Ostseepipeline Joschka Fischer fordert Putin im Gaspoker heraus
Ex-Außenminister Joschka Fischer kämpft für eine Gaspipeline nach Europa, doch Putin will sie unbedingt verhindern. Er plant eine konkurrierende Leitung.
Die zwei Männer kennen sich aus einer nicht allzu fernen Vergangenheit: Wladimir Putin, ehemals russischer Staatspräsident, und Joschka Fischer, damals Bundesaußenminister, haben oft an einem Strang gezogen. Zum Beispiel, als sie sich weigerten, ihre Länder am Irak-Krieg zu beteiligen. Heute sind Fischer und Putin erbitterte Gegner. Der eine, Putin, ist immer noch Staatsmann, der andere, Fischer, vertritt heute die Interessen der deutschen Energiewirtschaft.
Als politischer Berater versucht der Ex-Grünen-Chef Fischer, die Pipeline Nabucco voranzubringen. Sie soll Gas aus dem kaspischen Raum nach Westeuropa bringen und Europa unabhängiger von russischem Gas machen. Putin tut alles, um das Projekt zu verhindern. Unter dem Namen South Stream plant er eine konkurrierende Leitung, die aus sibirischen Gasfeldern befüllt werden soll.
Erstmals kommt es nun zum offenen Schlagabtausch: "Nabucco hat immer noch keine garantierten Lieferanten", ätzte Putin jetzt vor internationalen Russland-Experten in Sotschi am Schwarzen Meer. Und was er hinzufügte, klang in den Ohren seiner Zuhörer wie eine Drohung: "Falls Unternehmen dennoch Milliarden Dollar investieren wollen, dann wünsche ich ihnen Gottes Hilfe."
Fischer kontert nun in einem Interview mit dem Handelsblatt: "Die russische Regierung sollte ihre wirtschaftlichen Interessen von politischen Ambitionen befreien." Er glaubt: Für Russland geht es nicht nur um Gas, sondern auch um den Machterhalt in der Region. Im Übrigen, so Fischer, komme Nabucco sehr gut voran.
Beide Seiten sind sichtlich nervös. Für Putin ist Nabucco ein Angriff auf die Hoheit der Russen über den Gasexport nach Westen. Etwa ein Viertel seines Gases bezieht Europa derzeit von dort, und diesen Anteil wollen Putin und der staatliche Branchenriese Gazprom eher noch ausbauen. Nabucco steht diesem Ziel im Weg. Die acht Milliarden Euro teure Pipeline, an der auch RWE beteiligt ist, soll neue Quellen erschließen, Gas etwa aus Aserbaidschan, Turkmenistan oder dem Irak über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich und Deutschland bringen.
Fischer weiß, dass sich sein Projekt in einer kritischen Phase befindet. Damit der Bau der Pipeline beginnen und das erste Gas wie geplant 2015 fließen kann, muss das Konsortium endlich Verträge mit Gaslieferanten abschließen. Die Russen aber torpedieren das Projekt, wo sie können. Sie setzen mögliche Lieferanten wie Turkmenistan unter Druck oder kaufen in Aserbaidschan Gasfelder auf. Erstmals gab Putin jetzt zu, dass Russland gezielt Gas von potenziellen Nabucco-Lieferanten aufkauft, um dieser Pipeline den Inhalt zu rauben. "Aserbaidschan hat nicht das nötige Volumen, um die Pipeline zu füllen, und hat vor wenigen Tagen erst ein Abkommen mit Russland unterzeichnet", sagte Putin.
Einer könnte jetzt vermitteln: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Er war schon immer ein Freund Putins. Aber, so stellt Fischer klar, das Thema Russland klammern die beiden Weggefährten aus – wegen Meinungsverschiedenheiten.
Wladimir Putin setzt seine Nadelstiche in Richtung Nabucco gezielt. Denn Aserbaidschan hat für die russische Führung strategische Bedeutung. Deshalb ist der neue Liefervertrag für Ministerpräsident Putin ein großer Erfolg. Demnach wird Aserbaidschans staatlicher Energiekonzern Socar im kommenden Jahr zwei Milliarden Kubikmeter Gas nach Russland liefern, das ist eine Verdopplung der bisherigen Menge. Ab 2012 sind sogar vier Milliarden Kubikmeter im Gespräch.
Dabei hat Russland Gas im Überfluss. Das Land sitzt auf den weltgrößten Reserven. Jeder vierte Kubikmeter lagert unter der russischen Erde.
Ganz anders steht es um Nabucco. Neben RWE sind Unternehmen aus allen Ländern beteiligt, durch die die 3.300 Kilometer lange Leitung laufen soll – aus der Türkei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Österreich. Den Konsortialpartnern ist es jedoch noch nicht gelungen, auch nur mit einem einzigen Lieferanten einen Vertrag abzuschließen.
Dabei drängt die Zeit. Eigentlich wollte das Konsortium bis Ende des Jahres Klarheit über die Bezugsquellen haben, um endgültig zu entscheiden, ob Nabucco gebaut oder das Projekt wieder beerdigt wird. "Zeitpläne sind Pläne. Man muss die Monate und Tage nicht in Stein meißeln", deutet Berater Fischer schon vielsagend an.
