Devisenhandel Industriestaaten planen Devisensteuer

Mehr als 60 Staaten unterstützen eine Initiative für eine Steuer auf Devisengeschäfte. Die Einnahmen von 35 Milliarden Dollar sollen in die Entwicklungshilfe fließen.

Frankreich und Großbritannien drängen darauf, eine internationale Steuer auf Devisengeschäfte einzuführen. Die neue Abgabe könnte aus Sicht der Initiatoren bis zu 35 Milliarden Dollar pro Jahr erbringen. Die Mittel sollten in die Entwicklungshilfe fließen, sagte der französische Außenminister Bernard Kouchner.

Den Vorschlag, den 60 weitere Staaten unterstützen, soll auf dem UN-Gipfeltreffen zu den Milleniumszielen für den Kampf gegen Armut am 21. September vorgestellt werden.

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Details gab Kouchner schon jetzt bekannt. "Die Steuer, die wir vorschlagen, würde für jeweils 1000 Euro fünf Cent erheben", sagte er. "Das ist nicht viel, aber genug, um die Dinge in Gang zu bringen."

Die Steuer soll auf Geschäfte mit dem britischen Pfund, dem Euro, Dollar und Yen erhoben werden. Dies sei die einfachste Möglichkeit und habe die größte Chance auf eine internationale Unterstützung, hieß es. Auch Japan unterstützt die Initiative.

Als Alternativen zur internationalen Devisensteuer werden eine Steuer auf Finanzaktivitäten genannt, eine Mehrwertsteuer auf Finanzdienstleistungen, die von Deutschland unterstützte Finanztransaktionssteuer oder eine national abzuführende Steuer auf Währungsgeschäfte.

Die Staatengemeinschaft hat sich vorgenommen, die armen Länder stärker zu unterstützen. Es fehlen derzeit aber allein 2012 bis 2017 jährlich 340 Milliarden Dollar für die angekündigten Hilfen.

Frankreich und Deutschland wollen außerdem Spekulationen an Rohstoff- und Agrarmärkten eindämmen. Dazu soll es eine Initiative innerhalb der G 20 zur Begrenzung der Energie- und Rohstoff-Preisschwankungen geben. Die Süddeutsche Zeitung zitiert aus einem Strategiepapier des Bundeslandwirtschaftsministeriums: "Nahrungsmittel dürfen nicht Gegenstand reiner Finanzspekulation sein", heißt es dort.

Es handle sich um eine international zu lösende Aufgabe, diesem "besorgniserregenden Trend entgegenzuwirken". Allerdings warne das Ministerium auch vor Schnellschüssen: "Wir sollten nicht in die alten Fehler der staatlichen Marktregulierung zurückfallen."

Frankreichs Regierung hatte vor einigen Tagen die EU-Kommission aufgefordert, die Spekulation an Rohstoffmärkten strenger zu begrenzen. Präsident Nicolas Sarkozy kündigte bereits an, dass die Stabilisierung der Rohstoffpreise eine der Prioritäten der französischen G-20-Präsidentschaft wird.

 
Leser-Kommentare
  1. Bislang scheiterten doch alle Versuche, selbst wenn es nur noch darum ging, ob man der kaum anderen Alternative des anderen zustimmte. Wie sind die Chancen? Genau so wie bei den eitlen Plänen zur Unterstützung ärmster Länder? Ich fürchte, es gelingt nicht einmal ein Abkommen, um den unsinnigen und lebensgefährlichen Spekulationen um Agrarprodukte Einhalt zu gebieten. Zu verlockend sind die Dividenden.

    • bhayes
    • 02.09.2010 um 12:27 Uhr

    Und das soll einem dann mit der verlogenen Aussage "fr die Entwicklungshilfe" verkauft werden. Schwachsinn. Es gibt eine Staatskasse, da kommt das Geld dann rein. Und wird nach freiem Belieben der Politiker ausgegeben.
    Die Steuern mssen endlich radikal gesenkt werden, das ist das Gebot der Stunde.

  2. Wir brauchen mehr Freihandel und weniger Protektionismus. Ich kenne kein Land, das sich aufgrund von Entwicklungshilfe entwickelt hat.

    Der Aufstieg der Armen (z.B. der asiatischen Tigerstaaten) erfolgte über Freihandel und Öffnung der Märkte. Eine Devisensteuer besteuert Handel und Finanzdirektinvestitionen. Das Modell "Devisensteuer" besteuert also die richtige Medizin (Freihandel) um die falsche (Entwicklungshilfe) zu verabreichen.

    Die Spekulationsprobleme (obwohl ich das nicht uneingeschränkt teile) löst man über die Geldmenge. Diese wird zur Zeit hochgehalten, weil die FED eine Deflation fürchtet. Das hat die Nebenwirkung, dass auch weniger rentable Geschäfte gemacht werden und beinhaltet eine Blasengefahr. Die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln sind aber wahrscheinlich nur zu geringen Teilen auf Spekulation zurückzuführen.

    Es wäre natürlich interessant die 60 Staaten einordnen zu können. Meine Vermutung ist, dass es hauptsächlich die sind, die Profiteure der Steuer wären. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  3. was haben die vielen Milliarden die bisher nach Afrika geflossen sind bewirkt ? Außer das zweifelhafte Regime mit Geld für Kriege und Bürgerkriege versorgt wurden nicht allzuviel.

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