Im Jahr 1996 setzten sich die politischen Führer der Welt ein ambitioniertes Ziel: Sie wollten alles tun, um die Zahl der Hungernden weltweit zu halbieren, versprachen sie auf dem Ernährungsgipfel in Rom. Vier Jahre später taten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf dem Millenniumsgipfel eine ähnliche Absicht kund, versehen mit einem konkreten Zeitplan. Bis zum Jahr 2015 sollten in den Entwicklungsländern nur noch zehn Prozent der Bevölkerung Hunger leiden, ausgehend von 20 Prozent im Basisjahr 1990.

Auf die Aufbruchstimmung jener Tage folgten Attentate, Kriege und Weltwirtschaftskrisen. Heute, so schätzt die Welternährungsorganisation FAO in einem soeben veröffentlichten Report, hungern in den Entwicklungsländern immer noch 16 Prozent der Bevölkerung. Weltweit seien es 925 Millionen Menschen. Zwar sind das deutlich weniger als im vergangenen Jahr – damals galten 1,023 Milliarden Menschen als unterernährt – doch auch weit mehr als im Jahr 1996, als die hehren Ziele des Welternährungsgipfels verkündet wurden.

"Die Zahl der Hungernden ist weiterhin unakzeptabel hoch", sagte FAO-Generaldirektor Jacques Diouf in Rom. "Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen des Hungers. Das ist ein Skandal." Der sinkende Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung verdecke einen Anstieg der absoluten Zahlen in den Entwicklungsländern. Dort seien derzeit 906 Millionen Menschen unterernährt, im Vergleich zu 827 Millionen vor 20 Jahren.

Es bestehe ein ernstes Risiko, das Ernährungsziel zu verfehlen, warnte Diouf. Damit seien auch alle verbundenen Millenniumsziele in Gefahr. Josette Sheeran, Exekutivdirektorin des World Food Programme (WFP), verwies auf die durch die Flut prekäre Ernährungslage in Pakistan. Die Märkte dort seien leer, das Saatgut vernichtet, die Ernten weggespült. Das Beispiel Pakistans zeige, wie schnell Menschen, die unter unsicheren Bedingungen leben, zu Hungernden würden, sagte sie.

Zwei Drittel der Unterernährten leben in nur sieben Ländern: Bangladesch, China, Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan. Vor allem in Afrika südlich der Sahara ist ihr Anteil FAO-Daten zufolge mit 30 Prozent sehr hoch. Ohne eine Trendwende sei das Millenniumsziel dort wohl nicht mehr zu erreichen, sagt die Statistikabteilung der Vereinten Nationen. Den Statistikern zufolge stehen Süd- und Westasien aber noch schlechter da: Diesen Regionen haben sich in jüngster Zeit vom Millenniumsziel entfernt, statt sich wenigstens anzunähern.