Schulden Finanzmärkte bangen um US-Städte
Seite 2/2:

Deutsche Banken geben vorerst eine Entwarnung

Betroffen wäre davon auch die Commerzbank, die über ihre Tochter EEPK eine kleine Beteiligung an den Anleihen der Stadt hält. Auch wenn es gestern in Konzernkreisen hieß, Harrisburg sei ein Problem, das man gelassen beobachte, scheint das Thema die Bank doch nicht völlig kaltzulassen. So schickte sie im Frühsommer zwei Vertreter nach Harrisburg, um die Lage zu sondieren.

Sollte es Harrisburg gelingen, von den Banken einen Erlass oder einen Teilerlass der Schulden zu erzwingen, könnte dies viele US-Kommunen – vielleicht sogar Städte wie Los Angeles oder Detroit – verleiten, ähnlich vorzugehen. "Der Zahlungsausfall einer großen Stadt könnte eine Panik auslösen", sagte Marilyn Cohen, Expertin bei Envision Capital Management, zuletzt in einem Interview.

Die wachsenden Finanzprobleme amerikanischer Kommunen dürften dennoch auf die Kreditwirtschaft hierzulande keine nennenswerten Auswirkungen haben. Hauptgrund: Das Engagement ist in aller Regel zu vernachlässigen. "Das Bedrohungspotenzial für deutsche Banken ist meines Erachtens im Moment nicht sehr groß", sagt Michael Dawson-Kropf, Experte von der Ratingagentur Fitch. Er geht davon aus, dass – ähnlich wie in der Krise um südeuropäische Staaten – deutschen Häusern ohnehin weniger direkte Bewertungsverluste drohten. Wahrscheinlicher seien im Extremfall Sekundäreffekte, also wenn etwa eine Vertrauenskrise in Bezug auf die Finanzkraft von US-Kommunen zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen würde.

Offizielle Zahlen dazu, wie viele dieser sogenannten Muni-Bonds insgesamt in den Bilanzen deutscher Banken schlummern, existieren nicht. Große Staatsfinanzierer wie die Commerzbank-Tochter Eurohypo oder die zur Hypo Real Estate gehörende Depfa nennen für ihr Haus keinerlei Zahlen.

Das Volumen der US-Papiere, die als Besicherung von deutschen Pfandbriefen eingesetzt werden, liegt aber gerade einmal bei 10,7 Milliarden Euro. Hierin enthalten sind sowohl US-Staatsbonds als auch Anleihen von Bundesstaaten, so dass Munis alleine nur einen Bruchteil dieses Betrages ausmachen dürften. Hinzu könnten bei einzelnen Instituten noch direkte Investments in Muni-Bonds, Kredite oder Linien an US-Kommunen kommen sowie indirekte Engagements, zum Beispiel wenn eine Kommunalanleihe Bestandteil einer Verbriefungsstruktur ist.

Im Fall von Harrisburg wird unter anderem der Commerzbank ein Engagement von 30 Millionen Euro nachgesagt. Dieses soll aber über einen Spezialversicherer, einen sogenannten Monoliner, abgedeckt sein. Man beobachte die Angelegenheit, hieß es in Kreisen des Commerzbank-Konzerns. "Ein großes Thema ist das aber nicht." Gelassen äußerten sich gestern auch die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken.

(Erschienen im Handelsblatt.)

 
Leser-Kommentare
  1. Ich möchte jetzt mal anzweifeln, dass diese Kommunen ihre Schulden nicht hätten begleichen können und stattdessen über ihre Verhältnisse lebten. Diese Sätze liest man immer wieder und kaum einer denkt mal hierüber nach. Gemeinden sind nicht bereit zu sparen, Städte leben über ihre Verhältnisse. Wer glaubt diesen Unsinn noch?

    Wenn man einen Kredit aufnimmt und für diesen vier Prozent Zinsen bezahlen muss, dann belaufen sich die Zahlungen für die Zinsen, bei geringer Tilgung des Kredits, bereits nach rund 20 Jahren in selbiger Höhe. Mit welchem Recht bitte werden hier Städte und Gemeinden ausgeplündert? Würde man stattdessen die Zinshöhe auf die Höhe des Kredites begrenzen, wie es vor 500 Jahren bereits üblich war, dann würden die Städte und Gemeinden auch meistens irgendwann ihre Schulden begleichen können. In unserer heutigen Gesellschaft geht durch die Zinslast allerdings die Ausbeutung weiter.

    Häuselbesitzer können hiervon sicherlich ein Lied singen. Doch hier werden nicht Eigentümer ausgenommen, sondern alle Bürger der betroffenen Gemeinde und dies unabhängig davon, ob sie sparsam leben oder nicht. Die zu zahlenden Zinsen, fehlen nämlich letztendlich im Säckel der Gemeinde und können somit nicht investiert werden. Wer es nachrechnen möchte, dem sei folgende Exceltabelle empfohlen: http://www.ploync.de/geld...

    • lepkeb
    • 02.09.2010 um 15:44 Uhr

    den hier stellt der Autor doch das Problem dar.

    "Seit Ausbruch der Finanzkrise erfreuen sich amerikanische Kommunalanleihen allen Problemen der Städte zum Trotz vor allem bei Privatinvestoren immer größerer Beliebtheit. Denn angesichts minimalster Renditen auf Staatsanleihen und massiv schwankender Aktienmärkte werfen die Papiere gutes Geld ab, zumal die Gewinne innerhalb der USA steuerfrei sind."

    Hohe Renditen gleich hohes Risiko, ist ein uraltes "Gesetz" bei Geldanlagen.

  2. wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht decken, dann
    hat die kommunale Selbstverwaltung versagt.
    Klingt blöd, aber es ist so.
    In D könnte man sich durch Einsicht des Verwaltungshaushalts
    und des Vermögenshaushalts der Kommune ein Bild machen
    über die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben und Investitionen
    und deren Folgekosten.
    Das ist doch Grundlage um überhaupt etwas zu den Geldproblemen
    der Gemeinde sagen zu können.
    (Harrisburg ist überall, auch in D)

  3. so wie der Kommunismus aufgegeben hat Kommunen zahlungsunfähig, Steuereintreibungen, neue Steuern müssen erfunden werden... Der Staat ist zu teuer für unser System.

  4. ... dem Geldsystem selbst liegt? Am Ende des Zyklus stand immer der große Krieg! Dennoch gibt es eine freiheitliche als auch echte Marktwirtschaftliche Alternative. http://freigeldpraktiker....

  5. Hierzulande sind die Gemeinden per Gesetz zu Zahlungen verpflichtet denen keinerlei Einnahmen gegenüberstehen.
    KiTa-Plätze sind das aktuellste Beispiel. Der Bundestag beschließt und die Kommunen müssen zahlen. Obwohl kein
    Geld da ist. Können sie nicht! haben sie versagt? Oder hat ihnen der Bund eine zu grosse Last auferlegt?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service