ZEIT ONLINE: Sind die Business Schools Schuld an der Wirtschaftskrise, weil sie schlechte Manager ausgebildet haben?

Lars-Hendrik Röller: Die Krise wurde nicht durch die Ausbildung an den Business Schools verursacht, sondern durch schlechte Regulierung und falsche Anreize für Manager. Aber langfristig spielen Business Schools eine große Rolle, weil sie wichtige Akteure in der Wirtschaft prägen.

ZEIT ONLINE: Wie muss sich die Ausbildung von Managern ändern?

Röller: Ein guter Manager muss vieles verstehen, was über das eigene Unternehmen hinausgeht. Denn seine Entscheidungen übertragen sich auf viele Gruppen: auf Mitarbeiter, Verbraucher, die gesamte Volkswirtschaft. Deshalb müssen Business Schools stärker soziale und politische Fragen stellen. Diese Dimension zu betonen, passt gut zu Deutschland, weil solche Fragen hier schon immer eine große Rolle gespielt haben. Das darf aber nicht dazu führen, dass Business Schools das Einmaleins des Managements – wie Marketing und Finanzierung – nicht mehr lehren.

ZEIT ONLINE: Soll ein Manager im Interesse der Gesellschaft handeln?

Röller: Ein Manager hat die Pflicht, im Interesse des Unternehmens zu handeln. Erfolgreich sein, Geld verdienen, das Unternehmen am Leben halten, das sind seine Aufgabe. Langfristig lässt sich Gewinn nur dann maximieren, wenn man gut mit Kunden und Mitarbeitern umgeht. Kurzfristig hingegen kann es einen Widerspruch geben, zum Beispiel zwischen dem Erhalt von Arbeitsplätzen und der Gewinnmaximierung.

ZEIT ONLINE: Manager und Öffentlichkeit scheinen manchmal aneinander vorbeizureden. Woran liegt das?

Röller: Am deutlichsten werden die Missverständnisse, wenn es um Werksschließungen geht. Jedem muss klar sein: Wer subventioniert, was langfristig nicht tragfähig ist, schafft nur weitere Probleme. Aber ob ein bestimmtes Werk tragfähig ist, lässt sich von außerhalb des Unternehmens kaum beurteilen. Da muss ich einfach um Verständnis für die Manager werben. Aber es gibt auch Dinge, die nicht zu erklären sind, etwa hartherzige Entscheidungen von Managern, deren eigene Gehälter gleichzeitig in die Höhe schießen.

ZEIT ONLINE: Wie stark können Business Schools solche Entscheidungen überhaupt beeinflussen?

Röller: Zu uns kommen erwachsene Menschen, die kann man nicht mehr erziehen. Die Persönlichkeit wird viel früher im Leben geprägt. Aber wir können unseren Studenten klarmachen, vor welch schwierigen Entscheidungen sie später als Manager stehen werden, und welche Tragweite ihre Entscheidungen haben. Das funktioniert in Diskussionen und Rollenspielen, die wir an der ESMT entwicklen, oftmals besser als in Vorlesungen. Jedenfalls kann eine Business School niemanden umdrehen. 

ZEIT ONLINE: Sind Manager von Beruf aus gierig?

Röller: Manager sind nicht gieriger als andere Menschen. Aber sie haben vielleicht mehr Gelegenheiten, um sich gierig zu verhalten. Unsere Wirtschaft hat sich so entwickelt, dass man bei falschen Anreizen inzwischen sehr schnell sehr viel Geld auf Kosten anderer verdienen kann. Dieses Problem lässt sich nicht lösen, indem man sagt: Wir müssen jetzt alle bessere Menschen werden. Stattdessen muss die Politik bei schädlichem Verhalten knallhart durchgreifen und die richtige regulatorischen Anreize setzen.

Die Fragen stellte Pierre-Christian Fink.