Schulden Finanzmärkte bangen um US-Städte
Immer mehr Kommunen in den USA können ihre Anleihen nicht mehr bedienen. Der Ausfall der Papiere von Harrisburg könnte eine Schockwelle an den Märkten auslösen.
Die schwächelnde Konjunktur droht den billionenschweren, aber bislang wenig beachteten Markt für Kommunalanleihen in den USA zu destabilisieren. Immer mehr Kommunen können wegen fallender Steuereinnahmen die Verpflichtungen gegenüber ihren Gläubigern nicht mehr bedienen und erschüttern so das Vertrauen in die vor allem bei Privatanlegern, aber auch bei Banken beliebten Papiere.
Jüngstes Beispiel ist Harrisburg. Die Hauptstadt des Bundesstaates Pennsylvania, deren Anleihen auch in den Büchern der Commerzbank liegen, hat am späten Dienstagabend angekündigt, bis auf weiteres ihre Anleihen nicht mehr zu bedienen. Experten sehen mit dem zweitgrößten Ausfall eines kommunalen Schuldners in diesem Jahr ein Problem auf den 2,8 Billionen Dollar großen Markt zurollen. "Das ist ein schlechtes Zeichen", sagte Alan Schankel, Geschäftsführer beim Broker Janney Montgomery Scott. "So fängt es an." Je mehr Kommunen diesen Weg gingen, desto einfacher werde es für andere, sich ebenso zu verhalten.
Seit Ausbruch der Finanzkrise erfreuen sich amerikanische Kommunalanleihen allen Problemen der Städte zum Trotz vor allem bei Privatinvestoren immer größerer Beliebtheit. Denn angesichts minimalster Renditen auf Staatsanleihen und massiv schwankender Aktienmärkte werfen die Papiere gutes Geld ab, zumal die Gewinne innerhalb der USA steuerfrei sind. 2009 flossen mit knapp 70 Milliarden Dollar fast neunmal so viele Mittel in Fonds, die in diese Anleihen investieren, wie im Jahr zuvor.
Während die große Masse der Anleger also in die bislang als sicher geltenden Papiere investiert, ziehen sich vorausblickende Marktteilnehmer aus dem Markt zurück. Seit November 2009 versichert Berkshire Hathaway, die Firma von US-Investorenlegende Warren Buffett, keine neu platzierten Kommunalanleihen mehr. Das Geschäft mit diesen Papieren "wirke heute wie ein gefährliches Geschäft", schrieb er zuletzt an sein Aktionäre.
Bislang haben in diesem Jahr 46 Kommunen Anleihen im Volumen von 1,7 Milliarden Dollar nicht bedient. Das ist ein Anstieg von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Viele haben über Jahrzehnte hinweg über ihre Verhältnisse gelebt und zahlen nun die Zeche. Die amerikanische Wirtschaft hat die Rezession in den Jahren 2008 und 2009 zwar im vergangenen Winter hinter sich gelassen, schwächelt aber seit einiger Zeit wieder bedenklich. Die Steuereinnahmen der Städte sind zusammengebrochen und erholen sich nicht. "Der Tag der Abrechnung ist nah. Auch wenn viele Kommunen in den USA das nicht wahrhaben wollen", sagte Jeff Schoenfeld, Spezialist für Kommunalanleihen bei Brown Brothers Harriman.
Harrisburg ist das Paradebeispiel. Rund 30 Jahre lang hat die Stadt ihre Ausgaben nicht in den Griff bekommen und zwischenzeitlich sogar ein eigenes Profibaseball-Team ihr Eigen genannt. Der Schuldendienst aus Zinsen und Tilgung überschreitet in diesem Jahr mit 70 Millionen Dollar die Einnahmen. Deshalb hat die Stadt nun beschlossen, die am 15. September fälligen 3,3 Millionen Dollar für eine 1997 begebene Anleihe nicht zu bedienen.
