Arbeitszeiten "Deutschland ist wie ein utopisches Paradies"

Amerika sollte Deutschland nacheifern, sagt der amerikanische Autor Tom Geoghegan im Interview. Die Deutschen arbeiteten viel weniger und seien trotzdem erfolgreicher.

Arbeiter am Pipelineprojekt Nord Stream in Lubmin: "Es ist, als würden die Deutschen gegen uns gewinnen, während sie einen Arm auf dem Rücken festgebunden haben."

Arbeiter am Pipelineprojekt Nord Stream in Lubmin: "Es ist, als würden die Deutschen gegen uns gewinnen, während sie einen Arm auf dem Rücken festgebunden haben."

ZEIT ONLINE: Herr Geoghegan, heute ist in den USA der Tag der Arbeit, ein Feiertag. Trotzdem wird zwischen West- und Ostküste in vielen Büros gearbeitet.

Tom Geoghegan: Furchtbar, oder? Einen freien Tag, ganz zu schweigen von einem richtigen Urlaub, gönnen sich immer weniger Arbeitnehmer. Keiner will zu lange weg sein von der Arbeit.

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ZEIT ONLINE: Ist das die puritanische Arbeitsmoral? Manche Amerikaner protzen geradezu mit ihrer 80-Stunden-Woche.

Thomas Geoghegan
Thomas Geoghegan

Jahrgang 1949, ist Harvard-Absolvent und hat unter Präsident Jimmy Carter in der US-Regierung gearbeitet. Der prominente Anwalt setzt sich in den USA für Arbeitnehmerrechte ein. Zur Zeit kämpft er für hunderte entlassene Lehrer der Stadt Chicago. Er schreibt regelmäßig für die New York Times und Harper's Magazine und ist Autor zahlreicher Bücher. In Deutschland hat Geoghegan unter anderem für die American Academy in Berlin gearbeitet und war als Gastdozent in Hamburg. Sein neues Buch heißt "Were You Born on the Wrong Continent? How the European Model Can Help You Get a Life".

Geoghegan: Nein, bei vielen ist das einfach Angst. Die Rezession steckt uns allen noch in den Knochen. Die Leute machen kaum frei, weil alle um ihre Jobs fürchten. Alle haben Angst, dass sie gefeuert werden, wenn sie früher gehen als der Kollege in der Arbeitskabine nebenan. Das sind keine Überstunden im europäischen Sinne - es gibt ja keinen Ausgleich dafür. Es wird einfach ununterbrochen gearbeitet.

ZEIT ONLINE: Das war auch mal anders, oder?

Geoghegan: Ja, vor 50 Jahren hatten wir mehr Freizeit als die Japaner, die damals die größten wirtschaftlichen Konkurrenten waren. Aber die Entmachtung der Gewerkschaften hat vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten dazu geführt, dass niemand auf ungesunde Arbeitsbelastungen achtet. Und der einzelne handelt vollkommen rational, wenn er länger schuftet als der Kollege - weil das seinen Job sichert.

ZEIT ONLINE: Ihr neues Buch "Were You Born on the Wrong Continent?" liest sich wie eine Lobhudelei auf Deutschland. Was machen wir besser?

Geoghegan: Die Amerikaner jammern permanent über den Aufstieg Chinas. Was machen die Deutschen? Sie gehen nach China und verkaufen dort ihre Maschinen und Autos. Zwischendurch machen sie sechs Wochen Urlaub. Es ist, als würden sie gegen uns gewinnen, während sie einen Arm auf dem Rücken festgebunden haben.

ZEIT ONLINE: Jahrelang wurde Deutschland von zahlreichen Ökonomen dazu gedrängt, den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren, amerikanischer zu machen...

Geoghegan: (lacht) Ja, und zwar von genau jenen Ökonomen, die selbst ganz europäisch arbeiten: sozial abgesichert und mit frühem Feierabend. Im Ernst: Der flexible US-Arbeitsmarkt, wie er von Professoren und vielen Journalisten so gerne gelobt wird – was bedeutet das denn? Amerikanische Arbeitnehmer sind machtlos und der Willkür ihrer Unternehmen ausgeliefert.

