EnergiepolitikMedwedjew sichert sich China als Energiepartner

Moskau und Peking kooperieren stärker. Drei Tage ist Russlands Präsident Medwedjew in China – ein Besuch, der sich für die Wirtschaft seines Landes schon jetzt lohnt. von dpa

Nach Jahren des Misstrauens verstärken China und Russland sowohl ihre politische als auch wirtschaftliche Zusammenarbeit. Bei einem dreitägigen Staatsbesuch von Präsident Dmitrij Medwedjew in China wurden mehr als ein Dutzend Abkommen besiegelt. Zudem unterzeichnete der Kreml-Chef zusammen mit seinem Gastgeber, Staats- und Parteichef Hu Jintao, eine gemeinsame Erklärung für eine "umfassende Vertiefung" der strategischen Zusammenarbeit.

Die Staaten kooperieren vor allem in der Energiewirtschaft . Beide Präsidenten feierten die Eröffnung der ersten Öl-Pipeline zwischen dem größten Ölproduzenten und dem größten Energieverbraucher der Welt . Kommerzielle Lieferungen sollen am 1. Januar beginnen. Über die Abzweigung der Ostsibirien-Pazifik-Pipeline sollen pro Jahr 15 Millionen Tonnen Öl nach China fließen. Die russische Seite hält auch eine Verdoppelung für möglich.

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Bislang transportierte Russland das Öl per Bahn, jährlich neun Millionen Tonnen. 2009 dann hatten beide Seiten vereinbart, dass Russland insgesamt 300 Millionen Tonnen Erdöl nach China liefern wird. Im Gegenzug gewährt Peking Kredite von 25 Milliarden US-Dollar (heute umgerechnet 18,5 Milliarden Euro), die bis 2030 gelten sollen.

Mit der Inbetriebnahme der Pipeline beginnt für beide Staaten ein neues Kapitel ihrer Energiepolitik . Russland will seine Abhängigkeit von europäischen Kunden verringern und neue Märkte in China erschließen. Für die KP-Führung ist die Pipeline wichtiger Teil seiner Strategie, die Energieversorgung und neue Lieferwege für seine rasant wachsende Wirtschaft zu sichern.

In der Großen Halle des Volkes unterschrieben beide Seiten viele weitere Abkommen. Dabei ging es vom Kampf gegen "Terrorismus, Separatismus und Extremismus" über eine verstärkte Zusammenarbeit auf dem Finanzmarkt bis hin zu einer Ausweitung der Kooperation beim Bau neuer Atomkraftwerke. So wird Russland im kommenden Jahr mit dem Bau des dritten und vierten Meilers des Kernkraftwerks Tianwan beginnen. Russlands Atomkonzern Rosatom ist auch an der Mitarbeit an einer Uran-Anreicherungsanlage und der Entwicklung eines Schnellen Brüters nahe Peking interessiert.

Uneinigkeit herrscht erwartungsgemäß noch über den Preis für Gaslieferungen, die ab 2015 aufgenommen werden könnten. Ein entsprechendes Abkommen soll aber nicht später als im Juli 2011 unterschrieben werden. "Russland ist bereit, Chinas wachsende Nachfrage nach Gas komplett zu erfüllen", sagte Vizepremier Igor Sechin.

China, das zwei Drittel seiner Energie aus Kohle bezieht, will den Anteil von Gas im Energiemix im nächsten Jahrzehnt verdoppeln. Der Verbrauch stieg in den ersten acht Monaten dieses Jahres bereits um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Russland, das über die weltgrößten Gasreserven verfügt, sei Chinas "natürlicher Partner", sagte Vizepremier Sechin. Die Verhandlungen dauerten aber noch an. Ursache für die Verzögerungen seien die schiere Größe des Geschäfts und die komplizierten Lieferbedingungen.

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Leserkommentare
  1. Da kann ich den europäischen Politikern, vornehmlich in Deutschland, nur zurufen:
    "Völker, hört die Signale!" Während hier in Deutschland in grünen Stübchen und in verträumter, realitätsfremder Manier über eine erstrebenswerte Loslösung vom Energiegiganten Rußland (als ständige, erpresserische Drohgestalt kolportiert) schwadroniert wird, packt der es ganz praktisch an. Und ich bin mir ganz sicher. Wir verpennen es wieder oder diskutieren es tot.

    • colca
    • 27. September 2010 13:58 Uhr

    Deutschland wird dem Ex-Kanzler Schröder noch dankbar sein, dass er damals mit Putin das Nordstream-Projekt ermöglicht hat. Es sichert unserem Land einen Löwenanteil der notwendigen Erdgasmengen und macht uns zum strategischen Energiepartner der Russen.
    Ein Status, von dem viele andere Länder nur träumen können. Auch und gerade in der EU.

    Wenigstens das haben die Dilettanten um Merkel nicht nachträglich noch versaut.

  2. Nun haben wir das Dilemma der Überheblichkeiten. Russland benötigt nur begrenzt uns Deutsche noch. China hat Amerika durch Kredite aus der Patsche geholfen, nun sind chinesische Kredite auch an Russland vergeben. Wir schreiben 3 Tage darüber, dass das russische Raumschiff 1 Tag später sich von der ISS gelöst hatte. Wie viele Pannen und schwerere dazu gab es bei den Amerikanern? Nun staunen wir, dass Russland und China zusammenarbeiten wollen. Wir Deutsche schreiben den Russen immer vor, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen. Wir verhalten uns so als wären wir der Oberlehrer der Nationen. Gab es dies nicht schon einmal? Ähnlich wird es sein mit unserer Überheblichkeit der Türkei gegenüber. Wenn ich Türke wäre, würde ich mich wirtschaftlich, militärisch und rohstoffmässig nach den Osten der Türkei wenden und auf die EU pfeifen. Vielleicht müssen wir Deutsche dem Schröder noch einmal dankbar sein, wenn es um Fragen des Öls geht, hat richtig meiner Ansicht nach colca geschrieben. Vor den Fall kommt immer die Überheblichkeit.

  3. Medwedjev hat sich als kluger Geschäftsmann erwiesen, er kommt ja aus dem Millieu. Allerdings, wie lange diese "marriage of convenience" hält wird sich zeigen. Irgendwann in naher Zukunft wird die schleichende Übernahme Ostsibiriens durch die Chinesen einmal ein Problem werden. Wer das nicht glaubt, reise einmal an die russisch/chinesische Amurgrenze.

    • h.morun
    • 27. September 2010 15:34 Uhr

    Zahlen wir deppen nicht Entwicklungshilfe an China? Und die haben so viel geld, das Sie den Russen Kredite geben können?
    Nur mal nebenbei: China hält US Anleihen von 700 Milliarden Dollar. Hallo Deutschland.....

  4. China und Russland handeln gegenüber dem Westen
    nach dem Motto:

    Die Schakale heulen - aber die Karawane zieht weiter!
    (Arabisches Sprichwort)

  5. Sollte Berlin womöglich doch nicht der Mittelpunkt des Universums sein?

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