Das ist der erste Schritt, um Banken und Fondsgesellschaften, in deren Büchern die Papiere der Stadt liegen, an den Verhandlungstisch und zum Erlass von Schulden zu zwingen. Funktioniert das nicht, droht die Stadt mit schärferen Geschützen. Sie könnte offiziell Bankrott anmelden und sich so der Schulden entledigen. "Das ist eine echte Option, und es wäre gut, wenn die Stadt schon mal Anwälte engagiert, um den Prozess zu beginnen", sagte gestern Dan Miller, Leiter des Rechnungswesens von Harrisburg, dem Handelsblatt.
- Datum 27.07.2011 - 13:28 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle Handelsblatt
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Ich möchte jetzt mal anzweifeln, dass diese Kommunen ihre Schulden nicht hätten begleichen können und stattdessen über ihre Verhältnisse lebten. Diese Sätze liest man immer wieder und kaum einer denkt mal hierüber nach. Gemeinden sind nicht bereit zu sparen, Städte leben über ihre Verhältnisse. Wer glaubt diesen Unsinn noch?
Wenn man einen Kredit aufnimmt und für diesen vier Prozent Zinsen bezahlen muss, dann belaufen sich die Zahlungen für die Zinsen, bei geringer Tilgung des Kredits, bereits nach rund 20 Jahren in selbiger Höhe. Mit welchem Recht bitte werden hier Städte und Gemeinden ausgeplündert? Würde man stattdessen die Zinshöhe auf die Höhe des Kredites begrenzen, wie es vor 500 Jahren bereits üblich war, dann würden die Städte und Gemeinden auch meistens irgendwann ihre Schulden begleichen können. In unserer heutigen Gesellschaft geht durch die Zinslast allerdings die Ausbeutung weiter.
Häuselbesitzer können hiervon sicherlich ein Lied singen. Doch hier werden nicht Eigentümer ausgenommen, sondern alle Bürger der betroffenen Gemeinde und dies unabhängig davon, ob sie sparsam leben oder nicht. Die zu zahlenden Zinsen, fehlen nämlich letztendlich im Säckel der Gemeinde und können somit nicht investiert werden. Wer es nachrechnen möchte, dem sei folgende Exceltabelle empfohlen: http://www.ploync.de/geld...
den hier stellt der Autor doch das Problem dar.
"Seit Ausbruch der Finanzkrise erfreuen sich amerikanische Kommunalanleihen allen Problemen der Städte zum Trotz vor allem bei Privatinvestoren immer größerer Beliebtheit. Denn angesichts minimalster Renditen auf Staatsanleihen und massiv schwankender Aktienmärkte werfen die Papiere gutes Geld ab, zumal die Gewinne innerhalb der USA steuerfrei sind."
Hohe Renditen gleich hohes Risiko, ist ein uraltes "Gesetz" bei Geldanlagen.
wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht decken, dann
hat die kommunale Selbstverwaltung versagt.
Klingt blöd, aber es ist so.
In D könnte man sich durch Einsicht des Verwaltungshaushalts
und des Vermögenshaushalts der Kommune ein Bild machen
über die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben und Investitionen
und deren Folgekosten.
Das ist doch Grundlage um überhaupt etwas zu den Geldproblemen
der Gemeinde sagen zu können.
(Harrisburg ist überall, auch in D)
so wie der Kommunismus aufgegeben hat Kommunen zahlungsunfähig, Steuereintreibungen, neue Steuern müssen erfunden werden... Der Staat ist zu teuer für unser System.
... dem Geldsystem selbst liegt? Am Ende des Zyklus stand immer der große Krieg! Dennoch gibt es eine freiheitliche als auch echte Marktwirtschaftliche Alternative. http://freigeldpraktiker....
Hierzulande sind die Gemeinden per Gesetz zu Zahlungen verpflichtet denen keinerlei Einnahmen gegenüberstehen.
KiTa-Plätze sind das aktuellste Beispiel. Der Bundestag beschließt und die Kommunen müssen zahlen. Obwohl kein
Geld da ist. Können sie nicht! haben sie versagt? Oder hat ihnen der Bund eine zu grosse Last auferlegt?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren