Thilo Sarrazins Kommentar zu seinem Rücktritt sagt eigentlich schon alles. Es verlasse die Bundesbank, bestätigte er gestern auf einer Lesung in Potsdam, um wieder Themen zu behandeln, die ihm wichtig seien.

Die Bundesbank ist eine Währungsbehörde, deren Aufgabe es ist, für Preisstabilität in Deutschland und Europa zu sorgen. Deshalb ist sie unabhängig, deshalb können ihre Vorstände nicht abgewählt werden. Das einzig wichtige Thema für einen Bundesbank-Vorstand sollte die Frage sein, wie die geldpolitischen Ziele erreicht werden können. Die Zinsen ein Stück höher? Die Geldmenge etwas aufblähen? Ein halber Prozentpunkt mehr Eigenkapital für die Banken? Das sind die Fragen, denen sich ein Geldpolitiker mit Leidenschaft widmen sollte. Migration und Genetik sind nicht Teil des Mandats der Bundesbank.

 
Wenn Sarrazin jetzt die Bundesbank verlässt, dann ist das konsequent. Er hätte es schon viel früher tun sollen. Hier wurde mitnichten ein unliebsamer Geist mundtot gemacht und die Meinungsfreiheit geopfert, wie jetzt viele argumentieren , die andererseits ganz schnell dabei sind, wenn es um die Einschränkung der Meinungsfreiheit auf der linken Seite des politischen Spektrums geht.

Vielmehr wurde den Grundsätzen des öffentlichen Dienstes in einer pluralistischen Demokratie  – Mäßigung und Zurückhaltung – Geltung verschafft. Solche Regeln sind für das Funktionieren eines Staatswesens mindestens genau so wichtig wie der Streit über Inhalte auf der Ebene der Politik.

Die merkwürdige Zustimmung, die Sarrazin für seine Thesen im Volk erfährt, ist in dieser Frage unerheblich. Ein Bundesbanker muss nicht populär sein, er muss seinen Auftrag erfüllen. Wahrscheinlich ist es sogar so, dass er seinen Auftrag nur erfüllen kann, wenn er unpopulär ist, weil er das Geld knapp halten muss.

Niemand hindert Thilo Sarrazin daran, Bücher über Migration zu schreiben. Wenn er seine Zukunft in der Publizistik sieht, hat er in der Bundesbank aber nichts verloren.