Nach der Entlassung Die Affäre Sarrazin belastet die BundesbankSeite 2/2

"Der Ruf der Bundesbank leidet natürlich", konstatiert Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien in Wien. "Das hat sie nicht verdient." Er glaubt aber nicht, dass Webers Karriere dadurch Schaden nehmen werde. "Er ist und bleibt ein ausgezeichneter Analytiker", sagt Felderer. Auch Davies sieht weder das fachliche Ansehen Webers noch seine Aussichten auf die EZB-Spitze beschädigt. "Axel Weber genießt hohes Ansehen bei den anderen Zentralbankern - diese Episode wird das nicht ändern", sagte er. Er bezweifle, dass die Affäre irgendeinen Einfluss auf die nächstes Jahr anstehende Entscheidung über die Nachfolge Jean-Claude Trichets haben werde.

Sogar in Paris sah man gestern noch keine Auswirkungen auf Webers Aufstiegschancen. Es handele sich um eine rein deutsche Angelegenheit, hieß es in Regierungskreisen. Ähnlich äußerte sich eine Ökonomin einer großen Investmentbank. Etwas anders sieht das allerdings der renommierte italienische Ökonom Franco Bruni. "Ich glaube nicht, dass der Fall Sarrazin das Kriterium sein wird, mit dem man Webers Kandidatur für die EZB-Präsidentschaft bewerten wird", sagte der auf Zentralbanken und Geldpolitik spezialisierte Professor der Mailänder Bocconi-Universität dem Handelsblatt. Er sei aber auch überzeugt, dass Webers Kandidatur "heute nicht mehr so stark ist wie vor einigen Monaten". Das liege aber eher an seiner offenen Kritik an den Anleihekäufen der EZB vom Mai als an der Affäre Sarrazin. Der Italiener Mario Draghi gilt als Hauptkonkurrent Webers für die Trichet-Nachfolge.

(Zuerst erschienen im Handelsblatt )

 
Leser-Kommentare
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    • ilot
    • 03.09.2010 um 13:22 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulation und kehren Sie zu einem angemessenen Diskussionston zurück. Die Redaktion/cs

    • ilot
    • 03.09.2010 um 13:22 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulation und kehren Sie zu einem angemessenen Diskussionston zurück. Die Redaktion/cs

  2. Ich glaube schon lange vor der Diskussion um Herrn Sarrazin
    gelesen zu haben, das der Herr Weber nicht die 1. Wahl ist.
    Herr Sarrazin hat auf diese Einstufung wenig Einfluß.
    Es sind also immer die Gleichen, die die Lostrommel bedienen,
    wenn wichtige Posten zu besetzen sind.
    Also wird auch der nächste EZB Chef von der Politik ausgekungelt.

  3. ... benötigt die Bundesbank noch Unabhängigkeit, wenn die übergeordnete EZB schon keine mehr hat (siehe ihr Verhalten in der "Bail-Out-Affäre" mit Griechenland?

    • ilot
    • 03.09.2010 um 13:22 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulation und kehren Sie zu einem angemessenen Diskussionston zurück. Die Redaktion/cs

  4. Ich kann nicht erkennen, in welcher Form Herr Sarazin die DB belastet.
    Gilt die freie Meinungsäußerung nicht mehr.
    Es ist m.E. ganz bestimmt keine ethnisches Problem und ich kann mir gut vorstellen, dass es zu einer arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzung kommt.

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    Wenn man als Bundesbankvorstand schon zur Feder greift, dann schreibt man ein Buch über sein Fachgebiet. Alle andere statistisch literarischen Ergüsse werden auf die Zeit nach Ablauf des Mandats verschoben, das schuldet man diesem öffentlichen Amt.

    Ein absolutes No-Go ist es, die Bundesbank in eine unternehmensfremde politische Debatte hineinzuziehen.

    Internationale Konzerne investieren in “Diversity Management Personalprogramme”, bei jedem DAX-Konzern stände Herr Sarrazin am nächsten Tag vor verschlossener Tür.

    Und wenn Sie das alles noch nicht überzeugt, dann denken Sie mal darüber nach was einer der wenigen Banker, die sich bisher geäußert haben Herr Dr. Treichl von Erste Bank Wien wohl damit gemeint haben könnte, wenn er sagt, “ein Zentralbanker zeichnet sich normalerweise durch Zurückhaltung aus…..

    In der geschliffenen Sprache von Bankern, ist das nichts anderes als eine schallende für Herrn Sarrazin.

    Wenn man als Bundesbankvorstand schon zur Feder greift, dann schreibt man ein Buch über sein Fachgebiet. Alle andere statistisch literarischen Ergüsse werden auf die Zeit nach Ablauf des Mandats verschoben, das schuldet man diesem öffentlichen Amt.

    Ein absolutes No-Go ist es, die Bundesbank in eine unternehmensfremde politische Debatte hineinzuziehen.

    Internationale Konzerne investieren in “Diversity Management Personalprogramme”, bei jedem DAX-Konzern stände Herr Sarrazin am nächsten Tag vor verschlossener Tür.

    Und wenn Sie das alles noch nicht überzeugt, dann denken Sie mal darüber nach was einer der wenigen Banker, die sich bisher geäußert haben Herr Dr. Treichl von Erste Bank Wien wohl damit gemeint haben könnte, wenn er sagt, “ein Zentralbanker zeichnet sich normalerweise durch Zurückhaltung aus…..

    In der geschliffenen Sprache von Bankern, ist das nichts anderes als eine schallende für Herrn Sarrazin.

  5. Dem Anssehen der Bundesbank schadet vor allem, daß sie den Anschein erweckt, sich politischem Druck zu beugen. Das liegt aber nicht an Herrn Sarrazin, sondern an Herrn Weber und den anderen Mitgliedern des Vorstandes. Die waren es, welche auf einen Wink von Frau Merkel hin sofort mit dem Rausschmiß von Sarrazin begonnen haben. Wenn diese Aktion Herrn Webers Chancen schmälert, so zeigt das wieder einmal: Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort.

    • selbon
    • 03.09.2010 um 14:18 Uhr

    Natürlich schadet Sarrazin der Bundesbank. Aber anders als es vermutet wird.Insebsondere schadet sie Ihrem Chef Weber.
    Der fall Sarrazin zeigt nämlich wie weit es mit der Unabhängigkeit der Bundesbank her ist. Kaum meldet sich Frau Merkel und Her Wulff zu Wort und schon reagiert Herr Weber willfährig und organisiert den Rauswurf Sarrazins.
    Rückrat kann man von Leuten wohl nicht erwarten, deren Karriere noch nicht zu ende ist und die auf die Hilfe einflußreicher Freunde angewiesen sind.
    Das ist eine Sauerei. Herr Weber sollte gehen, nicht Herr Sarrazin und war wegen Abhängigkeit, direker Beeinflußbarkeit und Charakterschwäche.

  6. z. Bsp. die Leitung der EZB zu übernehmen. Das konnte auch die Sache "Sarrazin" nicht verschlimmern und kann daher auch nicht dem Herrn Sarrazin in die Schuhe geschoben zu werden.
    Die weltweite Finanzkrise hatte Weber, noch einen Tag vor der Eskalation, öffentlich als nicht existent "erkannt" und verharmlost.

    Wenn sich die Beförderung des Herrn Weber in die Spitze der EZB, durch die Aktivitäten von Herrn Sarrazin, nun en passant erledigt haben sollte, sind wir Herrn Sarrazin ein weiteres Mal zu Dank verpflichtet: Nicht nur als unüberhörbarer Mahner, ja mutiger Demaskierer öffentlicher Notstände, die bisher von der feinen Integrationspolitik aller etablierten Parteien stets beschönigt und verharmlost wurden, sondern auch indem er Herrn Weber dadurch Gelegenheit gegeben hat, sich erneut als inkompetent zu outen! Dieses Mal als unfähig mit internen Problemen wirklich SOUVERÄN umzugehen.

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