Auch der Gas-Chef von RWE, Stefan Judisch, ist wie Fischer fleißig in der Gegend unterwegs. Aber immer wenn er kurz vor dem Erfolg steht, kommt der Rückschlag. Ende August vermeldete Judisch, man habe mit dem autonomen Kurdengebiet im Irak einen Lieferanten gewonnen. Der Vorstandschef von RWE Supply & Trading hatte mit Ashti Hawrami, dem Minister für Naturressourcen der Regionalregierung eine Vereinbarung geschlossen. Kurdistan werde Gas für Nabucco liefern.
Zwei Tage später jedoch intervenierte die irakische Zentralregierung. Sie alleine sei für den Export von Öl und Gas zuständig: "Alle Verträge, die außerhalb dieses Rahmens unterschrieben wurden, sind ungültig", hieß es.
- Datum 09.09.2010 - 16:11 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Anfangs-Seiten", der jeweiligen Pipeline ist zu trauen.
Klar ist, wer der erpreßbare Tropf, am Ende jeder Leitung sein wird.
Die lieben Leser der Zeit. :-)
Der Endverbraucher wird den Gefangenenchor geben, ob bei Nabucco, South Stream oder der Ostseepipeline.
Ob am Ende Gazprom oder RWE der Gewinner beim Gaspoker ist interessiert mich nicht im geringsten. Ich mag beide nicht. Es ist ein Poker unter Bad Guys. Lustig finde ich dagegen die Selbstüberschätzung des ehemaligen Steineschmeißers und Taxifahrers. Putin ist definitiv ein paar Nummern zu groß für Fischer.
Sorgen um die Gasversorgung aus Russland brauchen wir uns aber nicht zu machen, solange Rechnungen pünktlich bezahlt werden und die NATO den russischen Bären nicht zu sehr reizt.
MfG
AoM
Der Endverbraucher wird den Gefangenenchor geben, ob bei Nabucco, South Stream oder der Ostseepipeline.
Ob am Ende Gazprom oder RWE der Gewinner beim Gaspoker ist interessiert mich nicht im geringsten. Ich mag beide nicht. Es ist ein Poker unter Bad Guys. Lustig finde ich dagegen die Selbstüberschätzung des ehemaligen Steineschmeißers und Taxifahrers. Putin ist definitiv ein paar Nummern zu groß für Fischer.
Sorgen um die Gasversorgung aus Russland brauchen wir uns aber nicht zu machen, solange Rechnungen pünktlich bezahlt werden und die NATO den russischen Bären nicht zu sehr reizt.
MfG
AoM
wenn wir zwei Pipelines haben. Zumindest für uns. Für die, die es verkaufen natürlich nicht. Da muss man sich über Putins handeln nun wirlich nicht wundern, sondern eher, wenn er nichts tun oder sagen würde.
...ein Liquid Gas Terminal in Hamburg. Hauptsache man hat hier Zugang zu Marktpreisen und ist nicht abhängig von einem Lieferanten.
ich da aber den Russen mehr glauben als dem Frankfurter Wendehals.
Naja wie schrieb Herzl bereits vor 100 Jahren in AltNeuland
»Man muss was hinunterschlucken können, zum Beispiel Ungeziefer, Unrat. Davon wird man dick und kräftig, und man bringt
es zu etwas." Man könnte meinen er hat an Herrn F. gedacht.
Der Endverbraucher wird den Gefangenenchor geben, ob bei Nabucco, South Stream oder der Ostseepipeline.
Ob am Ende Gazprom oder RWE der Gewinner beim Gaspoker ist interessiert mich nicht im geringsten. Ich mag beide nicht. Es ist ein Poker unter Bad Guys. Lustig finde ich dagegen die Selbstüberschätzung des ehemaligen Steineschmeißers und Taxifahrers. Putin ist definitiv ein paar Nummern zu groß für Fischer.
Sorgen um die Gasversorgung aus Russland brauchen wir uns aber nicht zu machen, solange Rechnungen pünktlich bezahlt werden und die NATO den russischen Bären nicht zu sehr reizt.
MfG
AoM
statt den Gefangenchor aus Nabuco.
Russland ist noch berechenbar auf Jahrzehnte hinaus.
Aserbeidschan, Turkmenistan, - beides Turk Völker mit enger Verbindung zur Verwandschaft in der Türkei, dazu noch Bulgarien, das erscheint mir ein zu hohes Risiko, zumal die Türkei sich Richtung fundamental. Muslime hin zu öffnen scheint.
Nein Danke, Herr Fischer von den Grünen.
Und das sind die Erneuerbaren Energien. Europa kann sich zu 100% mit Biogas versorgen und dieses als Methan in die bestehenden Erdgasleitungen einspeisen.
Die Energiekosten würden so im europ. Wirtschaftkreislauf verbleiben.
Daß dies möglich ist beweisen bereits mehrere Studien. Traurig daß ehemals vorbildliche Politiker so degenerieren wie Fischer. Aber mit Geld läßt sich bekanntlich vieles erreichen, daß zeigt unsere derzeitige schwarzgelde Regierung und die Atomlobby.
Vom Polit-Saulus zum Gas-Paulus.
Einer der größten eigennützigen Opportunisten aller Zeiten.
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