Der umstrittene Atomvertrag zwischen den vier Energiekonzernen und der Bundesregierung ist unter maßgeblicher Mitwirkung zweier Großkanzleien entstanden. Nach Informationen von ZEIT ONLINE ließ sich die schwarz-gelbe Bundesregierung von einem Team der Kölner Großkanzlei Oppenhoff & Partner unter Führung des Anwalts Lars Böttcher beraten. Böttcher arbeitet nach eigenen Angaben auch als ständiger Berater für den Essener Energiekonzern RWE. Auf Anfrage bestritt der Anwalt, sich in einem Interessenkonflikt zu befinden: "Das ist ein Business, bei dem man mal auf der einen oder anderen Seite steht", sagte der Jurist.

Für die vier beteiligten Energiefirmen saßen Anwälte der Frankfurter Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer am Verhandlungstisch. Ein Insider berichtet, die Anwälte der Kanzlei hätten den Vertrag zwischen der Regierung und den Atomfirmen "maßgeblich gestaltet". Freshfields wollte sich zu Einzelheiten nicht äußern, dementiert die Zusammenarbeit aber nicht.

Ein Sprecher des zuständigen Bundesfinanzministeriums bestätigte ZEIT ONLINE, dass Oppenhoff & Partner die Bundesregierung bei den Verhandlungen beraten hatte. Zu weiteren Einzelheiten wollte sich das Ministerium nicht äußern. Die Vereinbarung mit den Energiekonzernen hatte der schwarz-gelben Bundesregierung Kritik eingebracht. So wurde nur zufällig bekannt , dass die Regierung einen zusätzlichen Vertrag mit den Energiekonzernen geschlossen hat. Die Unternehmen haben sich darin erhebliche Zugeständnisse zusichern lassen.

Die Vereinbarung ist auch Teil des am Dienstag vom Kabinett verabschiedeten Energiekonzepts. Es sieht vor, dass die 17 deutschen Meiler durchschnittlich zwölf Jahre länger am Netz bleiben dürfen. Dafür zahlen die Energiekonzerne zwischen 2011 und 2016 eine Kernbrennstoffsteuer, die nach Angaben des Finanzministeriums dem Bundeshaushalt jährlich 2,3 Milliarden Euro einbringen soll. Danach wollen die Unternehmen bis zum geplanten Ende der AKW-Laufzeiten im Jahr 2036 bis zu 17 Milliarden Euro in einen Öko-Fonds einzahlen .

Der Bonner Verfassungsrechtler Christian Waldhoff hatte in einem Gutachten für Bundesumweltminister Norbert Röttgen vor einer konsensualen Vereinbarung mit den Meilerbetreibern gewarnt. Es sei fraglich, ob ein von der Bundesregierung mit den Betreibern geschlossener Konsens "mit den zuständigkeits- und verfahrensrechtlichen Anforderungen des Grundgesetzes vereinbar" sei, heißt es in der Expertise. Verfassungspolitisch sei ein solcher Konsens "verheerend".

Im August 2009 hatte ein ähnlicher Fall Aufsehen erregt. Damals wurde öffentlich, dass Beamte des Wirtschaftsministeriums große Teile des Gesetzes zur Rettung maroder Banker von der Großkanzlei Linklaters schrieben ließen. Der Fall führte zu einer Debatte über den Einfluss von Topjuristen aus privaten Kanzleien auf die deutsche Gesetzgebung.