenverbandes BdB einer Vorausberechnung nach etwa 105 Milliarden Euro zusätzliches Kapital benötigen. Der Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Stephen Cecchetti, sagte dem Handelsblatt , einen großen Teil des zusätzlichen Kapitals könnten die Banken durch die Einbehaltung von Gewinnen ansammeln.

Die neuen Regeln für die Abzüge, welche die Banken für vermeintlich nicht werthaltige Posten vom Eigenkapital vornehmen müssen – zum Beispiel für die Anerkennung von Beteiligungen an Finanzinstituten – beginnen 2014 mit 20 Prozent und erreichen bis 2018 dann 100 Prozent.