EnergiepolitikWas die Welt von Manhattan lernen kann

Rund 60 Prozent der Weltbevölkerung wird bald in Städten leben. Eine Chance im Kampf gegen den Klimawandel – wenn die Politik jetzt handelt. von Stefan Mauer

Smog über New York: Trotz der Abgase hat ein Einwohner Manhattans eine gute Energiebilanz

Smog über New York: Trotz der Abgase hat ein Einwohner Manhattans eine gute Energiebilanz  |  © Mario Tama/Getty Images

Wenn in Manhattan der Frühling kommt, fällt das Atmen schwer. Kaum steigen die Temperaturen auf mehr als 25 Grad, beherrscht der Smog die Straßen der Stadt. Nirgendwo in den USA ist die Abgasbelastung höher als im bekanntesten Stadtteil New Yorks.

Doch was auf den ersten Blick wie die Horrorvision jedes Umweltschützers aussieht, ist in Wahrheit eine Chance. Denn trotz der vielen Abgase ist der Energieverbrauch pro Kopf in Manhattan so gering wie an kaum einem anderen Ort der Welt.

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Der Grund dafür ist einfach: Wer im Zentrum der Millionenstadt lebt, hat meist kurze Wege und kann ein gut ausgebautes Netz öffentlicher Verkehrsmittel nutzen. Der Stadtplanungs-Experte Christopher Choa sieht in Megastädten wie New York sogar den "Schlüssel", um die Energieprobleme der Zukunft zu lösen. Je dichter besiedelt die Stadt ist, desto größer die Möglichkeiten eine Infrastruktur zu schaffen, die mit wenig Energie auskommt. Ein öffentliches Verkehrssystem zum Beispiel lässt sich erst ab einer bestimmten Einwohnerzahl kostendeckend betreiben.

So gesehen könnte es für die Planer sogar eine Chance sein, dass bis 2030 rund 60 Prozent der Menschen in Städten leben wird. Bereits heute sind es mehr als die Hälfte. Derzeit wachsen die Städte weltweit um 60 bis 70 Millionen Menschen pro Jahr – das entspricht etwa der zehnfachen Einwohnerzahl Londons. Allerdings sind es nicht die Städte in Europa und den USA, die wachsen, sondern vor allem Metropolen in den Entwicklungsländern. In spätestens 20 Jahren werden diese die einzigen sein, die weiter wachsen, hat der United Nations Population Fund (UNPF) errechnet.

Hier aber liegt das Problem. Denn nirgendwo sind die Investitionen in energiesparende Infrastruktur so gering wie in den Entwicklungsländern. Die indische Hauptstadt Delhi zum Beispiel hat trotz einiger Verkehrsprojekte bis heute kein Mittel gegen den wachsenden Verkehr gefunden, der die Straßen der 12-Millionen-Metropole verstopft. Die rund vier Millionen gemeldeten Fahrzeuge verschaffen der Großstadt einen traurigen zweiten Platz im weltweiten Ranking der Luftverschmutzung.

Zwar ist auch den Industriellen des Landes klar, dass sich das Land beim Klimaschutz bewegen muss. "Neu gebaute Kraftwerke müssen höheren Umweltstandards genügen als das, was wir bisher haben", hieß es unlängst auf der Weltenergiekonferenz in Montreal selbst von Industrievertreten wie Vinay Kumar Singh vom indischen Kohleproduzenten Northern Coalfields Ltd. Gleichzeitig bleibt Ländern wie Indien jedoch gar nichts anderes übrig, als immer mehr CO2 zu erzeugen, wenn ihr Energiebedarf weiterhin so stark steigt wie bisher.

Allein in den beiden Bevölkerungsreichsten Ländern der Welt, Indien und China, ist Kohle mit Abstand der größte Energieträger und wird dies auch in Zukunft bleiben. Und an Vermeidungstechniken wie CO2-Abscheidung denkt dort zurzeit niemand. "Im Moment steht das Thema Teilhabe für Länder außerhalb Europas und der USA deutlich höher auf der Agenda als der Klimaschutz", sagt RWE-Vorstandsmitglied Leonhard Birnbaum.