ZEIT ONLINE: Und in Deutschland?

Geoghegan: In keinem anderen Land der Welt, auch nicht im kommunistisch regierten China, haben die Arbeitnehmer mehr Einfluss als in Deutschland. Das ist ein Grund, warum es immer noch so viel industrielle Produktion im Land gibt. Die Mitsprache der Arbeiter ist ein ganz wichtiger Punkt. Gerade in den exportstarken Branchen sind die Gewerkschaften einflussreich. Das gibt es in Amerika in dieser Form nicht mehr. Gewerkschaften sind Randerscheinungen, ein Schatten ihrer selbst.

 ZEIT ONLINE: Amerikaner arbeiten rund neun Wochen mehr pro Jahr als die Deutschen, wenn man in Acht-Stunden-Tagen rechnet, schreiben Sie in ihrem Buch.  

Geoghegan: Ja, aber die Deutschen arbeiten effizienter und sind unheimlich produktiv. Das hat auch mit Freizeit zu tun: Dank der sechs Wochen Urlaub und der Zeit für das Theater am Mittwochabend kommt unter dem Strich mehr bei raus als bei uns Workaholics.

ZEIT ONLINE: Schaffen wir mehr in weniger Zeit?

Geoghegan: Ja! In Deutschland gehört es sogar zu den Pflichten der Betriebsräte, auf die Einhaltung der Arbeitszeiten zu achten. Es gibt Leute, die gehen freitags bereits am Mittag nach Hause. Wie cool ist das denn?! Unter dem Strich haben alle mehr davon: die Arbeitnehmer, ihre Familien, die Gesellschaft. Deshalb ist Deutschland Exportchampion und wir nicht.

ZEIT ONLINE: Materiell gesehen sind die USA trotzdem reicher.

Geoghegan: Die schiere Wirtschaftsleistung mag größer sein, aber wahrer Wohlstand lässt sich nicht in BIP-Zahlen ausdrücken.

ZEIT ONLINE: In ihrem Buch feiern sie die betriebliche Mitbestimmung...

Geoghegan: ...die ist übrigens auch ein deutscher Exportschlager. Andere europäische Staaten und sogar Länder in Asien kopieren Elemente daraus. Deutschland ist tatsächlich eine soziale Demokratie. Die Säulen sind die Betriebsräte, die Mitarbeitervertreter in den Aufsichtsräten und die regionalen Tarifabkommen. Für Ihre Leser ist das völlig normal. Aber in Amerika muss ich meinen Studenten erstmal erklären, was das ist. Die kommen aus dem Staunen nicht heraus.

ZEIT ONLINE: Outsourcing hat das aber auch bei uns bislang selten verhindert.

Geoghegan: Nein, aber sie können Deals rausschlagen: Wenn das Management eine Fabrik im Ausland aufbauen will, können die Arbeiter oft Garantien durchsetzen und Investitionen in den Heimatstandort. Die Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit in deutschen Aufsichtsräten – das ist sensationell, selbst wenn bei einem Patt der Aufsichtsratschef entscheidet. Auf diese Weise muss alles diskutiert werden. Ein Vorstandschef kann nicht wie ein Sonnenkönig herrschen. Der Einfluss der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten begrenzt Exzesse der Manager.

 ZEIT ONLINE: Deutschland hat durchaus Probleme...

Geoghegan: ... und ich nehme diese ernst. Aber wenn man mit etwas Abstand die Dinge betrachtet, wird klar, wie gut Deutschland funktioniert. Nehmen Sie das Kurzarbeitergeld – das hat während der Krise Massenarbeitslosigkeit verhindert. Es wäre wesentlich schwieriger gewesen, neue Jobs zu schaffen, als die Leute in ihren alten zu halten.

ZEIT ONLINE: Okay, es funktioniert für alle, die einen sozialversicherungspflichtigen Job haben. Aber alle Arbeitslosen, die draußen stehen, haben es schwer, ins Wohlfühlsystem rein zu kommen.

Geoghegan:  Das stimmt. Die Hürden sind hoch. Aber mal ehrlich: Wenn schon arbeitslos, dann lieber in Deutschland. In den USA läuft für viele, die in der Rezession ihren Job verloren haben, das Arbeitslosengeld einfach so aus. Die Leute bekommen nichts mehr, gar nichts. Dagegen ist Hartz IV großzügig. Deutschland ist nicht perfekt, aber das Glas ist zu zwei Dritteln voll.

ZEIT ONLINE: In den USA stehen sie mit ihren Ansichten ziemlich weit links. Wo würden Sie sich in Deutschland parteipolitisch einordnen

Geoghegan: SPD, rechter Flügel.

ZEIT ONLINE: Das ist der Flügel, der mit der Agenda 2010 und Hartz IV die Partei arg gefordert hat. Ein Fehler?

Geoghegan: Es tat mir natürlich weh, dass ausgerechnet die SPD an meinem Bild eines sozialistischen Utopia kratzt (lacht). Aber es war richtig, weil es den Sozialstaat wenn nicht gerettet, dann zumindest gefestigt hat. In der Lage damals galt: 'Wir müssen etwas ändern, damit alles gleich bleibt.' Es war wichtig, das Ausmaß des Sozialstaats etwas zu reduzieren, um ihn insgesamt zu bewahren.

ZEIT ONLINE: Das alles klingt so, als wären Sie tatsächlich lieber in Europa geboren worden.

Geoghegan: Ich bin glücklich, Amerikaner zu sein. Egal, wie schlecht die Lage ist, wir können uns immer wieder neu erfinden. Wir sind offen, optimistisch, experimentierfreudig. Da könnt ihr noch von uns lernen.

Die Fragen stellte Felix Wadewitz.

 
Leser-Kommentare
  1. Inhaltlich wie sprachich angenehm zu lesen, antipolemisch, optimistisch. So sollte es immer sein.

    Grüße

  2. Das war aber eine schöne Märchenstunde über die bereits abgeschafte soziale Verantwortung in Deutschland.

    In Deutschland verlieren Jahr für Jahr 8 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz aufgrund eines in der Praxis nicht existierenden Kündigungsschutzes.

    Bis man einen der befristeten Arbeitsplätze ergattert hat, darf der so unglaublich sozial abgesicherte Bürger, nach einem Jahr, mit feudalen 4,30 Euro am Tag, 3 Mahlzeiten und seine Mobilität organisieren. Mehr als 133 ,- Euro pro Monat sieht das deutsche Verelendungsgeld Hartz 4 dafür nämlich nicht vor.

    Wenn das Thema Soziale Marktwirtschaft im deutschen Blätterwald behandelt wird, kann der Bürger einfach nur noch in Deckung gehen.

    Die Damen und Herren aus der Journalistik reden da wie der Blinde von der Farbe.

    Soziale Marktwirtschaft gibt es vielleicht noch in Finnland, Schweden oder Dänemark, aber ein Land wie Deutschland, daß noch nicht einmal eine gesetzliche Lohnuntergrenze kennt, gehört sicherlich nicht in die Reihe ziviliserter Gesellschaftsformen.

    Bei uns haben die ganzen Marktanbeter, die letzten 10 Jahre, so gut wie jede Soziale Errungenanschaft abgeräumt.

    Allen voran, die gute alte SPD und ihr kleiner treuer Freund, die Grünen.

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    "Bis man einen der befristeten Arbeitsplätze ergattert hat, darf der so unglaublich sozial abgesicherte Bürger, nach einem Jahr, mit feudalen 4,30 Euro am Tag, 3 Mahlzeiten und seine Mobilität organisieren."

    das ist wohl wahr, aber:

    "In den USA läuft für viele, die in der Rezession ihren Job verloren haben, das Arbeitslosengeld einfach so aus. Die Leute bekommen nichts mehr, gar nichts. Dagegen ist Hartz IV großzügig."

    4,30 Euro ist mehr als nichts.

    Ihre Verallgemeinerungen sind platt und arbeiten mit Mondzahlen, wo es passt und mit Niedrigstzahlen, wo es auch passt. Woher haben Sie die Zahl 8 Millionen und die Zahl 4,30 Euro? Gelten die 4,30 Euro für alle? Wohl kaum. Selbst meine Tochter verdient in ihrem 1. Ausbildungsjahr schon mehr als die von Ihnen genannten 4,30 Euro.

    Und Ihr Verweis auf Dänemark zeigt, dass Sie sich nur die Rosinen rauspicken, aber die Gesamtheit des ganzen Systems einfach weglassen. In Dänemark gibt es keinen Kündigungsschutz. Nur so nebenbei bemerkt.

    • Hickey
    • 06.09.2010 um 12:50 Uhr

    Sonst würden sie nicht so einen Schwachsinn schreiben.

    Noch nie im Ausland gewesen und dort die Armen Menschen gesehen.

    Jeder Penner hier, lebt im Paradies, im Gegensatz zu anderen Ländern.

    • joG
    • 06.09.2010 um 14:30 Uhr

    ....ihren Arbeitsplatz aufgrund eines in der Praxis nicht existierenden Kündigungsschutzes."

    Seit wann? Wie viele Deutsche Arbeitsplätze gibt es denn?

    • Jenss
    • 06.09.2010 um 15:13 Uhr

    Gehen oder vielmehr schauen sie mal ins Ausland, Rentner, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger wollen bestimmt nicht in die USA oder England auswandern.

    Der Amerikaner hat recht die Betriebsräte und die Mitbestimmung haben Deutschland nur zum Vorteil gereicht. Die Produktivität und Qualität der Arbeit im produzierenden Gewerbe in den USA ist auf einem niedrigen Niveau verglichen mit Deutschland.

    Vor allem die mittelständischem Betriebe stehen schlecht da. Das liegt nicht nur an der Mitbestimmung. Es liegt IMHO auch an der Orientierung an kurzfristigem Erfolg. Investitionen, die sich erst in 3 oder mehr Jahren rechnen, aber dann für 15 Jahre werden nicht getätigt.

    Im Endeffekt ist Amerika überall da stark, wo die Produktlebenszeiten kurz sind; Software, Halbleiter etc. In diesen Sparten sind wir eher schwach SAP ist da eine kleine große Ausnahme. Wir sind stark bei Investitionsgütern, Automobilen etc.

    "Bis man einen der befristeten Arbeitsplätze ergattert hat, darf der so unglaublich sozial abgesicherte Bürger, nach einem Jahr, mit feudalen 4,30 Euro am Tag, 3 Mahlzeiten und seine Mobilität organisieren."

    das ist wohl wahr, aber:

    "In den USA läuft für viele, die in der Rezession ihren Job verloren haben, das Arbeitslosengeld einfach so aus. Die Leute bekommen nichts mehr, gar nichts. Dagegen ist Hartz IV großzügig."

    4,30 Euro ist mehr als nichts.

    Ihre Verallgemeinerungen sind platt und arbeiten mit Mondzahlen, wo es passt und mit Niedrigstzahlen, wo es auch passt. Woher haben Sie die Zahl 8 Millionen und die Zahl 4,30 Euro? Gelten die 4,30 Euro für alle? Wohl kaum. Selbst meine Tochter verdient in ihrem 1. Ausbildungsjahr schon mehr als die von Ihnen genannten 4,30 Euro.

    Und Ihr Verweis auf Dänemark zeigt, dass Sie sich nur die Rosinen rauspicken, aber die Gesamtheit des ganzen Systems einfach weglassen. In Dänemark gibt es keinen Kündigungsschutz. Nur so nebenbei bemerkt.

    • Hickey
    • 06.09.2010 um 12:50 Uhr

    Sonst würden sie nicht so einen Schwachsinn schreiben.

    Noch nie im Ausland gewesen und dort die Armen Menschen gesehen.

    Jeder Penner hier, lebt im Paradies, im Gegensatz zu anderen Ländern.

    • joG
    • 06.09.2010 um 14:30 Uhr

    ....ihren Arbeitsplatz aufgrund eines in der Praxis nicht existierenden Kündigungsschutzes."

    Seit wann? Wie viele Deutsche Arbeitsplätze gibt es denn?

    • Jenss
    • 06.09.2010 um 15:13 Uhr

    Gehen oder vielmehr schauen sie mal ins Ausland, Rentner, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger wollen bestimmt nicht in die USA oder England auswandern.

    Der Amerikaner hat recht die Betriebsräte und die Mitbestimmung haben Deutschland nur zum Vorteil gereicht. Die Produktivität und Qualität der Arbeit im produzierenden Gewerbe in den USA ist auf einem niedrigen Niveau verglichen mit Deutschland.

    Vor allem die mittelständischem Betriebe stehen schlecht da. Das liegt nicht nur an der Mitbestimmung. Es liegt IMHO auch an der Orientierung an kurzfristigem Erfolg. Investitionen, die sich erst in 3 oder mehr Jahren rechnen, aber dann für 15 Jahre werden nicht getätigt.

    Im Endeffekt ist Amerika überall da stark, wo die Produktlebenszeiten kurz sind; Software, Halbleiter etc. In diesen Sparten sind wir eher schwach SAP ist da eine kleine große Ausnahme. Wir sind stark bei Investitionsgütern, Automobilen etc.

  3. "Bis man einen der befristeten Arbeitsplätze ergattert hat, darf der so unglaublich sozial abgesicherte Bürger, nach einem Jahr, mit feudalen 4,30 Euro am Tag, 3 Mahlzeiten und seine Mobilität organisieren."

    das ist wohl wahr, aber:

    "In den USA läuft für viele, die in der Rezession ihren Job verloren haben, das Arbeitslosengeld einfach so aus. Die Leute bekommen nichts mehr, gar nichts. Dagegen ist Hartz IV großzügig."

    4,30 Euro ist mehr als nichts.

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    Diese krude Logik ist die Hauptursache dafür, daß unsere "Soziale Marktwirtschaft" kein tragfähiges Fundament mehr hat.

    Die Logik geht so:

    Sieh mal, es ist doch ein bedeutender Fortschritt, daß wir in Uganda (Beispiel)mit Kalorien- und Vitaminmangel uns ernähren und daran Schaden nehmen. Auch ist es nicht schlimm, daß wir kein Geld haben um uns Bildung zu verschaffen, oder irgendwelche Verkehrsmittel zu benutzen.

    Dagegen ist es in unserem Nachbarland Rhunada (Beispiel)viel viel schlimmer. Da sterben die Menschen zu Tausenden einfach an Unterernährung.

    So oder so ähnlich ist mittlerweile das Denken des moralisch so hochstehenden Bürgertums.

    Eine Körperverletzung wird dadurch nicht zur sozialen Tat oder gar Nächstenliebe, weil in der Nachbarschaft ein Mord geschieht.

    So lange wir die, als Reformen getarnten, gröbsten Sozialabbauverbrechen nicht zurücknehmen, wird es keinen gesellschaftlichen Frieden in unserem Land mehr geben.

    In einer wirklichen Sozialen Marktwirtschaft würden erstklassige Journalisten Meinungsäußerungen schreiben, wie die Folgende:

    "Die Sklaverei lässt sich bedeutend steigern, indem man ihr den Anschein der Freiheit gewährt." - Blätter und Steine
    (Ernst Jünger)

    Diese krude Logik ist die Hauptursache dafür, daß unsere "Soziale Marktwirtschaft" kein tragfähiges Fundament mehr hat.

    Die Logik geht so:

    Sieh mal, es ist doch ein bedeutender Fortschritt, daß wir in Uganda (Beispiel)mit Kalorien- und Vitaminmangel uns ernähren und daran Schaden nehmen. Auch ist es nicht schlimm, daß wir kein Geld haben um uns Bildung zu verschaffen, oder irgendwelche Verkehrsmittel zu benutzen.

    Dagegen ist es in unserem Nachbarland Rhunada (Beispiel)viel viel schlimmer. Da sterben die Menschen zu Tausenden einfach an Unterernährung.

    So oder so ähnlich ist mittlerweile das Denken des moralisch so hochstehenden Bürgertums.

    Eine Körperverletzung wird dadurch nicht zur sozialen Tat oder gar Nächstenliebe, weil in der Nachbarschaft ein Mord geschieht.

    So lange wir die, als Reformen getarnten, gröbsten Sozialabbauverbrechen nicht zurücknehmen, wird es keinen gesellschaftlichen Frieden in unserem Land mehr geben.

    In einer wirklichen Sozialen Marktwirtschaft würden erstklassige Journalisten Meinungsäußerungen schreiben, wie die Folgende:

    "Die Sklaverei lässt sich bedeutend steigern, indem man ihr den Anschein der Freiheit gewährt." - Blätter und Steine
    (Ernst Jünger)

  4. Wenn man das Pro-Kopf Wachstum von Europa mit dem von Amerika vergleicht, dann bemerkt man, dass Europa deshalb langsamer wächst, weil hier rund 30% weniger gearbeitet wird.
    Wenn man das Bevölkerungswachstum/Arbeitskraft pro Person, nach neoklassischen Modellen die wichtigsten Faktoren für Wachstum, herausrechnet, hat Europa in etwa das Wachstum von den USA. Das gilt allerdings nicht für Deutschland, Deutschland war im letzten Jahrzehnt auch wegen seines überregulierten Arbeitsmarktes der Schwächling in Europa.

    Die relevante Frage ist, ob die Menschen in Deutschland mehr Urlaub/weniger Arbeit und weniger Lebensstandard überhaupt wollen.
    Ich habe in Betrieben immer wieder unter Kollegen regelrechte Schlachten um 40h Verträge statt 35h Verträgen gesehen, wenn die Verträge entsprechend besser vergütet wurden. Vor allem im Angestelltenbereich wollen viele gerne für mehr Geld länger arbeiten.

    Meine Forderung: Die 35h Woche ist ein Relikt aus der Zeit der Industriearbeit. Die 40h und 42h mit Lohnausgleich wird von den Menschen gewünscht, zumindest in manchen Phasen des Lebens. Die Gewerkschaftsgleichmacherei ist schädlich.
    Wer länger für mehr Geld arbeiten will, soll das dürfen und auch nicht steuerlich bestraft werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Also ich mag meinen Job, aber ich habe auch noch andere Interessen für die dank festgeschriebener 40h-Woche keine Zeit bleiben. Wer neben seinem Job keine anderen Interessen hat, sollte vielleicht mal über sein Leben nachdenken....

    Und bitte... Wachstum... ich kann es nicht mehr hören... es kann rein aus physikalisch Gründen kein unendliches Wachstum geben - irgendwann ist das vorbei! Umso eher wir Lösungen finden, wie wir ohne Wachstum auskommen ( == glücklich sind) umso besser.

    Diese geforderten Unterregulierungen gibt es in Deutschland seit dem Jahre 2003.

    Veränderungen der Erwerbszahlen 2000-2009:

    Ein Minus von 2.426.000 Menschen in Vollbeschäftigung ohne Leiharbeit

    Ein Plus von 322.000 Ein-Euro-Jobbern
    ein Plus von 270.000 Leiharbeitern
    Ein Plus von 811.000 Geringfügig Beschäftigten
    Ein Plus von 1.674.000 Teilzeitbeschäftigten
    Ein Plus von 497.000 Selbständigen(Scheinselbständigkeit)

    Macht 1.121.000 mehr Beschäftigte.

    (Quelle:Memorandum-Gruppe)

    Alles mit den entsprechenden negativen Folgen für die Rentenkasse und die Staatsverschulduing.

    In Amerika, wo es diese Arbeitsmarktreformen alle schon gibt, ist die strukturelle Arbeitslosigkeit bei offiziell über 10% und inoffiziell bei guten 20%.

    Über das neoklassische Wirtschaftsmodell hat der führende Ökonom des 20.Jahrhunderts, Sir John Maynard Keynes, sich bereits 1938 lustig gemacht.

    Wenn wir uns nicht bald von diesem veralteten Denken der neoklasssichen Wirtschaftstheorie lösen, welches nur 10% der Bevölkerung reicher macht und die restlichen 90% ärmer macht, erleben wir den totalen Zusammenbruch der Finanzmärkte noch ein zweites Mal.

    Nur dann wird kein Staat mehr da sein, um uns vor dem Amagedon zu retten.

    Also ich mag meinen Job, aber ich habe auch noch andere Interessen für die dank festgeschriebener 40h-Woche keine Zeit bleiben. Wer neben seinem Job keine anderen Interessen hat, sollte vielleicht mal über sein Leben nachdenken....

    Und bitte... Wachstum... ich kann es nicht mehr hören... es kann rein aus physikalisch Gründen kein unendliches Wachstum geben - irgendwann ist das vorbei! Umso eher wir Lösungen finden, wie wir ohne Wachstum auskommen ( == glücklich sind) umso besser.

    Diese geforderten Unterregulierungen gibt es in Deutschland seit dem Jahre 2003.

    Veränderungen der Erwerbszahlen 2000-2009:

    Ein Minus von 2.426.000 Menschen in Vollbeschäftigung ohne Leiharbeit

    Ein Plus von 322.000 Ein-Euro-Jobbern
    ein Plus von 270.000 Leiharbeitern
    Ein Plus von 811.000 Geringfügig Beschäftigten
    Ein Plus von 1.674.000 Teilzeitbeschäftigten
    Ein Plus von 497.000 Selbständigen(Scheinselbständigkeit)

    Macht 1.121.000 mehr Beschäftigte.

    (Quelle:Memorandum-Gruppe)

    Alles mit den entsprechenden negativen Folgen für die Rentenkasse und die Staatsverschulduing.

    In Amerika, wo es diese Arbeitsmarktreformen alle schon gibt, ist die strukturelle Arbeitslosigkeit bei offiziell über 10% und inoffiziell bei guten 20%.

    Über das neoklassische Wirtschaftsmodell hat der führende Ökonom des 20.Jahrhunderts, Sir John Maynard Keynes, sich bereits 1938 lustig gemacht.

    Wenn wir uns nicht bald von diesem veralteten Denken der neoklasssichen Wirtschaftstheorie lösen, welches nur 10% der Bevölkerung reicher macht und die restlichen 90% ärmer macht, erleben wir den totalen Zusammenbruch der Finanzmärkte noch ein zweites Mal.

    Nur dann wird kein Staat mehr da sein, um uns vor dem Amagedon zu retten.

  5. lustig die Vorstellung dass er damit in Amerika Prügel einstecken wird weil er zu sozialistisch ist und in Deutschland weil er es tatsächlich wagt Angesichts der teuflischen HartzIV Regeln von einer Festigung des Sozialstaats zu sprechen.

    Im wesentlichen scheint er mit seinen Beobachtungen und Schlüssen richtig zu liegen, wir sollten das zum Anlass nehmen uns auch hinsichtlich der Regelung der Finanzmärkte nicht von Transatlantikern bange machen zu lassen die schon bei der allein seeligmachenden Wirkung des Shareholder-value falsch lagen.

    Das alte Europa ist schon nicht so schlecht, leider nur so lange wie auch die Substanz gut ist. Und die baut auf "alte" Werte / Tugenden wie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Fleiß. Neben den üblichen Verdächtigen liegt hier eine ganz wesentliche bringschuld bei den Eliten, dieangefangen bei Spendenaffäre des Helmut K. über die der F.D.P. bis zu den Verfehlungen der Manager wie Zumwinkel ein denkbar schlechtes Vorbild abgegeben haben.

    Heute läuft Deutschland Gefahr, angesichts der Bedrohung durch die Linke diese Dinge innenpolitisch vor die wand laufen zu lassen. Siehe die Causa Sarrazin: Wetten den Lippenbekenntnissen von heute folgt morgen das Begräbnis der Diskussion? Und wenn diskussion, wetten es erschöpft sich Vorschlägen zu Sanktionen, nicht der Eröffnung von Perspektiven? KiTa- Pflicht? Schulpflicht?

