US-Wirtschaft Obama will mit weiteren Milliarden Aufschwung sichern

Die US-Wirtschaft kommt nicht auf die Beine. Präsident Obama plant daher erneut ein gigantisches Konjunkturprogramm – zumal seine Demokraten ein Wahldebakel fürchten.

Gute Miene zu bedrohlicher Wirtschaftskrise: US-Präsident Barack Obama will Milliarden in die Hand nehmen, um der Konjunktur zu helfen

Gute Miene zu bedrohlicher Wirtschaftskrise: US-Präsident Barack Obama will Milliarden in die Hand nehmen, um der Konjunktur zu helfen

Die deutsche Wirtschaft steht nach der Krise wieder überraschend gut da. Anders sieht es in den USA aus. Die Sorge vor einer anhaltenden Depression ist noch immer groß. Auch wenn sich die Arbeitslosenzahlen zuletzt etwas positiver entwickelten, ist die landesweite Quote mit 9,6 Prozent für amerikanische Verhältnisse noch immer ungewohnt hoch . Das Weiße Haus geht daher in die Offensive: Am Wochenende kündigte Präsident Barack Obama an, den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit fortzusetzen und dabei vor allem die Mittelschicht zu stärken. In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache sagte Obama, die USA benötigten mehr als nur eine gesunde Börse. "Wir brauchen belebte Hauptstraßen und eine wachsende, gedeihende Mittelschicht." Er werde Tag für Tag für soziale und wirtschaftliche Sicherheit arbeiten, für den "amerikanischen Traum für unsere Familien und künftigen Generationen".

Obamas Demokraten stehen vor den Kongresswahlen im November unter Druck. Der schlechte Zustand der Wirtschaft in den USA drängt alle anderen Themen in den Hintergrund. Die hohe Arbeitslosigkeit, überschuldete Privathaushalte, gigantische Defizite im Staatsbudget setzen den Umfragewerten zu. Und da der erhoffte Aufschwung mit mehr Jobs im Sommer ausblieb, wächst der Druck auf den Präsidenten, Gestaltungswillen zu zeigen.

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Wie seine einzelnen Maßnahmen konkret aussehen sollen, will Obama dem Wall Street Journal zufolge in dieser Woche vorstellen. Demnach liegt ein Fokus auf Steuererleichterungen für Kleinunternehmen, die neue Arbeitnehmer einstellen. Die Zeitung beziffert das Volumen der Maßnahme auf 35 Milliarden Dollar (27 Milliarden Dollar). Diese Summe werde Regierungskreisen zufolge dem Haushalt künftig zusätzlich zur Verfügung stehen, da zum Jahreswechsel die Steuersenkungen ausliefen, mit denen die Bush-Regierung Einkommen von mehr als einer Million Dollar entlastete.

Allerdings ist die Verwendung der Mittel innerhalb der Demokratischen Partei umstritten: Einige Abgeordnete wollten die Steuersenkungen zeitweise weiterlaufen lassen, schreibt das Blatt. Andere wiederum plädierten dafür, das Geld statt für die Konjunktur lieber für den Abbau des Staatsdefizits zu verwenden. "Jeder hat hier eine Idee", wird ein führender Parteivertreter zitiert.

Daneben plane die Obama-Regierung, die Belastungen für unter Kostendruck geratene Hauseigentümer zu reduzieren, schreibt das Wall Street Journal . Mit einem entsprechenden Programm solle zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Menschen geholfen werden, deren Schulden höher seien als der Wert ihres Hauses. Um zu verhindern, dass sie in Zahlungsrückstand gerieten, solle den Hausbesitzern die Möglichkeit geben, mit ihren jeweiligen Gläubigern eine geringere Rate auszuhandeln. Die Regierung werde diese dann gegen Ausfall absichern. Als Volumen für diese Maßnahme sind der Zeitung zufolge 14 Milliarden Dollar (11 Milliarden Euro) vorgesehen, die Mittel sollen aus dem bestehenden Bankenrettungsfonds Tarp kommen.

Das Weiße Haus will auch noch an anderer Stelle Geld locker machen: Wie die Washington Post unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtete, plant der Präsident, über zehn Jahre hinweg insgesamt 100 Milliarden Dollar (77 Milliarden Euro) in die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen zu stecken. Auch hier sollen Steuererleichterungen das Instrument sein. Begünstigt würden vor allem solche Unternehmen, die neue Technologien entwickeln und damit Arbeitsplätze in den USA erhalten. Zur Gegenfinanzierung werden dem Bericht zufolge bisherige Schlupflöcher bei der Unternehmensbesteuerung geschlossen.

