Chinas Regierung plant den Ausstieg aus der Ein-Kind-Politik. In Pilotregionen sollen Eltern ab dem kommenden Jahr ein zweites Kind bekommen dürfen, sagte der Demographieexperte und Publizist He Yafu dem Handelsblatt. 2014 solle landesweit eine Zwei-Kind-Politik gelten. Voraussetzung sei, dass die Eltern selbst Einzelkinder sind, was aber in den meisten Fällen gegeben ist. He beruft sich auf Quellen in der Kommission für Familienplanung, dem maßgeblichen staatlichen Organ für Bevölkerungspolitik.

Eine vorsichtige Lockerung der Ein-Kind-Politik gibt es bislang nur für einige wenige Paare in Großstädten, in denen die Geburtenrate ganz besonders niedrig ist. Die meisten Eltern im ländlichen China wünschen sich dringend mehr Kinder und würden die neuen Möglichkeiten voraussichtlich voll ausschöpfen.

Seit 31 Jahren bestraft China Familien, die ein zweites Kind bekommen, mit horrenden Geldbußen und dem Entzug von Förderung – etwa Kindergartenplätzen oder kostenloser Schulbildung. Diese strikte Familienplanung hat das Bevölkerungswachstum in der Volksrepublik um insgesamt rund 400 Millionen Einwohner reduziert. Nun droht eine rapide Überalterung der Gesellschaft und Arbeitskräftemangel, wenn weiterhin auf zwei Chinesen nur 1,8 Kinder kommen.

Bis spätestens 2014 soll den Plänen zufolge daher landesweit eine Zwei-Kind-Politik gelten, sagte He. 2011, dem ersten Jahr des nächsten Fünf-Jahres-Plans, sollen zunächst Pilotprojekte in den Provinzen Heilongjiang, Jilin, Liaoning, Jiangsu und Zhejiang anlaufen.

Die Ein-Kind-Politik ist zwar heute weitgehend akzeptierte Realität, doch in den vergangenen Jahren sind ihre Nachteile zunehmend deutlich geworden. „Ihre Einführung hat das Bevölkerungswachstum stark gebremst, doch nun steht China vor einem beispiellosen Alterungsprozess“, sagt Ökonom Jonathan Anderson vom Bankhaus UBS in Hongkong. In 20 Jahren werden in China 300 Millionen Rentner leben – das entspricht etwa der Einwohnerzahl der USA. Während heute fünf Einwohner im arbeitsfähigen Alter auf einen Rentner kommen, werden es 2040 nur noch zwei sein – was angesichts der immer noch geringen Einkommen zu einer Versorgungslücke führt. „Die Alterung der Bevölkerung bedeutet fast sicher einen Rückgang des Wirtschaftswachstums“, sagt Anderson.