Leserkommentare
  1. Es war immer mal wärmer, mal kälter, je nach Sonnenaktivität.
    Die Erwärmung findet nicht mehr statt, sondern eine Abkühlung hat eingesetzt, die Sonne ist ruhiger als sonst.
    Die Gletscher nehmen wieder zu, habe mich in Norwegen selbst überzeugen können. An den Polen ist mehr Eis als z.B. 1958 am Nordpol eisfrei, oder 1987 ebenfalls eisfrei.
    CO2 hat keinen Einfluss auf das Klima. Wer das nicht glaubt kann hier lesen:
    http://www.schmanck.de/07...
    http://alles-schallundrau...
    Bald glaubt den Schwindel ohnehin niemand mehr!
    Deshalb müssen wir uns doch nicht unsere wirtschaftliche Zukunft verbauen. Wofür die angebliche Klimakatastrophe alles herhalten muss. Wir können von Manhattan nichts lernen, haben so starke Ballungszentren auch nicht.
    Also was soll der Artikel?

    Sofern Sie strittige Tatsachenbehauptungen erheben, bitten wir um die Belegung durch Quellen. Danke, die Redaktion/fk.

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    • .void
    • 24. September 2010 10:49 Uhr

    Es wird mal wärmer, mal kälter, deshalb nennt man es auch Wetter.
    Die Erwärmung findet statt, das hat die mehrfache und eindeutige Widerlegung der oben geposteten Verschwörungsgstheorien längst bewiesen (nur z.B.) :
    http://www.sourcewatch.org/index.php?title=Gerhard_Gerlich
    http://arthur.shumwaysmith.com/life/content/the_arrogance_of_physicists
    Bald glaubt den Schwindel ohnehin niemand mehr!
    Also, was soll der Kommentar?

    • Druven
    • 24. September 2010 12:52 Uhr

    Heißt das, wenn der Klimawandel als Lüge enttarnt wurde gibt es in Delhi keine Staus mehr?

  2. Mal sehen, wie der Klimawandel den kommenden Winter in Europa beeinflusst. Ob uns die Sonne zeigt, wie hoch ihr einfluß auf das Klima dieser Erde ist?

    Die Entwicklungs/Schwellenländer werden realtiv fix von den Tatsachen des "Verkehrsinfarktes" und der Umweltverschmutzung drauf kommen, dass sich was ändern muß, damit man nicht an seinem eigenen Dreck zugrunde geht.

    • .void
    • 24. September 2010 10:49 Uhr

    Es wird mal wärmer, mal kälter, deshalb nennt man es auch Wetter.
    Die Erwärmung findet statt, das hat die mehrfache und eindeutige Widerlegung der oben geposteten Verschwörungsgstheorien längst bewiesen (nur z.B.) :
    http://www.sourcewatch.org/index.php?title=Gerhard_Gerlich
    http://arthur.shumwaysmith.com/life/content/the_arrogance_of_physicists
    Bald glaubt den Schwindel ohnehin niemand mehr!
    Also, was soll der Kommentar?

  3. "die Versorgung mit Energie und sauberem Wasser hält mit der rasant wachsenden Nachfrage nicht Schritt"

    Wen interessieren CO2 und Klimawandel,wenn die Menschen sich in den Metropolen vergiften?

    Den Dreck in den großen Städten gibt es schon seit Jahrzehnten. Ich erinnere mich da gerade an einen Spiegelartikel aus den 70er Jahren über Lagos, wo Altöl im Straßengraben entsorgt wurde.

    Der Verkehrsinfarkt ist auch nicht Neues.

    Da die Bevölkerung weiter wächst und auch noch in die Städte wandert, wachsen die Probleme schneller als deren Beseitigung.

    CO2 ist unwichtig, Klimawandel kommt sowieso :
    Bei Erwärmung gehen Küstenstreifen unter, die Fische freuen sich und Sibirien kriegt milderes Klima.
    Bei einer Eiszeit versinkt Europa unter Schnee und Eis und die Sahara wird feucht und mild.