Leser-Kommentare
  1. Es sieht so aus, als habe Obama tatsächlich Konsequenzen aus den katastrophalen Wirtschaftsberichten gezogen. Hoffen wir mal, dass es etwas hilft, die Ansätze sind immerhin gut, auch wenn eine gewisse Skepsis mittlerweile ja angebracht scheint. Aber irgendwo muss man ja mit dem Löcher stopfen beginnen.

    Das einzige, was mich doch etwas verwundert, ist, dass er keine Anstalten macht, das strukturelle Defizit der USA abzubauen. Es mutet doch etwas wie eine Milchmädchenrechnung an, dass die Rücknahme von Steuererleichterungen das milliardenschwere Paket direkt ausgleichen kann. Bleibt nur der Gedanke, dass die Analysten im Weißen Haus schon wissen, was sie da tun.

    • WiKa
    • 06.09.2010 um 13:03 Uhr

    Alles sehr schön dargestellt und begründet, nur leider sitzt das Problem erheblich tiefer und ist bis heute nicht ansatzweise gelöst. Im Gegenteil, durch das Anwerfen der Notenpresse seit Beginn der Bankenkrise hat man dem Grunde nach das Problem nur verschärft und dafür zeitlich etwas verschoben.

    Ursache ist nach wie vor die rasante Geldvermehrung aus dem Nichts. Spätestens wenn auch nur Teile dieser wundersam entstandenen Geldmengen (die immer noch toxisch sind) auf die Realwirtschaft durchschlagen, werden wir noch ganz andere Szenarien erleben. In diesem falle ist es auch völlig gleichgültig wer in Amerika auf dem Präsidentensessel sitzt. Ab einem gewissen Dimension wird die Geschichte unbeherrschbar.

    Insoweit geht auch eine schön gemachte Berichterstattung zu Obama und der Wirtschaft daneben und verdeckt ganz wunderbar einmal mehr den Kern der Sache. Wer es mal nachrechnen möchte, dem sei die Ursache dem Dilemmas anempfohlen, mit Ausnahme des genauen Zeitpunktes für den Crash kann man alles wunder bar mathematisch erfassen. Dagegen ist auch Obama so machtlos wie eine Fruchtfliege im Gewitter. Vermutlich sind bereits alle Haltesignale überfahren. Man hätte von den sogenannten Experten mehr erwartet, aber das Versagen scheint systemisch zu sein und macht auch vor einem Präsidenten nicht Halt und keine Millarden an Papier- und Buchgeld der Welt werden es regeln.

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    • joG
    • 06.09.2010 um 14:25 Uhr

    ....Das Ende ist nahe!

    Schlimm, schlimm.

    • joG
    • 06.09.2010 um 14:25 Uhr

    ....Das Ende ist nahe!

    Schlimm, schlimm.

  2. "Als Volumen für diese Maßnahme sind der Zeitung zufolge 14 Millionen Dollar (11 Milliarden Euro) vorgesehen, die Mittel sollen aus dem bestehenden Bankenrettungsfonds Tarp kommen."

    Ohne Haarspalterei betreiben zu wollen... 14 Millionen Dollar sind nicht 11 Milliarden Euro! Dachte erst, dem Autor sei ein Umrechnungsfehler passiert. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Tippfehler.

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    Redaktion

    Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

    Redaktion

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    • Chali
    • 06.09.2010 um 14:16 Uhr
    4. Prima!

    Da können unsere Automobil-Konzerne ja weiter deutsche Technik eintauschen gegen Papier mit den Bildern toter amerikanischer Präsidenten drauf.

    • joG
    • 06.09.2010 um 14:22 Uhr

    ....floss zu viel Geld in Länder ab, die weniger taten um die Weltwirtschaft zu stabilisieren. So war die inländische Wirkung gebremst und zu gering. Für Exportnationen allerdings war es hilfreich, wie wir auch hier erleben.

    • joG
    • 06.09.2010 um 14:25 Uhr

    ....Das Ende ist nahe!

    Schlimm, schlimm.

    Antwort auf "Teure Nebelbomben…"
    • iDog
    • 06.09.2010 um 14:26 Uhr

    ah - so nennt man das also , wenn man eine inflation zur schuldenvernichtung in gang bringt. die ganze welt soll den millitaeretat der USA begleichen : wir halten uns selber in schach. high noon.

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