George Soros gibt sich im Alter spendabler denn je: Der mittlerweile 80 Jahre alte Finanzspekulant überweist 100 Millionen Dollar an die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Die umgerechnet 78 Millionen Euro schwere Spende ist die größte, die Soros je gemacht hat, und auch für Human Rights Watch ein Rekordgeschenk.

"Das ist altersbedingt", sagte Soros der New York Times . "Eigentlich wollte ich all mein Geld während meines Lebens unter die Leute bringen, aber den Plan habe ich aufgegeben." Er kündigte weitere Spenden an.

Damit dürfte Soros im Ansehen der beiden wohl bekanntesten Spendensammler der Welt, Bill Gates und Warren Buffett, kräftig steigen. Der Microsoft-Gründer und die Investorenlegende touren seit Monaten durch die Vereinigten Staaten, um Superreiche zum Verzicht zu bewegen. Mindestens 40 der wohlhabendsten Menschen des Landes haben sich schon bereiterklärt, den Großteil ihres Vermögens zu spenden, darunter der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, Star Wars -Erfinder George Lucas und CNN-Gründer Ted Turner.

Auch in Deutschland war Anfang August eine rege Spendendiskussion losgebrochen , die dann aber weitgehend ergebnislos versandete. Gates und Buffett haben sich nun dem boomenden China zugewendet. Während einige Superreiche zögerlich reagierten, schloss sich als erster chinesischer Multimillionär, der Unternehmer Chen Guangbiao, dem Aufruf an. Sein ganzes Vermögen von aktuell mehr als fünf Milliarden Yuan (umgerechnet 577 Millionen Euro) solle nach seinem Tod wohltätigen Zwecken zufließen, zitierten Zeitungen aus einem offenen Brief des 42-Jährigen. Seine Zusage sei "ein Geschenk" für die beiden Wohltäter aus den USA anlässlich ihres China-Besuches diesen Monats.

Gates und Buffett haben 50 Milliardäre zu einem Abendessen am 29. September in Peking eingeladen. "Eine kleine Zahl" habe abgesagt, berichtete die Zeitung Jingji Guanchabao . Eine Sprecherin der Stiftung sagte, Gates und Buffett hätten nicht die Absicht, die chinesischen Reichen zum Spenden aufzurufen. Gleichwohl wollten sie sich in China für wohltätige Aktivitäten einsetzen und Möglichkeiten für Kooperationen ausloten.

Durch den Immobilien- und Aktien-Boom steigt in China die Zahl der Dollar-Milliardäre rasant auf zuletzt 130. Nur in den USA leben mehr Superreiche. In den USA mit ihrem löchrigen Sozialsystem liefe ohne Spenden fast nichts. Das Geben gehört hier zum guten Ton und ist in der gesamten Gesellschaft weit verbreitet. Im Krisenjahr 2009 hatte das Spendenaufkommen aber um 3,6 Prozent auf knapp 304 Milliarden Dollar abgenommen, wie die Initiative "Giving USA" und das "Center on Philanthropy" der Universität von Indiana ausgerechnet haben.

Der Milliardär Soros ist übrigens mit Finanzspekulationen gegen ganze Länder reich und berühmt geworden. 1992, als er gegen das britische Pfund wettete, zwang er damit die Bank of England in die Knie und machte rund eine Milliarde Dollar Gewinn. Die Zeche mussten die britischen Bürger zahlen. Soros soll zusammen mit anderen großen Hedgefonds jüngst auch gegen den Euro gewettet haben. Human Rights Watch und andere profitieren nun davon. Mit dem Geld stockt die Organisation ihre Mannschaft von 300 auf 420 auf.