Die Hilfe zu den Flutopfern zu bringen, ist immer noch schwierig
"Wir laufen der Flut ein wenig hinterher", sagt Jürgen Mika von der Welthungerhilfe. Damit bezieht er sich auf die Geografie Pakistans: Im Norden waren die Organisationen schon vor der Katastrophe relativ gut vertreten. Im Punjab aber, wo das Wasser jetzt abfließt, kommen sie gerade erst an. Dort müssen sie sich erst einmal selbst organisieren. "Die Logistik ist das größte Problem", sagt Mika. Er hat gerade Büros und Lagerräume in Muzaffargarh angemietet, einer 750.000-Einwohner-Stadt im Punjab, die vor rund drei Wochen komplett evakuiert worden war. Auch andere Organisationen müssen zunächst Räume mieten und Personal einstellen, bevor sie richtig loslegen können. Das gelte selbst für die Nothelfer der Vereinten Nationen, die in der Großstadt Multan auf der Suche nach Büros und geeigneten Mitarbeitern seien.
Die Hilfe dahin zu bringen, wo sie gebraucht wird, ist schwer. "Es ist immer noch so, dass man irgendwo hinfährt, und plötzlich ist die Straße weg", berichtet Mika. "Manche Straßen verlaufen auf Dämmen, die jetzt vom Wasser unterspült werden. Dann fährt ein Lastwagen darüber, die Straße bricht ein, der Lkw kippt um. Die Hilfsgüter landen im Dreck."
Dass die Menschen mancherorts wieder nach Hause zurückkehren, macht die Sache noch komplizierter. In den Flüchtlingslagern waren sie leicht zu erreichen. Jetzt müssen die Helfer in die Dörfer gehen, um dort zu prüfen, wer am nötigsten Hilfe braucht – und wem vielleicht andere schon helfen. "Wir müssten viel mehr Leute rausschicken, die das Ausmaß der Schäden am Ort einschätzen", sagt Mika. "Es darf auch nicht passieren, dass manche Menschen doppelt Hilfsgüter erhalten, während andere leer ausgehen." Um das zu vermeiden und die Kräfte möglichst effizient einzusetzen, koordinieren die pakistanische Regierung und OCHA die Hilfsarbeiten.
Medico arbeitet in Sindh mit der pakistanischen Organisation Health and Nutrition Development Society (HANDS) zusammen. Deren Leiter, der Arzt Tanveer Ahmed, fürchtet, die Flut könne die ohnehin gravierende Armut in Pakistan noch stark vergrößern. Tatsächlich gehört die Kornkammer des Landes, der Punjab, zu den von den Überschwemmungen am stärksten betroffenen Gebieten. "Auf den Baumwollfeldern dort stehen nur noch braune, verrottete Pflanzen", beschreibt Welthungerhilfe-Koordinator Jürgen Mika das, was von der Ernte übrig geblieben ist. "Sie lagen Wochen lang unter Wasser." Baumwolle bringt den Bauern vor allem Geld ein. Pakistan braucht jetzt aber vor allem Nahrungsmittel.
"Das Wasser hat sehr viel fruchtbaren Boden angeschwemmt", sagt Mika. "Aber die Leute können ihn erst bestellen, wenn das Wasser komplett weg ist." Normalerweise beginnt die Aussaat des Weizens im Punjab Anfang November. Mika sieht gute Chancen, dass das auch in diesem Jahr möglich sein wird. "Wir hoffen, dass wir Ende Oktober mit Gemüse beginnen können, damit die Menschen sich möglichst schnell selbst versorgen können." Dann hilft die Welthungerhilfe mit Saatgut und Werkzeug.
Bis dahin aber müssen noch Nahrungsmittel verteilt werden, Trinkwasser, Notunterkünfte und die nötigsten Haushaltsutensilien wie Kochtöpfe. "So lange niemand auf die Felder kann, müssen die Menschen versorgt werden", sagt Mika. "Die Nothilfephase ist hier sehr lang. Das kann schon noch Monate dauern." Zumal im Süden, anders als im Punjab, noch gar nicht klar ist, ob das Wintergetreide überhaupt ausgesät werden kann.
Immerhin scheint der Regen so langsam nachzulassen, berichtet Mika. Mitte September ist die Monsunzeit in Pakistan normalerweise zu Ende.
- Der Spendenappell
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Zahlreiche Hilfsorganisationen rufen zu Spenden für die Opfer der Flut in Pakistan auf. Wer Geld geben möchte, kann seine Spende mit dem Stichwort "Pakistan" oder "Fluthilfe Pakistan" versehen. Dann ist die Spende zweckgebunden, darf also nur in Pakistan oder, im zweiten Fall, für die Flutopfer verwendet werden. Hilfsorganisationen bevorzugen jedoch häufig zweckungebundene Spenden, um die Gelder flexibler einsetzen zu können.
Hier können Sie spenden:
Aktion Deutschland hilft: Spendenkonto 102030; Bank für Sozialwirtschaft; BLZ 37020500;
Kennwort: Flut Pakistan. Online-Spenden nimmt das Bündnis mehrerer Hilfsorganisationen hier entgegen.Ärzte ohne Grenzen: Spendenkonto 97097; Bank für Sozialwirtschaft; BLZ 37020500. Online-Spenden nimmt die Organisation hier entgegen.
Caritas international Freiburg: Spendenkonto 202; Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe; BLZ 66020500; Online-Spenden hier
Deutsches Rotes Kreuz: Spendenkonto 414141; Bank für Sozialwirtschaft; BLZ 37020500; Online-Spenden hier
Deutsche Welthungerhilfe e.V.: Kontonummer 1115; Sparkasse Köln-Bonn; BLZ 37050198; Online-Spenden hier
Diakonie Katastrophenhilfe: Kontonummer 502707; Postbank Stuttgart; BLZ 60010070; Online-Spenden hier.
Kindernothilfe: Kontonummer 454540; KD-Bank eG; BLZ 35060190
medico international: Kontonummer 1800; Frankfurter Sparkasse; BLZ 50050201; Online-Spenden hier
Misereor: Kontonummer 101010; Pax-Bank Aachen; BLZ 37060193; Online-Spenden hier
Oxfam: Spendenkonto 131313; Bank für Sozialwirtschaft Köln; BLZ 37020500; Online-Spenden hier
Unicef: Kontonummer 300.000; Bank für Sozialwirtschaft Köln; BLZ 37020500
Save the Children: Spendenkonto 929; Bank für Sozialwirtschaft Berlin; BLZ 10020500; Online-Spenden hier
Shelter Now Germany: Konto 25 23 058; Norddeutsche Landesbank Hannover; BLZ 250 500 00
UNO-Flüchtlingshilfe: Konto 2000 8850; Sparkasse Köln-Bonn; BLZ 37050198
Das World Food Programme der Vereinten Nationen erbittet Spenden per Online-Formular hier.
- Datum 07.09.2010 - 19:38 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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....aber warum hört man so gut wie nichts darüber, was die pakistanische "Regierung" dort für ihr Volk tut ?????
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