  6. Ihre Verallgemeinerungen sind platt und arbeiten mit Mondzahlen, wo es passt und mit Niedrigstzahlen, wo es auch passt. Woher haben Sie die Zahl 8 Millionen und die Zahl 4,30 Euro? Gelten die 4,30 Euro für alle? Wohl kaum. Selbst meine Tochter verdient in ihrem 1. Ausbildungsjahr schon mehr als die von Ihnen genannten 4,30 Euro.

    Und Ihr Verweis auf Dänemark zeigt, dass Sie sich nur die Rosinen rauspicken, aber die Gesamtheit des ganzen Systems einfach weglassen. In Dänemark gibt es keinen Kündigungsschutz. Nur so nebenbei bemerkt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mit Besorgnis nehme ich ihre Unwissenheit zur Kenntnis.

    Wieso kennen sie nicht die Zahlen der Agentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes?

    Noch einmal zum Mitschreiben:

    Jahr für Jahr werden 8 Millionen Kündigungen von der Wirtschaft ausgesprochen.

    Ich will Sie aber in Schutz nehmen.

    Solche unschönen Zahlen passen natürlich nicht in die euphemistische Darstellung der Wirtschaftswelt in den meißten Massenmedien.

    Ich weiß diese bösen Zahlen auch nur, weil ich die Bücher dieses Nestbeschmutzer aus dem Rat der Wirtschaftsweisen, Professor Peter Bofinger, dummerweise lese.

    Im Übrigen bitte ich Sie sorgfältiger zu lesen und nicht so über das Gesagte hinwegzuhuschen. Dann wäre ihnen womöglich auch aufgefallen, daß ich über die Teile unserer Bevölkerung gesprochen habe, die von unseren angeblichen Leistungsträgern vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt werden und deshalb auf Einkommen verzichten müßen.

    Dieses Phänomen der Massenarbeitslosigkeit gibt es übrigens seit mehr als 30 Jahren in allen marktwirtschaftlich organiserten Gesellschaften und scheint daher wohl deutlich ein Strukturproblem dieser Gesellschaftsform zu sein, da Renditemaximierung grundsätzlich vor sozialer Verantwortung steht.

    Mit Besorgnis nehme ich ihre Unwissenheit zur Kenntnis.

    Wieso kennen sie nicht die Zahlen der Agentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes?

    Noch einmal zum Mitschreiben:

    Jahr für Jahr werden 8 Millionen Kündigungen von der Wirtschaft ausgesprochen.

    Ich will Sie aber in Schutz nehmen.

    Solche unschönen Zahlen passen natürlich nicht in die euphemistische Darstellung der Wirtschaftswelt in den meißten Massenmedien.

    Ich weiß diese bösen Zahlen auch nur, weil ich die Bücher dieses Nestbeschmutzer aus dem Rat der Wirtschaftsweisen, Professor Peter Bofinger, dummerweise lese.

    Im Übrigen bitte ich Sie sorgfältiger zu lesen und nicht so über das Gesagte hinwegzuhuschen. Dann wäre ihnen womöglich auch aufgefallen, daß ich über die Teile unserer Bevölkerung gesprochen habe, die von unseren angeblichen Leistungsträgern vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt werden und deshalb auf Einkommen verzichten müßen.

    Dieses Phänomen der Massenarbeitslosigkeit gibt es übrigens seit mehr als 30 Jahren in allen marktwirtschaftlich organiserten Gesellschaften und scheint daher wohl deutlich ein Strukturproblem dieser Gesellschaftsform zu sein, da Renditemaximierung grundsätzlich vor sozialer Verantwortung steht.

    • postit
    • 06.09.2010 um 12:28 Uhr

    Wir verwenden viel zu selten einen Außenvergleich, um besser zu werden, und viel zu häufig, um uns zu bestätigen. Wir könnten auch anders.

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