    • skidky
    • 24. September 2010 11:54 Uhr

    Der ÖPNV ist ein zweischneidiges Schwert. Was industriellen Staaten hilft den Druck durch die autos von der Straße zu nehmen könnte ihn in Indien sogar erhöhen, da der bereits bestehende sehr sehr hohe Mischanteil der Stadt unteergraben wird. Gerade in Indien muss der größteil der Menschen eigentlich sich nicht weit bewegen um alles Lebensnotwendige zu erreichen (der Durchschnittliche bewohner Mumbais bewegt sich gerdae mal in einem 10 km Radius) gefördert sollten stattdessen Fahrradwege und Fußgängerstreifen um den hohen Anteil an Fußgangern noch zu fördern.

    Was Manhatten angeht glaube ich nicht das es ein positives Beispiel ist. Verdichtung glaube ich macht nur bis zu einem gewissen grad sinn damit Luftaustausch und andere klimatische wechsel noch möglich sind und das leben in Städten lebenswert machen. viel wichtiger wäre es auch in Den westlichen Städten die Funktionsmischung zu stärken so das man auch in unseren Städten die Freiheit hat auf motorisierte Verkehrsmittel zu verzichten.

    Leider ist das nichts was man von der Stadtplanung erwarten kann weil Entschiedungen Profitorientiert ablaufen. nur wenig wird gemacht was keinen Investor findet. und nur wenige INvestoren sind an einem Lebenswerten Gesamtstadtbild interessiert

    Grüße
    Skidky

    • Druven
    • 24. September 2010 12:52 Uhr

    Heißt das, wenn der Klimawandel als Lüge enttarnt wurde gibt es in Delhi keine Staus mehr?

  4. Ohne CO2 haben wir kein Wachstum, also keine pflanzliche Nahrung. Doppelt so viel CO2 und mehr wäre ideal für bessere Ernten und weniger Wasserverbrauch in der Landwirtschaft.
    Schlaue Bauern wissen das auch.
    Also liebe Redaktion bitte das nicht Verwechseln!

    @void
    Klima ist nicht Wetter, das habe ich auch nicht behauptet, aber aus 30 Jahren Wetter wird Klima. Und da geht der Temperaturtrend leider stark nach unten, denn warme Zeiten waren gute Zeiten. Die kleinen Eiszeiten waren immer Zeiten des Hungers.
    Wenig Sonnenflecken bedeuten schlechte Ernten, das war unseren Vorfahren schon bekannt. Die bleiben leider weitgehend aus.
    Tatsachen sind keine Verschwörungstheorien, und bei den Lobbyorganisationen kann man keine Wissenschaft verlangen.
    Lieber mal hier sehen:
    www.eike-klima-energie.eu
    wo freie Wissenschaftler schreiben, die niemandem ausser ihrem Gewissen verantwortlich sind.

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    • micold
    • 25. September 2010 19:45 Uhr

    Na, unter freien Wissenschaftlern verstehe ich etwas anderes:
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/klimaskeptiker-wir-brauchen-keine-klim...

    • hoyo013
    • 24. September 2010 14:14 Uhr

    pflanzenwachstum ist natürlich der einzige wahrhaftige effekt der co2 düngung der atmosphäre.

    man fragt sich zudem ob die freien wissenschaftler nicht stark von dem interesse getrieben sind ihren lebensstandart um jeden preis zu verteidigen. der verzicht auf das auto beim täglichen einkauf scheint vielen bürgern ein horror zu sein.

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    Viel wichtiger ist es unsere Lebensbasis Nahrung zu erhalten.
    Globale Abkühlung bedeutet Missernten, Hunger und Krieg.
    Halbiertes CO2 bedeutet wenig oder kein Pflanzenwachstum.
    CO2 ist absolut lebensnotwendig, denn die Nahrungsmittel kommen nicht aus der Fabrik!

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